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Jugendkriminalität. Mehr Kriminalität? Härtere Strafen?

Title: Jugendkriminalität. Mehr Kriminalität? Härtere Strafen?

Term Paper , 2013 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sandra Kraft (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Die mediale Berichterstattung über kriminelle Jugendliche erweckt oft den Anschein von einer immer gefährlicher werdenden jungen Generation. Gerade im Zusammenhang mit einzelnen äußerst brutalen Gewaltanwendungen (beispielhaft sei hier auf die Schlägerei mit Todesfolge in einem Münchner S-Bahnhof im Jahr 2009 und ähnlich gearteter und medial präsenter Fälle in den letzten Jahren hingewiesen) werden Stimmen laut, die vor einer Gefahr durch die heutige Jugend warnen. In der Folge greifen üblicherweise Politiker die Thematik auf, um sogleich für mehr Überwachung und härtere Strafen gegenüber Jugendlichen zu plädieren. In der hessischen Landtagswahl im Jahr 2008 wurde diese Thematik sogar zentrales Wahlkampfthema einer Partei . Eine wissenschaftliche Untermauerung solcher Forderungen nach härterem Durchgreifen und der Darstellung einer zunehmenden Jugendkriminalität fehlt es in der Regel in den zugehörigen Berichterstattungen, was verschiedene Fragen aufwirft. Im Kern lassen sich hier zwei Grundannahmen herausfiltern: Die Jugendkriminalität ist ein ständig wachsendes Problemfeld (1) und mit härteren Strafen lässt sich dieses Problem zurückdrängen oder gar beseitigen (2).

In dieser Arbeit werden jene zwei Grundannahmen aufgegriffen, um abseits von populistischen Äußerungen darzustellen, ob es hierfür auch aus wissenschaftlicher Sicht Belege gibt.

Können die Jugendlichen in Deutschland also als immer krimineller angesehen werden? Und hilft ein härteres Durchgreifen in Form von Strafverschärfungen generell Kriminalität zu bekämpfen bzw. präventiv als Abschreckung zu dienen? Um diese Fragen beantworten zu können wird zunächst die quantitativen und qualitativen Ausmaße der Jugendkriminalität und ihre Entwicklung dargestellt. Danach werden die strafrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten und die Sanktionspraxis gegenüber Jugendlichen in Deutschland vorgestellt. Zum Abschluss wird betrachtet, ob härtere Strafen vorteilhaft gegenüber milderen Sanktionsarten sind und was die härtesten Strafen, namentlich die freiheitsentziehenden Sanktionen, mit Blick auf die Ziele des Jugendstrafrechts (hierauf wird im entsprechenden Kapitel näher eingegangen) überhaupt leisten können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugendkriminalität. Immer schlimmer?

3. Sanktionen/Strafen gegenüber Jugendlichen

3.1 Formelle und informelle Sanktionsmöglichkeiten des JGG

3.2 Sanktionierungspraxis in Deutschland

3.3 Sind härtere Strafen sinnvoll?

3.4 Rechtliche Tendenzen zu mehr Härte

4. Erziehung zur Freiheit durch Freiheitsentzug?

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht kritisch die beiden populären Annahmen, dass die Jugendkriminalität stetig wachse und durch härtere Strafen effektiv bekämpft werden könne. Ziel ist es, diese Thesen anhand wissenschaftlicher Daten zur Kriminalitätsentwicklung, zur Sanktionspraxis in Deutschland und zu Rückfallquoten zu prüfen sowie die Rolle des Jugendstrafrechts als Erziehungsinstrument zu beleuchten.

