Ist Parapsychologie eine Wissenschaft?

Abgleich der Parapsychologie mit dem Abgrenzungskriterium für Wissenschaftlichkeit nach Sir Karl Popper


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Sir Karl Popper
1. Poppers Abgrenzungskriterium
2. Die Entstehung einer wissenschaftlichen Theorie
3. Annäherung an die Wissenschaft

C. Die Parapsychologie
1. Begriffserklärung
1.1 Telepathie
1.2 Hellsehen
1.3 Praekognition
2. Auftreten der Erscheinungen
3. Methodik
3.1 Allgemeine Methodik
3.2 Telepathie und Hellsehen
3.3 Hubert Pearce
3.4 Praekognition

D. Die Wissenschaftlichkeit der Parapsychologie aus der Sicht Poppers

E. Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Nachfolgend soll der Versuch unternommen werden zu prüfen, ob die Parapsychologie unter den Bedingungen Poppers als Wissenschaft gelten kann oder nicht. Dazu soll zunächst Poppers Abgrenzungskriterium und die darauf basierenden Theorien vorgestellt werden. Danach soll ein Ausschnitt der Parapsychologie mithilfe von Begriffserklärungen und ihrer darin angewandten Methodik erläutert werden. Zur Verdeutlichung einiger dieser Ergebnisse soll ein Beispiel von Pearce dienen. Abschließend wird der Bezug von Poppers Ansichten über Wissenschaftlichkeit auf die Parapsychologie erstellt.

B. Sir Karl Popper

Sir Karl Popper Verdienst ist es, den Unterschied zwischen Wissenschaft und Scheinwissenschaft erkannt, definiert und festgelegt zu haben. Seinen Maßstab legte er in seiner Theorie fest, mit dessen Hilfe er den Begriff Wissenschaft klar umriss.

1. Poppers Abgrenzungskriterium

Ursprünglich sei der Unterschied zwischen Wissenschaft und Scheinwissenschaft oder Metaphysik in den induktiven empirischen Methoden gesehen worden, die von Beobachtungen und Experimenten ausgegangen seien[1]. Diese Unterscheidung sei jedoch nach Popper nicht geeignet gewesen, die Frage nach dem Unterschied zwischen echten und unechten empirischen Methoden zu klären. Eine Methode könne schließlich auf Beobachtungen basieren aber dennoch nicht wissenschaftlich sein, wie es bei der Freudschen Theorie der Fall sei. Diese könne viele Beispiele vorlegen, die durch die Theorie gut erklärbar seien und sie somit scheinbar verifizieren würden, in Wahrheit sei dies aber nur der Beweis dafür, dass sich der Fall im Sinne der Theorie deuten lasse[2]. Genauso würden auch beispielsweise Hellseher arbeiten, die ihre Aussagen immer so vage hielten, dass sie passend zu den Geschehnissen interpretiert werden könnten. Im Gegensatz dazu stünden Theorien wie die von Albert Einstein. Diese sei mit einem breiten Spektrum an möglichen Beobachtungsergebnissen nicht zu vereinbaren, würden diese Beobachtungen eines Tages getätigt so sei die Theorie eindeutig widerlegt[3]. Dieser Aspekt ist für Popper von ungeheurer Wichtigkeit und dient ihm als Abgrenzungskriterium: „Eine Theorie, die durch kein denkbares Ergebnis widerlegt werden kann, ist unwissenschaftlich …“[4]. Das bedeutet, dass eine wissenschaftliche Theorie sehr speziell und damit auch riskant sein sollte, um gewisse Ereignisse ausschließen zu können. Deshalb sollten nach Popper Beobachtungen auch nicht mehr als Bestätigungen, sondern als Widerlegungsversuche angesehen werden, da er der Ansicht ist, dass „das Kriterium der Wissenschaftlichkeit einer Theorie ihre Falsifizierbarkeit ist, ihre Widerlegbarkeit, ihre Überprüfbarkeit.“[5].

