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Der Sprechfilm - Ein neuer Laokoon?

Titel: Der Sprechfilm - Ein neuer Laokoon?

Seminararbeit , 2001 , 16 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: M.A. Andreas Reichard (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Einleitung

Anlässlich vieler Diskussionen, was man unter Kino zu verstehen hat, das heiß t was wir unter wissenschaftlicher Betrachtungsweise des ‚Apparates’ Kino zu erwarten haben, nämlich die Multimedialität des „kinematographischen Spektakels“1, erscheint es angebracht, essentielle kunsttheoretische Betrachtungen des Dispositivs anhand des wohl am kinospezifischsten Mediums, des Filmes, einzubeziehen. Da wir es beim Film mit einer Reihe verschiedener Mittel (Bild, Sprache, Geräusche) zu tun haben – zumindest seit der Erfindung des Tonfilmes – nämlich mit einer „Verkopplung der künstlerische n Mittel“2 (eben Bild mit Ton/Sprache) – ist es von großer Bedeutung, eine der wohl wichtigsten Schriften des 18. Jahrhunderts (zumindest was die ästhetischen Diskussionen der damaligen Zeit angeht), Gotthold Ephraim Lessings ‚Laokoon’3, als eine Art Maßstab und Analyseverfahren zur Untersuchung heranzuziehen. Einen interessanten Ansatzpunkt zur kunsthistorischen oder kunsttheoretischen Untersuchung der filmischen Kunst bietet Rudolf Arnheims Aufsatz ‚Neuer Laokoon’, in dem er versucht, die wie oben schon genannte Kopplung von künstlerischen Mitteln anhand des Sprechfilms zu untersuchen.

Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, anhand Lessings kunsttheoretischer Schrift ‚Laokoon’ und Arnheims Aufsatz ‚Neuer Laokoon’, die Eigenheiten der Kunst, im Speziellen des Bildes (oder der „Malerei“ wie Lessing sie bezeichnet4) und der Sprache als poetische Kunst (bei Lessing „Poesie“) aufzuzeigen und sie auf den Sprechfilm anzuwenden, so wie Arnheim es tut, um die Frage nach der Gültigkeit von Lessings Regeln für neuere Kunst (wie eben der Sprechfilm) zu prüfen und somit den künstlerischen Anspruch des Sprechfilmes zu klären: Entsteht durch die Realisierung des Sprechfilms und der damit verbundenen Kopplung der künstlerischen Mittel Bild und Sprache ein ‚neuer Laokoon’? Zunächst soll ein kurzer historischer Abriss Klarheit über die Figur des Laokoon bringen und Lessings Werk sowie Arnheims Aufsatz kurz vorgestellt werden. Danach sollen die Kernpunkte und die ästhetischen Auffassungen über Kunst geklärt, erläutert und in Bezug zum Sprechfilm gesetzt werden, um die Bedeutsamkeit von Lessings Werk zu klären.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lessings ‚Laokoon’ vs. Arnheims ‚Neuer Laokoon’

2.1 Laokoon – Priester im Schmerz

2.2 Zu Lessings Werk ‚Laokoon’

2.3 Zu Arnheims Aufsatz ‚Neuer Laokoon’

3. Zum ästhetischen Programm – Kunstauffassungen

3.1 Lessings Bestimmung von Poesie und Malerei

3.2 Arnheims Kunstauffassung

4. Zum Sprechfilm

4.1 Der Sprechfilm als Kunst?

4.2 Warum der Sprechfilm nach Arnheim kaum als Kunst zu gelten hat

5. Lessings ‚Laokoon’ – Ein Regelwerk mit Bestand?!

5.1 Der Sprechfilm – Ein ‚neuer Laokoon’?

5.2 Lessings ‚Laokoon’ durch den Film überholt?

6. Fazit

7. Anhang – Literaturliste

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den künstlerischen Status des Sprechfilms durch eine kritische Gegenüberstellung von Gotthold Ephraim Lessings kunsttheoretischer Schrift „Laokoon“ und Rudolf Arnheims Aufsatz „Neuer Laokoon“. Ziel ist es zu prüfen, inwieweit Lessings Forderungen nach einer strikten Trennung der künstlerischen Mittel (Bild und Sprache/Poesie) auf das moderne Medium Film anwendbar sind und ob der Sprechfilm aufgrund der Kopplung dieser Mittel als eigenständiges Kunstwerk Bestand haben kann.

  • Gegenüberstellung von Lessings klassischer Ästhetik und Arnheims filmtheoretischer Perspektive
  • Analyse der medienspezifischen Reinheit von künstlerischen Ausdrucksmitteln
  • Untersuchung der Problematik von Multimedialität im Sprechfilm
  • Kritische Würdigung der Hierarchie der Mittel im Kontext von Film und Theater
  • Diskussion zur Gültigkeit klassischer Regelwerke für moderne technische Medien

Auszug aus dem Buch

4.2 Warum der Sprechfilm nach Arnheim kaum als Kunst zu gelten hat

Wie eben im vorhergehenden Kapitel herausgearbeitet, gilt für Arnheim der Sprechfilm als Kunstwerk nur durch die Einhaltung bestimmter Regeln (oder Eigenschaften) zur Multimedialität, die seiner Ansicht nach kaum (oder sogar überhaupt nicht) zum Zuge kommen: Beide Ebenen der Mittel, also Bildebene und Tonebene sollten quasi ineinander greifen, doch müssten sie auch voneinander losgelöst sinnvoll sein. Weshalb der Sprechfilm nun aber bei Arnheim „ein Gefühl des Unbehagens“ auslöst, soll an dieser Stelle kurz dargestellt werden.

