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Reinigungen der Moderne. Brechts Katharsiskritik im Spiegel der klassischen Avantgarde

Título: Reinigungen der Moderne. Brechts Katharsiskritik im Spiegel der klassischen Avantgarde

Trabajo , 2003 , 19 Páginas

Autor:in: Heiko Michels (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Der Titel dieser Arbeit „Reinigungen der Moderne“ läßt bewußt die Frage nach der Subjekt-Objekt-Beziehung der zwei Substantive offen: handelt es sich um Reinigungsvisionen, welche die Moderne entwirft oder vollzieht, indem sie sich von den vergangenen Epochen reinigen will, oder soll die Moderne selbst von gewissen Tendenzen gereinigt werden? Mit dieser Unklarheit steht der Titel zum einen in Verbindung zum aristotelischen Katharsissatz (bei dem dieselbe Beziehungsproblematik existiert), zum anderen spiegelt er die Frage dieser Arbeit, inwieweit Brechts Katharsiskritik und -alternativen als ein Agieren in der Moderne oder als Arbeit an der Moderne verstanden werden können.

Bertolt Brecht scheint im Lichte der klassischen Avantgarde als ein Außenseiter. Er hat sich keinen Ismus über seine Arbeiten gesetzt, sich keinem Verbund angeschlossen (auch nicht dem der kommunistischen Partei), er fällt zeitlich schon an das Ende der künstlerischen dynamischen Entwicklung, welche mit „klassische Avantgarde“ bezeichnet wird, und er ist durch seine Vielseitigkeiten ( als Regisseur, Dramatiker, Lyriker, Songwriter, Epiker, Philosoph, Theoretiker Musiker, Sänger) und Widersprüche schwer einordbar, eher schon ein Phänomen an sich. Doch um dieses Phänomen in seiner historischen Tragweite und Bedeutung zu entdecken, scheint es mir höchst interessant, die scheinbar gebrochenen Linien aufzuspüren, die ihn mit der avantgardistischen Moderne, mit den technizistischen Utopien, den Manifesten, welche das erste Drittel des letzten Jahrhunderts künstlerisch prägten, verbinden. Hierfür möchte ich meinen Blick auf Brechts Katharsisverständnis richten, mit dem er sich nicht nur von der avantgardistischen Moderne, sondern von einer 2300 Jahre alten Kunstgeschichte abzugrenzen trachtet, abzugrenzen scheint.

Wenn ich im folgenden von der klassischen Avantgarde und den modernen Utopien rede, verstehe ich darunter eine künstlerische Entwicklung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sich vehement von den vorigen Epochen abzugrenzen trachtet, das Geschichtsbewußtsein an sich neu definiert, die analog zum explosiven Ausbau der Städte entsteht und technizistische Utopien entwickelt, die sich in einem dynamischen fortschrittsfixierten Selbstbewußtsein begreift, bis hin zu differenten Vorstellungen eines utopischen Heilszustands.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Beobachtung 1: Nietzsche und der antike Diskurs

Beobachtung 2: Die klassische Avantgarde

Ablehnung der Katharsis

Neue Katharsis?

Relativierung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Bertolt Brechts Katharsiskritik im Kontext der klassischen Avantgarde. Ziel ist es, Brechts Ablehnung der aristotelischen Katharsis nicht nur als Abgrenzung, sondern als spezifisches Agieren innerhalb der Moderne zu analysieren und Verbindungen zu den utopischen und rationalistischen Tendenzen dieser Zeit aufzuspüren.

  • Brechts Kritik an der aristotelischen Katharsis und der Einfühlung
  • Die Rolle der klassischen Avantgarde und deren technizistische Utopien
  • Vergleichende Analyse von Brechts Denken mit Nietzsche und der Moderne
  • Die Transformation von Emotionen in einem gesellschaftlichen Fortschrittsprozess
  • Die Suche nach einer „neuen“ Katharsis in Brechts Dramaturgie

Auszug aus dem Buch

Ablehnung der Katharsis

Ich habe darauf hingewiesen, daß mir am Bemerkenswertesten an Brechts „Kritik der Poetik des Aristoteles“ seine Wahrnehmung einer Einschränkung und Begrenzung der Tragödie durch die poetologische Definition erscheint. Doch wo Brecht konkreter wird, scheint sein Umgang mit Aristoteles und der attischen Tragödie gleichfalls ungenau. Gerade diese Ungenauigkeiten könnten einige Aufschlüsse über sein Verständnis des Katharsisbegriffes geben.

Brecht setzt (a) ohne Differenzierungen den griechischen Begriff Mimisis mit der deutschen Übersetzung Nachahmung und dann weiter mit dem Begriff der Einfühlung gleich.

