Aktionsforschung. Entstehungsgeschichte, Anwendungsbeispiele und Werkzeuge


Seminararbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1 Definition

2 Entstehungsgeschichte

3 Zielstellung

4 Vorgehen

5 Konzepte

6 Anwendungsbeispiele
6.1 Bsp. 1: Aktionsforschung als individuelle Initiative einer Lehrerin [17]
6.2 Bsp. 2: Japanische Werftindustrie [18]
6.3 Bsp. 3: Differenzierung im Unterricht [19]

7 Werkzeuge
7.1 Tagebuch
7.2 Beobachtung
7.3 Meinungsaustausch
7.4 Befragung

8 Kritik

9 Einzelnachweise

1 Definition

Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht 1.

Man kann den Begriff auf zwei verschiedene Arten interpretieren.

Zum einen gibt es die Interpretation, die die Aktionsforschung als Forschung in Form einer Ansammlung von Aktionen und Methoden beschreibt, wie sie auch von French und Bell 2 definiert wurde (“Prozeß der systematischen Sammlung empirischer Daten über ein System in bezug auf dessen Ziele und Bedürfnisse; aus dem Feedback dieser Daten an das System und aufgrund zusätzlicher Hypothesen werden Aktionen zur Veränderungen einzelner Systemvariablen entwickelt, durch erneute Datensammlung werden die Ergebnisse dieser Aktionen überprüft und ausgewertet.“, [2]).

Andererseits kann der Begriff Aktionsforschung aber auch als aktive Forschung, die ihre Umwelt gestaltet interpretiert werden, so wie French und Bell das 1973 getan haben: „Anwendung der wissenschaftlichen Ermittlung von Tatsachen und des wissenschaftlichen Experimentierens auf praktische Probleme […]“, mit dem Ziel, unter „[…] Zusammenarbeit und Mitwirken von Wissenschaftlern, Praktikern und Laien Lösungsmaßnahmen […]“ zu entwickeln [2].

„Grundlegender Ausganspunkt einer im Sinne der Aktionsforschung durchgeführten Untersuchung ist ein akutes in der Praxis auftretendes Problem mit der Zielsetzung, gesellschaftlich relevante Fragen zu beantworten.“ 3 Deswegen wird die Aktionsforschung vor allem in der Pädagogik und der empirischen Organisationsforschung eingesetzt.

2 Entstehungsgeschichte

Die eigentlichen Ursprünge der Aktionsforschung sind nebulös 4. Laut French und Bell geht der Ausdruck selbst vermutlich auf John Collier zurück. John Collier war zwischen 1933 und 1945 ein Beauftragter der US-Amerikanischen Regierung für Indianerfragen. Seine Aufgabe war es die Rassenbeziehungen zu verbessern. Während er mit dieser Aufgabe betraut war, entwickelte er eine Strategie der gemeinsamen Problemfeststellung, Problemanalyse und Problembearbeitung, weil er seine Aufgabe nur gemeinsam mit den betroffenen Indianerstämmen lösen konnte. Diese Strategie bezeichnete er als „action research“ [2].

Die eigentliche programmatische Fassung geht hingegen auf die Arbeiten von Kurt Lewin und Lewin Moreno aus den 40er Jahren zurück. Kurt Lewin, ein Sozialpsychologe, forschte an der Universität von Michigan nach einer Verbindung von Forschung und Intervention mit dem Ziel eine „social technology“ zur Bewältigung sozialer Konflikte zu entwickeln [4].

Durch das explizite Handlungsgebot war dies ein krasser Gegenentwurf zur, seiner Meinung nach, auftragsfreien und verantwortungslosen Wissenschaft.

Lewin bezeichnete seinen „Action-Research“-Ansatz als „[...] eine vergleichende Erforschung der Bedingungen und Wirkungen verschiedener Formen des sozialen Handelns und eine zu sozialem Handeln führende Forschung“ 5, zit. n. 6. Er sah darin eine Möglichkeit, praxis-orientierte Lösungen für gesellschaftliche Probleme durch die Verbindung von Praxis und Wissenschaft zu finden.

Dabei sollten Kenntnisse durch eine enge Zusammenarbeit von Praktikern und Wissenschaftlern gefunden werden, durch die ein System analysiert und beeinflusst werden kann.

