Das Internet als Ort informeller Bildung für Jugendliche


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildung
2.1. Informelle Bildung
2.1.1. Orte informeller Bildung
2.2.2. Das Internet als Ort informeller Bildung

3. Zugang und Nutzung des Internets durch Jugendliche

4. Zwischenfazit

5. Digital Inequality (Digitale Ungleichheit)

6. Bildungshintergrund und digitale Ungleichheit

7. Ungleichheitssensible Angebote

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Neue Medien und insbesondere das Internet durchdringen in der heutigen Gesellschaft im-mer mehr Lebensbereiche. In Zeiten von Smartphones ist der Zugang zu den vielfältigen Ressourcen dieses Mediums nicht einmal mehr ortsgebunden. Praktisch kann zu jeder Zeit und an jedem Ort auf die scheinbar endlosen Nutzungsmöglichkeiten zugegriffen werden. Mit Blick auf Wortschöpfungen der Marke Generation@ oder Netkids wird gerade Jugendli-chen generell eine große Medienaffinität zugesprochen, da sie quasi automatisch mit einem breiten Medienensemble aufwachsen und vor allem im Hinblick auf das Internet drin sind.

Folgt man dieser Auffassung, kann man davon ausgehen, dass die Informationsbeschaf-fungs-, Datentransfer-, Unterhaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten des Internets von Jugendlichen ausgiebig genutzt werden (können). Herauszuheben wäre vor allem die Ver-fügbarkeit einer schier unendlichen Anzahl von Informationen. Damit einhergehend ist die Annahme, dass hier ein großes Potenzial hinsichtlich Bildungsmöglichkeiten abseits von Bil-dungsinstitutionen wie der Schule vorliegt. Jeder jugendliche Nutzer[1] hat also theoretisch die Chance sich selbst zu bilden (intendiert oder beiläufig/ungewollt). Euphorisch betrachtet kann das Internet als Ort mit unbegrenzten Bildungsmöglichkeiten gesehen werden. An die-ser Stelle gerät der Begriff der informellen Bildung in den Fokus, welcher in dieser Arbeit mit Blick auf das Internet eingehender betrachtet werden soll. Allein die Nutzung des Internets sagt aber noch nichts über die Art der Nutzung aus. Jedes Individuum dürfte sich auf eige-nen Pfaden im Netz bewegen, was zu der Frage führt, ob dies im Hinblick auf Online-Bildungsmöglichkeiten nicht auch zu Ungleichheiten führt. Deshalb soll hier folgender Frage-stellung nachgegangen werden: Bestehen Ungleichheiten in der Teilhabe Jugendlicher an informellen Bildungsprozessen des Internets und von welchen Faktoren hängen diese ab?

Um sich der Antwort dieser Frage zu nähern, wird zunächst ein Bildungsbegriff dargestellt, welcher als Arbeitsgrundlage gelten soll, um anschließend das Internet als Ort von informel-ler Bildung zu identifizieren. Danach soll bestätigt werden, dass dieser Ort auch tatsächlich von Jugendlichen so selbstverständlich und ausgiebig genutzt wird, wie es o.g. Begriffe im-plizieren. Das Forschungsfeld der Digital Inequality wird schließlich herangezogen, um in den letzten Kapiteln dieser Arbeit die differenten Nutzungsweisen des Internets durch Jugendli-che darzustellen und von welchen Faktoren diese eventuell abhängen. Heterogene Nut-zungsweisen führen schließlich auch zu heterogenen Bildungszugängen im Onlinebereich.

Abschließend soll die Bedeutung dieser Ungleichheiten für mögliche pädagogische Unter-stützungsangebote erläutert werden.

2. Bildung

In einer Konzeptionellen Grundlagen für einen Nationalen Bildungsbericht gehen Rauschen-bach et al. (2004, S. 23ff) von einem weit gefassten Bildungsbegriff aus, welcher die Ent-wicklung eines Subjektes über einen umfassenden Kompetenzerwerb hin zu mehr Selbstbe-stimmung und Autonomie umfasst und damit eine selbstständige Lebensführung ermöglicht. Diese Begriffsweite lässt annehmen, dass sich Bildung nicht nur auf die Vermittlung von (z.B. beruflich verwertbarem) reinem Faktenwissen in Bildungsinstitutionen wie der Schule be-zieht. Anschließend daran hat Natalie Zwiefka (2007, S. 27) passend formuliert: „Bildung wird hier auch verstanden als Persönlichkeitsentwicklung, Stärkung des Subjekts und Kom-petenzentwicklung, und dient einer besseren Orientierung im und Bewältigung des Alltags.“ Dieser – zwar weit gefassten – Definition soll sich hier angeschlossen werden, da somit ein breites Spektrum an Bildungsmöglichkeiten im Alltag in unserer Gesellschaft besteht, wel-ches nicht einseitig auf bestimmte Orte bzw. Institutionen begrenzt ist. Nach Norbert Meder (2002, S. 12 zit. n. Schäfer/Lojewski 2007, S. 19) sollen Bildungsprozesse dabei all jene Prozesse umfassen, in denen das Verhältnis des Einzelnen

