Konversationsanalyse - Vorgehensweisen, Theorien und Ziele


Hausarbeit, 2003
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Allgemeines zur Konversationsanalyse
1.1 Entstehungsgeschichte und Kontext
1.1.1 Harvey Sacks: Lectures
1.1.2 Harold Garfinkel: Ethnomethodologie
1.1.3 Jörg R. Bergmann: Rezeption in der Bundesrepublik
1.2 Ziele und Leitfragen der Konversationsanalyse
1.3 Kritik

2 Vorgehensweise der Konversationsanalyse
2.1 Auswahl des Forschungsobjektes/Aufzeichnung
2.2 Transkription
2.3 Analyse
2.3.1 Auffinden eines Ordnungselementes
2.3.2 Problem-Hypothese
2.4 Gültigkeitsüberprüfung

3 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Täglich lesen, sehen und hören wir in den Medien von Statistiken, die uns sagen wie viel Prozent unserer Mitbürger was zu welchem Thema denken. Selten hört man etwas darüber wie diese Meinungen zu Stande kommen. Die akteurszentrierte Soziologie geht davon aus, das Meinungen interaktiv hergestellt werden. Wie dies geschieht, möchte die Qualitative Sozialforschung herausfinden.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Konversationsanalyse, einer Methode der qualitativen Sozialforschung. Darüber hinaus enthält sie die Auswertung von im Rahmen einer Methodenpraktischen Übung erhobenem Datenmaterial. Diese Daten, ein aufgezeichnetes Gespräch zwischen Studenten, sollen mit konversationsanalytischen Methoden analysiert werden und gleichzeitig die Vorgehensweise und Prinzipien der Konversationsanalyse und der damit verbundenen Forschungsrichtung der Ethnomethodologie verdeutlichen.

Der hier vorliegende theoretische Teil der Hausarbeit widmet sich den beiden Aspekten der Konversationsanalyse, welche zum einen eine Theorie ‚sozialen Handelns’ und zum anderen eine praktische Methode darstellt. So beschäftigt sich der erste Oberpunkt ‚Allgemeines zur Konversationsanalyse’ mit der zugrunde liegenden Theorie und der geschichtlichen Entstehung derselben. Neben Harvey Sacks (Punkt 1.1.1), der als Begründer der Konversationsanalyse gilt, wird auch auf das von Garfinkel entwickelte theoretische Rahmenprogramm eingegangen (1.1.2). Weiter werden allgemeine Maxime (1.1.3), Ziele und Leitfragen (1.2) und Kritikpunkte an dem Ansatz (1.3) behandelt. Unter dem Oberpunkt zwei ‚Vorgehensweise der Konversationsanalyse’ sollen die einzelnen Arbeitsschritte dieser Methode erklärt werden. Nach der Auswahl des Forschungsobjekts (2.1) erfolgt erst einmal die Transkription (2.2). Die Analyse (2.3) ist der Hauptteil der Methode und wird von der Gültigkeitsüberprüfung (2.4) als letztem Schritt abgerundet.

1 Allgemeines zur Konversationsanalyse

Konversationsanalyse ist die Bezeichnung für einen Forschungsansatz, der sich auf einem strikt empirischen Weg der Untersuchung von sozialer Interaktion als einem fortwährenden Prozess der Hervorbringung und Absicherung sinnhafter sozialer Ordnung widmet. Sie gibt sich nicht mit der Einsicht zufrieden, dass die Individuen durch Werte und Normen immer schon in die soziale Wirklichkeit eingepasst sind, sondern will auch zeigen, wie eine solche Einpassung von den einzelnen in einer Gesprächssituation praktisch vollzogen wird. (Brüsemeister, 2000, S. 235)

Begrüßungsrituale, Streitereien, Beratungsgespräche, Bitten und ihre verbale Erfüllung, Frage-Antwort-Spiele, Telefongespräche, Witze erzählen und Lachen, Alltagsunterhaltung, Verkaufsgespräche, gewöhnlicher Klatsch, Notrufe bei der Feuerwehr und ähnliche Kommunikationserscheinungen sind typische Objekte und Themen, mit denen sich die Konversationsanalyse beschäftigt.

Methodisch setzt die Konversationsanalyse bei der möglichst verlustarmen Dokumentation (audiovisueller Aufzeichnung und späterer Transkription) realer und ungestellter sozialer Vorgänge an und fraktioniert aus diesen durch vergleichend-systematische Analyse einzelne Strukturprinzipien sozialer Interaktionen – sowie deren praktische Handhabung durch die Interaktionsteilnehmer.

1.1 Entstehungsgeschichte und Kontext

1.1.1 Harvey Sacks: ‚Lectures’

In ihren Grundzügen wurde die Konversationsanalyse zu Beginn der 60er Jahre von Harvey Sacks (1935-1975) in den USA entwickelt und durch Vorlesungen (‚Lectures’) von Sacks an verschiedenen kalifornischen Universitäten verbreitet. Diese Vorlesungen befassten sich unter anderem „mit den Mechanismen des Geschichtenerzählens, dem Sprecherwechsel in Gesprächen, Verfahren der Kategorisierung von Personen, Abfolgesequenzen von Äußerungen, Hörermaximen, Funktionen von Pronomen und einer Fülle anderer Themen.“ (Bergmann, In: Flick, 2000, S. 525)

