Austerität in der Eurozone. Top oder Flop?

Bestandsaufnahme und Bewertung der Spar- und Reformpolitik der PIIGS-Staaten in Europa


Studienarbeit, 2016
38 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Theoretische und vertragliche Grundlagen
2.1 Austeritätspolitik
2.2 Rahmenbedingungen der Austeritätspolitik

3. Austerität in Europa
3.1 Griechenland
3.2 Restliche Eurozone
3.2.1 Ursachen
3.2.2 Maßnahmen
3.2.3 Auswirkungen

4. Beurteilung der Austeritätspolitik
4.1 Argumente für die Austeritätspolitik
4.2 Argumente gegen die Austeritätspolitik

5. Expansive Fiskalpolitik als Alternative

6. Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Kritische Würdigung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ursachen der Euro-Krise

Abbildung 2: Sparmaßnahmen in Griechenland Seit der Euro-Krise

Abbildung 3: Durchschnittliche Steuerabgabenlast der EU-Staaten

Abbildung 4: Bruttoinlandsprodukt im Euroraum

Abbildung 5: Schuldenstand in Europa (in Mrd. Euro)

Abbildung 6: Staatsschuldenquote im Euroraum (in Relation zum BIP)

Abbildung 7: Haushaltssaldo im Euroraum (in Relation zum BIP)

Abbildung 8: Arbeitslosenquote im Euroraum

Abbildung 9: Index: Soziale Gerechtigkeit im Euroraum

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Europa ist eine der größten und bedeutendsten Wirtschaftszonen der Welt. Die wirtschaftliche Struktur und Leistungsfähigkeit der einzelnen EU-Ländervariiert allerdings deutlich. Die starke Verflechtung der volatilen Weltwirtschaft führt gleichzeitig zu komplexen Zusammenhängen in Fällen wirtschaftlicher Stagnation. Eine Rezession innerhalb Europas hat schwerwiegende Auswirkungen auf andere europäische Staaten, aber auch Volkswirtschaften in Amerika und Asien. Solch eine Kettenreaktion zeigte sich im Zuge der Euro-Krise, als europäische Staaten nach und nach in eine wirtschaftliche Krise verfielen, die auch Konsequenzen für andere Länder hatte.

Spätestens seit den Auswirkungen dieser Krise istder Begriff „Austerität“ als Sinnbild für eine rigorose Spar- und Reformpolitik in aller Munde.Das Austeritätsprinzip ist in Medien, Politik und Wissenschaft jedoch sehr umstritten. Seit demBrexit, dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, werden zudemStimmen lauter, die die EU als Misserfolg erachten.Die Folge könnte sogar ein Austritt weiterer EU-Länder sein.

Die Austeritätsmaßnahmen, die in vielen Ländern Europas umgesetzt wurden, konnten die angestrebten Ziele wie den Schuldenabbau und das wirtschaftliche Wachstum jedochoftmals nicht erreichen. Häufig wird die Sparpolitik deshalb als gescheitert oder gar als „Teufelskreis“ bezeichnet, aufgrund dessen ein „verlorenes Jahrzehnt“ drohe.[1] Trotz des ökonomischen Scheiterns erfreuen sich diese Maßnahmen bei vielen Ökonomen und Politikern, sowie bei Teilen der Öffentlichkeit allerdings nach wie vor großer Unterstützung. Hierbei wird vor allem auf bereits erfolgreiche Haushaltskonsolidierungen in der Vergangenheit verwiesen.Dem gegenüber steht die Ablehnung des am 5.Juli 2015 in Griechenland abgehaltene Referendum, bei der sich die Mehrheit der griechischen Bevölkerung gegen den Entwurf über weitere Sparauflagen aussprach, welche von der EU gefordert wurden.

Vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Euro-Krise und der aktuell vorherrschenden Flüchtlingskrise sehen sich viele Staaten nicht im Stande einen harten Sparkurs beizubehalten. Infolgedessen droht einigen EU-Ländern eine Rezession, welche durch Sparmaßnahmen noch zusätzlich verstärkt wird.[2] Experten gehen davon aus, dass das Beibehalten des strikten Sparkurses bis zum Jahr 2025 15 bis 25 Mio. Menschen europaweit in die Armut treiben könnte.[3]

Die Austerität ist folglich ein aktuelles Thema, da viele Länder in Europa seit Jahren unter den negativen Folgen der Euro-Krise leiden. Nicht nur national, sondern auch international herrscht Uneinigkeit darüber, ob Zwangssparmaßnahmen und der damit einhergehende Konsumverzicht von Staaten und deren Bürgern langfristig dazu beitragen, die Haushalte der Volkswirtschaften zu konsolidieren. InKombination mit der mangelnden Bereitschaft einiger Länder, sich zum europäischen Wertekanon zu bekennen, könnte eine restriktive Sparpolitik deshalb für eine Desintegration der einzelnen EU-Staaten sorgen.Zunehmendewirtschaftliche und soziale Spannungen innerhalb vieler EU-Länder könnten die langfristige Existenz der Europäischen Union gefährden.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit zeigt auf, welche ökonomischen, sozialen und politischen Folgen die Austeritätspolitik in ausgewählten EU-Ländern hatte, um zu beurteilen, ob die restriktive Fiskalpolitik in der Eurozone als Erfolg oder Misserfolg gewertet werden kann.

Im Zuge dessen wird zuerst der Austeritätsbegriff näher vorgestellt, bevor die geschichtliche Entwicklung hin zur Europäischen Union und der daraus resultierenden Abhängigkeiten der einzelnen Staaten betrachtet wird. Im Anschluss wird auf die derzeitige Krisensituation in Europa eingegangen und die Umsetzung von Austeritätsmaßnahmenin verschiedenen südeuropäischen Ländern, aber auch Deutschlandvorgestellt. Dabei wird vor allem auf die Situation Griechenlands eingegangen, welches besonders schwer von der Krise getroffen wurde. Darauf aufbauend werden Argumente von Befürwortern und Kritikern derAusteritätspolitik näher dargelegt, um so die Spar- und Reformpolitik im Euroraum besser beurteilen zu können. Im Anschluss folgt eine kurze Zusammenfassung, sowie ein Blick in die Zukunft der Fiskalpolitik Europas.

2. Theoretische und vertragliche Grundlagen

2.1 Austeritätspolitik

Aus ökonomischer Sicht gibt es zwei idealtypische Wege eine wirtschaftliche Krise zu bekämpfen. Der Staat kann eine restriktive Fiskalpolitik in Form einer Sparpolitik umsetzen, welche die realwirtschaftliche Krise zunächst verstärkt, gleichzeitig jedoch die Neuverschuldung senkt. Alternativ kann eine expansive Fiskalpolitik angestrebt werden, die durchdie Erhöhung der Staatsausgaben unddie Senkung der Steuern zur Ausdehnung der Geldmenge führt, welche die Nachfrage steigern soll (s. Punkt 5).[4]

Der Begriff „Austerität“ ist mit Disziplin, Entbehrlichkeit oder Sparsamkeit gleichzusetzen.Im ökonomischen Sinn bezeichnet eseine prozyklische und restriktive Fiskalpolitik eines Staates, die mit umfassenden Reformen verknüpft ist. In Europa wird sie insbesondere in finanziellen Krisenzeiten angestrebt, um die Auflagen des Stabilitäts- und Wachstumspakts einzuhalten.

Das Ziel ist die Etablierung eines ausgeglichenen Staatshaushaltes und die Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation. Durch die strenge Reduktion auf das Notwendige im Rahmen der öffentlichen sowie privaten Haushalte(Haushaltskürzungen) und Steuererhöhungen soll Haushaltsexzessen Einhalt geboten werden.In der Praxis wird Austeritätspolitik meist als Hauptinstrument zum Abbau von Staatsschulden und der Begrenzung der Nettoneuverschuldung zur Verhinderung eines Staatsbankrotts oder von Inflation angewandt.[5] Ein erfolgreiches Erreichen dieser Ziele resultiert in einem größeren finanziellen Handlungsspielraum des Staates und das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik des betroffenen Staates steigt.Als übergeordnetes Ziel soll hierdurch die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes wiederhergestellt werden.

