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Unterweltkonzeptionen in Dantes "Die Göttliche Komödie" und Primo Levis "Ist das ein Mensch?". Ein Vergleich

Title: Unterweltkonzeptionen in Dantes "Die Göttliche Komödie" und Primo Levis "Ist das ein Mensch?". Ein Vergleich

Term Paper , 2015 , 19 Pages , Grade: 3,00

Autor:in: Denise Kelm (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Zunächst mag es weit hergeholt erscheinen, die zwischen 1304 und 1320 verfasste "Göttliche Komödie" von Dante mit dem über sechs Jahrhunderte später, im Jahr 1947 erschienen Roman "Ist das ein Mensch?" von Primo Levi zu vergleichen. Doch so enorm der zeitliche Unterschied zwischen der Entstehung beider Werke auch sein mag, so existiert doch eine enge Verbindung zwischen ihnen.

Diese Verbindung besteht in der Thematisierung einer Unterwelt, welche den ersten der drei Teile der Göttlichen Komödie, das Inferno, ausmacht. Auf diese alte, auf dem christlichen Glauben basierende Vorstellung einer Hölle spielt Primo Levi in seinem Roman an. In einer Szene, als der Autor mit einem anderen Lagerinsassen zum Essen holen unterwegs ist, redet er mit diesem über "Die Göttliche Komödie" und rekonstruiert Bruchstücke des Textes aus dem Gedächtnis.

Ein weiteres Beispiel ist die Kapitelüberschrift „In der Tiefe“, welche an Dantes Hinabsteigen in den Höllentrichter erinnert. Ziel dieser Arbeit ist es, die im Inferno präsentierte, quasi klassische Hölle mit der als ebenso höllisch empfundenen Arbeits- und Vernichtungslagererfahrung Levis zu vergleichen. Fragen wie „Kann ein real existierender Raum eine Hölle genannt werden?“ und „Inwieweit kann sich die überirdische Vorstellung einer Hölle in der historisch belegten Vergangenheit widerspiegeln?“ sollen im Verlauf der Arbeit beantwortet werden.

Im ersten Kapitel wird zunächst, nach der Definition des Begriffs, der semantische Raum „Hölle“ in beiden Werken analysiert und verglichen. Anschließend, nach einer Definition des Begriffs „Sünde“ werden die Gefangenen, die in den Höllen leidenden Seelen beziehungsweise Menschen verglichen. Im dritten Kapitel werden die Bewacher und Peiniger der Bewohner der Unterwelt betrachtet und im fünften Kapitel wird schließlich die Transformation der Vorstellung der Unterwelt aufgezeigt. Dabei wird analysiert, inwiefern sich die Höllenvorstellung Dantes und Levis unterscheiden oder überein stimmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der semantische Raum „Hölle“

2.1 Definition des Begriffs „Hölle“

2.2 Aussehen, Beschaffenheit und Lage der Hölle in Die göttliche Komödie

2.3 Aussehen, Beschaffenheit und Lage der Hölle in Ist das ein Mensch? und Vergleich mit dem Inferno

3. Die Verdammten in der Hölle

3.1 Definition des Begriffs „Sünde“

3.2 Bewohner der Hölle in Dantes Inferno

3.3 Die Verdammten in der Hölle KZ in Ist das ein Mensch?

4. Mythische Wesen und Wächter der Sünder in beiden Höllenkonzeptionen

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der christlich geprägten Unterweltvorstellung in Dantes „Die Göttliche Komödie“ und der realen Erfahrung des Arbeits- und Vernichtungslagers in Primo Levis „Ist das ein Mensch?“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern sich die überirdische Vorstellung einer Hölle in einer historisch belegten, irdischen Katastrophe widerspiegeln kann und worin die wesentlichen Unterschiede in der Konzeption von Strafe und Gerechtigkeit bestehen.

  • Vergleichende Analyse des semantischen Raums „Hölle“ in Literatur und Realität.
  • Untersuchung der Definitionen von „Sünde“ und deren Anwendung auf die Bewohner beider Höllen.
  • Gegenüberstellung der Rolle von Wächtern und mythischen Wesen.
  • Analyse der Transformation religiöser Unterweltkonzepte in ein modernes, historisch-politisches Umfeld.

