Wortartsysteme und ihre Klassifizierung. Drei Grammatiken aus dem 19. bis 21. Jahrhundert im Vergleich

"Neuhochdeutschen Grammatik" von F. Blatz (1895), Duden "Grammatik der deutschen Gegenwartssprache" (1959) und Duden "Die Grammatik" (2006)


Hausarbeit, 2014
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. HAUPTTEIL
2.1 NEUHOCHDEUTSCHE GRAMMATIK (F. BLATZ)
2.1.1 Einordnung des Wortartsystems und Zweck der Klassifizierung
2.1.2 Allgemeiner Aufbau und Klassifizierungskriterien
2.2 VERGLEICH NEUHOCHDEUTSCHE GRAMMATIK (F. BLATZ) UND DUDEN (1959)
2.2.1 Einordnung des Wortartensystems und Zweck der Klassifizierung
2.2.2 Allgemeiner Aufbau und Klassifizierungskriterien
2.3 VERGLEICH DER NEUHOCHDEUTSCHEN GRAMMATIK (F. BLATZ) ZU DUDENGRAMMATIK 2006
2.3.1 Einordnung des Wortartsystems und Zweck der Klassifizierung
2.3.2 Allgemeiner Aufbau und Klassifizierungskriterien

3. SCHLUSS

4. ANHANG
ABB. 1 KLASSIFIKATIONSKRITERIEN IM VERGLEICH
ABB. 2 DEFINITIONEN VON WORTARTEN VON BLATZ 1895 ZU DUDEN 1959 IM VERGLEICH

5. LITERATURVERZEICHNIS
5.1 PRIMÄRLITERATUR
5.2 SEKUNDÄRLITERATUR

1. Einleitung

So wie in vielen anderen Sprachen, wie zum Beispiel im Französischen, Englischen oder Spanischen, wird auch im Deutschen schon seit Jahrhunderten von Linguisten und ihren „forschenden Vorgängern“, beispielsweise Platon, Aristoteles und vielen mehr, versucht, ein angemessenes Wortartsystem zu finden (Vgl. Hoffmann 54). Dieses Wortartsystem soll die Sprache entweder schulgrammatisch beschreiben, sie für das Erlernen der deutschen Sprache als Fremdsprache gliedern, Grundlage einer linguistischen Theorie bilden, oder einen von vielen weiteren Zwecken erfüllen (Vgl. Hoffmann 23). Jedoch sind in den als universell anerkannten Grammatiken einer Generation auch die unterschiedlichen Wortartsysteme genauso unterschiedlich wie die aufgelisteten Zwecke einer Wortartklassifizierung . Jedes Jahrhundert unterscheidet sich in mindestens einem Punkt seiner Universalgrammatik des Deutschen von seinem Vorgänger. Dieser Umstand zeigt, dass Sprache nicht festgelegt ist sondern in sich beweglich. Es findet eine Entwicklung statt, die sich durch ständige Reflektion bestehender Theorien auszeichnet und sich auch darin begründet.

Im Nachfolgenden sollen drei verschiedene Grammatiken aus unterschiedlichen Jahrhunderten hinsichtlich ihrer Klassifikation der Wortarten bzw. ihrer Wortartensysteme gegenübergestellt werden. Die Kriterienzuordnung orientiert sich an einem Artikel „ Kriterien für die Definition von Wortarten “ von Knobloch und Schaeder (Knobloch/Schaeder 2000, 674 -692).

Anhand der „ Neuhochdeutschen Grammatik “ von Friedrich Blatz von 1895 als Stellvertreter des 19. Jahrhunderts, der Duden „ Grammatik der deutschen Gegenwartssprache “ von 1959 als Vertreter des 20. Jahrhunderts und der Duden „ Die Grammatik “ von 2006 als Vertreter des 21. Jahrhunderts wird ein Vergleich angestellt, der die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellt und einzelne Probleme der Wortartenklassifizierung hervorbringt.

Zunächst wird die Grammatik von Friedrich Blatz beschrieben und kommentiert. Im zweiten Schritt sollen dann die Blatz Grammatik und die Duden Grammatik von 1959 miteinander verglichen werden. Als letztes schließlich wird die Entwicklung von dem in der Blatz Grammatik beschriebenen Wortartsystem zur Sichtweise der deutschen Einheitsgrammatik von 2006 gezeigt. In einem Schluss können schließlich nochmals die wichtigsten Unterscheidungen nachgelesen werden und es wird ein allgemeines Fazit des Vergleichs der drei Grammatiken untereinander gezogen.