2. Die Entstehung einer wissenschaftlichen Theorie

Der weit verbreiteten Ansicht, dass wissenschaftliche Theorien aufgrund getätigter Beobachtungen entstünden, widerspricht Popper; er ist der Meinung, dass diese Theorien nur dem Versuch der Menschen dienen würden, der Welt Gesetze aufzuzwingen, denn eine Beobachtung ohne konkretes Ziel könne es nicht geben[6]. Dementsprechend entwickle man erst eine Theorie und versuche dann die darin enthaltenen Merkmale zu beobachten. Dabei gäbe es zwei verschiedene im vorhergehenden Absatz schon erwähnte Haltungen: die kritische, mit der man versuche zu falsifizieren und die dogmatische, mit der man verifizieren wolle[7]. Nach seiner Definition wäre also die erste Haltung eine wissenschaftliche, die zweite hingegen eine unwissenschaftliche. Ein Schluss, der nur auf verifizierenden Beobachtungen besteht wäre für Popper somit nur ein unwissenschaftlicher Mythos. Doch Mythen könnten prüfbar werden und würden somit oft die Grundlage für eine neue Wissenschaft bieten[8], die damit beginnen würde, sie kritisch zu beleuchten. Daraus ergäbe sich, dass Scheinwissenschaften trotz ihrer Nicht-Wissenschaftlichkeit sehr wichtig sind, denn durch ihre Weiterentwicklung und immer erneute Revision könnten immer tauglichere Theorien entstehen, die irgendwann die Grenze zur Wissenschaftlichkeit überschreiten könnten.

3. Annäherung an die Wissenschaft

Die Art festzustellen, ob die eine Theorie tauglicher sei als die andere, sei von Theorie zu Theorie unterschiedlich, bei logisch-mathematischen und empirisch-wissenschaftlichen sei dies durch Widerlegungsversuche zu bewerkstelligen, doch bei scheinwissenschaftlichen wäre diese Möglichkeit nicht vorhanden, da sie schließlich gar nicht zu falsifizieren sei[9]. Allgemein könne man sich jedoch an das Kriterium des Gehalts halten, das besagt, dass diejenige Theorie die bessere sei, die mehr aussagt als die andere, denn dadurch habe sie eine größere „Erklärungs- und Vorhersagekraft“, die wiederum dazu führe, dass die Theorie besser zu überprüfen sei[10]. Daraus ließe sich schließen, dass die Annäherung an die Wissenschaftlichkeit einer scheinwissenschaftlichen Theorie mit dem Grad ihres Gehaltes stiege, da sie dadurch auch immer stärker zu falsifizieren wäre, was für Popper das Abgrenzungskriterium zur Wissenschaft bildet.

C. Die Parapsychologie

Die Parapsychologie beschäftigt sich mitnicht erklärbaren Ereignissen, die von dem Großteil der Bevölkerung abgelehnt und als Aberglaube abgetan werden[11].

1. Begriffserklärung

Die Parapsychologie unterteile[12] sich laut Hans Driesch in zwei Gruppen, die paraphysische und die mentale. Die paraphysische befasse sich vor allem mit Telekinese, Materialisation, direkter Stimme, Apporten und Spuk. Nur der Spuk werde dabei als sehr wahrscheinlich, jedoch nicht genügend abgesichert angesehen.Der Rest gelte meist als unglaubwürdig und kann deswegen in dieser Arbeit vernachlässigt werden. Die mentale Gruppe umfasse vor allem die Bereiche der Telepathie, des Hellsehens und der Praekognition, zusammengefasst auch außersinnliche Wahrnehmung (ASW) genannt. Die Gemeinsamkeit bestünde in dem Erwerb von Wissen auf unnatürlichem Wege, die genauen Unterschiede sollen jedoch im Folgenden erläutert werden.

1.1 Telepathie

Das Wesen der Telepathie ist nach Driesch eine Art der Kommunikation. Sie ließe sich jedoch wiederum aufteilen in Gedankenlesen und Gedankenübertragung. Sie wären durch die Rolle der aktiven Person zu unterscheiden.Beim Gedankenlesen versuche der Aktive in den Geist des Passiven einzudringen und dort an Informationen zu gelangen, wohingegen bei der Gedankenübertragung der Aktive Informationen an den Passivenübermittele. Beide Vorgänge könnten sowohl bewusst als auch unbewusst ablaufen. Auch die Art der Information könne stark variieren, es wäre möglich,sowohl Gedanken und Gefühle als auch Bilder, Symbole und Worte zu übermitteln. Die Telepathie sei vor allem durch die Experimente von Upton Sinclair, Rhine und v. Neureiter abgesichert worden.

