„Carmen et error“. Mit diesen äußerst nebulösen Andeutungen gibt Ovid die Ursachen für seine relegatio an, die den Elegiendichter zum Exil am Rand des imperium Romanum in Tomis im Jahre 8 n. Chr. zwang. Der error dürfte wohl die Mitwisserschaft um den Ehebruch von Iulia gewesen sein, der Enkelin des Augustus, die im selben Jahre Opfer einer Verbannung geworden war. Das carmen hingegen indiziert die ars amatoria, die zwar bereits 8 Jahre zuvor erschienen war, aber im Eklat um die kaiserliche Familie als Wurzel dieses individuellen Abfalls von dem althergebrachten römischen Sittenkodex wahrgenommen wurde: Gerade die folgende Passage dieses ‚sexuell-avantgardistischen Programmes‘, das sich im dritten Buch mit der Begründung des weiblichen cultus, also der Schönheitspflege, den Liebeslehren der puellae widmet, biedert sich geradezu als Brennpunkt der kaiserlichen Anklageschrift um die Affäre aus den eigenen Reihen an. Die Argumentation Ovids für die Notwendigkeit und Legitimation der weiblichen Kosmetik schien einer derartigen Reaktion vorzubeugen, wie in der Komposition und Stringenz der nachfolgenden vier Abschnitte evident wird.
Inhaltsverzeichnis
- Vorbereitung auf die lateinische Interpretationsklausur
- OVID, Ars amatoria (3, 101 – 128)
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert eine Passage aus Ovids Ars amatoria, die sich mit der Schönheitspflege von Frauen befasst. Er beleuchtet die Argumentationsstrategie Ovids, der die Notwendigkeit des Körperkultes in der römischen Gesellschaft verteidigt.
- Die Bedeutung des Körperkultes in der römischen Gesellschaft
- Ovids Argumentationsstrategie und rhetorische Mittel
- Die Beziehung zwischen Schönheitspflege, Kultur und Zeit
- Die Rolle des Mythos und der Literatur in Ovids Argumentation
- Die Darstellung des Wandels von der simplicitas rudis zur aurea Roma
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text ist in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Abschnitt wird Ovids Argument für den Körperkult anhand der Metapher des Ackerbaus dargestellt. Der zweite Abschnitt erweitert diese Argumentation durch den Vergleich mit der trojanischen Sagenwelt, um die Reziprozität des Körperkultes zwischen Mann und Frau zu verdeutlichen. Der dritte Abschnitt fokussiert auf die Entwicklung des römischen Stadtbildes und demonstriert den Wandel von der simplicitas rudis zur aurea Roma, der auch in der Architektur und dem Körperkult zum Ausdruck kommt.
Schlüsselwörter
Der Text befasst sich mit den Themen Körperkult, Schönheitspflege, Ovid, Ars amatoria, Rhetorik, Kulturwandel, Zeitgeschichte, Mythos und Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Warum thematisiert Ovid die Schönheitspflege in der "Ars amatoria"?
Ovid sieht Schönheitspflege (cultus) als notwendigen Teil der modernen, zivilisierten Gesellschaft der "aurea Roma", die sich von der bäuerlichen Einfachheit abhebt.
Was bedeutet der Begriff "simplicitas rudis"?
Er bezeichnet die rohe, einfache Lebensweise der römischen Frühzeit, die Ovid der kultivierten und prachtvollen Gegenwart gegenüberstellt.
Welche Rolle spielt der Ackerbau-Vergleich in Ovids Argumentation?
Ovid nutzt die Metapher des Ackerbaus, um zu zeigen, dass auch die Natur Pflege braucht, um Erträge (Schönheit) zu bringen, und legitimiert so die Kosmetik.
Warum wurde Ovid von Kaiser Augustus verbannt?
Ovid nannte "carmen et error" (ein Gedicht und ein Irrtum) als Gründe. Das Gedicht war wahrscheinlich die "Ars amatoria", die gegen die strengen Sittenregeln des Kaisers verstieß.
Was ist das Ziel von Ovids "Ars amatoria"?
Es ist ein Lehrgedicht über die Kunst der Liebe, das Männern und Frauen Tipps für das Flirten, die Verführung und die Pflege der Attraktivität gibt.
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- Markus Hofbauer (Author), 2016, Ovids "Ars Armatoria" (3, 101 - 3, 128). Vorbereitung auf die lateinische Interpretationsklausur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340721