Interaktion zwischen Lehrer und Schüler. Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikte


Studienarbeit, 2016
21 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Exposé und Thema

2 Forschungsziel

3 Was sind denn Unterrichtsstörungen?

4 Ursachen für Unterrichtsstörungen

5 Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht

6 Unterrichtsstörungen aus Schülersicht

7 Empfehlungen für Lehrpersonen von Experten

8 Feldforschung an den beiden Schulen
8.1 Lehrer - Perspektive
8.2 Schüler - Perspektive
8.3 Detaillierte Auswertung der Ergebnisse
8.3.1 Lehrer-Fragebögen HBLA-West
8.3.2 Lehrer-Fragebögen HTL Innsbruck
8.3.3 Schüler-Fragebogen HBLA-West
8.3.4 Schüler-Fragebogen HTL Innsbruck

9 Literaturverzeichnis

10 Anhang

1 Exposé und Thema

Für mein Forschungsprojekt habe ich das Thema „ Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikte. Das Verhalten der Schüler und Interaktion mit der Verhaltensweise des Lehrers “ ausgewählt. Mich hat für das Forschungsprojekt die Frage der Disziplin im Unterricht neugierig gemacht: Wie verhalten sich Schüler während des Unterrichtes? Wie steht ihr Verhalten in Interaktion mit jenem der Lehrperson? Hinter dieser Forschungsfrage steckt im Allgemeinen das Thema „Kommunikation“. Es geht also um die Kommunikation zwischen Schüler und Lehrperson. Die Disziplin trägt zu einer lernförderlichen Umgebung im Klassenraum bei und steht damit in direkter Beziehung zum Lernen der Schüler. Ich denke, dass dieses Thema sehr relevant für den Unterricht ist. Disziplin kann einen gute Atmosphäre zum Lernen schaffen und die effektive Lernzeit erhöhen. Diese Forschungsarbeit stützt sich nicht nur auf eine Literaturrecherche sonder sondern auch auf eine „Feldforschung“ an den Schulen. Meine Forschungsmethoden waren die Beobachtung beim Hospitieren, Gespräche mit Lehrpersonen und vor allem die Datenerhebung anhand zahlreicher Fragebögen. Die Datenerhebung fand im Rahmen der Fachpraktika (BK 2) statt. Die Auswertung erfolgte anhand von Diagrammen. Damit sollen die umfangreichen Daten anschaulich gemacht werden. Anschließend möchte ich hier die Diagramme auch selbst interpretieren.

2 Forschungsziel

Das Ziel meines Forschungsprojektes ist es, mehr über das Thema Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikte herauszufinden. Dabei wollte ich auch die Interaktion zwischen dem Verhalten von Lehrer und Schüler beleuchten. Mit Disziplinkonflikten umzugehen gehört zum Alltag der Lehrpersonen.(Lohmann, 2003)

Neben der Literaturrecherche habe ich dafür aber auch eine Art „Feldforschung“ betreiben. Dafür habe ich zum einen sowohl Schüler als auch Lehrer beobachten, zum anderen aber auch die Perspektive von Schülern und Lehrern erfasst. Hierfür wurden Fragebögen an unterschiedlichen Klassen und unterschiedlichen Lehrpersonen ausgeteilt. Die Fülle an Daten sollte dann in Form von Diagrammen aufbereitet und anschaulich gemacht werden. Als letzten Schritt möchte ich die Ergebnisse der Fragebögen interpretieren und mit den Beobachtungen und Erkenntnissen aus den Gesprächen mit Lehrpersonen vergleichen. Ebenso soll eine vergleichende Interpretation der beiden Schulen HBLA und HTL erfolgen.

3 Was sind denn Unterrichtsstörungen?

Unterrichtsstörungen sind Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinflussen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie Voraussetzungen, unter denen Lernen und Lehren erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzten. (Lohmann, 2003 S. 12)

Der Disziplinkonflikt ist normabhängig. Es geht also um die Verletzung (meist von Schülerseite) von impliziten und expliziten Normen. Damit sind Regeln wie Schul- und Hausordnung sowie individuelle, vom Lehrer verbal oder nonverbal vermittelte Regeln und Maßstäbe gemeint. Unterrichtsstörungen werden von den einzelnen Schülern aber auch von verschiedenen Lehrpersonen unterschiedlich empfunden und bewertet.(Kuen, et al., 2013)

Es gibt unzählige verschiedene Formen von Störverhalten. Man kann dennoch beispielsweise folgende Kategorien herausfiltern:

- Verbales Störverhalten
- Mangelnder Lerneifer
- Motorische Unruhe
- Aggressives Verhalten

Am häufigsten werden die ersten drei Verhaltenskategorien beobachtet. In Abschnitt8.1werden die Ergebnisse der Feldforschung zur Häufigkeit verschiedener Arten von Störungen beschrieben.