1. zu den Sachverhalten und Dingen der Welt,
2. zur Gesellschaft und
3. zu sich selbst ausgebildet wird.

Günther Dohmen (2001, S. 7) weist nach Vergleich verschiedener internationaler Studiener-gebnisse darauf hin, dass ca. 70% der menschlichen Lernprozesse außerhalb formaler Bil-dungsinstitutionen stattfinden. Seit dem Jahr 2001 dürfte sich an dieser Auffassung nichts geändert haben. Die Möglichkeiten für Fort- und Weiterbildungen sind umfassend und immer häufiger liest man von dem Begriff Lebenslanges Lernen. Deutlich wird dabei aber auch, dass das Individuum immer stärker gefordert ist eigeninitiativ Bildungsprozesse anzustreben, bzw. sich selbst zu bilden. Entgegen dem allgemeinen Sprachgebrauch von Bildung als Durchlaufen des formalen Bildungssystems (Kindergarten, Schule, Universität etc.) gilt es auch andere Bildungssettings zu beachten. Gerade mit Blick auf o.g. Aussage von Dohmen kann der Bildungsstand einer Person nicht nur auf die Erlangung eines möglichst hohen Bil-dungszertifikates reduziert werden, was dem hier verwendeten Bildungsbegriff ohnehin wi-derspricht, da z.B. Kompetenzen zur Bewältigung des Alltags nicht nur im Schulsystem er-worben werden können. Wie einleitend erwähnt, soll vor allem informelle Bildung betrachtet werden. An dieser Stelle wird deshalb eine Einteilung in die drei Bereiche formale, non-formale und informelle Bildung vorgenommen (vgl. ebd., S. 18f; Bundesjugendkuratorium 2001, S. 5):

- Formale Bildung spielt sich vorrangig im Schul- und Ausbildungssystem ab und findet organisiert und planmäßig statt. Der Erfolg wird durch Zertifikate belegt. Häufig ein-hergehend mit verpflichtendem Charakter.
- Non-Formale Bildung ist jede Form organisierter Bildung, welche außerhalb des for-malen Systems abläuft und auf Freiwilligkeit beruht.
- Informelle Bildung ist in der außerschulischen Umwelt zu verorten und kann sowohl unbewusst/beiläufig, als auch bewusst ablaufen.

Rauschenbach et al. (2004, S. 29) weisen darauf hin, dass diese Art der Unterscheidung leidglich ein Konstrukt zur Strukturierung darstellt, da die Grenzen zwischen den drei Berei-chen durchaus verschwimmen können. Ebenfalls ist die Unterscheidung zwischen non-formal und informell schwierig (vgl. Dohmen 2001, S. 25). Dieses Konstrukt soll hier dennoch beibehalten werden. Zur genaueren Abgrenzung und Bestimmung der informellen Bildung dient das nächste Kapitel.

2.1. Informelle Bildung

Die Nähe der drei Bildungsbereiche zueinander macht es notwendig, die informelle Bildung abgrenzend gegenüber den anderen beiden darzustellen. Dazu wird auf die Denkweise von informeller Bildung durch Zwiefka (2007, S. 28) eingegangen, „die sich zum einen als situati-onsorientiert, selbstorganisiert und bewusst in der Freizeit als ‚Eigenzeit‘ präsentiert und zum anderen als nicht organisiert, unbewusst, implizit und jederzeit.“[2] Als einfache klare Abgren-zung zu formal und non-formal kann man den Grad der Organisiertheit heranziehen. Wäh-rend informelle Bildungsprozesse als selbst organisiert oder nicht organisiert ablaufen, findet sich in den anderen beiden Bereichen immer eine Art von Fremd organisation. Angebote z.B. der Jugendhilfe (Non-Formal) werden von Fachpersonal organisiert. Verschwimmend sind die Grenzen zwar mit dieser Abgrenzung weiterhin, aber die Begriffe können nicht mehr sub-stituierend füreinander genutzt werden. Man darf z.B. davon ausgehen, dass sich auch in formalen Settings informelle Prozesse abspielen, betrachtet man den unbewussten Faktor (z.B. während des Unterrichts in der Schule). Da das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf Ju-gendlichen liegt, sollen nachfolgend für diese Altersgruppe äußerst bedeutsame Orte infor-meller Bildung gezeigt werden.