„Im deutschsprachigen Raum wurde der Ansatz mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa zwei Jahrzehnten rezipiert.“ 7. Dabei waren „Aktionsforschung“, „Handlungsforschung“ und „Tatforschung“ nur einige der verschiedenen Übersetzungen für „action research“. Besonders populär wurde die Aktionsforschung dann in der 70er Jahren im Bereich der Erziehungswissenschaft, Soziologie, Sozialpädagogik, Psychologie und Politikwissenschaft 8.

3 Zielstellung

Das zentrale Ziel der Aktionsforschung ist die Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer Ausführung 9. Diese „Verständigung zwischen Theorie und Praxis“ [3] dient sowohl der Veränderung von Handlungen in Form von neuen Handlungsstrategien als auch der Lösung von Problemen in der realen Welt 10. Entgegen anderer Forschungsansätze, liegt das Augenmerk von Aktionsforschern dementsprechend auf ihrer Rolle als aktiver Praktiker und nicht ausschließlich als passiver Forscher 11. Die Spezifität besteht infolgedessen darin, dass die Aktionsforschung durch ein hohes Maß an Problemorientierung charakterisiert wird, woraus sich die Interdisziplinarität, aufgrund der hohen Komplexität der Probleme, dieser qualitativen Forschungsmethode ergibt 12.

4 Vorgehen

Der Prozess der Aktionsforschung besteht aus einem Zyklus von aktiven und reaktiven Phasen, wobei mehrere aufeinanderfolgende Stufen der Aktionen mit ständigen Rückkopplungsschleifen verbunden werden 13. Im Groben werden hierbei Daten gesammelt, deren Analyse zu Informationen über mögliche relevanten Handlungsorientierungen und deren Umsetzung in der Praxis führt 14. Aufgrund der Tatsache das die Ausführung von Handlungsempfehlungen zu einer Veränderung der Situation führt, erfolgt der Prozess der Datensammlung-Analyse-Aktion zyklisch (siehe Abbildung 4.1: Zyklischer Aktionskreislauf Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.). Dieser Wechsel von Aktion und Analyse 15 dient der „kritischen Wahrnehmung der Handlungen“ 16. Eine bedeutende Eigenschaft der Aktionsforschung besteht in der Kooperation zwischen dem Forscher und der Forschungsobjekte (Klienten, involvierte Personen, Unternehmen, etc.), um die Richtigkeit und die Relevanz der gesammelten Daten dadurch zu steigern, dass ein direkte Bezug zu der Datenquellen bzw. dem Datenproduzenten garantiert wird [15].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4.1: Zyklischer Aktionskreislauf (in Anlehnung an: [16])

Im Allgemeinen existiert kein festgeschriebenes iteratives Vorgehen, da Aktionsforschungsprozesse sich entsprechend ihrer Ausgangssituation, ihrer Komplexität und der daraus hervorgehenden Zielsetzung in einem hohen Maß unterscheiden, dennoch lassen sich einzelne typische Stufen des Prozesses charakterisieren [16] (siehe Abbildung 4.2: Zyklischer Prozess der Aktionsforschung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4.2: Zyklischer Prozess der Aktionsforschung (in Anlehnung an: [3])

1. „Kontakt und Vorgespräch“ [3]: In der ersten Phase kommt es zum erstem Kontakt zwischen Forscher und Forschungsobjekt, wobei die Ausganssituation und deren Problemlage geklärt werden, um die zu analysierenden Fragestellung [16] und die Bereitschaft zur Kooperation zwischen den Forschern und Forschungsobjekten festzulegen [12].

2. „Vereinbarung“ [3]: Auf der zweiten Stufe wird über die weitere Zusammenarbeit und insbesondere die Methode zur Lösung der Problemstellung entschieden [3].

3. „Datensammlung“ [3]: Zur Klärung des derzeitigen Ist-Zustandes werden verschiedene Methoden der Datensammlung verwendet [15]. Dabei wird sowohl die Situation als auch die Wahrnehmung der beteiligten Forschungsobjekte dieser Situation festgehalten [12]. Instrumente zur effektiven und effizienten Sammlung von Daten werden in Kapitel 7 vorgestellt.