Aufgrund der Tatsache, dass es beim Sprechfilm bei der Verkopplung von Bild und Dialog zu Kompetenzüberschneidungen kommt, muss jedes Mittel eingeschränkt und beengt werden: Arnheim sieht die Einengung der Mittel beim Sprechfilms dadurch bedingt, weil bei Eigenständigkeit des Bildes und bei Eigenständigkeit des Dialoges beide Ebenen das gleiche ausdrücken würden. Eben diese Kompetenzüberschneidungen, also dass das gleiche praktisch doppelt gesagt würde, wird dadurch vermieden, „dass man [...] den Dialog künstlich einschränkt [und] [...] das Bild [...] zu Einengungen bequemen muss.“ Veranschaulicht am Sprechfilm heißt das, dass also die pantomimenhafte Darstellung im Bild schlechter wird: Arnheim: „Für das Bild bedeutet das die Ersetzung des optisch ergiebigen handelnden Menschen durch den unergiebigen sprechenden Menschen.“ Man kann beim Sprechfilm also von einer Intermedialität von Bild und Sprache sprechen (wie in Kapitel 4.1 geklärt, fordert Arnheim ja eine Kunst die, wenn schon multimedial, dann aber zumindest in jedem Mittel rein und losgelöst sinnvoll ist). Darum spricht Arnheim von einem „zerstörerischen Einfluss“ des Dialoges auf die Bild- und Filmkunst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Lessings kunsttheoretische Erkenntnisse zur Trennung der Künste als Maßstab für den modernen Sprechfilm dienen können.

2. Lessings ‚Laokoon’ vs. Arnheims ‚Neuer Laokoon’: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund der Laokoon-Debatte und stellt Arnheims Kritik an der Kopplung künstlerischer Mittel vor.

3. Zum ästhetischen Programm – Kunstauffassungen: Es werden Lessings Differenzierung zwischen Malerei und Poesie sowie Arnheims gestalttheoretisch geprägte Sichtweise auf die Kunst dargelegt.

4. Zum Sprechfilm: Das Kapitel analysiert die künstlerische Problematik des Sprechfilms, insbesondere die Einschränkung der visuellen Ebene durch den Dialog.

5. Lessings ‚Laokoon’ – Ein Regelwerk mit Bestand?!: Hier wird diskutiert, ob Lessings Thesen durch den Film widerlegt oder durch Arnheims Analyse in ihrer Gültigkeit bestätigt werden.

6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass der Sprechfilm zwar medientechnisch wertvoll, jedoch unter einem strikt künstlerischen Anspruch nach Arnheim problematisch bleibt.

7. Anhang – Literaturliste: Die Liste umfasst die zentralen Primär- und Sekundärquellen der Untersuchung.

Schlüsselwörter

Sprechfilm, Laokoon, Gotthold Ephraim Lessing, Rudolf Arnheim, Bild und Sprache, Kunsttheorie, Medienspezifik, Multimedialität, Ästhetik, Stummfilm, Intermedialität, Filmkunst, Gestaltpsychologie, Regelwerk, Illusion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der ästhetischen Untersuchung des Sprechfilms unter Rückgriff auf klassische kunsttheoretische Positionen zur Trennung von Bild und Sprache.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die medienspezifischen Unterschiede zwischen bildenden Künsten und Dichtkunst sowie die Herausforderungen, die die Kombination dieser Medien im Film mit sich bringt.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob der Sprechfilm als eigenständiges, „reines“ Kunstwerk gelten kann, wenn man Lessings Forderung nach einer Trennung der Künste als Prüfmaßstab anwendet.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literatur- und Theorieanalyse, um Lessings Ästhetik mit Rudolf Arnheims filmtheoretischen Überlegungen in Bezug auf den Sprechfilm zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Kunst bei Lessing und Arnheim und wendet diese kritisch auf die Produktionsbedingungen und die Struktur des Sprechfilms an.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Medienspezifik, Multimedialität, prägnantester Augenblick, ästhetische Reinheit und Kompetenzüberschneidung bestimmt.

Warum sieht Arnheim im Sprechfilm einen „zerstörerischen Einfluss“?

Laut Arnheim führt die Hinzufügung von Sprache zum Bild zu gegenseitigen Einschränkungen, die beide Ebenen schwächen, anstatt ein vollwertiges Gesamtkunstwerk zu erschaffen.

Wie bewertet der Autor den Stummfilm im Vergleich zum Sprechfilm?

Der Autor argumentiert, dass der Stummfilm für Arnheim ein höheres Ideal an „reiner“ Filmkunst darstellt, da er ohne die als störend empfundene Kopplung mit dem gesprochenen Wort auskommt.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Sprechfilm - Ein neuer Laokoon?
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
M.A. Andreas Reichard (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V34041
ISBN (eBook)
9783638343671
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprechfilm Laokoon Proseminar
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Andreas Reichard (Autor:in), 2001, Der Sprechfilm - Ein neuer Laokoon?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34041
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Leseprobe aus  16  Seiten
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