2.2 Rahmenbedingungen der Austeritätspolitik

Mit der Einführung des Euro als gemeinsame Währung sollte eine engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb Europas erfolgen. Dieser Zusammenhalt bringt jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich. Im Falle einer finanziellen Notlage eines der Mitgliedsstaaten müssen übergeordnete Institutionen eingreifen und ggf. andere Mitgliedsländer finanziell aushelfen. Infolgedessen mussten Verträge geschaffen werden, um gemeinsame Richtlinien und Handlungsstrategien festzulegen, um überhaupt erst die Basis für die Europäischen Union zu schaffen. Um das Prinzip der Austerität als Mittel zur Krisenbekämpfung und deren Konsequenzen vorzustellen und beurteilen zu könnenist es deshalb erforderlich, genauer auf die Entwicklung hin zur europäischen Wirtschafts- und Währungsunion einzugehen.Nur so kann das Konstrukt komplexer vertraglicher Abhängigkeitenim Zusammenhang mit der Euro-Krise genauer eruiert und ökonomische Rechtfertigungen für die Austeritätspolitikdifferenziert betrachtet werden.

Der Vertrag über die Europäische Union, der auch als „Vertrag von Maastricht“ bekannt ist, begründete1992 die Europäische Union als übergeordneter Verbund für die Europäische Gemeinschaft. Kernstück des Vertragswerks war die Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion.[6] In diesem Zusammenhang fand eine Liberalisierung des Kapital- und Zahlungsverkehrs statt und Beschränkungen des Geldflusses zwischen Mitgliedsstaaten selbst bzw. mit Drittländern wurden verboten.Im Zuge dessen traten die einzelnen Länder einen bedeutenden Teil ihrer nationalstaatlichen Souveränität an europäische Institutionen ab.Die Einführung des Euro in den Mitgliedsstaaten war dabei an die EinhaltungderEU-Konvergenzkriterien geknüpft, um die eigene wirtschaftliche Stabilität gewährleisten zu können.Als wichtigste Beurteilungskriterien sind hierbei der staatliche Schuldenstand, der nicht mehr als 60 Prozent des BIP entsprechen und die jährliche Neuverschuldung, die nicht mehr als drei Prozent des BIP betragen darf, zu nennen.[7] Diese Kriterien gelten auch nach dem Beitritt zur Währungsunion weiter und sind im 1997 verabschiedeten Stabilitäts- und Wachstumspakt verankert. Dieser soll die Effizienz und Handlungsmacht der vier Jahre zuvor gegründeten EU weiter vertiefen und somit die finanzpolitische Stabilität und das Wachstum in der Eurozone sicherzustellen. Gleichwohl soll die 1998 neu gegründete Europäische Zentralbank stabile Preise im Euroraum etablieren. Das Entstehen übermäßiger öffentlicher Defizite sollte zudem frühzeitig erkannt werden, indem sich die Euro-Teilnehmerstaaten dazu verpflichteten, jährlich aktualisierte Stabilitätsprogramme vorzulegen.[8] Bei einer Überschreitung der Grenzen des EU-Konvergenzprogramms können auf dieser Basis entsprechende Anpassungsmaßnahmen vollzogen bzw. im Extremfall sogar Sanktionen in Höhe von 0,2 bis 0,5 Prozent des BIP des betroffenen Landes, verhängt werden.2011 und 2013 wurde der Pakt im Rahmen des „Six-Packs“ und des „Two Packs“ weiter reformiert, um die geforderten Kriterien noch strikter durchzusetzen.[9]

Die im März 2000 verabschiedete Lissabonner Strategie forcierte das dauerhafte Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Hinblick auf den sozialen Ausgleich.[10] So sollte fortan bis 2010 erreicht werden, dass drei Prozent des EU-Bruttoinlandprodukts für Bildung, Forschung und Innovation ausgegeben und die Beschäftigungsquote auf 70 Prozent erhöht wird.Im Rahmen des 2010 verabschiedeten Europa 2020 -Wirtschaftsprogramms wurden diese Zielvorhaben noch weiter ausgebaut, wonach u.a. die Beschäftigungsquote auf 75 Prozent steigen sollte.