4. „Datenfeedback“ [3]: Nach der Aufbereitung der in Phase 3 gesammelten Daten, werden diese an den Klienten zurückgegeben, wodurch die Möglichkeit der Diskussion und des Meinungsaustausches geschaffen wird [15].

5. „Diagnose“ [3]: Die fünfte Stufen dient der Bewertung der aktuellen Situation, wobei vor allem Stärken und Schwäche, sowie Erfolge und Probleme durch den Meinungsaustausch und die Diskussion zwischen Forscher und Forschungsobjekt kommuniziert und dokumentiert werden [15].

6. „Durchführung der Intervention“ [3]: Die gewonnen Daten und Informationen werden im sechsten Schritt zur Erstellung von Handlungsstrategien [16] und zur Festlegung von Möglichkeiten der Erfolgskontrolle [3] verwendet. Diese Empfehlungen werden daraufhin in die Praxis umgesetzt [12].

7. „Erfolgskontrolle“ [3]: Die siebte Phase der Aktionsforschung dient der Bewertung und Bemessung der Effektivität bzw. Ineffektivität der durchgeführten Handlungen und verwendeten Methoden [15]. Auf dieser Grundlagen wird außerdem über die Fortführung oder die Beendigung des Forschungsprojektes entschieden [15].

Die mögliche Fortführung des Forschungsprojektes zeigt das Charakteristikum des Zyklus: Ein Wechsel zwischen Analyse und Aktion [13].

Nach der Beendigung eines Aktionsforschungsprojektes wird eine Veröffentlichung der gewonnen Ergebnisse empfohlen, um nicht nur dem Interesse des Klienten, sondern um zusätzlich der wissenschaftlichen Verantwortlichkeit nachzukommen, Erkenntnisse und Erfahrungen und somit Wissen zugänglich zu machen [12].

5 Konzepte

Die Intention der Aktionsforschung ermöglicht eine Vielzahl an unterschiedlichen Ansätzen der Anwendung der beschrieben qualitativen Forschungsmethode; infolgedessen gibt die Literatur keine klare Untergliederung verschiedener Konzepte vor [10]. Eine mögliche Unterscheidung ergibt sich aus der Entwicklungsgeschichte (siehe Kapitel 2) der Aktionsforschung: (1) Einerseits die Forschungsmethode nach dem Begründer Kurt Lewin und (2) andererseits eine Methode der Sozialwissenschaften.

(1) Die Aktionsforschung als „action research“ oder „Tat-Forschung“ [16] des Nordamerikaners Kurt Lewin zielt in erster Linie auf „[…] eine vergleichende Erforschung der Bedingungen und Wirkungen verschiedener Formen des sozialen Handelns und eine zu sozialem Handeln führende Forschung“ [5]. Dies zeigt die charakteristische Intention der Lösung gesellschaftlicher und sozialer Probleme [16]. Die Basis dafür bildet die Absicht der Aktionsforschung, nicht nur theoretische Erkenntnisse zu generieren und festzuhalten, sondern daraus resultierende Handlungsempfehlungen in der Realität umzusetzen und somit eine Veränderung der Praxis zu erzielen [10]. Dementsprechend dienen die Ergebnisse des Ansatzes nach Lewin einer konkreten Problemstellung bzw. eines realen Bedürfnissen der Gesellschaft, um einer Verbesserung des sozialen Ist-Zustandes zu initiieren [16].

(2) Das zweite Konzept der Aktionsforschung knüpft an der Sozialforschung nach Marx an und entstand in den 70er Jahren in Deutschland [10]. Dementsprechend zielt diese Strömung direkt auf das Gebiet der Sozialwissenschaften ab [10]. Hierbei wird vor allem die direkte Erprobung der Handlungsstrategien im Unterricht oder allgemeingültig im Lernprozess fokussiert [16]. Eine Begründung für die Entwicklung dieses Konzepts besteht in der Notwendigkeit einer wissenschaftlich fundierten Basis für eine Weiterentwicklung und Optimierung des Unterrichts, wodurch ersichtlich wird, dass diese Methode insbesondere bei der Ausbildung und Betreuung von Lehrkräften zur Anwendung kommt [16].

