Das Frauengesundheitszentrum in München


Essay, 2011
7 Seiten

Leseprobe

Essay zur Aufgabenstellung: „Was ist das FGZ in München? Stellen Sie Ihre Recherchen dar.“

Verena Fendl

6. Semester Neuere deutsche Literatur (HF) / Germanistische Linguistik (NF) / Soziologie (NF), M. A.

26.12.2010

Die Informationen über das Frauengesundheitszentrum München – kurz FGZ München genannt – wurden über drei Wege der Recherche gewonnen, nämlich zum einen über die Homepage der Einrichtung (http://www.fgz-muc.de), zum anderen über diverse Broschüren des FGZ hinsichtlich dessen Programme, Beratungs- und Selbsthilfeangebote sowie über ein persönliches Gespräch vor Ort mit einer der vier geschäftsführenden Frauen, Frau Dipl.-Psych. Karin Schönig.[1]

Um was für eine Institution handelt es sich beim FGZ München? Das FGZ macht es sich zur Aufgabe, durch Beratungen, Kursangebote und Informationsmaterial zu überwiegend den weiblichen Körper betreffenden Themen die Gesundheit von Mädchen und Frauen sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene zu erhalten bzw. zu verbessern. Die Einrichtung wurde im Jahr 1986 im Zuge der Neuen Frauenbewegung in Deutschland gegründet und wird seitdem in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins geführt. Seit Dezember 2010 befindet sich das FGZ in der Grimmstraße 1 des Münchner Stadtteils Ludwigsvorstadt. Der Standort München macht dabei einen von insgesamt 17 Frauengesundheitszentren in der Bundesrepublik aus, die unter einem bundesweiten Zusammenschluss, dem sog. Bundesverband der Frauengesundheitszentren, arbeiten (vgl. http://www.frauengesundheitszentren.de/ueberuns/ueberuns1.htm vom 22.12.2010).[2] Das Münchner Team setzt sich aus drei Vorstandsmitgliedern sowie sechs Fachfrauen, von denen vier Frauen die Geschäftsführung inne haben, darüber hinaus aus 16 Referentinnen und drei weiteren Mitarbeiterinnen zusammen. Bei den die Beratung übernehmenden Fachfrauen handelt es sich vorwiegend um Akademikerinnen aus dem sozialwissenschaftlichen bzw. pädagogisch-psychologischen Bereich.

Das FGZ nutzt verschiedene Möglichkeiten, um Frauen und Mädchen auf sich aufmerksam zu machen. Hierzu zählt das Auslegen der halbjährlich neu erscheinenden Kursangebote und weiterer Broschüren bspw. im Rathaus der Stadt München oder in ausgewählten Arztpraxen, ein 1100 Adressen enthaltender Verteiler an Einzelfrauen und Einrichtungen sowie das Beliefern regionaler Zeitungen mit aktuellen Neuigkeiten über das FGZ. Des Weiteren ist die Einrichtung über Telefonbücher und das Internet zu finden. Einen großen Anteil neuer Klientinnenkontakte gewinnt das FGZ neben der aktiven Öffentlichkeitsarbeit insbesondere durch Weiterempfehlungen im Freundes- und Bekanntenkreis seitens derjenigen Frauen, die bereits positive Erfahrungen mit der Einrichtung gemacht haben.

Was die einzelnen Leistungen des FGZ betrifft, so stellt die Beratung den meines Erachtens bedeutendsten Aspekt dar. Dass sich die Beratung mit Ausnahme spezieller Problemkonstellationen, bei denen das Miteinbeziehen des Partners oder eines männlichen Angehörigen besonders angebracht erscheint – so etwa bei den Themen unerfüllter Kinderwunsch oder HIV – ausschließlich an Frauen und Mädchen richtet, hängt im Wesentlichen mit zweierlei Gründen zusammen. Einer dieser Gründe ist die Entwicklung des FGZ aus der autonomen Frauenbewegung mit deren Einsicht, dass Frauen strukturell benachteiligt sind. Der Gedanke der strukturellen Benachteiligung von Frauen wird in den Arbeitskreisen des FGZ konkret benannt, problematisiert und dahingehend gewendet, dass die dem FGZ zur Verfügung stehenden ökonomischen Ressourcen zu einem überwiegenden Teil den Frauen zu Gute kommen sollen. Der zweite Aspekt ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass man den Frauen in den hauseigenen Räumen des FGZ einen eigenen, absolut geschützten Bereich bieten möchte.

Bereits die Website der Einrichtung eröffnet einen Einblick in das breite Spektrum an möglichen Beratungsthemen, das sowohl spezifische Lebensphasen bzw. -situationen einer Frau, den Bereich einer meist frauenspezifischen Gesundheitsvorsorge als auch den Bereich bereits bestehender Beschwerden und Erkrankungen umfasst. Als Beispiele seien hier die Themen Wechseljahre, ungewollte Schwangerschaft, Brustgesundheit, Menstruationsbeschwerden sowie Endometriose genannt. Derzeit ist das Team des FGZ darum bemüht, auch zum Thema Schilddrüse zu beraten – dabei wurde mir erklärt, dass sich die größte Schwierigkeit bei der Etablierung eines zusätzlichen Themas meist weniger durch die Aneignung kompetenten Wissens als durch die notwendige, aber noch fehlende Erfahrung der Beratenden auf einem neuen Gebiet ergibt.

