Begebe ich mich auf eine historisch-ästhetische Spurensuche, so ergibt sich zwangsläufig ein analytisches Spannungsfeld: Einerseits kann ich die filmischen Spuren wie Indices verstehen, die mir Rückschlüsse geben, über die Entstehungszeit und über Intention von Drehbuchautor und Regisseur, andererseits muss mir bewusst sein, dass meine Interpretationsansätze nur Annäherungen sind, vor denen sich das Medium selbst ein unhintergehbares, ihm innewohnendes Geheimnis bewahren wird. Einerseits muss ich die ‚Gemachtheit’ berücksichtigen und die Gestaltung in Beziehung setzen zur Entstehungszeit, andererseits muss ich die Story als einmalig gefilmte, unveränderlich gesetzte filmische Wirklichkeit wahrnehmen (vgl: Flicker 1998: 77., Mikos 2008: 78-79.). Das widerspricht sich auf den ersten Blick, aber gerade in diesem Widerspruch sehe ich den Reiz dieser Arbeit, weil daraus ein Grenzgang zwischen Medien- und Sozialwissenschaft resultieren kann.
In meiner Arbeit möchte ich aus der Perspektive von Machern und Rezipienten argumentieren. Dabei lege ich Wert auf die historische Verortung der Filme, stelle aber gleichzeitig Zusammenhänge zu den Themengebieten der Filmdramaturgie, der Entwicklungspsychologie und Medienpädagogik her. Das Rezeptionsverhalten untersuche ich nicht, weil eine solche eigenständige empirische Untersuchung den Rahmen dieser Arbeit ‚sprengen’ würde.
Ich gehe von folgender Grundannahme aus: Filmschaffende sind beim Schreiben und Drehen eines Films überzeugt, sie könnten Reaktionen und Emotionen des Zuschauers antizipieren und durch die Machart des Films beeinflussen. Gleichzeitig ist allen Beteiligten bewusst: ob die Zuschauer den Film am Ende tatsächlich dann auch annehmen werden, steht in den Sternen. Der bekannte (Dreh-) Buchautor William Goldman hat diese Ungewissheit Anfang der 1980er Jahre mit dem heute geflügelten Wort auf den Punkt gebracht: „Niemand weiss Bescheid“ (Goldman: 1999: 55.).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Bestimmung des Korpus
- Warum Film?
- Welche Filme?
- Theorie
- Jugend
- Lebensphase
- Identität
- Schule
- Dramaturgie
- Figuren
- Dialoge
- Reise des Helden
- Bildgestaltung
- Spurensuche
- Die Feuerzangenbowle
- Zeitliche Verortung
- Entstehungsgeschichte
- Drehbuch
- Film
- Detailanalyse
- Lehrer und Schüler
- Dramaturgische Struktur
- Film als Spiegel des Nationalsozialismus
- The Breakfast Club
- Setting und Rezeption
- Das amerikanische Schulsystem
- Die 1980er
- Gefühle und Stimmungen
- Das Kino
- The Breakfast Club - Entstehungsumstände
- Das Brat Pack
- John Hughes
- Produktionsbedingungen
- Sequenzprotokoll der Exposition
- Detailanalyse
- Auslösendes Ereignis
- Vernon vs. Bender
- Erster Wendepunkt
- Begegnung mit dem Weiblichen
- Midpoint
- Im Bauch des Walfischs
- Rollenübernahme
- Wendepunkt II
- Krise
- Backstorywound
- Höhepunkt
- Entre les murs (Die Klasse)
- Setting des Films
- Das französische Schulsystem
- Grenzgang zwischen Doku und Fiktion
- Detailanalyse
- Exposition: Lehrerfigur
- Wendepunkt I
- Dialektik und Geheimste Höhle
- Midpoint
- Grenzüberschreitung als Anstoß
- Krise
- Höhepunkt
- Rückkehr
- Fazit
- Darstellung von Lehrer- und Schülerbildern in Schulfilmen
- Ästhetisch-historische Analyse von Schulfilmen
- Veränderungen im Lehrer- und Schülerbild im Laufe der Zeit
- Einfluss von gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen auf die Filmgestaltung
- Rezeption und Bedeutung von Schulfilmen in unterschiedlichen Kontexten
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der ästhetisch-historischen Analyse von ausgewählten Schulfilmen. Ziel ist es, die Darstellung von Lehrer- und Schülerbildern in diesen Filmen zu untersuchen und Veränderungen im Laufe der Zeit zu beleuchten. Dabei werden sowohl die Entstehungsbedingungen der Filme als auch deren Rezeption betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und den theoretischen Rahmen der Arbeit vor. Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Auswahl des Filmkorpus und erläutert die Kriterien für die Auswahl der analysierten Filme. Kapitel 3 widmet sich der theoretischen Fundierung der Arbeit, indem es Konzepte wie Jugend, Dramaturgie und Bildgestaltung beleuchtet.