Ein absolut Störungsfreier Unterricht ist eine utopische Vorstellung. In der Arbeit mit Menschen lassen sich nicht alle Komponenten so planen, dass derartige Konflikte ausgeschlossen werden können. Disziplinkonflikte und Unterrichtsstörungensind in der Schulpraxis unausweichlich und bis zu einem gewissen Grad normale Begleiterscheinungen. Man kann aber versuchen, sie zu minimieren um so ein möglichst Lernförderliches Klima zu schaffen.(Lohmann, 2003),(Kuen, et al., 2013)

4 Ursachen für Unterrichtsstörungen

Die Ursachen von Unterrichtsstörungen sind vielfältig. Sie gehen häufig vom Verhalten und der Einstellung der Schüler aus, können aber auch vom Verhalten der Lehrperson ausgehen. Störungen können auch von äußeren Umständen ausgehen und sind damit primär weder auf die Lehrperson noch auf die Schüler zurückzuführen. Es handelt sich also um einen Interaktionsprozess. In nachfolgender Abbildung sind Beispiele für die verschiedenen Ursachen angeführt.(Kuen, et al., 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5 Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht

Den Umgang mit Disziplinkonflikten und Störungen empfinden die meisten Lehrer als besondere Herausforderung. Dies liegt u.a. auch daran, dass man sich nicht darauf vorbereiten kann. Die Situationen treten unvorhergesehen auf. Man hört von Lehrern oft folgende Gedankengänge:

- Warum kommt mein Unterricht so schlecht an? Was mache ich falsch?
- Mich nerven die Unruhe und die Unaufmerksamkeit gewaltig.
- Die Schüler sind an sich ganz ok. Aber die äußeren Umstände (Nachmittagsunterricht, ungeeignete Räumlichkeiten, überfüllte Klassen) machen einen sinnvollen störungsfreien Unterricht unmöglich

In einem Unterricht mit hohem Störpegel ließen sich folgende Merkmale beobachten:

- Häufiges, wirkungsloses Ermahnen.
- Hoher Zeitaufwand für disziplinarische Handlunge
- Strafende Maßnahmen

(Kuen, et al., 2013),(Singer, 2009)

Ich habe in Gesprächen mit unterschiedlichen Lehrpersonen interessanterweise ähnliche Gedankengänge erfassen können. Ebenso konnte ich in „schwierigen“ Klassen ähnliche Merkmale beobachten.

6 Unterrichtsstörungen aus Schülersicht

Schüler nehmen den Unterricht durchaus anders als Lehrpersonen wahr. Vergleichende Untersuchungen zwischen Schüler- und Lehrerperspektive lieferten folgende Ergebnisse:

- Schüler schätzen die Lernumgebung prinzipiell ungünstiger ein als Lehrer.
- Die Handlungsziele werden von Schülern anders bewertet.
- Umgangsweise und Wortwahl unter den Schülern wird von Schülern weniger kritisch gesehen als von Lehrern.
- Schüler nehmen Ablenkungen und Störungen weniger stark und als weniger nachteilig wahr als Lehrer
- Lehrer sehen oft nur die Schüler als Ursache, während Schüler den Lehrer, aber auch sich selbst als Ursache erkennen
- Schüler empfinden einen hohen Geräuschpegel als störend, machen dafür aber die anderen Schüler und nicht sich selbst verantwortlich.

Schüler sehen in der Schule neben dem Bestehen des Klassenziels auch den sozialen Kontakt mit Gleichaltrigenund Aufmerksamkeit bzw. Zuwendung zu gewinnen.