2. Hauptteil

2.1 Neuhochdeutsche Grammatik (F. Blatz)

2.1.1 Einordnung des Wortartsystems und Zweck der Klassifizierung

Die Grammatik bearbeitet das Wortartsystem des Neuhochdeutschen unter dem Aspekt der „ Wortlehre “ bzw. unter dem Unterpunkt der „ Wortformenlehre “ (Blatz 1895, 250-251). Dort wird eine zehn Wortartenlehre vermittelt. Diese beinhaltet die Klassen der Substantive, Verben, Adjektive, Pronomen, Numerale, Artikel, Adverbien, Präpositionen, Konjunktion und Interjuktion (Blatz 1895, 251- 253). Hierbei fällt dem Betrachter sofort auf, dass die jeweiligen Klassen sowohl mit der wissenschaftlichen lateinischen Bezeichnung als auch mit der deutschen jeweiligen Bedeutung betitelt sind. Dies lässt darauf schließen, dass die vorliegende Grammatik sowohl zur wissenschaftlichen Bearbeitung der Thematik dienen sollte, als auch zum einfachen Gebrauch durch den Laien. Untermauert wird diese Beobachtung durch den in der „Vorrede“ beschriebenen doppelten Auftrag des Buches. Es solle zum einen „ ein [ … ] Hilfsmittel [ … ] zur Förderung der Weiterbildung des Lehrerstandes “ und zum anderen „ ein umfassendes, jedem gebildeten Deutschen leicht zugängliches Handbuch der deutschen Sprache “( Blatz 1895, Vorrede) sein.

2.1.2 Allgemeiner Aufbau und Klassifizierungskriterien

Systematisch beginnt die Grammatik mit einer kurzen Definition von der Begrifflichkeit „Wort“ und darauf folgend dem Begriff der „Wortart“. Daraufhin werden alle zehn Wortarten kurz aufgelistet und jeweils knapp bestimmt und mit jeweiligen für eine Wortart typischen Beispielen untermauert. Dieser kurzen Einteilung folgt ein Abschnitt, in dem die „ Wortbiegung oder Flexion “ (Blatz 1895, 256) allgemein definiert und die jeweiligen Wortarten der richtigen Begrifflichkeit zugeordnet werden. So wird der Konjunktion beispielsweise das Verb zugeordnet (Blatz 1895, 263) oder aber der Komparation die Adjektive und vom Adjektiv gebildete Adverbien zugeordnet und zwischen drei Graden (Positivus, Komparativus und Superlativus) unterschieden (Vgl Blatz 1895, 262). Der letzte Abschnitt, die so betiteltete „Wortformenlehre“ beschreibt die Flexion jeder einzelnen Wortart genauestens. Beim erstmaligen Betrachten des Aufbaus der Blatz Grammatik fällt sofort auf, dass „ Anmerkungen “ verwendet werden. Allein innerhalb des Abschnitts der knappen Auflistung aller zehn Wortarten sind sechs Anmerkungen beigefügt, die mindestens den gleichen Anteil an Platz einnehmen wie die Auflistung und knappen Definitionen selbst (Vgl. Blatz 1895, 251- 256).

Die Anmerkungen erfüllen den Zweck der Differenzierung, Verdeutlichung oder Erläuterung. Sie sind für das Verständnis des Wortartensystems für einen Laien nicht unbedingt notwendig, aber für die wissenschaftliche Vollständigkeit unabdingbar. Interessant ist, dass in der „ Anmerkung 3 “ bereits vom Autor selbst eine Kritik an der Einteilung in zehn unterschiedliche Wortarten angefochten wird und er selbst sie als „ keine streng logische “ (Blatz 1895, 253) bezeichnet und sie nur aus mangelnder Alternative anführt (Vgl. Blatz 1895, 254). Blatz führt als Argumente an, dass sie zum einen keine durchgehende Einteilungsgrundlage besitzen und zum anderen, die gegebenen Definitionen sich nicht gegenseitig ausschließen (Vgl. Blatz 189, 253).

