Wie bestimmt Hume die Rolle der Vernunft und des Gefühls in der Moral?

David Hume "An Essay Concerning the Principles of Morals"


Essay, 2015

5 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Einleitung

Die Grundlage der Theorien und Argumente beziehen sich auf David Humes Werk2. Enquiry Concerning the Principles of Morals.

Die Frage danach, ob unser moralisches Handeln aus dem Gefühl oder der Vernunft herzuleiten ist, stellt einen interessanten Untersuchungsgegenstand dar, weil unsere Gesellschaft auf der Moral basiert und die Beweggründe unserer täglichen moralischen Entscheidungen Einfluss auf all unsere Handlungen nehmen.

Zunächst werde ich auf die grundlegenden Unterscheidungen zwischen Gefühl und Vernunft eingehen, die ich anschließend erläutere und einige Beispiele anführen werde. Die Fragestellung bezüglich des Gefühls und der Vernunft in der Moral werde ich argumentativ im Wechsel diskutieren.

Hauptteil

Zu Beginn betrachte ich, was Hume im Allgemeinen unter dem Gefühl und der Vernunft in der Moral versteht: Das Gefühl ist etwas, das uns eine direkte Intuition für unser Handeln gibt; unser Handeln basiert folglich darauf, dass wir unkontrolliert und nur wenig darüber nachdenken. Wohingegen Handlungen, die der Vernunft entspringen, aus einer Anreihung von Argumenten entstehen. Vor- und Nachteile einer Handlung werden in einem komplexen Gedankengang analysiert, somit kann diese rational begründet werden.

Hume unterscheidet zwischen „Wahrheit und Falschheit“ (Hume 1751/2003: 4) in der Vernunft. Bei dieser Vorgehensweise, wäre es „für jedes rationale und intelligente Wesen“ (Ebd.) möglich, diese Unterscheidung gleichermaßen wahrzunehmen, da der Mensch durch seine Fähigkeit zur Vernunft in der Lage ist, Argumentationen und Entschlüsse nachzuvollziehen. Dass die Winkelsumme eines Dreiecks 180 Grad ergibt, fällt unter die Kategorie der Wahrheit. Diese ist für jedermann zugänglich und kann begründet werden. Falsch ist die Annahme, man könne durch Null teilen. Diese These kann somit widerlegt werden: Fünf Äpfel können nicht an null Kinder verteilt werden. Durch diese Begründung kann die Falschheit mithilfe der Vernunft erkannt werden.

Stellen wir das dem Gefühl gegenüber, so spricht Hume von einer Unterscheidung zwischen „Schönheit und Hässlichkeit“ (Hume 1751/2003: 4). Insofern wären unsere moralischen Entscheidungen individuell geprägt, da jeder Mensch andere Empfindungen verspürt. Ein gutes Beispiel dafür liefert die Kunst, denn diese liegt im Auge des Betrachters, ebenso wie die Schönheit. Rational kann man Fragen über den Geschmack nicht beantworten, der Betrachter entscheidet individuell, ob es seinem Geschmack entspricht oder nicht. „[D]er Maßstab [sind] [...] Empfindung[en]“ (Hume 1751/2003: 5).

Fokussieren wir den Bereich der Vernunft, so stellt Hume fest: „Über die Wahrheit kann gestritten werden“ (Hume 1751/2003: 5). Moralische Unterscheidungen beruhen somit auf Diskussionen, Beispielen, Vergleichen, Schlussfolgerungen etc. Hume gibt dazu ein Beispiel von „Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit“ (Ebd.) – ein Tatverdächtiger kann seine Handlungen entweder bestreiten oder er rechtfertigt sein Vorgehen (Ebd.). Entscheidend ist, ob es dem Tatverdächtigen gelingt, anhand der Gesetze und näherer Tatumstände die Personen im Gerichtssaal sowie den Richter davon zu überzeugen, dass er keine Straftat begangen hat. Oder er weist ein handfestes Alibi auf, das ihn als Täter ausschließt. Letztendlich fällt der Richter das (moralische) Urteil abhängig davon, welche Argumente ihn überzeugen und welche Schlussfolgerung er daraus zieht. Vernunft ist also „der Maßstab unserer Urteile“ (Ebd.).

