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Goethes "Die Leiden des Jungen Werther" als Drama der Adolseszenz und gescheitertes Übergangsritual

Titel: Goethes "Die Leiden des Jungen Werther" als Drama der Adolseszenz und gescheitertes Übergangsritual

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 13 Seiten , Note: 2

Autor:in: Magister Heiko Michels (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Ausgangssituation des Romans steht Werther noch in Identität mit dem Jugendlichendasein, doch befindet sich diese schon an der Schwelle, es gibt Orientierungen von ihm und von Außen in neue Definitionsräume des Ichs; er kann sich schon zum Teil mit dem suchenden „unruhigen Vagabunden“ in einem Niemandsland, in einer „weiten, öden Welt“ identifizieren (denn er hat diese Situation schon in seinen Gedankengängen, im Bewußtsein). Ich möchte Werthers Weg als Identitätsentwicklung betrachten, denn der Übergang zwischen der Adoleszenz und dem Erwachsenendasein ist ja ein Wechsel der Ich-Definition, der Identität. Welche Räume betritt und erfährt er, welche Möglichkeiten von Identität sucht Werther an der Schwelle von der Adoleszenz, in welche verschiedenen Richtungen strebt der Vagabund, wie verändert/ entwickelt sich sein eigenes Identitätsbild bis zu seinem Scheitern?

Ich möchte, da ich es für mein Ziel für besonders aussagekräftig halte, diese Entwicklung besonders anhand der Situationen und Äußerungen seiner Liebe zu Lotte betrachten, ergänzt durch seine philosophischen Gedanken (da er hier oft allegorisch seine eigene Situationen begreift), seine beruflichen Stationen und Aussagen nur am Rande erwähnen.

Werther befindet sich in der Ausgangssituation des Romans in einem fortgeschrittenen Alter des Jugendlichendaseins - an der Spitze der Adoleszenz. Dies wird zum einen von einer Außenwelt suggeriert, die ihn, in Gestalt von Wilhelm und Werthers Mutter, immer wieder dazu auffordert in den Berufsstand zu treten -„meine Mutter möchte mich gern in Aktivitäten sehn, sagst du“ oder wenigstens die Malerei ernsthaft zu betreiben -„da Dir so viel daran gelegen ist, daß ich mein Zeichnen nicht vernachlässige“; genau wie diese soll auch die Liebe ernsthaft betrieben werden, die Hoffnungen an Lotte „durchgetrieben“ oder fallengelassen werden. Man fordert somit von Werther den Wechsel von der Lebensstufe des Jugendlichendaseins in die Welt der Erwachsenen. Er soll einen festen Beruf annehmen und eine geregelte Partnerschaftsbeziehung ist auch gewünscht - die maßgebenden Faktoren, die eine Familiengründung und damit die wohl allgemein wichtigste Aufgabe des Erwachsenendaseins bestimmen; so steckt auch Werther diese Lebensstufe ab: Hütte, Gattin, Kinder und Geschäfte zu ihrer Erhaltung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Jugend/ Gesamtreflexion

Erwachsen sein

Schwelle

Integration/ Negation

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Identitätsentwicklung von Werther im Übergang von der Adoleszenz zum Erwachsenendasein und analysiert, wie Werther an der Unvereinbarkeit seiner subjektiven Wunschvorstellungen und den gesellschaftlichen Anforderungen scheitert.

  • Identitätsentwicklung im Kontext von Adoleszenz und Erwachsenenwelt
  • Die symbolische Bedeutung des "Vagabunden" und der Schwellensituation
  • Wechselspiel zwischen Selbstwahrnehmung und gesellschaftlichem Anpassungsdruck
  • Die Rolle der Liebe zu Lotte als Projektionsfläche für Identitätsansprüche
  • Psychoanalytische Aspekte der Entgrenzung und des Selbstverlustes

Auszug aus dem Buch

Jugend/ Gesamtreflexion

Lieber Wilhelm, ich habe allerley nachgedacht, über die Begier im Menschen sich auszubreiten, neue Entdekkungen zu machen, herumzuschweifen; und dann wieder über den inneren Trieb, sich der Einschränkung willig zu ergeben, und in dem Gleise der Gewohnheit so hinzufahren, und sich weder rechts noch links zu bekümmern. Es ist wunderbar, wie ich hierher kam und vom Hügel in das schöne Thal schaute, wie es mich rings umher anzog. Dort das Wäldchen! Ach könntest du dich in seine Schatten mischen! Dort die Spizze des Bergs! Ach könntest du von da die weite Gegend überschauen! Die ineinander gekettete Hügel und vertrauliche Thäler. O könnte ich mich in ihnen verlieren! - ich eilte hin! und kehrte zurück und hatte nichts gefunden was ich hoffte. O es ist mit der Ferne wie mit der Zukunft! Ein grosses dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung verschwimmt sich darinne, wie unser Auge, und wir sehnen uns, ach! unser ganzes Wesen hinzugeben, uns mit all der Wonne eines einzigen grossen herrlichen Gefühls ausfüllen zu lassen. - Und ach, wenn wir hinzueilen, wenn das Dort nun Hier wird, ist alles vor wie nach, und wir stehen in unserer Armuth, in unserer Eingeschränktheit, und unsere Seele lechzt nach entschlüpftem Labsale.

