Dort, wo überkommene Lebensweisen und Institutionen ihre selbstverständliche Geltung verlieren, findet sich die Ethik und sucht allgemeingültige Aussagen über das Gute und gerechtes Handeln. In Dilemmata und Konflikten wird das, was sonst wie selbstverständlich gilt, in besonderer Weise herausgefordert und geprüft: Ethik und Grenzen eines Menschen zeigen sich im Konflikt. Umgekehrt ist jede ethische Fehlform immer auch konfliktträchtig. Das klassische Mittel der Wahl zur kompetenten Konfliktbearbeitung und -lösung ist die Mediation. Am Anfang dieser Untersuchung steht daher die Frage „Was ist das Gute an Mediation...?“
Was macht die Praxis der Mediation ethisch wert- und gehaltvoll, worin zeigt sich das Gute dort konkret? Der Haltung des Mediators wird in der Mediation eine zentrale Bedeutung zugesprochen – teilweise sogar die Mediation zur Gänze als „Haltung“ aufgefasst. Die Haltung des Mediators begleitet die Medianten durch den gesamten Prozess hindurch bis zur Lösung. Sie ist damit die „Mutter“ aller wesentlichen Anknüpfungspunkte für das Gute und dessen Wirkrichtungen in der Mediation. Die eingangs formulierte Frage ist daher als Zuspitzung vertiefend und präzisierend zu ergänzen: „... und an welcher Haltung des Mediators zeigt es sich in Prozess und Ergebnis?“
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangspunkt
2. Ziel und Gang der Untersuchung
a) Ziel
b) Gang
3. Grundbegriffe
a) Ethik und Moral
b) Das Gute
aa) Zur Definierbarkeit
bb) Orientierungs- und Haltepunkte für das Gute
cc) ausgewählte umschreibende Annäherungen an das Gute
dd) Zum Vorwurf des Relativismus (und kurz zum absolut Guten)
c) Mediation
d) Haltung als Quelle der Handlung
Zwischenergebnis 1
4. Inwieweit ist Mediation in Prozess und Ergebnis für sich genommen bereits ethisch gut?
Zwischenergebnis 2
5. Die Haltung des Mediators und das Gute
a) Die klassische Haltung des Mediators
b) Welcher Rahmen fördert das Gute?
c) Welche grundsätzlichen Haltungen fördern diesen Rahmen und das Gute?
d) Klientenzentrierung, Allparteilichkeit und das Gute
e) Welches weitere Gute zeigt sich an der Haltung der klientenzentrierten Allparteilichkeit?
aa) Gutes im Prozess
bb) Gutes im Ergebnis
Zwischenergebnis 3
6. Gesamtergebnis und Resumée
Theodor Fontane
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Ethik und Mediation, wobei insbesondere die Rolle der Haltung des Mediators analysiert wird. Es wird der Frage nachgegangen, inwieweit Mediation an sich ethisch gut ist und wie Prozess sowie Ergebnis durch die Haltung des Mediators positiv gestaltet werden können.
- Ethik und Moral im Kontext der Mediation
- Die philosophische Bedeutung des Begriffs "Das Gute"
- Die Haltung des Mediators als Ankerpunkt für ethisches Handeln
- Die Bedeutung klientenzentrierter Allparteilichkeit
- Wechselwirkung zwischen Prozessgestaltung und ethischem Ergebnis
Auszug aus dem Buch
b) Welcher Rahmen fördert das Gute?
Wie kann man sich einen idealen durch die Haltung des Mediators geprägten Rahmen, gewissermaßen einen Brutkasten oder ein Treibhaus für das Gute vorstellen? Das Gute wächst, gedeiht und zeigt sich in einer geschützten Atmosphäre des Vertrauens, des Zutrauens, des Wohlwollens, der Kooperation, der Offenheit, der Weite und der Freiheit, aber auch der Klarheit und der Eigenverantwortlichkeit für Gefühle, Bedürfnisse und Lösungen auf Seiten der Medianten. Als weitere im Sinne des Guten förderlichen rahmenzugehörige Prinzipien der Mediation seien noch die Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und gleichberechtigte Informiertheit (kein Sonderwissen) genannt. Dieser Rahmen sollte nicht allein auf rein kognitives Verstehen angelegt sein, sondern bei Bedarf auch einen Schutzraum für das Durchleben intensiver Gefühle von Hass und Wut, bis hin zum heilsamen Weinen und reinigendem Tränenfluss bilden.