Gemein haben die erläuterten Strömungen der Aktionsforschung, dass der Forscher zum Praktiker wird und dementsprechend aktiv an der Forschung und insbesondere an der Problemlösung teilnimmt [11]. Dies wird in erster Hinsicht dadurch garantiert, dass es zu einem Meinungsaustausch zwischen Forscher und Forschungsobjekt sowie zur einer ständigen Rückkopplung und Erfolgskontrolle von Handlungsempfehlungen kommt [13]. Sowohl die Herangehensweise von Kurt Lewin als auch die Methode basierend auf der Sozialwissenschaften dienen der „Untersuchung sozialer Systeme“ [10].

Hervorzuheben ist, dass eine klare Trennung oder Kategorisierung nicht generell möglich ist, da die Aktionsforschung in ersten Hinsicht vor allem die „Individualisierung der Forschung“ [16] betont, wobei insbesondere die Problemlösung im Vordergrund steht [9].17

6 Anwendungsbeispiele

6.1 Bsp. 1: Aktionsforschung als individuelle Initiative einer Lehrerin

Eine Lehrerin, die versuchte die stillen Schüler mehr in den Unterricht einzubinden und deren Redeangst zu mindern, schrieb für sich Gedächtnisprotokolle über ihre Erfahrungen und erstellte Tonbandaufzeichnungen ihrer Unterrichtsstunden. Dabei fiel ihr auf, dass sie mehr Jungen als Mädchen zu Wort kommen ließ. Dies war ihr zuvor nie aufgefallen, eine Erklärung dafür hatte sie allerdings: sie redete einfach lieber mit den Jungen. Andererseits wollte sie aber nicht zur Sprach- und Machtlosigkeit der Frau beitragen. Durch die Tonbandanalyse und das Nachdenken kam sie zum folgenden Schluss: „Was sich geändert hat, ist die Tatsache, dass ich über einen Bereich meines Handelns Bescheid weiß, der bis jetzt im Dunkeln lag. Ich handelte, ohne mich bewusst für die eine oder andere Variante entscheiden zu können. Diese Möglichkeit zur Entscheidung habe ich jetzt und ich betrachte sie als Gewinn.“ [10]. Durch den Einsatz des Tonbandgeräts und des Gedächtnisprotokoll ist es der Lehrerin gelungen, sich das Wissen, das in ihren Handlungen steckte, herauszuarbeiten und sich bewusst zu machen. Vorher war ihr nicht bewusst, dass sie mehr Jungen im Unterricht zu Wort kommen ließ und auch lieber mit den Jungen redete. Dadurch dass es ihr jetzt bewusst ist, kann sie entscheiden, ob sie ihrer Vorliebe, lieber mit Jungen zu reden nachgeht oder doch lieber ihrer Überzeugung folgt und gegen die Sprachlosigkeit der Mädchen vorgeht. Sie hat ihre Daten vergegenständlicht und diese damit vom Moment unabhängig gemacht, sodass sie diese analysieren und untersuchen kann. Diese neu gewonnen Erkenntnisse werden in der Aktionsforschung dann direkt dazu benutzt, um eine Lösung für das gefundene Problem zu erarbeiten. In diesem Fall kann die Lehrerin die Situation direkt verbessern, indem sie in den zukünftigen Unterrichtsstunden darauf achtet, Mädchen und Jungen in einem ausgewogenen Verhältnis zu Wort kommen zu lassen.

Es kann in der Aktionsforschung auch passieren, dass sich Änderungen oder Lösungen selbst ergeben. Bei diesem Beispiel ist der Lehrerin bspw. weiterhin beim Analysieren der Tonbandaufnahme aufgefallen, dass sie einem Schüler wesentlich mehr Aufmerksamkeit schenkte als anderen. Ohne das sie es sich vorgenommen hat, korrigierte sie ihr Verhalten und verwies den Schüler automatisch öfter in seine Schranken: „Mit dermaßen geschärften Bewusstsein kam es in den folgenden Stunden öfter vor, dass ich ihn in die Schranken wies. Ich rechne damit, dass das nicht nur ein Kurzzeiteffekt ist, sondern, dass ich hier etwas über ihn und mich gelernt habe, das ich nicht mehr vergessen werde.” [17]. Hinzuzufügen ist außerdem, dass die Aktionsforschung in dieser individuellen Initiative zu einer experimentellen Haltung gegenüber der eigenen Handlung geführt hat.

