Die Preisbildung im homogenen Oligopol


Hausarbeit, 2001

33 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Interdependenzverhältnis zwischen den Oligopolisten

III. Preisbildungsmodelle
III. I. Das Cournot – Modell
III. II. Das Bertrand-Modell
III. III. Das Chamberlin-Heuß-Modell
III. IV. Das Stackelberg-Modell
III. V. Die Spieltheorie

IV. Rolle der Kartelle in der Preisbildung

V. Zur Komplexität des Preisbildungsproblems im Oligopol

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Reaktionserwartungsdiagramm in einem Duopol

Abb. 2: Die Isogewinnkurve

Abb. 3: Reaktionskurve R2 des zweiten Duopolisten

Abb. 4: Reaktionskurve des einen Anbieters in Abhängigkeit von Preisen/Mengen des anderen Anbieters

Abb. 5: Preis-Absatz-Kurve auf dem Duopolmarkt

Abb. 6. 1 und 6. 2: Preisbildung im homogenen Duopol nach Cournot

Abb. 7: Cournot’sche Gleichgewichtslösung

Abb. 8. 1 und 8. 2: Bestimmung des Maximums (Cournot’scher Punkt C’)

Abb. 9: Bestimmung des Angebots bei Kenntnis des Konkurrenzverhaltens

Abb. 10. 1 und 10. 2: Das Chamberlin-Heuß-Modell

Abb. 11: Stackelberg-Lösung

Abb. 12: Auszahlungsmatrix des Spielers A in einem 2-Personen-Nullsummenspiel (eindeutig determiniertes Spiel)

Abb. 13: Auszahlungsmatrix des Spielers A in einem 2-Personenspiel (nicht eindeutig determiniertes Spiel)

I. Einführung

Der Preisbildung auf dem Oligopol kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil diese Marktform in ihren unterschiedlichen Ausprägungen heute auf den meisten Märkten als die dominierende vorgefunden wird. Auf der Angebotsseite sind nur wenige, relativ große Anbieter vorhanden, während auf der Nachfrageseite viele Käufer existieren (Angebotsoligopol). Dabei unterscheidet man ein vollkommenes bzw. homogenes Oligopol ohne Produktdifferenzierungen und ein unvollkommenes bzw. heterogenes Oligopol mit Produktdifferenzierungen. Diese beiden Oligopolformen unterscheiden sich in der Struktur der Nachfrage (was auf das Produkturteil aus der Sicht der Konsumenten zurückzuführen ist) und in der daraus resultierenden Preis-setzung bzw. im Preissetzungsverhalten der Oligopolisten. Da für unsere Diskussion lediglich das homogene Oligopol von Bedeutung ist, bezieht sich die weitere Ausar-beitung nur auf diese Marktform.

Die preistheoretische Analyse des homogenen Oligopols ist wesentlich komplexer und schwieriger als die des Polypols und des Monopols. Im Gegensatz zum Monopol oder zum Polypol muss der Oligopolist bei seiner Preisbildung nicht nur das Nachfrage-verhalten, sondern auch das Preissetzungsverhalten seiner Konkurrenz beachten. Der Monopolist ist der einzige und damit unabhängige Anbieter und muss bei seiner Preis-setzung nur die Reaktion der Nachfrager und gegebenenfalls die latente Konkurrenz berücksichtigen. Der Polypolist kann aufgrund seiner geringen Größe keinen spürbaren Einfluss auf das Marktergebnis ausüben und hat deshalb den Marktpreis als Datum hinzunehmen und seine Ausbringungsmenge anzupassen. Ändert dagegen der Oligo-polist auf dem homogenen Oligopol den Preis oder die Ausbringungsmenge, muss er mit einer entsprechenden Reaktion der Konkurrenten auf die neuen Absatzverhältnisse rechnen. Diese wird wiederum mit Rückwirkungen auf den ersten Anbieter verbunden sein. Aus diesem Grund spricht man beim Vorliegen einer derartigen oligopolistischen Konkurrenz auch von einer oligopolistischen Reaktionsverbundenheit bzw. Inter-dependenz.[1] Mit dieser Interdependenzsituation des einzelnen Oligopolisten wird im zweiten Teil der Themenbehandlung auseinandergesetzt, wobei es aus Vereinfachungs-gründen auf den Spezialfall des Duopols Bezug genommen wird.

Vor diesem Hintergrund werden im dritten Teil der Themenbehandlung die Preisbildungsmodelle im Einzelnen diskutiert und analysiert.