Und so sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem Vaterlande, und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in dem Kreise seiner Kinder und der Geschäfte zu ihrer Erhaltung all die Wonne, die er in der weiten öden Welt vergebens suchte.

Zusammenfassung der Kapitel

Jugend/ Gesamtreflexion: Werther reflektiert zu Beginn über den menschlichen Drang nach Freiheit im Gegensatz zum Wunsch nach geregelter Eingeschränktheit und analysiert damit seine eigene Ausgangssituation an der Schwelle zum Erwachsenenleben.

Erwachsen sein: Dieses Kapitel beleuchtet Werthers anfängliche Ablehnung gegenüber gesellschaftlichen Normen wie Beruf und Familiengründung sowie sein späteres, verzweifeltes Bestreben, diese Stufe durch eine Liebesbeziehung doch noch zu erreichen.

Schwelle: Hier wird der Zustand des "Liebestaumels" als ein Schwellenzustand beschrieben, der einerseits euphorisierend wirkt, andererseits jedoch in eine psychische Krise und den Verlust klarer Identitätskonturen führt.

Integration/ Negation: Dieses Kapitel analysiert Werthers Versuch, durch Lotte eine integrale Identität zu finden, und beschreibt, wie das Scheitern dieses Versuchs schließlich zur Negation seiner Vision und zum Wunsch der Selbstzerstörung führt.

Schlüsselwörter

Goethe, Werther, Adoleszenz, Erwachsenendasein, Identitätsentwicklung, Vagabund, Schwelle, Liebestaumel, Selbstbild, Integration, Negation, Psychologie, Literaturwissenschaft, Selbstzerstörung, Lotte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Identitätsentwicklung von Werther in Johann Wolfgang Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dessen Weg aus der Adoleszenz.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen, die Suche nach Identität in einer als "öde" empfundenen Welt und die Auswirkungen von gesellschaftlichem Anpassungsdruck.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Analyse der Veränderungen von Werthers Identitätsbild, betrachtet durch seine Äußerungen und Situationen im Kontext seiner Liebe zu Lotte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung psychoanalytischer Deutungsansätze, insbesondere zur Klärung der Identitätskrisen und der Schwellensituation.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Werthers Einstellung zur Erwachsenenwelt, seiner Erfahrung der Schwellensituation zwischen Jugend und Erwachsensein sowie dem Scheitern seines Integrationsversuchs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Identitätsentwicklung, Schwelle, Adoleszenz, Entgrenzung und Allheitsvision charakterisiert.

Warum kann Werther laut der Analyse nicht einfach in das Erwachsenendasein übergehen?

Weil seine Triebstruktur und sein Wunsch nach einer "Allheitsvision" mit den konventionellen Regeln des Erwachsenenlebens wie geregelter Arbeit und familiärer Bindung nicht vereinbar sind.

Welche Rolle spielt Lotte für Werthers Identitätsfindung?

Lotte fungiert als Projektionsfläche, die Werther verschiedene Rollen ermöglicht und sein "zerstreutes Ich" zeitweise zusammenhält, bis ihre Bindung an Albert diesen Raum verschließt.

Inwiefern verändert sich Werthers Einstellung zur Selbstzerstörung im Verlauf?

Aus einer anfänglichen Unlust, sich in Grenzen definieren zu lassen, entwickelt sich eine aktive Lust am Schmerz und letztlich ein Drang zur körperlichen Selbstzerstörung als logische Konsequenz der Unmöglichkeit, seine Vision zu realisieren.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Goethes "Die Leiden des Jungen Werther" als Drama der Adolseszenz und gescheitertes Übergangsritual
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Germanistik)
Note
2
Autor
Magister Heiko Michels (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V340757
ISBN (eBook)
9783668302495
ISBN (Buch)
9783668302501
Sprache
Deutsch
Schlagworte
goethes leiden jungen werther drama adolseszenz übergangsritual
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magister Heiko Michels (Autor:in), 2004, Goethes "Die Leiden des Jungen Werther" als Drama der Adolseszenz und gescheitertes Übergangsritual, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340757
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  13  Seiten
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