Interessiert sich eine Frau nun für eine Beratung durch das FGZ, so hat sie die Möglichkeit, eine der Kontaktpersonen entweder persönlich aufzusuchen oder ihr Anliegen telefonisch oder auch per E-Mail vorzubringen. Wie ich im Gespräch erfahren habe, ist die Anzahl an Klientinnenkontakten seit 1986 kontinuierlich gestiegen. Innerhalb der letzten zehn Jahre haben dabei vor allem die Arbeitsbereiche E-Mail und Telefon eine starke Ausweitung erfahren, so dass sich die Arbeitsweise im FGZ wie auch in anderen Institutionen insbesondere durch den Computer stark verändert hat. Für Einrichtungen wie das FGZ ist diese Entwicklung doppeldeutig zu beurteilen: Einem Teil der Klientinnen wird der Mail- bzw. Telefonkontakt sicherlich zeitliche und ökonomische Vorteile bieten – diese Möglichkeiten der Kontaktierung tragen jedoch mit dazu bei, dass die Hemmschwelle, sich persönlich zu einer Beratung zu begeben, ansteigt.

Was bewegt Frauen dazu, sich zum Beispiel im Falle einer Erkrankung an das FGZ zu wenden? Wie mir berichtet wurde, können sich Frauen bei einer (potentiellen) Erkrankung prinzipiell vor, in Begleitung zu oder nach einem Arztbesuch durch das FGZ beraten lassen. Meist ist die Situation so beschaffen, dass die Frauen bereits einen Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht haben, ehe sie das FGZ kontaktieren. Die Frauen verfügen damit bereits über eine erste Diagnose sowie über erste Informationen über die Erkrankung, können jedoch oftmals die Behandlungsempfehlung nicht einschätzen oder sich mit der Behandlungsempfehlung nicht identifizieren. An dieser Stelle lassen sich nun die Vorteile einer Beratung durch das FGZ aufzeigen. Die Stärke der Einrichtung liegt zunächst einmal darin, der Frau in einer entspannten Atmosphäre ohne Zeitdruck die Verunsicherung zu nehmen, indem ihr der Raum gegeben wird, das zu besprechen, was sie besprechen möchte. Durch zusätzliche Beratung und Informationen wird sie dann dabei unterstützt, zu einer für sie individuell richtigen, selbstbestimmten Entscheidung zu gelangen. Bei der Beurteilung der Beratung erachte ich zwei weitere Aspekte als besonders schätzenswert. Einer dieser Aspekte besteht darin, dass die Lebensbedingungen einer jeden Frau – und zwar auf verschiedenen Ebenen – in hohem Maße in die Beratung miteinbezogen werden. Indem etwa berücksichtigt wird, ob eine Frau mit der Unterstützung ihres Partners rechnen kann, ob sie Kinder hat, wie es um ihre finanzielle Lage bestellt ist, etc., werden der Frau keine Empfehlungen ausgesprochen, die sie nicht umsetzen oder in ihr Leben integrieren kann. Den zweiten zentralen Faktor sehe ich in der Neutralität der Beratung, welche durch die Unabhängigkeit des FGZ gegenüber wirtschaftlichen Interessen oder gegenüber der Pharmaindustrie gewährleistet ist. Dies heißt jedoch nicht, dass die Einrichtung ausschließlich für die sog. „sanften Methoden“ in der Behandlung eintritt, wie es sich als Vorurteil gegenüber der Einrichtung hält. Wie bereits angedeutet geht es vielmehr darum, die jeweilige Frau gut zu informieren, wofür auch immer sie sich dann entscheidet.

[...]


[1] An dieser Stelle sei Frau Schönig für die freundliche Aufnahme in den Räumen des FGZ sowie die professionelle Beantwortung meiner Fragen herzlich gedankt.

[2] Einige der ältesten unter dem Bundesverband zusammengeschlossenen Frauengesundheitszentren, z. B. die Standorte Berlin, Frankfurt oder Köln, beinhalten den Zusatz feministisch in ihrer Bezeichnung und werden dementsprechend jeweils FFGZ abgekürzt. Nach Auskunft Frau Schönigs sind die FFGZ konzeptionell nicht zwangsläufig verschieden, jedoch kann an dieser Stelle ein interessanter Rückschluss auf den öffentlichen Diskurs erfolgen. Da das Wort feministisch im deutschsprachigen Raum (im Gegensatz zum angloamerikanischen) heute kaum mehr sagbar erscheint, hat die Mehrzahl der jüngeren Frauengesundheitszentren bereits auf diesen Namenszusatz verzichtet; dasselbe wäre auch bei der Neugründung eines FGZ in heutiger Zeit zu erwarten.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Frauengesundheitszentrum in München
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V340338
ISBN (eBook)
9783668300323
ISBN (Buch)
9783668300330
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauengesundheitszentrum, münchen
Arbeit zitieren
Verena Fendl (Autor), 2011, Das Frauengesundheitszentrum in München, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340338

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