In Deutschland konsumieren etwa 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskantem Ausmaß. Das Hilfesystem bietet bei einer Alkoholabhängigkeit den Weg von der Suchtberatung, zur Entzugbehandlung hin zur medizinischen Rehabilitation.
Viele Menschen erleiden mehrmals Rückfälle und starten mehrere Versuche des Entzugs. Doch was ist mit älteren Menschen, die nach jahrezehntelangem Konsum keine Abstinenz mehr anstreben und deren Gesundheit durch den jahrelangen Alkoholkonsum stark in Mitleidenschaft gezogen wurde?
Auch für diese Menschen muss es eine Anlaufstelle geben, in der ihnen der Alkoholkonsum nicht strikt verweigert wird und in der nicht der Entzug, sondern ein würdevolles Leben auch mit der Abhängigkeit im Vordergrund steht.
Solch eine Einrichtung ist die Wohnungslosenhilfe, in der mein Praktikum stattfand. Dieser Bericht ist eine Reflexion über Form, Inhalte und Schlussfolgerungen dieses Praktikums.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Wohnungslosenhilfe
2 Motivation
2.1 Wahl der Praktikumsstelle
2.2 Erwartungen an das Praktikum
3 Reflexion des Praktikums
3.1 Praxisverlauf
3.1.1 Anfangsphase
3.1.2 Hauptphase
3.1.3 Abschluss
3.2 Vegleich mit ursprünglichen Erwartungen
3.3 Berufliche Identität und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Reflexion eines 60-stündigen Praktikums in der Wohnungslosenhilfe, um theoretische Kenntnisse aus dem Studium der Sozialen Arbeit mit praktischen Erfahrungen zu verknüpfen und das eigene berufliche Profil zu schärfen.
- Strukturelle Einblicke in die stationäre Wohnungslosenhilfe und Langzeithilfe
- Auseinandersetzung mit der Problematik von Alkoholkonsum in "nassen" Einrichtungen
- Analyse des Arbeitsalltags und der Aufgabenverteilung in multiprofessionellen Teams
- Reflexion der persönlichen Erwartungen gegenüber der realen Arbeitspraxis
- Erörterung beruflicher Identität und der Haltung gegenüber Suchtklienten
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Hauptphase
Die ersten fünf Tage des Praktikums fanden in den Semesterferien und am Stück statt. Vormittags war es immer recht spannend, da ich in verschiedenen Bereichen hospitieren durfte. Ich durfte bei der Ergotherapie, beim Pflegeteam und bei der Auszahlung des Geldes dabei sein. Nachmittags zog sich die Zeit in der Regel etwas. Da war ich jedes Mal mit einem anderen Sozialpädagogen im Büro und wir unterhielten uns, ich sollte Fragen stellen und mir wurden Berichte über Klienten gezeigt. An sich war das interessant, aber mir fehlte der Kontakt zu den Klienten. Das war etwas schade, da ich die Zeit gerne mit Klienten genutzt hätte. Mit der Ergotherapie war ich bei der Bastelgruppe dabei, an der leider nur drei Bewohner teilnahmen. Trotzdem empfand ich dies als positiv, weil ich mich mit diesen unterhalten konnte.
Als ich beim Pflegeteam dabei war, gingen wir in alle Zimmer, um zu kontrollieren, dass keine alten Lebensmittel im Zimmer waren und die Unordnung nicht allzu schlimm war. Das fiel mir teilweise schwer, da in den Zimmer teils große Unordnung und Unsauberkeit herrschten. Alte Lebensmittel, Schmutz, verrauchte Zimmer und der starke Geruch kosteten mich etwas Überwindung. Am Teamtag durfte ich auch teilnehmen. Zunächst besprach sich das gesamte Team, anschließend das Team von Sozialpädagogen. Der Umgang des Teams mit der Arbeit gefiel mir gut. Sie zeigten im Gespräch schwarzen Humor, der nicht verletzend gegenüber den Bewohnern war, jedoch hilft ihnen dieser Humor, mit der Arbeit umzugehen. Für mich war es sehr interessant, den Umgang mit der Arbeit zu beobachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Wohnungslosenhilfe: Vorstellung einer stationären Einrichtung für wohnungslose Männer, die niedrigschwellige Hilfe für Menschen mit multiplen Problemlagen bietet.
2 Motivation: Darstellung der persönlichen Beweggründe, das Arbeitsfeld Suchthilfe kennenzulernen und die Herausforderungen bei der Suche nach einem Kurzzeitpraktikum.
3 Reflexion des Praktikums: Detaillierte Betrachtung des Praxisverlaufs, ein Abgleich mit den ursprünglichen Erwartungen sowie eine abschließende Bewertung der beruflichen Eignung für dieses Feld.
Schlüsselwörter
Wohnungslosenhilfe, Suchthilfe, Soziale Arbeit, Langzeithilfe, Praktikumsbericht, Alkoholsucht, Bezugsklientensystem, Praxisreflexion, multiprofessionelles Team, Suchtdreieck, niedrigschwellige Arbeit, Berufliche Identität, Hilfesystem, soziale Probleme, Klientenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Bericht grundsätzlich?
Es handelt sich um einen Reflexionsbericht im Rahmen eines 60-stündigen Praktikums in einer stationären Einrichtung der Wohnungslosenhilfe.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Arbeit mit wohnungslosen, alkoholabhängigen Männern, der Umgang mit Sucht in einer "nassen" Einrichtung sowie die Organisation der sozialen Arbeit in diesem Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit der Praxis in der Langzeithilfe und die Abgleichung der studentischen Erwartungen mit der Realität in einer sozialen Einrichtung.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der teilnehmenden Beobachtung (Hospitation) sowie die schriftliche Reflexion und den Abgleich mit relevanter Fachliteratur zum Thema Sucht und Wohnungslosigkeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der konkrete Verlauf des Praktikums, die hospitierten Bereiche und der Alltag in der Einrichtung sowie die Entwicklung der eigenen beruflichen Haltung geschildert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Wohnungslosenhilfe, Suchthilfe, Bezugsklientensystem und Praxisreflexion charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Langzeithilfe von der Übergangshilfe laut der Autorin?
Die Autorin stellt fest, dass in der Übergangshilfe intensiver mit den Klienten auf konkrete Ziele hingearbeitet wird, während in der Langzeithilfe die Stabilisierung und das würdevolle Leben trotz Sucht im Vordergrund stehen.
Welchen Stellenwert nimmt das Thema Alkoholkonsum in der Einrichtung ein?
Der Alkoholkonsum ist erlaubt ("nasses Haus"), da eine vollständige Abstinenz für viele der Bewohner nicht das primäre Ziel ist; der Fokus liegt auf kontrolliertem Konsum und der Vermeidung von Ausgrenzung.
Warum wird im Bericht die Bedeutung von "schwarzem Humor" im Team erwähnt?
Die Autorin beobachtet, dass das multiprofessionelle Team schwarzen Humor als Bewältigungsstrategie nutzt, um mit der Belastung der Arbeit und den schwierigen Lebenslagen der Bewohner umzugehen, ohne dabei gegenüber den Klienten verletzend zu wirken.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Reflexionsbericht über ein 60-stündiges Praktikum in der Wohnungslosenhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340859