Das diffizile Verhältnis zwischen Philipp II. und Alexander III.


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Biographie und Hintergrund von Philipp II

3. Auserwählt unter Auserwählten - Die frühe Jugend Alexanders

4. Duell Royal - Die Aufkommende Rivalität zwischen König und Thronfolger

5. Game-Change der Alten Geschichte - Das Attentat

6. Ein Vergleich der Politik zwischen Alexander III. und Philipp II

Literatur

1. Einleitung

Alexander II. führte die Alte Geschichte zweifelsohne in ein neues Zeitalter, welches von der Metamorphose vom persischen in das griechisch/ makedonische Zeitalter kündet. Wenn der Begriff Philipp II. in den akademischen Diskurs geworfen wird und kein Althistoriker zur Stelle ist, so gehen die Assoziationen eher in Richtung der Iberischen Halbinsel zu dem dortigen Philipp II. und assoziieren die unglückliche Heirat mit Bloody Mary und nicht zuletzt die legendäre Auseinandersetzungen zwischen den katholischen König von Spanien Philipp II. und der namhaften Halbschwester seiner einstigen katholischen Ehefrau, der nachfolgenden protestantischen Königin Elisabeth I.

Philipp II., König über Makedonien und Hegemon über die griechischen Stadtstaaten, steht im Schatten seines Sohnes Alexanders, der später und insbesondere nach dem Besuch des Orakels in Siwa bemüht war, selbst die Vaterschaft zu Philipp II. mehr oder weniger indirekt in Zweifel ziehen zu lassen.[1]

Die Beziehung zwischen Philipp II. und Alexander besteht neben klassischen Elementen wie Vater Sohn Rivalität, Verbrüderungssituationen und einem (normalen) Parallelleben, in dem sich Alexander seiner Peergruppe zuwendet und Philipp sich den Feldzügen, der Herrschaft und der Ekstase widmet. Dennoch lassen sie sich nicht auf die oben skizzierten bilateralen Elemente in der Beziehung zwischen König und wahrscheinlichen Thronfolger reduzieren. Vielmehr muss immer eine tertiäre Ebene in der Beziehungskonstellation berücksichtigt werden. Die Mutter von Alexander und eine von mehreren Gemahlinnen von Philipp – Myrtale, die unter dem von ihr adoptierten Namen Olympia in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Um an dieser Stelle die größtmöglich anzunehmende akademische Provokation zu wagen: Soll hier auf ein wahrlich nicht zitierfähiges und wohl noch nicht mal normativ populärwissenschaftlichen Werk eingegangen werden, dass dennoch die Alexander Rezeption maßgeblich beeinflusst hat, den Alexander Film von Oliver Stone:

Hier stellte der Vertraute Hephaistos Alexander die Frage, ob er nach dem endgültigen Sieg über Persien nicht auch deshalb immer weiter in die Welt des Ostens vordringt, um vor seiner Mutter davonzulaufen. Diese kurze eingefügte Dialogszene des Drehbuchautoren steht stellvertretend für die komplexe und vielschichtige Persönlichkeit mit der wir es mit Olympia, eine der prominentesten Frauen der Alten Geschichte, zu tun haben.

Die klassischen Produzenten der Primärquellen zu Alexander, die man der Tradition zuordnen kann, konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Leistungen Alexanders und somit auf seine Regierungszeit und seine Feldzüge auf dem Balkan, in Hellas und insbesondere im Perserreich. Überlieferungen zu Alexanders Jugend, sind aus einer Zeit in dem das Verfassungen von Biografien noch nicht in Mode gekommen war und daher eher rar gesät. Was hiervon ist Legende und was Historizität? Diese Fragen muss die Alte Geschichte immer wieder neu bewerten.

Diese Problematik ergibt sich grundsätzlich im Zusammenhang mit der Quellenlage zu Alexander. Heute sind die Publikationen hierzu und insbesondere die klassische Sekundärliteratur so weit vorangeschritten, dass es mehr als ein Menschenleben dauern würde, um sie in der Gesamtheit zu konsumieren. Viele der Originalaufzeichnungen und somit der Primärquellen wurden auf Papyri abgefasst, deren Halbwertzeit über die Jahrhunderte sehr vergänglich war und somit konnten Papyri nur in sehr heißen Gegenden und hier insbesondere in Wüstenarealen als Primärquellen überdauern. Außer sie wurden in der Spätantike oder zu Beginn des Mittelalters transkribiert und somit für die Nachwelt aufbewahrt.