Oftmals führt bei Schülern Langeweile und Unterforderung zu störendem Verhalten. (Lohmann, 2003)

7 Empfehlungen für Lehrpersonen von Experten

Obwohl unter Lehrpersonen oftmals „Geheimtipps“ die Runde machen, wie man „ganz einfach“ Disziplin herstellen könne, gibt es kein Patentrezept dafür. Gerade bei jungen Lehrern greift die Methode, auf „Strenge“ zu setzen, oftmals nicht. Stattdessen sollte auf gegenseitigen Respekt geachtet werden. Um eine respektvolle Atmosphäre zu schaffen, sollten folgende Punkte beachtet werden:

Als Prävention sollten explizite, klare Regeln geschaffen werden. Man sollte den Schülern durch klare Anweisungen vor Augen führen, was sie dürfen und was nicht. Derartige Regeln lassen sich generell in einen klar strukturierten Unterricht mit möglichst wenig Leerlauf leichter einführen und einhalten. Generell ist für ein freundliches, motivierendes Lernklima zu sorgen. Der Lehrer sollte nicht Unterdrückung und übertriebene Autorität sondern (auch durch vorbildhaftes Verhalten) Ruhe, Aufmerksamkeit und Souveränität ausstrahlen.(Lohmann, 2003),(Meyer, 2013)

Sinnvolle und akzeptierte Rituale können wortlos zur Disziplin beitragen. Solche Rituale sind beispielsweise das Aufstehen zu Beginn des Unterrichtes, bestimmte Handbewegungen, Verhaltensmuster und bestimmte Positionen im Klassenzimmer. So kann die Ruhe von allen Schülern am Stundenbeginn „eingefordert“ werden.Diese Tipps habe ich auch von meinem Betreuungslehrer Thomas Reitmeier bekommen.(Kuen, et al., 2013)

Auf Regelverstöße sollten dann angemessene Konsequenzen folgen. Angemessen bedeutet allerdings nicht jeden kleinen Regelverstoß zu ahnden. Mit härteren Konsequenzen, also „Strafen“ sollte sparsam umgegangen werden, da sie sonst ihre Wirkung verlieren. Konsequenzen sollten klar begründbar sein. So können sie von den Schülern als gerecht empfunden werden. Die Reaktion auf Konsequenzen kann durchaus der Lerntheorie des Behaviorismus zugeordnet werden. Allerdings kann es vorkommen, dass eine vom Lehrer als Strafe geplante Konsequenz beim Schüler indirekt als Belohnung ankommt. So wollen sich beispielsweise manche Schüler in der Gruppe als „Rebellen“ profilieren und erreichen dies gerade durch Reaktionen wie Klassenregistereintragungen und Ermahnungen.(Unruh, 2009),(Kuen, et al., 2013)

Reaktionen auf unerwünschtes Verhalten sollten gestuft erfolgen, d.h. man sollte bei den „geringsten Interventionen“ beginnen. Bei geringer Unruhe wäre dies beispielsweise ein leiseres Sprechen. Als nächstes sollte mit Veränderung der Raumposition und dann mit dem Blickwechsel gearbeitet werden. Strafen sollten individuell eingesetzt werden, demnach Gruppenstrafen möglichst vermieden werden. Genauso wie über der zukünftige Unterrichtsstoff können auch Strafen vorweg mit den Schülern ausgemacht werden.(Schuster, 2013)

Oftmals ist Lob effizienter als Bestrafung, da letztere vom Schüler nicht unbedingt als solche empfunden wird. Lob und Sanktionen an Meinungsführern, also an „Mächtigeren“ Schülern können auch an solchen Wirkung zeigen, die um ihren Status kämpfen müssen.Ebenso ist es besseranstelle von Appellen wie: „Du musst …“Ich-Botschaften auszusenden: Ich möchte, dass ...“, oder: „Es wäre toll, wenn ...“, oder auch: „Ich fände es hilfreich, wenn ...“. Außerdem sollte in den Botschaften eine Begründung enthalten sein. Beispielsweise: „ …, weil durch dein Verhalten die anderen Schüler nicht konzentriert arbeiten können. Das wäre nicht fair.“ Dies hilft, Verbote zu legitimieren und „Alternativen“ zum unerwünschten Verhalten aufzuzeigen.(Schuster, 2013),(Kuen, et al., 2013)

8 Feldforschung an den beiden Schulen

Die Fragebögen für die Lehrer und die Schüler stellen das zentrale Element meiner Feldforschung dar. Sie liefern quantifizierbare, gut auswertbare Ergebnisse. Durch den Lehrerfragebogen wollte ich zum einen die Häufigkeit verschiedener Formen von Störungen untersuchen (vergleiche Abschnitt8.1), zum anderen verschiedene Faktoren beleuchten, welche Disziplinprobleme verursachen können.