Die Einhaltung der EU-Konvergenzvorgaben und der Ziele der Europa 2020-Vorgaben erschwerte sich jedoch aufgrund des Ausbruchs der Euro-Krise stark. Die Ursachen für die Entstehung der Krise sind dabei vielfältig. Die einheitliche Währungspolitik und die damit verbundene Übertragung der Instrumente zur Steuerung der eigenen Wirtschaft auf die EZB (s. Punkt 2.2) verstärkte systematisch die länderspezifischen Wachstums- und Inflationsdynamiken, aber auch internationale Interdependenzen.

Die Euro-Krise umfasst dabei drei Krisenformen gleichzeitig: Bankenkrisen, Staatsschuldenkrisen und makroökonomische Krisen (Wachstum und Wettbewerb) in den einzelnen EU-Staaten.Als wichtigster Krisenauslöser ist in diesem Zusammenhang die im Jahr 2007 vom amerikanischen Immobilienmarkt ausgehende Finanzmarktkrise anzusehen, die die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession stürzte.[11] Ausfälle von Steuereinnahmen und höhere Kosten für Sozialleistungen belasteten öffentliche Haushalte in fast allen Staaten weltweit massiv. Im gesamten Euroraum verstärkten sich daraufhin Ungleichgewichte und strukturellen Defizite, welche seit der Einführung des Euro als Währung in Erscheinung traten.Die Kosten der Bewältigung der Bankenkrise haben in der Folge in vielen Staaten den öffentlichen Haushalt belastet und somit eine Staatsschuldenkrise verursacht. Konsequenterweise ermöglichte die Kreditklemme nur noch begrenztes Wachstum, da Investitionen reduziert werden mussten - makroökonomische Krisen entstanden. Diese werden durch die Austeritätsmaßnahmen zusätzlich verschärft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bürger einiger EU-Staaten jahrzehntelang „über ihre Verhältnisse gelebt haben“, was die Haushaltsprobleme in diesen Ländern weiter vertiefte.[12] Unter Ökonomen herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, ob die Krise generallals Verursacher des Schuldenanstiegs, oder der Schuldenanstieg als Ursache der Krise angehen werden sollte.[13] Hierzu werden im nächsten Kapitel die einzelnen Länder individuell betrachtet, um die Krisenursachen näher beleuchten zu können.

Abbildung 1: Ursachen der Euro-Krise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund[14] der gegenseitigen Verflechtung der Krisen konnten in der Folge viele EU-Staaten die EU-Konvergenzkriterien nicht mehr einhalten, da sich die Staatsverschuldung auf die Realwirtschaft auswirkte. Infolgedessen musste gemäß dem SWP gegen 23 Mitgliedsstaaten ein Defizitverfahren eingeleitet werden.

Als erstes Land in der Eurozone gerietGriechenland Anfang Mai 2010in finanzielle Notlage und musste EU-Hilfen beantragen.Die anderen Euroländer beschlossen daraufhin ein Rettungspaket von 120 Mrd. Euro, um den Staatsbankrott abzuwenden.Nachdem jedoch auch andere europäische Staaten immer größere Kapitalsummen für die Finanzierung ihres Staatsdefizits aufwenden mussten, folgte nur eine Woche später der sog.Euro-Rettungsschirm, welcher zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellte. Die Bereitstellung dieses Geldes ist dabei an Reformen und Sparmaßnahmen der einzelnen Länder geknüpft. Neben den PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) sind Lettland, Rumänien, Slowenien und Großbritannien von Austeritätim großem Maße betroffen. Die Gemeinsamkeiten der PIIGS-Staaten waren eine schwächelnde Wirtschaft (bis hin zur Rezession), steigende Staatsschulden und eine Zunahme der Arbeitslosigkeit. Als Konsequenz daraus mussten bis auf Italien alle vier der PIIGS Länder und Zypern zeitweilig unter den Euro-Rettungsschirm. Seit 2010 beträgt der Umfang der finanziellen Hilfspakete für diese Programmländer: Griechenland 243 Milliarden Euro,[15] Spanien 100 Milliarden Euro, Irland 85 Milliarden Euro, Portugal 78 Milliarden Euro, Zypern zehn Milliarden Euro.[16] Derzeit ist Griechenland das letzte verbleibende Programmland.[17]

Es lässt sich festhalten, dass ein komplexes Geflecht aus Einzelkrisen zur Verstärkung der Euro-Krise beigetragen haben.Neben der Bankenkrise und den Staatsschuldenkrisen der einzelnen EU-Länder beeinflussten vor allem länderspezifische, makroökonomische Krisen die Situation im Euroraum. Diese werden im dritten Kapitel näher betrachtet.