Tabelle 1 : Aktionsforschung als individuelle Initiative einer Lehrerin in den Stufen der Aktionsforschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten18

6.2 Bsp. 2: Japanische Werftindustrie

In der japanischen Werftindustrie sollten die Innovationen beschleunigt werden. Dazu sollte ein modernerer und demokratischerer Führungsstil eingeführt werden. Dafür galt es heraus zu finden, ob Entscheidungsfindungen am unteren Ende der Hierarchie möglich sind, damit ein Wandel der Führungsstile stattfinden kann. Die Aktionsforschung begann mit der Einführung von 50 minütigen Treffen pro Woche, in der die Vorarbeiter mit ihren Arbeitern Rücksprache hielten. In diesen Rücksprachen erklärte der Vorarbeiter außerdem seine Anweisungen. Diese Treffen erwiesen sich als sehr erfolgreich und führten zu erhöhter Produktivität.

Tabelle 2 : Führungsstiländerung in einer Japanischen Werftindustrie in den Stufen der Aktionsforschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Acht Jahre später sollten in derselben Werft die Arbeitsunfälle reduziert werden, wofür eine Sicherheitskampagne gestartet wurde. Dazu wurden Arbeitsgruppen von zwei bis acht Mann gebildet, in denen dann Brainstorming zur Entstehung der Unfälle durchgeführt wurde. Dabei wurden im Laufe der Zeit 60 Gefahrenpunkte gesammelt und als Karten, thematisch sortiert, an die Wand geheftet. Das Ganze wurde außerdem von einem Fragebogen und einer offenen Diskussionsrunde begleitet. Die Unfallrate konnte so um 60% gesenkt werden [18].

Tabelle 3 : Sicherheitskampagne in einer Japanischen Werftindustrie in den Stufen der Aktionsforschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten19

6.3 Bsp. 3: Differenzierung im Unterricht

Eine Lehrerin möchte erfahren, ob ein Differenzierungsbedarf in ihrer Schulklasse besteht und welche Art der Differenzierung am besten geeignet wäre. Zunächst wurden dafür verschiedene kritische Gespräche mit anderen Lehrern geführt und die Schüler bekamen einen ausgewählten Lesetext, der mit einem erstellten Auswertungsbogen ausgewertet wurde. Für die eigentliche Aktionsforschung wurden dann Unterrichtsstunden mit verschiedenen speziellen Differenzierungsschwerpunkten durchgeführt, in denen das Schülerverhalten reflektiert wurden und Nachbesprechungen, um das eigenen Befinden zu reflektieren.

Bereits bei den Lesetexten traten schon erhebliche Unterschiede zwischen den Schülern auf. Der schnellste hatte den Text bereits in vier Minuten gelesen und vier Fragen falsch beantwortet, der langsame brauchte 50 Minuten und beantwortete zwei Fragen falsch. Die meisten Schüler brauchten zwischen sechs und 13 Minuten. Für die Differenzierung im Unterricht wurden die Übungsstunden gewählt, damit die Schüler durch gleiche Erarbeitungsstunden dieselben Grundkenntnisse für diese Übungsstunden hatten. Nach der Durchführung der Differenzierung in verschiedenen Übungsstunden stellte sich heraus, dass die Differenzierungen im überwiegenden Teil gebraucht wurden bzw. sogar von großer Notwendigkeit waren, um auf das verschiedene Potenzial der Schüler eingehen zu können. In den Nachbesprechungen wurde außerdem deutlich, dass die Schüler mehr Freude am Lernen hatten, wenn ein differenzierter Unterricht stattfand. Für die Lehrerin selbst, die ihr Befinden selbst reflektiert hat, stellte sich heraus, dass auch die Differenzierungen auch für sie selbst eine große Bedeutung haben, weil sie sich gut fühlt, wenn auch die lernschwachen Schüler Fortschritte machen und die Freude der Kinder am Lernen selbst steigt. Deswegen weitete sie die verschiedenen Differenzierungen nach und nach weiter aus, motiviert durch das Feedback der Kinder.