Die Fragebögen wurden dann mit Excel ausgewertet und graphisch aufbereitet. Die Ergebnisse werden in den nachfolgenden Abschnitten zusammengefasst und interpretiert. Die Fragebögen sind im Anhang (Kapitel0) abgebildet.

Ich versuchte aber auch durch Gespräche mit den Lehrpersonen sowie durch Beobachtung qualitative Forschungsergebnisse zu beziehen und diese mit den quantitativen Ergebnissen in Beziehung zu bringen.

8.1 Lehrer - Perspektive

Zur Erfassung der Lehrer-Perspektive wurden 6 Lehrpersonen an der HBLA und 4 an der HTL befragt.

Aus Sicht der Lehrer treten relativ harmlose Störungen wie Nebengespräche, Spielen mit Gegenständen und verzögerter Unterrichtsbeginn relativ häufig auf. Das Ignorieren der Regeln und hypermotorisches Verhalten am Sitzplatz kommt gelegentlich vor. Aggressionen, Provokationen und Herumlaufen im Raum sowie Destruktives Verhalten gegenüber Gegenständen dagegen kommen selten bis gar nicht vor. Auch „Clownereien“ und Arbeitsverweigerung kommt selten vor.

Alle Lehrer der HBLA vertreten die Ansicht, dass Unterrichtsstörungen in Klassen mit zu vielen Schülern besonders Häufig vorkommen. Dies kann daran liegen, dass an der HBLA die Schülerzahl in den Klassen deutlich höher ist als an der HTL. Störungen kommen vor allem hier auch vorwiegend bei Klassen mit schwachen Schülern und in den unteren Klassen vor. Im Hinblick auf die Methode zeigt sich, dass bei Partnerarbeit geringfügigweniger Störungen als bei Gruppenarbeiten oder lehrerzentriertem Unterricht auftreten. Die Auswertung zeigte auch dass Störungen nach der großen Pause und vor allem am Nachmittag verstärkt vorkommen. Dieser Meinung sind vor allem die Lehrpersonen der HBLA.

In folgender Tabelle sind die Ergebnisse der Lehrer-Fragebögen repräsentativ durch Mittelwerte zusammengefasst. Eine rote Tönung bedeutet, dass die Störungsform fast nie vorkommt bzw. die Aussage von den meisten Lehrern abgelehnt wurde, eine grüne Tönung dagegen, dass die Form häufig auftritt bzw. die Lehrer der Aussage zustimmen. Die etwas rötere Grundtönung bei der Frage nach der Form der Störung bestätigt die Beobachtung, dass in der HTL Störungen generell seltener auftreten als an der HBL.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Lehrer antworteten unterschiedlich auf die Frage, wie sie auf Unruhe reagierten. Einige reagieren mit Gelassenheit und Ruhe oder sie sagen, sie stellen das Sprechen ein oder werden immer leiser. Diese Empfehlung kann man auch in der Fachliteratur finden. Andere dagegen reagieren mit lauter werden bis hin zu „schreien“ oder mit Ermahnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Interaktion zwischen Lehrer und Schüler. Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikte
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für LehrerInnnenbildung und Schulforschung)
Veranstaltung
Abschlussveranstaltung der pädagogischen Ausbildung im Lehramtsstudium
Note
2
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V340302
ISBN (eBook)
9783668299887
Dateigröße
926 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Forschungsarbeit ist Teil des Abschlussportfolios der pädagogischen Ausbildung.
Schlagworte
Unterricht, Störungen, Unterrichtsstörungen, Disziplin, Lehrerkonflikte, Schülerkonflikte, störende Schüler, Disziplinkonflikte, Schülerverhalten, Lehrerverhalten, Schüler-Lehrer-Interaktion, Lehrer-Schüler-Interaktion
Arbeit zitieren
Jonas Stecher (Autor), 2016, Interaktion zwischen Lehrer und Schüler. Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340302

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