Die Euro-Krise zeigte letztendlich die Wichtigkeit einer europäischen Fiskalunion auf. Als Konsequenz trat 2013 der Vertrag über Stabilität, Koordinierung und Steuerung in der Wirtschafts- und Währungsunion, kurzum der europäische Fiskalpakt, in Kraft. Mit seiner Unterzeichnung haben sich die Vertragsstaaten zur Umsetzung innerstaatlicher und dauerhaft verbindlicher Fiskalregeln verpflichtet. Fortan darf das strukturelle Defizit nicht höher als 0,5 Prozent des BIP ausfallen (Schuldenbremse), es sei denn inländische Schuldenstand liege erheblich unter der Grenze von 60 Prozent. Ebenso sind Austeritätsmaßnahmen im Vertrag verankert, so sieht dieser die die Verringerung von Ausgaben und Schulden vor.

3. Austerität in Europa

Im Folgenden werden detailliertere Krisenursachen, Austeritätsmaßnahmen und deren Auswirkungen in verschiedenen EU-Ländern vorgestellt, wobei hauptsächlich auf die PIIGS-Staaten eingegangen wird, da diese besonders hart von der Krise getroffen wurden. Ab 2009 zeigte sich in der Folge ein Trend zu einer Nord-Süd-Divergenz im Eurogebiet.[18] Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes kann hierbei als Indikator für die gesamtökonomische Perspektive im Euroraum angesehen werden.Griechenland ist aufgrund der Schwere seiner Krise und der Ansteckungsgefahr für andere EU-Länderder „Mittelpunkt der Krise“[19] und wird deshalb explizit betrachtet.

3.1 Griechenland

Während in anderen Ländern die Krise als Verursacher von höheren Staatsschulden angesehen werden, können in Griechenland bereits vorhandene Staatsschulden als mitverantwortlich für die Krise betrachtet werden.Griechenland wies neben einem öffentlichen Haushaltsdefizit ein Handelsbilanzdefizit vor, da mehr Waren aus dem Ausland importiert, als exportiert wurden.Bereits 2009 belief sich als Konsequenz der Schuldenstand aufrund 300 Mrd. Euro, was 126 Prozent des BIP entsprach. Das Budgetdefizit des Staates lag bei 15,4 Prozent des BIP.[20] Hohe Staatsschulden und die daraus resultierende Nichteinhaltung der Konvergenzkriterien sind somit mitverantwortlich für die Krise. Aufgrund des hohen Haushaltsdefizits und der schwachen Wirtschaftsleistung wurden dem Land in Folge neue Kredite verweigert, weshalb Anfang 2010 der Staatsbankrott drohte.Daraufhin musste die griechische Regierung im April2010 EU-Hilfe beantragen.Im Zuge dessen wurden drei Hilfspakete seitens EU, EZB und IWF verabschiedet. Zudem erfolgte 2012 ein Schuldenschnitt, wobei sich 85,5Prozent der Privatgläubiger auf einen freiwilligen Schuldenerlass in Höhe von 100Mrd. Euro geeinigt haben.[21]

Weiterhin wurden - über sechsSparpakete verteilt - verschiedene Spar- und Reformauflagen („Memorandumof Understanding“), diediverse Sektoren betreffen, festgehalten:

Abbildung 2: Sparmaßnahmen in Griechenland Seit der Euro-Krise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Viele [22] der hier genannten Sparmaßnahmen befinden sich derzeit noch in der Umsetzung oder durchlaufen einem stetigen Wandel bezüglich konstanter Anpassungen, weswegen die individuelle Auswertung über den Erfolg schwerfällt.

Jedoch lässt sich zeigen, dass viele der veranschlagten Maßnahmen das vorgegebene Ziel nicht erreichen konnten. So wächst trotz der veranlassten Steuererhöhungen die Steuerschuld griechischer Bürger immer weiter an. Inzwischen haben sich so derzeit rund 86 Mrd. Euro Schulden angehäuft, von denen schätzungsweise nur zehn Mrd. eingetrieben werden können.[23] Genauso können auch die Privatisierungsmaßnahmen in Griechenland als Misserfolg betrachtet werden. Vom ursprünglichen Ziel, griechisches Staatsvermögen 50 Mrd. zu verkaufen, gelang es bisher nur gerade einmal 3,5 Mrd. Euro einzunehmen.[24] Die vergeblichen Sparbemühungen stürzte Griechenland schließlich in eine Rezession, während gleichzeitig die Steuereinnahmen sanken.