Außer der Preisbildungsmodellen spielen in der oligopolistischen Preisbildungstheorie auch die vertragliche Absprachen zwischen den Oligopolisten (Kartelle), die aus Komplexitätsgründen nicht in die Modelle miteinbezogen werden können, eine wichtige Rolle. Mit der Bedeutung der Kartelle beschäftigt sich der vierte Teil der Analyse.

Abschließend wird dann die Komplexität der Preisbildungsbestimmung auf einem oligopolistischen Markt dargestellt.

II. Interdependenzverhältnis zwischen den Oligopolisten

Das Kernproblem der Oligopolpreistheorie ist die Berücksichtigung der Reaktionen der Mitanbieter auf die Preis- und Mengenänderungen eines Anbieters. Um die Besonderheiten der Oligopolpreisbildung in der Hinsicht zu untersuchen, werden die Reaktionsweisen der Konkurrenz mittels der sogenannten Reaktionskurven dargestellt. Dazu lassen sich folgende Vorüberlegungen anstellen:

Nimmt man an, dass sich nur zwei Anbieter den Markt teilen, so spricht man von einem Duopol. Das angebotene Produkt ist ein homogenes Gut (® homogenes Oligopol), d.h. es existieren im Urteil der Käufer bezüglich ihrer Produktentscheidung keinerlei Präferenzen sachlicher, räumlicher, zeitlicher oder persönlicher Art. Da der Preis, den der einzelne Duopolist für seine Ware fordern kann, nicht nur von seiner eigenen, sondern auch von der Angebotsmenge der Konkurrenz abhängt, sind die individuellen Preis-Absatz-Funktionen der beiden Duopolisten so darzustellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei bleibt zunächst offen, ob aufgrund der speziellen Marktbedingungen das Prinzip der Preiseinheitlichkeit erfüllt ist oder nicht.

Agieren die Duopolisten mit dem Preis, so kehrt sich dieser Zusammenhang um. Fordern die Anbieter ihre Preise, so bestimmen die Nachfrager über die Mengen, die zu diesen Preisen abgenommen werden. Beim homogenen Oligopol bzw. Duopol besteht zw. den Anbietern eine wechselseitige Preisabhängigkeit. Senkt ein oligopolistischer Anbieter seinen Preis, wird die Konkurrenz einen großen Teil ihres Absatzes verlieren und aus dem Markt ausscheiden müssen, denn die Nachfrager keinen Unterschied bei den Produkten sehen und diese bei dem billigeren Anbieter konsumieren werden. Um dies zu verhindern, wird die Konkurrenz ebenfalls den Preis senken müssen, möglicherweise im gleichen Ausmaß oder noch stärker. Erhöht ein oligopolistischer Anbieter seinen Preis, wird sein Absatz fühlbar zurückgehen, der Absatz der Konkurrenz dagegen zunehmen, wenn diese ihre Preise konstant lassen. Diese gegenseitige Abhängigkeit lässt sich analytisch folgendermaßen darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inwiefern die Aktionen eines Duopolisten Auswirkungen für die Absatzmöglichkeiten seines Rivalen haben, ergibt sich aus der Größe der Anbieter. Jeder Anbieter verfügt aufgrund seines Marktanteils über einen bestimmten Einfluss auf das Marktergebnis. Es ist anzunehmen, dass der Rivale auf die Veränderung seiner Absatzlage durch die Aktionen des ersten Duopolisten mit entsprechenden Maßnahmen reagiert. Dies führt wiederum zu Rückwirkungen auf den ersten Anbieter usw. „Geht man davon aus, dass den Duopolisten diese Abhängigkeiten bekannt sind, so besteht für sie das Problem, nicht nur die Marktgegenseite, sondern auch die Reaktionen, die vom Konkurrenten als Antwort auf eigene Maßnahme erwartet werden, in ihre Planung einzubeziehen“.[2]

Wird die Gewinnmaximierung als Zielsetzung angenommen, so ergibt sich folgende Zielfunktion (exemplarisch auf den Duopolisten 1 abgestellt):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

je nachdem ob die Duopolisten mit der Menge oder mit dem Preis operieren.

Aus dem totalen Differential errechnet sich folgende notwendige Gewinnmaximierungs- bedingung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Differentialquotienten dx 2/dx 1 bzw. dp 2/dp 1 geben Auskunft darüber, wie Duopolist 2 auf Mengen- bzw. Preisänderungen des ersten Anbieters reagiert und werden daher als Reaktionskoeffizienten bezeichnet. Wie sich der Gewinn des ersten Duopolisten infolge seiner marktpolitischen Operationen verändert, kann also nur dann genau festgestellt werden, wenn neben der eigenen Umsatzfunktion der Reaktionskoeffizient des Rivalen bekannt ist. Der Duopolist 1 verfügt aber nicht über eine sichere Information, was das Reaktionsverhalten des Duopolisten 2 betrifft. Deswegen ist er gezwungen, aufgrund einer Reaktionshypothese dem Reaktionskoeffizienten für die erwartete Reaktion des zweiten Duopolisten, einen bestimmten Wert zuzuordnen.[3]

Die Reaktionserwartungen lassen sich in einem p1-p2-Diagramm durch Erwartungs- und Reaktionslinien darstellen.