Auszug aus dem Buch

2.3 Aussehen, Beschaffenheit und Lage der Hölle in Ist das ein Mensch? und Vergleich mit dem Inferno

In seinem autobiographischen Erfahrungsbericht über seinen Aufenthalt in dem Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz-Monowitz verwendet Primo Levi anerkanntermaßen das Modell der Höllenreise Dantes. Deutlich wird das schon beim Transport mit dem Zug ins Lager, den Levi eine „Niederfahrt in die Tiefe“ nennt. Später nach der Ankunft der Gefangenen, als sie sich alle durstig in einem Raum aufhalten, in dem es einen Wasserhahn gibt mit einem Schild auf dem steht: „Wassertrinken verboten“, bezeichnet Levi den Ort direkt als Hölle:

Dies ist die Hölle. Heute, in unserer Zeit, muß die Hölle so beschaffen sein, ein großer, leerer Raum, und müde stehen wir darin, und ein tropfender Wasserhahn ist da, und man kann das Wasser nicht trinken, und uns erwartet etwas gewiß Schreckliches, und es geschieht nichts und noch immer geschieht nichts.

In Bezug auf die Folter durch Durst kann man von dieser Stelle eine Parallele zu Dantes Inferno erkennen, nämlich zum dreißigsten Gesang, in dem „Herr Adamo“ sich nach „einem Wassertropfen“ sehnt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Verbindung zwischen Dantes Werk und Levis Bericht durch die gemeinsame Thematisierung einer Unterwelt und skizziert das methodische Vorgehen des Vergleichs.

2. Der semantische Raum „Hölle“: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Hölle“ und vergleicht die räumliche Beschaffenheit bei Dante mit der Lagerrealität bei Levi.

3. Die Verdammten in der Hölle: Hier wird der Begriff der „Sünde“ definiert und hinterfragt, wer unter welchen Voraussetzungen als „Bewohner“ der jeweiligen Hölle gilt.

4. Mythische Wesen und Wächter der Sünder in beiden Höllenkonzeptionen: Dieses Kapitel untersucht die Funktion und Grausamkeit der Wächterfiguren, sowohl der mythologischen als auch der realen Kapos.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass das KZ eine „moderne Hölle“ darstellt, die zwar Parallelen zur Danteschen Vorstellung aufweist, sich aber durch das Fehlen einer religiösen Rechtfertigung grundlegend unterscheidet.

Schlüsselwörter

Unterwelt, Hölle, Dante Alighieri, Primo Levi, Ist das ein Mensch, Göttliche Komödie, Auschwitz, Gerechtigkeit, Sünde, Vernichtungslager, Vergleich, Literaturwissenschaft, Strafsystem, Ideologie, Menschlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der mythischen Hölle in Dantes „Göttlicher Komödie“ und der realen Hölle des Konzentrationslagers Auschwitz in Primo Levis Bericht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Kernbereichen gehören die Definition von „Hölle“ und „Sünde“, der Vergleich der räumlichen Bedingungen, das Strafsystem sowie das Verhalten der Wächterfiguren.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es herauszufinden, inwieweit sich eine historische Extremsituation wie ein Vernichtungslager durch das kulturelle Modell der „Hölle“ beschreiben lässt und wo dieses Modell an Grenzen stößt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Begriffskonstruktionen aus Nachschlagewerken mit literarischen Textstellen und historischen Belegen in Beziehung setzt.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die semantischen Räume der Hölle, die Einordnung der Gefangenen unter dem Aspekt der Schuld und die Rolle der Peiniger in beiden Systemen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Unterwelt, Hölle, Gerechtigkeit, Sünde, Vernichtungslager, Vergleich sowie die spezifischen Werke von Dante und Primo Levi.

Wie unterscheidet sich die Gerechtigkeitsauffassung in den beiden behandelten Höllen?

Bei Dante folgt die Bestrafung dem Prinzip des „contrapasso“ (göttliche Gerechtigkeit), während die Inhaftierung im KZ willkürlich und ideologisch motiviert erfolgt, ohne dass ein individuelles Fehlverhalten bestraft wird.

Inwiefern spielt die „Sprachverwirrung“ eine Rolle in der Argumentation?

Sowohl bei Dante als auch bei Levi dient der Verlust einer gemeinsamen Sprache als Zeichen für die Entmenschlichung und als zusätzliche Form der Strafe bzw. Unterdrückung.

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Details

Title
Unterweltkonzeptionen in Dantes "Die Göttliche Komödie" und Primo Levis "Ist das ein Mensch?". Ein Vergleich
College
University of Augsburg
Course
Proseminar: Unterwelten
Grade
3,00
Author
Denise Kelm (Author)
Publication Year
2015
Pages
19
Catalog Number
V340765
ISBN (eBook)
9783668302556
ISBN (Book)
9783668302563
Language
German
Tags
Dante Levi Hölle Unterwelt Auschwitz Unterwelt Hölle Konzentrationslager
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Denise Kelm (Author), 2015, Unterweltkonzeptionen in Dantes "Die Göttliche Komödie" und Primo Levis "Ist das ein Mensch?". Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340765
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