  • Analyse der quantitativen und qualitativen Entwicklung der Jugendkriminalität
  • Untersuchung der Sanktionierungspraxis im deutschen Jugendgerichtsgesetz (JGG)
  • Evaluation der Effektivität verschiedener Sanktionsarten anhand von Rückfallraten
  • Diskussion rechtlicher Tendenzen zu einer Verschärfung des Jugendstrafrechts
  • Kritische Betrachtung des Jugendstrafvollzugs im Hinblick auf den Erziehungsgedanken

Auszug aus dem Buch

3.3 Sind härtere Strafen sinnvoll?

Bei der Frage ob härtere Strafen sinnvoll sind, können als ein Orientierungspunkt die Ziele des § 2 JGG dienen, nämlich, dass erneute Straftaten der betroffenen jungen Menschen verhindert werden sollen. Neuere Rückfalluntersuchungen haben speziell für die nach JGG sanktionierten Personen ergeben, dass die Rückfallquote insgesamt bei 41% liegt. Demnach bewähren sich fast 60%. Lediglich 3% werden in der Folge mit einer unbedingten Jugendstrafe abgeurteilt. Betrachtet man die Rückfallraten nach Art der Bezugsentscheidung, dann werden deutliche Unterschiede erkennbar. Die Diversionsentscheidungen (nach §§ 45, 47 JGG) schneiden mit einer Rückfallwahrscheinlichkeit von 36% am besten ab. Die freiheitsentziehenden stationären Maßnahmen hingegen am schlechtesten.

69% der zuvor mit einer Jugendstrafe ohne Bewährung Sanktionierten werden rückfällig und 37% werden erneut mit einer Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt. Mit einer gesamten Rückfallrate von 62% schneidet die Jugendstrafe mit Bewährung etwas besser ab, wobei hier lediglich ca. 27% zu einer Jugendstrafe ohne Bewährung in der Folge verurteilt werden. Der Jugendarrest besitzt mit 64% die zweithöchste Rückfallquote und schneidet damit auffallend schlecht ab. Generell ist festzustellen, dass gerichtlich Verurteilte deutlich höhere Rückfallquoten aufzuweisen haben, als dies bei Verfahrensbeendigungen durch Diversionsmöglichkeiten der Fall ist. Die sonstigen jugendgerichtlichen Maßnahmen besitzen mit 50% gegenüber den freiheitsentziehenden Maßnahmen immerhin noch die geringste Rückfallwahrscheinlichkeit.

Mit Blick auf die Rückfallquoten kann von vermehrter Verhängung freiheitsentziehender Maßnahmen als sinnvolle Alternative zu ambulanten Sanktionen oder Diversionsentscheidungen nicht gesprochen werden. Freiheitsentzug führt also mit erhöhter Wahrscheinlichkeit nicht zu einem Abbruch der kriminellen Karriere. Auf der positiven Seite ist allerdings festzuhalten, dass sich die meisten jungen Menschen bewähren und nicht rückfällig werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die mediale Wahrnehmung einer zunehmend gefährlichen Jugend und stellt die Forschungsfragen nach der tatsächlichen Entwicklung der Kriminalität sowie der Effektivität von Strafverschärfungen.

2. Jugendkriminalität. Immer schlimmer?: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten, die zeigen, dass von einem pauschalen Anstieg der Jugendkriminalität nicht gesprochen werden kann und dass Delikte meist episodenhaft im Jugendalter auftreten.

3. Sanktionen/Strafen gegenüber Jugendlichen: Hier werden die formellen und informellen Sanktionsmöglichkeiten des JGG detailliert vorgestellt, die aktuelle Sanktionierungspraxis analysiert, die Wirksamkeit härterer Strafen hinterfragt und rechtliche Tendenzen zu mehr Härte kritisch beleuchtet.

3.1 Formelle und informelle Sanktionsmöglichkeiten des JGG: Dieser Abschnitt erläutert die präventive Ausrichtung des Jugendgerichtsgesetzes und definiert die Kategorien der Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel und Jugendstrafen.

3.2 Sanktionierungspraxis in Deutschland: Es wird aufgezeigt, dass informelle Sanktionen (Diversion) eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, während im formellen Bereich weiterhin ahndende Sanktionen dominieren.