Doch hier stellt sich die Frage nach Selektion und Tendenzen, die man unter dem Imperativ des Zeitgeistes oder der Laune des Zahns der Zeit zusammenfassen kann. Lange standen auch hier die Leistungen von Alexander III. und weniger seine Kindheit im Vordergrund. Insofern ist der Forschungsstand in seiner Gesamtheit komplex und unübersichtlich, während die Primärquellen zu Alexanders Kindheit und frühen Jugend eher eine exotische Seltenheit sind, mit diesen grundlegenden Rahmenbedingungen muss auch die vorliegende Arbeit operieren:

Die Beziehung zwischen Philipp und Alexander ist auch deshalb untersuchungswert, weil man die außerordentliche Leistung Alexanders und durch ihm die Ausbreitung des Hellenismus nur verstehen kann, indem man the veritable groundwork von Philipp II. betrachtet. Die Bewahrung der Unabhängigkeit Makedoniens, der Sieg über Theben als dominierendes Zentrum innerhalb der griechischen Stadtstaaten und die Ablösung derselben durch Makedoniern - aus einer Position der geopolitischen Peripherie heraus - und nicht zuletzt die Gründung des Korinthischen Bundes, welche die makedonische Dominanz über die Griechischen Stadtstaaten institutionalisieren sollte, war elementar für den außerordentlichen Erfolg von Alexander. All dies war die Leistung von Philipp II. und ebenso die Vorbereitung des Feldzuges gegen die Perser, welche nach der epischen Suche nach einem Mandatsträger, Philipp II. an sich gerissen hatte. Die Ermordung von Philipp sollte wie ein Deus Ex Machina den Perserfeldzug verzögern, Alexander in jungen Jahren an den Thron katapultieren, ihm die Gelegenheit geben alle Widersacher auszuschalten und nach einem kurzweiligen Intermezzo der Unruhe, Makedonier und Griechen unter dem Oberkommando von Alexander gegen Persien marschieren zu lassen...

Die Rolle Olympias und Alexanders bei der Ermordung Philipps bleiben indessen bis heute nicht abschließend normativ geklärt. Und reichen von Gerüchten im Zusammenhang von Anstiften, Mitverschwörung und weiterem bis zum Theorie Model der Handlung eines Einzeltäters, dessen Motiv ausschließlich Rache und Ehre waren.

Philipp, der Makedonien 25. Jahre regierte, führte sein Land aus einer außerordentlichen komplizierten Situation heraus und transformierte das Land in Rahmen seiner Ära nicht nur zu einer beachtlichen territorialen Erweiterung, sondern zur Hegemonie über ganz Griechenland und der Position der mächtigsten Militärmacht auf dem Balkan.

Dennoch ist Philipp II. - womöglich zu Unrecht – nur ein Schatten in der Ära Alexanders III. Und wird meistens in der Populärwissenschaft nur als ein peripherer Bezugspunkt in der Vita Alexanders III. wahrgenommen. Obgleich die Ära Phillips, die immerhin ein viertel Jahrhundert andauerte, das makedonische Kernland konsolidierte, den Staat und das Militär reformierte und in die Zukunft seines Sohnes und seiner Gefährten im Zusammenhang mit Aristoteles investierte.

Hätte es das Attentat nicht gegeben und anstatt Alexanders wäre ein Sohn von Kleopatra Philipp nachgefolgt und eben dieser Philipp hätte auf seinem erfolgreichen Perserfeldzug Kleinasien für Hellas zurückerobert, würde man dann nicht heute Philipp II. als den bedeutendsten Makedonier in der Geschichte ansehen?

Andererseits wäre die Geschichte Makedoniens dann nur ein Nischenthema in der Alten Geschichte, die Rückeroberung Kleinasiens hätte historisch kaum eine bedeutendere Rolle als die zeitweise Sukzession Ägyptens vom Perser Imperium gespielt. Den Hellenismus in diesem Umfang hätte es in der Geschichte nie oder bedeutend später gegeben. Seleukidenreich, das Ptolemäische Ägypten – mit dem vielleicht namhaftesten letzten Glied der dynastischen Kette Kleopatra – die Handelsmetropole Alexandria und viele weitere Post-Alexander Reiche und Teilreiche hätte es auf der geopolitischen Landkarte der Alten Geschichte nie gegeben.