1.2 Hellsehen

Am Hellsehen sei im Gegensatz zur Telepathie immer nur eine Person beteiligt, die auf ungeklärte Weise Kenntnis über Vorgänge oder Dinge erhalten könne, die sonst keinem Menschen zugänglich seien und somit nicht telepathisch übermittelt werden könnten. Dieses Kriterium sei jedoch meist nur sehr schwer nachzuweisen, denn woher solle man wissen, dass niemand auf der Welt Kenntnis von dem Vorgang hatte. Dennoch hätten Rhine und Bender durch ihre Experimente das Hellsehen glaubhaft abgesichert.

1.3 Praekognition

Die Praekognition, die auch oft in Psychometrie und Prophetie unterteilt werde, ließe sich allgemein als zeitliches Hellsehen beschreiben, was bedeute, dass die Person Geschehnisse wahrnehmen könne, die in der Vergangenheit oder Zukunft geschehen. Natürlich müsse auch hierbei die Möglichkeit der Telepathie ausgeschlossen werden. Glaubhafte Versuche seien dabei beispielsweise von Helmut Schmidt durchgeführt worden[13].

2. Auftreten der Erscheinungen

Durch langes Beobachten und Sammeln von Berichten ließe sich manches erkennen, dass das Auftreten oben genannter Erscheinungen begünstige. Durch Überlieferungen wisse man, dass außergewöhnliche Ereignisse vor allem in Krisenzeiten wie Kriegen aufgetreten seien, dabei sei scheinbar die Angst der Auslöser gewesen[14]. Doch auch in anderen extremen Situationen wie bei einem Unfall oder einem Todesfall wären solche Erscheinungen keine Seltenheit[15]. Dabei sei jedoch die Verbundenheit zwischen den Menschen ein wichtiger Faktor. Besonders Telepathie würde dadurch stark begünstigt. Viele der Übertragungen fänden im Schlaf oder kurz vor der Schlafphase statt und könnten in Experimenten besonders gut in Trance durchgeführt werden, so dass man daraus schließen könne, dass ein herabgesetztes Bewusstsein ein weiterer bedeutender Faktor sei.

3. Methodik

Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Methoden entwickelt, mit deren Hilfe Forscher der Parapsychologie versuchten, ihr Forschungsgebiet glaubhaft zu machen.

[...]


[1] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 1, S. 47.

[2] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 1, S. 49.

[3] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 1, S. 50.

[4] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 1, S. 51.

[5] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 1, S. 52.

[6] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 1, S. 66f.

[7] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 1, S. 72.

[8] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 2, S. 374.

[9] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 2, S. 287ff.

[10] Popper, Karl R.: Vermutungen und Widerlegungen 2, S. 315.

[11] Bender, Hans: Unser sechster Sinn, S. 23f.

[12] Vgl. auch folgend: Driesch, Hans: Die wissenschaftliche Parapsychologie der Gegenwart, in: Parapsychologie, hg. von Hans Bender, S. 94-101.

[13] Aubeck, Heinz-Jürgen: Querschnitt der Parapsychologie, S. 86.

[14] Bender, Hans: Unser sechster Sinn, S. 9ff.

[15] Vgl. auch folgend: Aubeck, Heinz-Jürgen: Querschnitt der Parapsychologie, S. 57.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ist Parapsychologie eine Wissenschaft?
Untertitel
Abgleich der Parapsychologie mit dem Abgrenzungskriterium für Wissenschaftlichkeit nach Sir Karl Popper
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V340380
ISBN (eBook)
9783668300446
ISBN (Buch)
9783668300453
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissenschaftlichkeit, Karl Popper, Parapsychologie, Wissenschaft, Philosophie
Arbeit zitieren
Ilka Vorstmann (Autor:in), 2009, Ist Parapsychologie eine Wissenschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340380

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ist Parapsychologie eine Wissenschaft?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden