In meiner Hausarbeit thematisiere ich die Fokuspartikel "auch" und führe Argumente und Beweise für eine Klassifikation als Adverb oder als Partikel auf. Als Grundlage dient ein Korpus aus Zeitungstexten, die unser Seminar erstellt hat.
„Doch aus seiner Haut kann auch ein Bischof nicht.“ Beim Analysieren dieses Satzes werden einige bei dem Wort auch stocken. Weil es sowohl Charakteristika der Adverbien als auch der Partikeln aufweist, ist es keiner Wortart eindeutig zuzuordnen. Die Partikel und das Adverb auch sind homonyme Lexeme, die aufgrund ihrer Eigenschaften schwierig zu differenzieren sind. Aber von welchen Eigenschaften wird ausgegangen und was sind überhaupt typische Kennzeichen der Adverbien und der Partikeln? Lassen sich die Wortarten durch Kriterien klar voneinander abgrenzen und welche Rolle spielt der Kontext der Aussagen bei der Klassifikation der Wortarten? Existieren Subklassen innerhalb der Wortart der Partikeln und welche Funktion übernehmen sie im Satzzusammenhang?
Diese Fragen beantwortet die nachfolgende Arbeit. Als Analysemittel dient, ein von den Seminarteilnehmern aufbereitetes Korpus, das Zeitungsartikel zu den Steuervergehen des Ex-Bayern München-Präsident Hoeneß und zum Amtssitz des Limburger Ex-Bischofs Tebartz-van Elst enthält. Am Anfang dieser Arbeit steht die Definition des Skandals. Die gesamten Artikel thematisieren einen der genannten Skandale, weshalb die Merkmale und der Aufbau eines Skandals von hoher Bedeutung für die weitere Klassifikation und Analyse von auch sind. Darauf folgt eine generelle Definition der Partikeln und der Adverbien. Danach analysiere ich das Korpus, wobei ich zuerst das Korpus und meine Vorgehensweise beschreibe.
Anschließend folgt die quantitative und qualitative Analyse, bei der ich die gefundenen „auch-Belege“ präsentiere, klassifiziere und interpretiere. Ich differenziere sowohl Adverb von Partikel als auch innerhalb der Gruppe der Partikeln, um die genaue Funktion von auch herauszustellen und ihren Fokus zu ergründen. Hierbei stelle ich Kriterien auf und benenne pro Subklasse je einen typischen Vertreter. Ich behaupte, dass bei der Zuordnung und Differenzierung der Wortarten, dem Kontext eine hohe Bedeutung zukommt, weil die Beziehung zwischen den Äußerungen Hinweise auf die Absicht des Sprechers und die additive oder wertende Bedeutung und Funktion des Wortes gibt. Zum Schluss ziehe ich ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Teil
2.1 Elemente eines Skandals
2.2 Definition der Partikeln und speziell der Fokuspartikel „auch“
2.3 Definition Adverbien
3 Korpusanalyse
3.1 Korpusbeschreibung
3.2 Vorgehensweise/ Methode
3.3 Analyse
3.3.1 Klassifikation der Wortart
3.3.2 Klassifikation und Fokussierung innerhalb der Wortart der Partikeln
4 Fazit:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grammatikalische Ambivalenz des Wortes „auch“, das im Deutschen sowohl als Adverb als auch als Partikel fungieren kann. Ziel der Forschungsarbeit ist es, anhand eines spezifischen Korpus aus Zeitungsartikeln zu Skandalberichten Kriterien zur eindeutigen Klassifikation des Wortes zu entwickeln und seine verschiedenen Funktionen im Kontext zu analysieren.
- Unterscheidung zwischen Partikel und Adverb anhand syntaktischer und semantischer Kriterien.
- Analyse der Fokuspartikel „auch“ in Skandalberichten.
- Einfluss des Kontextes auf die Sprecherabsicht und die Bedeutung der „auch“-Äußerungen.
- Einsatz und Nutzen von Korpuslinguistik (EXMARaLDA/EXAKT) in der syntaktischen Forschung.
- Klassifizierung von „auch“ in verschiedene funktionale Subklassen.