Sacks orientierte sich unter anderem an dem wenige Jahre zuvor begründeten sozialwissenschaftlichen Forschungsprogramm von Harold Garfinkel, der Ethnomethodologie. Sein wissenschaftliches Interesse richtete sich auf das was die Mitglieder einer Gesellschaft bei der Abwicklung alltäglicher Angelegenheiten wissen, denken und tun. Das von Harvey Sacks verfolgte Ziel der Konversationsanalyse ist die empirische Erforschung alltäglicher Praktiken des Mitteilens und Verstehens. „Als Sacks (...) damit begann sich für Alltagsgespräche zu interessieren, stand (ihm) keine einfach anwendbare Methode zur Verfügung. Unter Bezug auf vielfältige theoretische Überlegungen wurden diese Methoden im Umgang mit Ton- und Bildaufzeichnungen von Allerweltshandlungen entwickelt, die in ihrer rohen Form belassen, also noch nicht unter didaktischen oder ästhetischen Gesichtspunkten zu Lehr- oder Dokumentarzwecken geschnitten und montiert worden waren. Materialien dieser Art den Status von soziologisch relevanten ‚Daten’ zuzuerkennen, war zu diesem Zeitpunkt höchst ungewöhnlich.“ (ebd. S. 530) Neuartig war, dass diese Daten einen momentan ablaufenden Vorgang auf registrierende Weise konservierten während für herkömmliche Daten ein rekonstruierender Konservierungsmodus charakteristisch war. Sacks selber hat sich allerdings immer geweigert „die Verfahrensregeln des Ansatzes zu explizieren und im Rahmen einer Methodenlehre verbindlich zu machen“, (ebd. S. 57) um nicht den Blick auf den Gegenstand zu versperren.

Seit Anfang der 70er Jahre wurde die Konversationsanalyse auch zunehmend außerhalb der USA rezipiert und stieß in einigen Nachbardisziplinen auf Resonanz, vor allem in den Sprachwissenschaften.

1.1.2 Harold Garfinkel: Ethnomethodologie

Neben den Arbeiten Erving Goffmans zu einer Analyse der Interaktion und der Sprach-Philosophie Ludwig Wittgensteins, beeinflusste vor allem das von Harold Garfinkel entwickelte Theoriegebäude der Ethnomethodologie Sacks Überlegungen zur Konversationsanalyse. Das von Garfinkel 1967 veröffentlichte Buch ‚Studies in ethnomethodology’ beschäftigt sich mit dem praktischen Alltagshandeln (‚methodology’) gesellschaftlicher Gruppen (‚ethnos’).

Garfinkel knüpft dabei an Talcott Parsons Handlungstheorie an. Bei Parsons werden Situationsdefinitionen, Bedeutungen, Normen und Werte der Handelnden einfach als gegeben (durch Sozialisation internalisiert) vorausgesetzt und ein ‚kognitiver Konsens’ unterstellt. Garfinkel dagegen beschäftigt die Frage, wie es in sozialen Interaktionen zu intersubjektiver Verständigung kommen kann, wie die alltägliche Sinnkonstitution funktioniert – und damit: wie Werte- und Bedeutungswandel möglich ist. In seiner Kritik an Parson stützt sich Garfinkel vor allem auf Alfred Schütz, anders als diesen interessiert ihn jedoch nicht das Wissen der Akteure, sondern wie sie das Wissen erlangen und verwenden. Die von ihm entwickelte Ethnomethodologie hat die Methoden zum Forschungsgegenstand, mit denen die scheinbar selbstverständliche Ordnung im alltäglichen Handeln – die soziale Wirklichkeit – erzeugt wird. (Bergmann, In: Flick, 2000, S. 52 f)

Zentral an der Gesellschaftstheorie der Ethnomethodologie ist soziale Wirklichkeit als ‚Vollzugswirklichkeit’ zu begreifen. Dies bedeutet nichts anderes, als dass soziale Ordnung im Alltag aus Sicht der Ethnomethodologen das Resultat von (sozialen) Handlungen ist. Anders als bei Durkheim und Parsons existieren soziale Erscheinungen nicht unabhängig vom Zutun der Menschen, sondern werden erst durch die Handlungen der Akteure in einem ständigen Produktions- und Reproduk­tionsprozess hervorgebracht – konstituiert.

Die Frage stellte sich also „wie Akteure in ihren tagtäglichen Aktivitäten die kulturellen Normen und Werte in die Situation hineinvermitteln, dort mit anderen abstimmen und handlungsrelevant machen.“ (ebd. S. 53) Das herkömmliche methodische Instrumentarium der Soziologie jener Tage eignete sich allerdings wenig diese Fragestellung zu beantworten. Hier kommt die Konversationsanalyse ins Spiel, die versucht die Methoden empirisch zu bestimmen, mittels derer die TeilnehmerInnen die soziale Ordnung in der sprachlichen Interaktion herstellen. Der Forscher sucht dabei im (aufgezeichneten) Alltagsverhalten der Menschen nach allgemeinen oder kulturspezifischen Mustern und Regeln – sogenannten Ordnungselementen. Ein andere von Garfinkel entwickelte Methode war das Krisenexperiment: Durch systematische Regelverstöße, die meist zum Abbruch des Gespräches führten, versuchte man verbindliche Konventionen in der Kommunikation nachzuweisen.

[...]

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Details

Titel
Konversationsanalyse - Vorgehensweisen, Theorien und Ziele
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die empirischen Forschungsmethoden
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V34036
ISBN (eBook)
9783638343633
ISBN (Buch)
9783638749138
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Beschreibung der Methode der Konversationsanalyse in theoretischer und praktischer Hinsicht.
Schlagworte
Konversationsanalyse, Vorgehensweisen, Theorien, Ziele, Einführung, Forschungsmethoden
Arbeit zitieren
Peter Neitzsch (Autor), 2003, Konversationsanalyse - Vorgehensweisen, Theorien und Ziele , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34036

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