Das Modell des effizienten Marktes ist das am weitesten verbreitete und klassischste aller ökonomischen Annahmen. Die Effizienz, Rationalität und Informationsgleichheit aller Marktteilnehmer werden dort nicht nur als selbstverständlich angesehen, sondern gehen darüber hinaus auch direkt in die Kursbildung des Börsengeschehens mit ein. Für Fundamentaldatenanalysten ist diese Hypothese allerdings fragwürdig, da in der Realität Informationen auf verschiedenste Art und Weise verteilt sind und somit die Zukunft durchaus ungewiss erscheinen lassen.
Das weltweite Finanzsystem mit seinen auf unterschiedlichsten Gründen basierenden Krisen stellt daher ein Musterbeispiel für die Fehlerhaftigkeit der Effizienzmarkttheorie dar. Diese Krisen sind der Ausdruck zahlloser Unzulänglichkeiten, seien sie nun grundlegender, mittelfristiger oder langfristiger Natur. Für eine beachtliche Anzahl der Krisen werden Hedgefonds in die Verantwortung gezogen, da sie aufgrund ihres schlechten Rufs als Begriff der rücksichtslosen Spekulation und Leichtsinnigkeit gelten. Darüber hinaus kann man sie als Katalysator der Finanzkrisen bezeichnen, da durch sie der Ausstrahlungseffekt auf Geschäftsbanken, Investmentbanken und Versicherungen sowohl im Umfang als auch in der Dauer immens verstärkt wird. Einer dieser Hedgefonds war Long-Term Capital Management, der auf eine beispielhafte Weise das gesamte Weltfinanzsystem zum Schwanken brachte. An Brillanz, Glamourösität, Ansehen und Risikobereitschaft war er weder von einem Vorgänger, noch von der damaligen Konkurrenz zu übertreffen. Doch wie konnte dieser Hedgefonds der Superlative, bestückt mit zwei Nobelpreisträgern, einem ehemaligen Vizepräsidenten der amerikanischen Notenbank und den brillantesten Köpfen der besten Universitäten des Landes, eine derartige Schockwelle über der Finanzwelt auslösen?
Die vorliegende Arbeit mit dem Thema „Die LTCM-Krise und deren Auswirkungen auf die Finanzindustrie“ soll diese und weitere Fragen klären.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Gründung und Aufstieg von LTCM
- 2.1 Die Gründung
- 2.2 Exkurs: Hedgefonds
- 2.3 Strategien
- 2.3.1 Relative Value Strategie
- 2.3.2 Equity Volatility und Equity Pair Strategie
- 2.3.3 Merger Arbitrage Strategie
- 3 Krise und Fall von LTCM
- 3.1 Die Krise
- 3.2 Die Ursachen der Krise
- 3.2.1 Die aufkommende Konkurrenz
- 3.2.2 Das Risikoprognosemodell
- 3.2.3 Das Kreditrisiko
- 3.3 Das Rettungspaket
- 4 Auswirkungen der Krise
- 4.1 Der Contagion-Effekt
- 4.2 Das Moral-Hazard Problem
- 5 Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit analysiert die LTCM-Krise und ihre Auswirkungen auf die Finanzindustrie. Sie beleuchtet die Gründung, den Aufstieg und den Fall von LTCM sowie die Ursachen für die Krise, insbesondere die Rolle von Risikomanagement und Kreditrisiko. Darüber hinaus werden die Folgen der Krise für das Finanzsystem, wie der Contagion-Effekt und das Moral-Hazard Problem, untersucht.
- Gründung und Aufstieg von LTCM
- Die Ursachen der LTCM-Krise
- Das Risikomanagement von LTCM
- Die Auswirkungen der LTCM-Krise auf die Finanzindustrie
- Der Contagion-Effekt und das Moral-Hazard Problem
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in die Thematik der LTCM-Krise ein und stellt den Kontext der Effizienzmarkttheorie dar. Kapitel 2 beleuchtet die Gründung und den Aufstieg von LTCM, einschließlich eines Exkurses in die Welt der Hedgefonds. Kapitel 3 beschreibt die Entstehung der Krise, die Ursachen und das Rettungspaket. Kapitel 4 untersucht die Auswirkungen der Krise auf die Finanzindustrie, insbesondere den Contagion-Effekt und das Moral-Hazard Problem. Das letzte Kapitel fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und zieht ein Fazit aus den Fehlern von LTCM.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die LTCM-Krise, Hedgefonds, Risikomanagement, Kreditrisiko, Contagion-Effekt, Moral-Hazard Problem und die Auswirkungen auf die Finanzindustrie. Die Arbeit untersucht die Rolle von Risikomanagement und Kreditrisiko in der Entstehung der Krise sowie die Folgen für das Finanzsystem.
Häufig gestellte Fragen zur LTCM-Krise
Was war der Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM)?
LTCM war ein US-amerikanischer Hedgefonds, der durch seine hochkarätige Besetzung mit Nobelpreisträgern und seine riskanten Arbitrage-Strategien bekannt wurde, bevor er 1998 fast das Weltfinanzsystem zum Einsturz brachte.
Warum scheiterte LTCM trotz der Beteiligung von Nobelpreisträgern?
Trotz brillanter Köpfe scheiterte der Fonds an Fehlern in den Risikoprognosemodellen, die extreme Marktereignisse (wie die Russland-Krise) nicht ausreichend berücksichtigten, sowie an einer massiven Überschuldung.
Welche Rolle spielt die Effizienzmarkttheorie in diesem Kontext?
Die Krise von LTCM gilt als Musterbeispiel für die Fehlerhaftigkeit der Effizienzmarkttheorie, da sie zeigt, dass Märkte nicht immer rational agieren und Informationen ungleich verteilt sein können.
Was versteht man unter dem Contagion-Effekt?
Der Contagion-Effekt beschreibt die Ausstrahlungswirkung einer Krise auf andere Finanzinstitutionen wie Geschäftsbanken und Versicherungen, wodurch sich lokale Probleme global ausweiten können.
Was ist das Moral-Hazard Problem im Zusammenhang mit LTCM?
Moral Hazard bezeichnet das Risiko, dass Akteure (wie Hedgefonds) übermäßige Risiken eingehen, in der Erwartung, dass sie im Krisenfall aufgrund ihrer Systemrelevanz ("Too big to fail") gerettet werden.
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- Robert Brüch (Autor), 2015, Die LTCM-Krise und deren Auswirkungen auf die Finanzindustrie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340320