Denn in der Praxis der Mediation geht es in kognitiver Hinsicht um das Ermöglichen empathieförderlichen gegenseitigen Verständnisses und korrespondierend in emotional-affektiver Hinsicht ebenso um die Lösung fixierender Blockierungen. Wenn ich den anderen besser verstehe, werde ich empathischer und kann mich leichter auf seine – und meine eigenen Gefühle – einlassen. In beiderlei Hinsicht könnte man daher von einem Prozess der „Verflüssigung“ sprechen. Ein uraltes Wort- und Sinnbild für inneres und äußeres Zerfließen bietet Psalm 22, in Vers 15 an: „Ich bin hingeschüttet wie Wasser... . Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.“ Wenn es auch nicht immer gleich ein Zerfließen sein muss: Kognitive wie affektive Geschmeidigkeit erleichtern das Einnehmen konträrer und sogar noch vielfältigerer Perspektiven, (re)aktivieren verschüttete Ressourcen und können heilend im Sinne des Guten wirken. In angstfreier, zutrauender und wohlwollender, vielleicht sogar liebevoller Atmosphäre der aufmerksamen Zuwendung zeigt sich das Gute, das Hilfreiche, das Richtige als eigentliche und wichtigste Autorität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangspunkt: Einführung in die ethische Relevanz von Konflikten und die Rolle der Mediation als Werkzeug zur ethisch fundierten Konfliktlösung.
2. Ziel und Gang der Untersuchung: Darstellung der Forschungsziele sowie des methodischen Vorgehens zur Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Ethik, Mediation und Mediatorshaltung.
3. Grundbegriffe: Klärung zentraler Konzepte wie Ethik, Moral, Mediation und der philosophischen sowie praktischen Dimensionen des "Guten".
4. Inwieweit ist Mediation in Prozess und Ergebnis für sich genommen bereits ethisch gut?: Analyse der ethischen Qualität des mediativen Prozesses an sich, losgelöst von der individuellen Haltung des Mediators.
5. Die Haltung des Mediators und das Gute: Untersuchung der Bedeutung der Haltung des Mediators, insbesondere des Konzepts der klientenzentrierten Allparteilichkeit, für das Gelingen und die ethische Qualität der Mediation.
6. Gesamtergebnis und Resumée: Zusammenführung der Ergebnisse, die die Haltung des Mediators als entscheidende integrative Klammer für die ethische Qualität der Mediation hervorhebt.
Schlüsselwörter
Ethik, Mediation, Haltung, Allparteilichkeit, Klientenzentrierung, Verantwortungsethik, das Gute, Konfliktlösung, Empathie, Autonomie, Menschenwürde, Dialektik, Verantwortung, Interpersonell, Prozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ethischen Grundlagen der Mediation und insbesondere die Rolle der Haltung des Mediators bei der Förderung von befriedenden und ethisch wertvollen Ergebnissen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Guten, die ethische Methodenlehre, das mediative Setting und die psychologisch fundierten Haltungsansätze wie Klientenzentrierung und Allparteilichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Mediation nicht nur formal ein Konfliktlösungsinstrument ist, sondern wie sie durch eine spezifische Haltung des Mediators aktiv zur Realisierung des Guten beitragen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine philosophisch-ethische Untersuchung, die sich u.a. der Diskursethik, der Dialektik sowie psychologischer Ansätze (wie dem klientenzentrierten Ansatz nach Carl Rogers) bedient.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Grundbegriffen, die Prüfung der ethischen Qualität des Mediationsprozesses an sich und eine vertiefende Analyse der Haltung des Mediators.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Ethik und Mediation sind Begriffe wie Haltung, Allparteilichkeit, Autonomie und Empathie entscheidend für das Verständnis der Argumentation.
Wie definiert der Autor das Verhältnis von Mediation und Ethik?
Die Mediation wird als Friedensarbeit verstanden, deren ethische Qualität maßgeblich durch die Haltung des Mediators geprägt ist, die wie eine integrative Klammer fungiert.
Warum ist die "klientenzentrierte Allparteilichkeit" so wichtig für den Autor?
Der Autor argumentiert, dass dieser Haltungsansatz die größte Wahrscheinlichkeit bietet, das Gute im Prozess zu fördern, da er die Autonomie der Medianten würdigt und aktiv Perspektivwechsel ermöglicht.
- Citar trabajo
- Thomas Stein (Autor), 2016, Mediation und Ethik. Was ist das Gute an Mediation und an welcher Haltung des Mediator zeigt es sich?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340550