Dies ist auch das Resultat der hiesigen Untersuchung der einzelnen Wortarten hinsichtlich ihrer Kriterien nach denen sie klassifiziert sind und wird von u. a. Sütterlin auch als Begründung zur Kritik an der traditionellen Wortarteneinteilung herangezogen (Vgl. Sütterlin 1918, 97). Die Substantive, Verben, Adjektive, Pronomen, Numerale und Artikel werden aufgrund von semantischen Kriterien klassifiziert, während die Adverbien, Propositionen, Konjunktionen und Interjektionen mittels syntaktischer Kriterien bestimmt werden. So beschreibt Blatz seine Einteilung in einer Anmerkung auf Seite 253. Die vorliegende Untersuchung der Klassifikationskriterien unterscheidet sich hier jedoch von jener Einschätzung des Autors. Innerhalb der Gruppe der in seinen Augen rein syntaktisch klassifizierten Wortarten wird lediglich bei den Konjunktionen eine rein distributionelle Definition nachgewiesen und somit die Einteilung syntaktisch begründet. Beispielsweise wird die Wortart der Interjektion als „ Empfindungswort “ beschrieben und zeichnet sich dadurch aus, dass sie entweder ein bloßer Naturlaut oder ein wirkliches Wort ist, welches einer Empfindung Ausdruck verleiht (Vgl. Blatz 1895, 253). Dies sind semantische Klassifizierungsbegründungen. Der Wortart wird eine bestimmte „ Sachbedeutung “ zugeordnet. Dies ist nach Clemens Knobloch und Burkhard Schaeder in „ Kriterien für die Definition von Wortarten “ in der Monograhie „ Morphologie “ aus dem Jahr 2000 ein Kriterium für ein semantisch begründetes Wortartensystem (Vgl. Knobloch 2000, 677). Selbiges gilt für die Klassifizierung des Adverbs. Es erlangt seine Sachbedeutung schon allein dadurch, dass es auf eine Bedeutung erfragende Fragen wie „ Wann? Wie? Wo? Warum? “ (Blatz 1895, 253) antwortet. Bei der nun noch übrig gebliebenen Wortart der Präposition ist eine klare Zuteilung zu einem Klassifizierungskriterium schwierig. So beginnt Blatz seine Definition mit einem distributionellen Kriterium, indem er schreibt: „D ie Präposition steht vor dem Substantiv oder vor den ihre Stelle vertretenden Wörtern “ (Blatz 1895, 253). Jedoch führt er sie fort mit einem semantischen Kriterium der Einheit beider Wortarten. Sie beschreiben zusammen das Verhältnis von Ort, Zeit, Weise, Grund zum Geschehen (Vgl. Blatz 1895, 253). Da sich jenes semantische Kriterium jedoch lediglich auf die Einheit von Präposition und Substantiv bezieht, steht die Kombinationsfähigkeit im Vordergrund und ist somit folglich ein syntaktisches Kriterium. Daher wird aus Sichtweise der betrachteten Definitionen der Einschätzung von Blatz Folge geleistet, dass es sich bei dem Einteilungskriterium der Präposition um ein vordergründig syntaktisches handelt. Somit klassifiziert Blatz die zehn Wortarten überwiegend semantisch mit Ausnahme der Wortartenklassen der Präpositionen und Konjunktionen (Vgl. Abb 1).

2.2 Vergleich Neuhochdeutsche Grammatik (F. Blatz) und Duden (1959)

2.2.1 Einordnung des Wortartensystems und Zweck der Klassifizierung

Die Duden Grammatik von 1959 bearbeitet das Wortartsystem unter dem Aspekt „ Das Wort “ und dem Unterpunkt „ Die Wortarten “ (Duden 1959, 9). Dort werden mithilfe eines Beispieltextes sechs Wortarten vorgestellt. Diese Grammatik teilt die Wortarten somit in sechs Klassen ein: Die Klasse der Substantive, Verben, Adjektive, Begleiter und Stellvertreter des Substantives, Partikel und zuletzt die Klasse der Interjektionen (Vgl. Duden 1959, 77-80). Die Anwendung dieser Wortarteneinteilung auf einen Beispieltext lässt auf einen sehr benutzerfreundlichen und Praxis orientierten Zweck der Klassifizierung schließen. Sie soll eine reine „ Volksgrammatik “ sein (Duden 1959, 7). Dies ist der erste nennenswerte Unterschied zur zuvor betrachteten Blatz Grammatik. Interessant ist nun jedoch, dass trotz des Anspruchs, eine Volksgrammatik zu sein, dennoch die lateinischen Begrifflichkeiten verwendet werden. Dies lässt auf zweierlei Hypothesen schließen. Entweder der Gebrauch der lateinischen Namen hat sich im Laufe der Zeit als volkstümlich entwickelt, oder genau dies soll erst durch die selbstverständliche Verwendung der Begrifflichkeiten innerhalb dieser Grammatik geschaffen werden. Aufgrund von einer nachstelligen Nennung der deutschen Begriffe in der Definition einer jeden Klasse lässt sich letztere Hypothese unterstützen. Für die bereits bestehende Volkstümlichkeit jedoch spricht, dass die Numerale innerhalb der Unterklassen der „ Begleiter und Stellvertreter des Substantiv “ lediglich als “Zahlwörter “ statt der lateinischen Bezeichnung betitelt werden (Vgl. Duden 1959, 79). Es bleibt somit offen, welche der beiden beschriebenen Hypothesen letztlich zu verifizieren und welche zu falsifizieren ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wortartsysteme und ihre Klassifizierung. Drei Grammatiken aus dem 19. bis 21. Jahrhundert im Vergleich
Untertitel
"Neuhochdeutschen Grammatik" von F. Blatz (1895), Duden "Grammatik der deutschen Gegenwartssprache" (1959) und Duden "Die Grammatik" (2006)
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V340743
ISBN (eBook)
9783668302433
ISBN (Buch)
9783668302440
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grammatik, Vergleichende Grammatik, Wortarten, Wortartensystem, Wortartenklassen
Arbeit zitieren
Julia Heid (Autor), 2014, Wortartsysteme und ihre Klassifizierung. Drei Grammatiken aus dem 19. bis 21. Jahrhundert im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340743

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