Die negativen Konsequenzen der Austeritätspolitikzeigt sich im Anstieg des Schuldenstands Griechenlands bis Ende 2015 auf knapp 179 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ebenso entspricht auch das Budgetdefizit 2015 von 7,2 Prozent nicht den im SWP geforderten Kriterien, wobei jedoch die Zukunftsprognose einen positiven Trend erahnen lässt (s. Abb. 7).Beachtenswert ist hierbei vor allem die Tatsache, dass Griechenland schon vor der Einführung des Euro kontinuierlich gegen die Konvergenzkriterien verstoßen hat und somit eigentlich niemals den Euro hätte einführen dürfen. Mithilfe geschönter Zahlen, die im Nachhinein nach oben korrigiert wurden, „erschwindelte“ man sichdeshalb den Euro-Beitritt.[25] Vor allem bei der Betrachtung des Wertes aus dem Jahr 2009 zeigt sich eine eklatante Differenz. So entsprach das zunächst der EU gemeldete Defizit 3,7 Prozent, was jedoch nachträglich mehrmals auf insgesamt 15,4 Prozent berichtigt wurde.

[...]


[1] Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (Sparpolitik 2012), S. 4.

[2] Vgl. Krugman, Paul, The New York Times (Death 2012).

[3] Vgl. Nielsen, Nikolaj (Austerity 2014).

[4] Vgl. Busch, Klaus, Bundeszentrale für politische Bildung (Contra 2014).

[5] Vgl.Nonnenmacher, André (New Normal 2011), S. 57.

[6] Vgl. Europäisches Parlament (Währungsunion o.J.), S. 1.

[7] Vgl. EUR-Lex Europa (Konvergenzkriterien 2015).

[8] Vgl. Die Bundesregierung (Stabilitätsprogramm o.J.).

[9] Vgl. Bundesministerium der Finanzen (Wachstumspakt 2014).

[10] Vgl. Die Bundesregierung (Lissabon-Strategie o.J).

[11] Vgl.Lapavitsas, Costa et al. (Eurozone 2010), S. 4.

[12] Vgl. Sturm, Roland, Bildungszentrale für politische Bildung (Austeritätspolitik 2016), S. 1.

[13] Vgl.Busch, Klaus et al., Friedrich-Ebert-Stiftung (Eurokrise 2012), S. 5.

[14] In Anlehnung an Shambough, Jay C., Georgetown University (Three Crises 2012), S. 159.

[15] Vgl. Rose, David, Tagesschau (Euro-Rettungspakete 2016).

[16] Vgl. Zukunft Europa (Krise 2014).

[17] Vgl. Die Bundesregierung (Programmländer o.J.).

[18] Vgl. Hishow, Ognian N., Stiftung Wissenschaft und Politik (Konvergenz 2014), S. 10.

[19] Vgl.Roth, Karl Heinz (Griechenland 2012), S. 6.

[20] Vgl. Der Spiegel (Haushaltsdefizit 2010).

[21] Vgl. Die Welt (Griechenland 2012).

[22] Eigene Darstellung.

[23] Vgl. Maier, Marco (Griechenland 2016).

[24] Vgl. Spiegel Online (Privatisierung 2016).

[25] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (Euro-Raum 2004).

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Austerität in der Eurozone. Top oder Flop?
Untertitel
Bestandsaufnahme und Bewertung der Spar- und Reformpolitik der PIIGS-Staaten in Europa
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH  (BWL)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
38
Katalognummer
V340206
ISBN (eBook)
9783668298279
ISBN (Buch)
9783668298286
Dateigröße
824 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
austerität, eurozone, flop, bestandsaufnahme, bewertung, spar-, reformpolitik, piigs-staaten, europa
Arbeit zitieren
Stefan Reinpold (Autor), 2016, Austerität in der Eurozone. Top oder Flop?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340206

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