Auszug aus dem Buch
Definition der Partikeln und speziell der Fokuspartikel „auch“
Partikeln sind Füllwörter der deutschen Sprache. Sie umfassen in verschiedenen Grammatiken unterschiedliche Wortarten, weshalb sowohl ihre Abgrenzung als Gesamtgruppe, als auch ihre Binnendifferenzierung nach wie vor ambivalent ist. In einigen Grammatiken wird der Begriff „Partikel“ für jegliche unflektierbaren Wortarten verwendet, während in anderen Grammatiken sogar prädikativ gebrauchte Adjektive oder Adverbien hinzugezählt werden, sodass daher das morphologische Kriterium der Flektierbarkeit zur Abgrenzung anderer Wortarten nicht aussagekräftig ist.
Dennoch lassen sich einheitliche Merkmale herausstellen. Partikeln sind neben Füllwörter, Signalwörter, die primär in der gesprochenen Sprache vorkommen und diese lebendiger machen. Da keine produktiven Wortbildungsmuster wie bei den Adverbien vorliegen, wird die Gruppe der Partikeln weitgehend als geschlossene Wortart definiert. Sie sind morphologisch gesehen einfach und nicht flektierbar.
Ein bedeutsames Kriterium zur Abgrenzung sind die semantischen Merkmale und Aspekte der Partikeln. Anhand dieser Merkmale können sie als Synkategorematika definiert werden, die weder kategorematische noch kategorielle Bedeutung haben. Ihre semantische und pragmatische Interpretation ergibt sich aus der Syntax, im Kontrast zu ihrer Nachbarklasse der Adverbien. Außerdem tragen sie nichts zur Wahrheitsbedingungen von Aussagesätzen bei und können eliminiert werden, ohne, dass der Satz ungrammatisch wird. Daher kommt es zu keiner Bedeutungsverschiebung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der homonymen Lexeme „auch“ ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung für die grammatikalische Wortarten-Klassifikation.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Skandal, Partikel und Adverb und stellt die theoretische Basis für die spätere Korpusanalyse dar.
3 Korpusanalyse: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen bei der Annotation der Daten mittels EXMARaLDA und präsentiert die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Auswertung der „auch“-Belege.
4 Fazit:: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Relevanz des Kontextes für die Zuordnung der Wortarten und zieht ein abschließendes Resümee über die Funktionen von „auch“.
Schlüsselwörter
Partikel, Adverb, auch, Fokuspartikel, Skandalberichterstattung, Syntax, Korpusanalyse, Wortartenklassifikation, Semantik, Pragmatik, EXMARaLDA, Sprecherabsicht, Homonyme, Konstituenten, Inklusivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die syntaktische und semantische Doppeldeutigkeit des Wortes „auch“, welches je nach Kontext als Adverb oder als Partikel klassifiziert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung bewegt sich an der Schnittstelle zwischen linguistischer Theorie (Wortarten, Partikeln, Adverbien) und der empirischen Korpuslinguistik im Rahmen von aktuellen Skandalberichten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist die Entwicklung präziser Kriterien, um das homonyme Wort „auch“ in Texten korrekt als Adverb oder Partikel zuzuordnen und seine spezifische Funktion im Kontext zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine korpuslinguistische Methode unter Verwendung des Systems EXMARaLDA/EXAKT zur Annotation und Analyse von 94 Belegen aus Zeitungsartikeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Definition der Wortarten und einen analytischen Teil, in dem die Daten aus dem Korpus nach morphologischen, syntaktischen und semantischen Kriterien geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Fokuspartikel, Wortartenklassifikation, Syntax, Korpusanalyse, Homonymie und Sprecherbewertung.
Warum spielt der Kontext eine so entscheidende Rolle bei der Analyse?
Da „auch“ als Partikel und als Adverb dieselbe Lautform hat, lässt sich die jeweilige Funktion nur durch die Analyse der Satzstellung, der Betonung und der beabsichtigten Sprecherwirkung im diskursiven Kontext bestimmen.
Welche Rolle spielt die „Skandal-Thematik“ für das Verständnis von „auch“?
Die Autorin zeigt auf, dass der Sprecher durch den gezielten Einsatz der Fokuspartikel „auch“ die Aufmerksamkeit des Lesers lenkt, um eine bestimmte Einschätzung (z.B. Empörung über den Skandalierer) zu manipulieren oder zu verstärken.
- Arbeit zitieren
- Helena Niemann (Autor:in), 2016, Partikel versus Adverb. Die Klassifikation der Wortart und die Bestimmung der Funktion von „auch“ im Korpus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340873