E1 Abb. 1: Reaktionserwartungs-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Duopolist 2 rechnet damit, dass der Duopolist 1 auf seine Preiserhöhung D p2 = 1 mit einer Preiserhöhung D p1 = a reagiert. Die Linien E2 stellen also die Erwartungen des zweiten Anbieters bezüglich der Reaktion des ersten Anbieters dar. Für den ersten Anbieter sind jedoch die Linien E2 Reaktionskurven, weil sie die Reaktion des ersten Duopolisten auf die Preisänderung des zweiten wiederspiegeln. Die Steigung der E2-Lienien dp1/dp2 ist somit der Reaktionskoeffizient des ersten Anbieters.

Entsprechend stellen die E1-Linien die Erwartungen des ersten Anbieters dar. Sie zeigen die vom ersten Anbieter erwarteten Reaktionen des zweiten Anbieters an und sind

gleichzeitig die Reaktionskurven des zweiten Duopolisten. Die Steigung der E1-Lienien

dp2/dp1 ist dann entsprechend der Reaktionskoeffizient des zweiten Anbieters.[4]

Um die wirkliche Reaktion der Duopolisten herausbilden zu können, muss die Gewinnmaximierungshypothese durch Einführung der unterschiedlichen „Gewinnbedingungen“ berücksichtigt werden. Diese „Gewinnbedingungen“ werden in der Preisbildungstheorie anhand der s.g. Isogewinnkurven dargestellt. Diese zeigt alle Kombinationen von Durchschnittkosten K/x und Produktmenge x, bei denen der Anbieter einen Gewinn erzielt. Sind die Durchschnittskosten K/x gleich dem Preis p, so ist der Gewinn Null (G=0). Die Isogewinnkurve hat folgenden Verlauf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Die Isogewinnkurve

Solche Isogewinnkurven lassen sich in das p1-p2-Reaktionserwartungsdiagramm einzeichnen. In der Abb. 3 sind die E2-Erwartungslinien des zweiten Duopolisten mit den Isogewinnkurven (G2 = const.) konfrontiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Reaktionskurve R2 des zweiten Duopolisten

Daraus wird erkennbar, dass für den zweiten Duopolisten je nach seiner Erwartung (E2- Linien) durch die Berührungspunkte von den Erwartungs- und Isogewinnkurven eine bestimmte Konstellation ergibt, bei der der Duopolist 2 den höchstmöglichen Gewinn realisieren kann. Verbindet man diese Berührungspunkte, so erhält man die Reaktionskurve R2 des Anbieters 2 bezüglich der Preisänderungen des Anbieters 1 unter der Zielsetzung der Gewinnmaximierung. Da die Reaktionskurve R2 eine Gerade ist, sind die Reaktionskoeffizienten für jeden Berührungspunkt gleich.

[...]


[1] Vgl. Bontrup, Heinz-Josef: Volkswirtschaftslehre Grundlagen der Mikro- und Makroökonomie, München 1998, S. 200-201

[2] Brandt, Engelkamp, Ottnad, Tristram: Grundzüge der Mikroökonomie, 3.Auflage, Freiburg 1993, S. 329

[3] Vgl. Brandt, Engelkamp, Ottnad, Tristram: Grundzüge der Mikroökonomie, 3.Auflage, Freiburg 1993, S. 329

[4] Vgl. Brösse, Ulrich: Einführung in die Volkswirtschaftslehre - Mikroökonomie, 3. Auflage, München 1999, S. 335

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Preisbildung im homogenen Oligopol
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bochum gGmbH  (Volkswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Volkswirtschaftstheorie
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
33
Katalognummer
V3407
ISBN (eBook)
9783638120883
Dateigröße
1544 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bemerkung Dozent: Anspruchsvolle, gute Bearbeitung, welche aufgrund von Nachlässigkeit bei den Quellenangaben aber nur mit 2,3 zu werten ist.
Schlagworte
Preisbildung, Oligopol, Volkswirtschaftstheorie
Arbeit zitieren
Julia Fink (Autor), 2001, Die Preisbildung im homogenen Oligopol, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3407

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