Die folgenden Kapitel 4.1-4.3 stellen die detaillierten Analysen der ausgewählten Filme "Die Feuerzangenbowle", "The Breakfast Club" und "Entre les murs (Die Klasse)" dar. Diese Analysen konzentrieren sich auf die Darstellung von Lehrer- und Schülerbildern, die Dramaturgie und die filmische Gestaltung.
Schlüsselwörter
Schulfilm, Lehrerbild, Schülerbild, Ästhetische Analyse, Historische Analyse, Dramaturgie, Bildgestaltung, Rezeption, Filmkorpus, "Die Feuerzangenbowle", "The Breakfast Club", "Entre les murs (Die Klasse)", Spurenlesen, Film als Spiegel der Gesellschaft, Film als Medium der Rezeption, pädagogische Bedeutung von Filmen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Schulfilme werden in dieser Analyse untersucht?
Die Untersuchung konzentriert sich auf drei zentrale Werke: den deutschen Klassiker "Die Feuerzangenbowle", den US-amerikanischen Kultfilm "The Breakfast Club" und den französischen Film "Entre les murs" (Die Klasse).
Wie hat sich das Lehrerbild im Film im Laufe der Zeit gewandelt?
Die Analyse zeigt eine Entwicklung von autoritären, oft karikierten Lehrerfiguren (wie in der Feuerzangenbowle) hin zu komplexeren, oft mit dem System ringenden oder als Mentoren fungierenden Charakteren in moderneren Filmen.
Was ist das Ziel der ästhetisch-historischen Spurensuche?
Ziel ist es, Filme als Indices ihrer Entstehungszeit zu begreifen. Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Realitäten, pädagogische Ideale und Jugendkulturen in der filmischen Gestaltung reflektiert werden.
Welche Rolle spielt die Dramaturgie bei der Darstellung von Schülern?
Die Dramaturgie nutzt archetypische Rollen und Konflikte (z.B. die "Reise des Helden"), um die Identitätssuche und den Widerstand von Jugendlichen gegen schulische Strukturen darzustellen, besonders deutlich im "Breakfast Club".
Inwiefern spiegelt "Die Feuerzangenbowle" den Nationalsozialismus wider?
Obwohl der Film als harmlose Komödie gilt, untersucht die Arbeit ihn als Spiegel der Zeit des Nationalsozialismus, wobei besonders die Darstellung von Ordnung, Gehorsam und Gemeinschaft analysiert wird.
Was unterscheidet "Entre les murs" von klassischen Schulfilmen?
Der Film bewegt sich an der Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion. Er zeigt einen ungeschönten, dialektischen Alltag in einer multikulturellen Pariser Schulklasse und bricht mit vielen herkömmlichen filmischen Konventionen.
- Quote paper
- Christian Brauckmann (Author), 2012, Das sich wandelnde Lehrer- und Schülerbild in ausgewählten Schulfilmen. Eine ästhetisch-historische Spurensuche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340128