3.3 Sind härtere Strafen sinnvoll?: Basierend auf Rückfalluntersuchungen wird argumentiert, dass freiheitsentziehende Maßnahmen keine positiven Effekte im Vergleich zu milderen Sanktionen zeigen.

3.4 Rechtliche Tendenzen zu mehr Härte: Das Kapitel behandelt aktuelle gesetzgeberische Änderungen wie den Warnschussarrest oder die Anhebung der Höchststrafdauer, die im Widerspruch zum Erziehungsgedanken stehen.

4. Erziehung zur Freiheit durch Freiheitsentzug?: Die Autoren diskutieren die grundlegende Paradoxie, im Rahmen eines Freiheitsentzugs erzieherisch auf Jugendliche einzuwirken, und benennen Voraussetzungen für eine gelingende Vorbereitung auf die Entlassung.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Annahme einer immer kriminelleren Jugend wissenschaftlich nicht haltbar ist und plädiert für den Ausbau alternativer, erzieherischer Maßnahmen anstelle von Freiheitsentzug.

Schlüsselwörter

Jugendkriminalität, Jugendgerichtsgesetz, JGG, Sanktionierungspraxis, Freiheitsentzug, Jugendstrafe, Rückfallquote, Diversion, Erziehungsgedanke, Kriminalstatistik, Intensivtäter, Prävention, Jugendstrafvollzug, Strafverschärfung, Jugendhilfe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch das Phänomen der Jugendkriminalität in Deutschland und hinterfragt, ob die Forderung nach härteren Strafen eine wissenschaftliche Grundlage hat.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?

Die zentralen Felder sind die quantitative und qualitative Entwicklung der Jugenddelinquenz, die Strukturen des Jugendgerichtsgesetzes, die reale Sanktionierungspraxis sowie die Debatte um Sinn und Zweck des Jugendstrafvollzugs.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die wissenschaftliche Überprüfung der Grundannahmen, dass Jugendkriminalität ständig zunehme und durch härtere Strafen erfolgreich bekämpft werden könne.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse kriminologischer Studien, polizeilicher Kriminalstatistiken (PKS) sowie der Auswertung rechtlicher Rahmenbedingungen des JGG.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die statistische Einordnung der Jugendkriminalität, eine detaillierte Darstellung der Sanktionsarten (Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel, Jugendstrafen) und die Evaluation von Rückfallquoten als Maßstab für die Effektivität von Strafen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Jugendkriminalität, Jugendstrafrecht, Diversion, Sanktionierungspraxis und den zentralen Erziehungsgedanken charakterisiert.

Was versteht man unter dem in der Arbeit genannten "Warnschussarrest"?

Der Warnschussarrest ist eine gesetzliche Neuerung, die es ermöglicht, neben einer Jugendstrafe auf Bewährung zusätzlich einen Arrest zu verhängen, um den Jugendlichen die Konsequenzen einer Haft erfahrbar zu machen.

Warum schneiden freiheitsentziehende Maßnahmen laut der Arbeit schlecht ab?

Die Rückfalluntersuchungen zeigen, dass freiheitsentziehende Maßnahmen im Vergleich zu ambulanten Sanktionen oder Diversionsentscheidungen die höchsten Rückfallquoten aufweisen, was gegen deren abschreckende oder erzieherische Wirkung spricht.

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Details

Title
Jugendkriminalität. Mehr Kriminalität? Härtere Strafen?
College
University of Marburg  (Erziehung- und Bildungswissenschaft)
Course
Einführung in die Erwachsenenbildung/Außerschulische Jugendbildung
Grade
1,7
Author
Sandra Kraft (Author)
Publication Year
2013
Pages
19
Catalog Number
V340174
ISBN (eBook)
9783668298606
ISBN (Book)
9783668298613
Language
German
Tags
jugendkriminalität mehr kriminalität härtere strafen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sandra Kraft (Author), 2013, Jugendkriminalität. Mehr Kriminalität? Härtere Strafen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340174
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