Tabelle 4 : Einführung von Differenzierungsmöglichkeiten im Unterricht in den Stufen der Aktionsforschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 R. Kühn und R. Grünig, „Aktionsforschung und ihre Anwendung in der praktisch-normativen Betriebswirtschaftslehre,“Die Unternehmung, pp. 118-133, 1986.

2 W. L. French und C. H. Bell, „Organization Development: Behavioral Science Interventions for Organization Improvement,“New Jersey: Prentice-Hall, pp. 110-118.

3 M. Hamann, „Auswirkungen des Einsatzes integrierter Standard-Anwendungssoftware in Unternehmen,“ Diplomarbeiten Agentur diplom.de, Hamburg, 1995.

4 H. G. Petzold, „Die Rolle des Therapeuten und die therapeutische Beziehung in der Integrativen Therapie,“ in Die Rolle des Therapeuten und die therapeutische Beziehung, Paderborn, Junfermann, 1980, pp. 223-290.

5 K. Lewin, Feldtheorie in den Sozialwissenschaften, Bern: H. Huber, 1963.

6 F. Gairing, Organisationsentwicklung als Lernprozess von Menschen und Systemen, Weinheim: Beltz, 2008.

7 H. Unger, Partizipative Forschung Einführung in die Forschungspraxis, Weinheim: Springer Verlag, 2014.

8 H. Unger, M. Block und M. T. Wright, „Aktionsforschung im deutschsprachigen Raum: Zur Geschichte und Aktualität eines kontroversen Ansatzes aus Public Health Sicht,“WZB Discussion Paper, p. 13, 2007.

9 J. Blome-Drees, „Aktionsforschung als Strategie explorativer Genossenschaftsforschung,“Zeitschrift für Öffentliche und Gemeinwirtschaftliche Unternehmen (ZÖgU) / Journal for Public & Nonprofit Services, pp. 88-111, 2014.

10 U. Frank, S. Klein, H. Krcmar und A. Teubner, „Aktionsforschung in der WI - Einsatzpotentiale und Einsatzprobleme,“Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie. Grundpositionen und Theoriekerne. Arbeitsberichte des Instituts für Produktion und Industrielles Informationsmanagement, pp. 71-90, 1998.

11 T. Heinze, Qualitative Sozialforschung, München und Wien: R. Oldenbourg Verlag, 2001.

12 H. Altrichter, W. Aichner, K. Soukup-Altrichter und H. Welte, „PraktikerInnen als ForscherInnen. Forschung und Entwicklung durch Aktionsforschung,“ in Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft, Weinheim und München, Juventa Verlag, 2010, pp. 803-818.

13 M. Thomae, „Die Managementlehre auf dem Irrweg der Aktionsforschung,“die Unternehmung, pp. 287-293, 1999.

14 E. Spieß, „Aktionsforschung,“ in Handbuch der Angewandten Psychologie. Grundlagen, Methoden, Praxis, ecomed, 1994, pp. III-7 1-8.

15 G. Comelli, Handbuch der Weiterbildung für die Praxis in Wirtschaft und Verwaltung: Training als Beitrag zur Organisationsentwicklung, München und Wien: Carl Hanser Verlag, 1985.

16 D. Warneke, Aktionsforschung und Praxisbezug in der DaF-Lehrerausbildung, Kassel: Kassel University Press GmbH, 2007.

17 I. Morocutti, „„Mündliches Arbeiten im Englischunterricht (oder: Zwischen Lustprinzip und feministischem Anspruch),“ in Schule gestalten: Lehrer als Forscher, Klagenfurt, Hermagoras, 1989.

18 J. Misumi, „Action Research on the Development of Leadership, Decision Making Processes and Organizational Performance in a Japanes Shipyard,“Psychologia, pp. 187-223, 1975.

19 M. Freynschlag, Differenzierung im Unterricht - Mit welchen Arten der Differenzierung kann ich mich am besten identifizieren?, Linz: Pädagogische Akademie der Diözese, 2006.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Aktionsforschung. Entstehungsgeschichte, Anwendungsbeispiele und Werkzeuge
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V340912
ISBN (eBook)
9783668304116
ISBN (Buch)
9783668304123
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aktionsforschung, entstehungsgeschichte, anwendungsbeispiele, werkzeuge
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Aktionsforschung. Entstehungsgeschichte, Anwendungsbeispiele und Werkzeuge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340912

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