Bei diesem Beispiel ist für Hume die Trennlinie zwischen Gefühl und Verstand nicht eindeutig, denn der Richter wird einerseits von den Argumenten überzeugt, andererseits spielt auch sein Gefühl bei der Urteilsfällung eine Rolle. Jedoch ist Humes Beispiel nicht allgemeingültig bezüglich seiner Aussage, dass bei dem Urteil ebenfalls das Gefühl von Bedeutung ist. In einigen Gerichtsprozessen urteilt der Richter nach der Beweislage und den Aussagen der Zeugen. Es ist vollkommen gleichgültig, wie gut und überzeugend die Argumente eines Tatverdächtigen sind, wenn Zeugen und Beweise gegen ihn sprechen. Der Richter geht rational vor; seine Gefühle spielen keine Rolle bei der Urteilsfällung, wenn der Verdächtige schuldig ist und seine Tat nach den Vorgaben des Gesetzes bestraft wird.

Nur wenn etwas eindeutig den Adjektiven „einsichtig, evident, wahrscheinlich oder wahr“ (Hume 1751/2003: 6) zugeordnet werden kann, so spricht Hume ganz klar von der Vernunft ohne jeglichen Einfluss des Gefühls. Zweck dabei ist die Befriedigung der Neugier (Ebd.). Etwas, das „schön oder angemessen, edel und großmütig ist“ (Ebd.), fällt in den Bereich des Gefühls.

Das heißt, dass Handlungen, die der Vernunft entspringen, argumentativ und einleuchtend zu bewerten sind. Wohingegen Handlungen, die aus dem Gefühl abzuleiten sind, aus dem Affekt entstehen – also das Gefühl motiviert zum Handeln – und nicht argumentativ für jedermann verständlich begründet werden können.

Nehmen wir an, all unsere Empfindungen bezüglich der „Tugend“ und des „Lasters“ (Hume 1751/2003: 6) seien nicht mehr existent. So wäre die Moral vollkommen unabhängig von der Praxis und unsere Gefühle würden unsere Handlungen keineswegs mehr beeinflussen. Hume behauptet, wenn dieser Fall eintritt, so würden die Menschen nur noch Gleichgültigkeit empfinden (Ebd.). Eine Welt ohne Einfluss der Gefühle ist demzufolge unvorstellbar für Hume. Diese These sollte allerdings auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden: Rein rational gesehen könnten sich die Menschen an Normen, wie beispielsweise dieZehn Gebotehalten, ohne sich von ihren Gefühlen beeinflussen zu lassen. Dies könnte so begründet werden, dass jeder Mensch unabhängig von seinen Gefühlen einen Selbsterhaltungstrieb besitzt. Das GebotDu sollst nicht tötenist moralisch und kann aus rationalen Gründen befolgt werden: Als Gegenleistung dafür, dass man keinen Mord begeht, wird man selbst nicht getötet. Es ist ein vernünftiger, moralischer Kompromiss.

Aus Humes These aber lässt sich schließen, dass unser „endgültige[s] Urteil von einem inneren Sinn oder Gefühl abhängt“ (Hume 1751/2003: 7). Letztendlich ist aber auch der Weg zu diesem Urteil oder Gefühl zu beachten, denn dieser basiert auf

„viel Denken [...], feine[n] Unterscheidungen [...], richtige[n]

Schlussfolgerungen [...], entfernte[n] Vergleiche[n] [...], komplizierte[n] Verhältnisse[n] [und] allgemeine[n] Tatsachen“

Als Beispiel nennt Hume die Schönheit „der höheren Künste“ (Hume 1751/2003: 7). Durch langwierige Gedankengänge, „feine Unterscheidungen“ und „viele Argumente [...] [für] die angemessene Empfindung“ (Ebd.) kommt man zu einem Urteil. Der Weg dazu basiert auf der Vernunft; doch unser endgültiges Urteil, ist aus dem Bauchgefühl abzuleiten. Hume zeigt in seinem Beispiel, dass Geschmack durch Argumente beeinflusst werden kann. Der Grund ist einleuchtend: Kunst nimmt Einfluss auf den Menschen.

[...]

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Details

Titel
Wie bestimmt Hume die Rolle der Vernunft und des Gefühls in der Moral?
Untertitel
David Hume "An Essay Concerning the Principles of Morals"
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
5
Katalognummer
V340789
ISBN (eBook)
9783668302679
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hume, rolle, vernunft, gefühls, moral, david, essay, concerning, principles, morals
Arbeit zitieren
Laura Hertz (Autor), 2015, Wie bestimmt Hume die Rolle der Vernunft und des Gefühls in der Moral?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340789

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