Der Preisbildung auf dem Oligopol kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil diese Marktform in ihren unterschiedlichen Ausprägungen heute auf den meisten Märkten als die dominierende vorgefunden wird. Auf der Angebotsseite sind nur wenige, relativ große Anbieter vorhanden, während auf der Nachfrageseite viele Käufer existieren (Angebotsoligopol). Dabei unterscheidet man ein vollkommenes bzw. homogenes Oligopol ohne Produktdifferenzierungen und ein unvollkommenes bzw. heterogenes Oligopol mit Produktdifferenzierungen. Diese beiden Oligopolformen unterscheiden sich in der Struktur der Nachfrage (was auf das Produkturteil aus der Sicht der Konsumenten zurückzuführen ist) und in der daraus resultierenden Preissetzung bzw. im Preissetzungsverhalten der Oligopolisten. Da für unsere Diskussion lediglich das homogene Oligopol von Bedeutung ist, bezieht sich die weitere Ausarbeitung nur auf diese Marktform.
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Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Interdependenzverhältnis zwischen den Oligopolisten
III. Preisbildungsmodelle
III. I. Das Cournot – Modell
III. II. Das Bertrand-Modell
III. III. Das Chamberlin-Heuß-Modell
III. IV. Das Stackelberg-Modell
III. V. Die Spieltheorie
IV. Rolle der Kartelle in der Preisbildung
V. Zur Komplexität des Preisbildungsproblems im Oligopol
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Mechanismen der Preisbildung in einem homogenen Oligopol. Ziel ist es, die strategische Interdependenz zwischen den Anbietern zu beleuchten und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Marktmodelle und kartellrechtliche Rahmenbedingungen die Preisentscheidungen der beteiligten Unternehmen beeinflussen.
- Analyse klassischer Preisbildungsmodelle (Cournot, Bertrand, Chamberlin-Heuß, Stackelberg)
- Untersuchung der spieltheoretischen Grundlagen in oligopolistischen Märkten
- Diskussion der Bedeutung von Kartellen und wettbewerbsrechtlichen Einschränkungen
- Betrachtung von Einflussfaktoren auf die Preisstarrheit und Preiswettbewerb
Auszug aus dem Buch
III. I. Das Cournot – Modell
Die früheste bekannte Lösung für die Preis- bzw. Mengenbestimmung bzw. Reaktionshypothese im Oligopol geht auf Cournot (1838) zurück. „Cournot hatte nicht die Absicht, eine Oligopoltheorie bzw. Duopoltheorie zu liefern; denn er spricht allgemein vom „Wettbewerb der Produzenten“. Er betrachtet nur 2 Anbieter eines homogenen Gutes (Mineralwasser) und fragt, wie „jeder für sich“ bei gegebenen Nachfragekurven und gegebenen Angebotsmengen des anderen Anbieters versucht, seinen Gewinn bzw. Umsatz zu maximieren. Dieser Ansatz wird in der preistheoretischen Literatur als eine Lösung des Duopolproblems interpretiert“.
Nach dieser Hypothese sieht der Duopolist das Konkurrenzangebot als gegeben an und rechnet bei eigenen Mengenänderungen mit keinerlei Reaktionen der Konkurrenz, also dx2/dx1 = 0.
Cournot findet seine Lösung unter der vereinfachenden Annahme, dass Produktionskosten nicht anfallen. Die notwendige Gewinnmaximierungsbedingung des ersten Duopolisten lautet also U´1 = K´1 und ist dann erfüllt, wenn der Grenzerlös Null ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Das Kapitel definiert das homogene Oligopol als dominierende Marktform und verdeutlicht die Notwendigkeit, das strategische Interdependenzverhältnis bei der Preisfindung zu berücksichtigen.
II. Interdependenzverhältnis zwischen den Oligopolisten: Hier werden die Grundlagen der Reaktionsweisen der Konkurrenz mittels Reaktionskurven und der Gewinnmaximierung unter wechselseitiger Abhängigkeit theoretisch hergeleitet.
III. Preisbildungsmodelle: Dieses zentrale Kapitel analysiert systematisch verschiedene Ansätze wie das Cournot-, Bertrand-, Chamberlin-Heuß- und Stackelberg-Modell sowie spieltheoretische Grundlagen zur Bestimmung optimaler Mengen und Preise.
IV. Rolle der Kartelle in der Preisbildung: Das Kapitel behandelt vertragliche Absprachen zwischen Unternehmen zur Wettbewerbsbeschränkung sowie die rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen von Kartellen.
V. Zur Komplexität des Preisbildungsproblems im Oligopol: Zusammenfassend wird erörtert, warum die theoretischen Modelle in der Realität durch zusätzliche Einflussfaktoren wie betriebsinterne Bedingungen und außerökonomische Motive überlagert werden.
Schlüsselwörter
Oligopol, homogenes Gut, Preisbildung, Cournot-Modell, Bertrand-Modell, Stackelberg-Modell, Spieltheorie, Interdependenz, Gewinnmaximierung, Kartelle, Preisführerschaft, Wettbewerb, Marktgleichgewicht, Reaktionskurve.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der preistheoretischen Analyse des homogenen Oligopols und der Art und Weise, wie Anbieter in einem solchen Markt auf die Aktionen ihrer Konkurrenten reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die mathematisch-theoretischen Preisbildungsmodelle, die spieltheoretische Modellierung von Wettbewerbssituationen sowie die Rolle und Instabilität von Kartellabsprachen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Preisbestimmung im Oligopol aufzuzeigen und zu erklären, warum Unternehmen unter strategischer Interdependenz bestimmte Preis- und Mengenspielräume wählen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deduktiven, preistheoretischen Ansatz, indem sie auf klassische ökonomische Modelle (z.B. Cournot, Bertrand) zurückgreift und diese grafisch sowie analytisch (unter Nutzung von Differenzialrechnung) auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der klassischen Modelle zur Preisbildung, die spieltheoretische Analyse des strategischen Verhaltens von Anbietern sowie die Untersuchung der Funktionsweise von Kartellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Oligopol, Preisbildung, strategische Interdependenz, Gewinnmaximierung, Reaktionskurven, Kartelle und Marktgleichgewicht.
Was genau ist das Bertrand-Paradoxon?
Es bezeichnet das Ergebnis des Bertrand-Modells, bei dem zwei Anbieter auf einem homogenen Markt ausreichen, um ein Ergebnis der vollständigen Konkurrenz zu erzeugen, bei dem der Gewinn der Unternehmen gegen Null sinkt.
Welche Rolle spielt die Kostenstruktur für die Eintrittsverhinderung im Stackelberg-Modell?
Im Stackelberg-Modell können Fixkosten entscheidend sein; ein Marktführer kann durch eine bestimmte Angebotsmenge verhindern, dass neue Anbieter eintreten, sofern diese ihre Fixkosten nicht decken können.
- Citation du texte
- Julia Fink (Auteur), 2001, Die Preisbildung im homogenen Oligopol, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3407