Es wird ersichtlich, daß die Nachahmung handelnder Menschen durch die Schauspieler eine Nachahmung der Schauspieler durch die Zuschauer auslösen soll. Die Art der Entgegennahme des Kunstwerks ist die Einfühlung in den Schauspieler und über ihn in die Stückfigur.

Brecht nimmt eine ungebrochene doppelte Mimisis von der Stückfigur über den Schauspieler in den Zuschauer als Repräsentationsapparatur wahr. Er projiziert den Begriff Einfühlung der neueren psychologischen Ästhetik, der als Gegensatz zum rationalen Verstehen gebraucht wurde/wird, auf die altgriechische Poetik. Brecht bleibt in seinem Vokabular vage, indem er in der aristotelischen Katharsis als „eigentümlichen physischen Akt“ „irgendeine Art der Einfühlung“ vermutet.

Zusammenfassung der Kapitel

Beobachtung 1: Nietzsche und der antike Diskurs: Der Autor untersucht Brechts Einordnung in die Ideengeschichte der Moderne und vergleicht dessen Geschichts- und Vernunftverständnis mit dem von Nietzsche, Platon und Aristoteles.

Beobachtung 2: Die klassische Avantgarde: Dieses Kapitel analysiert politische und ästhetische Zielsetzungen von Bewegungen wie Futurismus, Dadaismus und Surrealismus hinsichtlich ihrer Reinigungs- und Integrationsvisionen.

Ablehnung der Katharsis: Eine detaillierte Analyse der von Brecht formulierten Kritik an der aristotelischen Poetik, insbesondere seiner Gleichsetzung von Mimesis mit Einfühlung.

Neue Katharsis?: Hier wird untersucht, ob Brecht mit seinen Alternativvorschlägen wie dem „Staunen“ oder dem „lustvollen Lernen“ eine eigene, neue Form der Katharsis anstrebt.

Relativierung: Das Schlusskapitel ordnet die Ergebnisse ein und betont den widerspruchsvollen, fragmentarischen Charakter von Brechts Schriften.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Katharsis, Aristoteles, Klassische Avantgarde, Einfühlung, Mimesis, Moderne, Rationalismus, Theaterästhetik, Utopie, Politische Ästhetik, Entfremdung, Reinigung, Rausch, Dramaturgie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert Bertolt Brechts fundamentale Kritik an der aristotelischen Katharsis und setzt diese in Beziehung zu den ästhetischen und politischen Strömungen der klassischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Verbindung von Theaterästhetik, Geschichtsphilosophie und den Utopievorstellungen von Brecht im Vergleich zu Denkern wie Nietzsche sowie Bewegungen wie Dadaismus und Surrealismus.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Brechts Ablehnung der Katharsis als eine komplexe, widersprüchliche Haltung innerhalb der Moderne offenzulegen und zu prüfen, ob Brecht dabei selbst Konzepte der „Reinigung“ in rationalisierter Form verwendet.

Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?

Der Autor wählt eine nicht-lineare Lektüre der Texte Brechts. Er stellt Aussagen aus verschiedenen Phasen und Schriften in Beziehung, um eine „Sinnstruktur“ zu exponieren, anstatt ein dogmatisches System zu behaupten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Begriffe Mimesis, Einfühlung und Katharsis, Brechts Geschichtsphilosophie der Emotionen sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der antiken Tradition durch Brecht.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit am besten beschreiben?

Zu den zentralen Begriffen zählen: Brecht, Katharsis, Avantgarde, Einfühlung, Politische Ästhetik, Rationalismus und Mimesis.

Wie unterscheidet sich Brechts Begriff der Reinigung von dem der Surrealisten?

Während die Surrealisten nach einer quasi-natürlichen Gesundung und Integration von Unvernunft und Traum streben, versucht Brecht, Emotionen methodisch zu rationalisieren und im Sinne einer revolutionären Fortschrittsdynamik zu „reinigen“.

Inwiefern nutzt der Autor Peter Sloterdijks Nietzsche-Rezeption?

Der Autor zieht Sloterdijks Lesart der „Geburt der Tragödie“ heran, um Brechts Verhältnis zum Irrationalen und zum Rausch gegen den Strich zu lesen und Brechts „Baal“ in diesen Kontext einzuordnen.

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Detalles

Título
Reinigungen der Moderne. Brechts Katharsiskritik im Spiegel der klassischen Avantgarde
Autor
Heiko Michels (Autor)
Año de publicación
2003
Páginas
19
No. de catálogo
V340729
ISBN (Ebook)
9783668301511
ISBN (Libro)
9783668301528
Idioma
Alemán
Etiqueta
reinigungen moderne brechts katharsiskritik spiegel avantgarde
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Heiko Michels (Autor), 2003, Reinigungen der Moderne. Brechts Katharsiskritik im Spiegel der klassischen Avantgarde, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340729
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