2.1.1. Orte informeller Bildung

Wie die vorigen Kapitel gezeigt haben, kann informelle Bildung in quasi jedem Bereich des Alltags ablaufen. Rauschenbach et al. (2004, S. 307ff) haben allerdings drei zentrale Berei-che informeller Bildung gerade im Jugendalter herausgearbeitet:

Zum einen wäre hier die Familie zu nennen, denn „Orientierungen und Einstellungen, Um-gang mit Bildungsangeboten, Unterstützung bzw. Wertung von anderen Bildungsangeboten aus der gesamten Bandbreite von institutioneller Betreuung, Wahrnehmung von Peers, Me-dien und sonstiger sozialer Umgebung sind durch die Eltern in der frühen Kindheit stark vor-gefiltert und werden damit von ihnen beeinflusst“ (ebd., S. 309). Die Art der Beeinflussung bricht allerdings nicht mit dem Älterwerden ab, sondern spiegelt sich zumindest unbewusst in allem Handeln wieder. Lediglich die direkte Einwirkung der Eltern auf Heranwachsende kann im Zuge einer Abnabelung gemindert oder sogar komplett aufgehoben werden (je nach Ausmaß der Loslösung vom Elternhaus). Als Ort informeller Bildung und mit Blick auf den hier verwendeten Bildungsbegriff nimmt die Familie eine entscheidende Rolle ein, denn dort spielt sich bis zum Eintritt in ein eigenständiges Leben (im Sinne von eigener Wohnung etc.) ein Großteil der Lebens- und Freizeit ab.[3]

Die Gleichaltrigengruppe, auch Peers genannt stellt einen weiteren zentralen Ort informeller Bildung dar. Gemeint sind damit gleichgestellte, bzw. derselben sozialen Gruppe angehö-rende, Personen (Freunde, Verwandte etc.). Da die Freizeitgestaltung häufig innerhalb die-ser Gruppen stattfindet, ergeben sich hier vielfältige Lern- und Erfahrungsräume, gerade im Hinblick auf den Kompetenzerwerb hinsichtlich Kommunikations- und Interaktionsfertigkei-ten, da hier der Kontakt mit durchaus sehr unterschiedlichen Sozialpartnern stattfinden kann. Eine weitere wichtige Funktion der Peers ist die Erlangung der Unabhängigkeit gegenüber dem Elternhaus. Zusammenfassend können die zentralen Entwicklungsaufgaben der Gleichaltrigengruppe wie folgt dargestellt werden (vgl. ebd., S. 319):

- Lösung der Entwicklungsaufgaben (Persönlichkeitsentwicklung; Einbindung in die und Teilhabe an der Gesellschaft)
- Entwicklung von Kompetenzen der Selbstorganisation
- Entwicklung von Kompetenzen sozialer Aushandlung

[...]


[1] Beim Erstellen dieser Arbeit wurde darauf geachtet, geschlechtsneutrale Formulierungen zu verwenden. War dies nicht möglich, wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form genannt, die jeweils das andere Geschlecht mit einbezieht.

[2] Mit Eigenzeit wird hier der Freizeitanteil gemeint, welcher nicht für geplante Tätigkeiten (z.B. Musikunterricht) vorgesehen ist (vgl. Kirchhöfer 2002, S. 31 zit. n. Zwiefka 2007, S. 25)

[3] Kritisch anzumerken ist hier die Tatsache, dass Bildung in der Familie auch als organisiert, weil von Eltern be-wusst gesteuert, anzusehen sein könnte, was der hier dargelegten Definition von informeller Bildung widerspre-chen würde. Hier wird aber davon ausgegangen, dass Bildung innerhalb der Familie eher unbewusst (organisiert) abläuft und somit meist nicht geplant ist.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Internet als Ort informeller Bildung für Jugendliche
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Erziehung- und Bildungswissenschaft)
Veranstaltung
Bildung und Sozialisation
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V340182
ISBN (eBook)
9783668299955
ISBN (Buch)
9783668299962
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
internet, informelle bildung, Jugendliche, fortbildung, bildung
Arbeit zitieren
Sandra Kraft (Autor), 2012, Das Internet als Ort informeller Bildung für Jugendliche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340182

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