War die Beziehung zwischen Alexander III. und Philipp II. immer konstant? Oder kann man vielmehr die Beziehung in verschiedene Phasen bzw. Aggregatzustände einteilen? Und inwieweit lassen sich die Politiken zwischen den beiden oben erwähnten veritablen Persönlichkeiten der Alten Geschichte vergleichen? Die Einordnung und Klärung dieser Frage ist die Zielsetzung der Untersuchung.

2. Biographie und Hintergrund von Philipp II.

Als Makedonien von König Amnyntas III. regiert wurde, schien sein Sohn Philipp nicht gerade dafür prädestiniert zu sein, einmal selbst König über Makedonien zu werden. Zwar von königlicher Geburt, hatte er älterer Brüder [z.B. der spätere Alexander II.]. noch dazu wurde er als lebendes Pfand für den bilateralen Friedensvertrag zwischen Illyrien und Makedonier nach Theben als Geißel gebracht. Der Friedensvertrag war gleichzusetzen mit einer militärischen und somit auch politischen Niederlage Amnyntas III. und Makedonien ging geschwächt und gedemütigt aus dieser Auseinandersetzung.

Nach Amnyntas III. folgte der älteste Sohn Alexander II. Auf den Thron. Dieser wurde rasch in einer Verschwörung von Phokenauis von Aloros ermordet. Philipp konnte diesen politischen Umbrüchen als Gefangener in Theben zuschauen. Dennoch wurden Philipp wichtige militärische und politische Lehren durch die Gefangenschaft vermittelt. Die militärische Interdependenz zwischen Infanterie und Kavallerie und der Nutzen von permanenten militärischen Übungen – beeindruckte Philipp stark.[2] Er sollte sie in seiner späteren Regentschaft übernehmen und perfektionieren.

Auf Mord folgte Mord und so wurde Phokenauis rasch von Perdikkas abgelöst, der seinen Vorgänger auch politisch beseitigte. Der neue König sollte wiederum in einer weiteren militärischen Auseinandersetzung mit den Illyriern fallen. In dieser delikaten Situation floh Philipp II. aus Theben und ging als neuer König der Makedonien in die Geschichte ein. Vorher hatte der in der Illyrer Schlacht gefallener König, Philipp – welcher inzwischen von der Thronfolge ausgeschlossen war – als Vormund für seinen unmündigen Sohn eingesetzt. Philipp fungierte erst als Vormund, bis er sich irgendwann selbst zum rechtmäßigen König erklärte.

Ähnliche – wenn auch weniger blutrünstig und rücksichtslos als sein Sohn Alexander – nutze Philipp die Phase der Machtübernahme gegen andere potenzielle Anwärter auf den Thron. Einige wurden außer Landes getrieben und andere verloren ihr Leben.[3]

Einer der großen Alexanderautoren Diodor schildert die militärischen Reformen, welche Philipp II. den Makedonen rasch verordnete: Besonders die Einführung der geschlossenen Phalanx sei hier zu erwähnen.[4] Und schon bald nach dem Regierungsantritt Philipps sollte es zu den ersten militärischen Auseinandersetzungen kommen. Ein erster Feldzug führte gegen die Päonen – und das Heer Philipp schlug sie erfolgreich. Danach folgte der Feldzug gegen den Erzfeind der Makedonier.

[...]


[1] Vgl. Gerücht der Abstammung vom ägyptischen Pharao Nektaneboss II, welcher dem Gerücht zu Folge nach seiner Absetzung als Pharao durch die Perser nach Makedonien flüchtet.

[2] Vgl. Johannes Engels: Phillipp II. Und Alexander der Große, Darmstadt, 2006.

[3] Ders. S.22.

[4] Vgl. Hermann Bengtson, Philippp und Alexander der Große, München, 1985, S. 53.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das diffizile Verhältnis zwischen Philipp II. und Alexander III.
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich Meinecke Institut)
Veranstaltung
Philipp II. & der Junge Alexander
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V340384
ISBN (eBook)
9783668300422
ISBN (Buch)
9783668300439
Dateigröße
2931 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alexander II., alexander der große, philipp II., makedonien, mazedonien, oliver stone, alexander
Arbeit zitieren
Oliver Märtin (Autor), 2012, Das diffizile Verhältnis zwischen Philipp II. und Alexander III., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340384

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