Die Arbeit behandelt den Begriff Aktionsforschung. Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht. Man kann den Begriff auf zwei verschiedene Arten interpretieren. Zum einen gibt es die Interpretation, die die Aktionsforschung als Forschung in Form einer Ansammlung von Aktionen und Methoden beschreibt, wie sie auch von French und Bell definiert wurde (“Prozeß der systematischen Sammlung empirischer Daten über ein System in bezug auf dessen Ziele und Bedürfnisse; aus dem Feedback dieser Daten an das System und aufgrund zusätzlicher Hypothesen werden Aktionen zur Veränderungen einzelner Systemvariablen entwickelt, durch erneute Datensammlung werden die Ergebnisse dieser Aktionen überprüft und ausgewertet.“).
Andererseits kann der Begriff Aktionsforschung aber auch als aktive Forschung, die ihre Umwelt gestaltet interpretiert werden, so wie French und Bell das 1973 getan haben: „Anwendung der wissenschaftlichen Ermittlung von Tatsachen und des wissenschaftlichen Experimentierens auf praktische Probleme […]“, mit dem Ziel, unter „[…] Zusammenarbeit und Mitwirken von Wissenschaftlern, Praktikern und Laien Lösungsmaßnahmen […]“ zu entwickeln.
„Grundlegender Ausganspunkt einer im Sinne der Aktionsforschung durchgeführten Untersuchung ist ein akutes in der Praxis auftretendes Problem mit der Zielsetzung, gesellschaftlich relevante Fragen zu beantworten.“ Deswegen wird die Aktionsforschung vor allem in der Pädagogik und der empirischen Organisationsforschung eingesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Definition
2 Entstehungsgeschichte
3 Zielstellung
4 Vorgehen
5 Konzepte
6 Anwendungsbeispiele
6.1 Bsp. 1: Aktionsforschung als individuelle Initiative einer Lehrerin [17]
6.2 Bsp. 2: Japanische Werftindustrie [18]
6.3 Bsp. 3: Differenzierung im Unterricht [19]
7 Werkzeuge
7.1 Tagebuch
7.2 Beobachtung
7.3 Meinungsaustausch
7.4 Befragung
8 Kritik
9 Einzelnachweise
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Aktionsforschung, ihre theoretischen Grundlagen sowie ihre praktische Anwendung. Das primäre Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie durch eine enge Verzahnung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Intervention gesellschaftliche oder organisationsspezifische Problemstellungen gelöst werden können.
- Historische Entwicklung der Aktionsforschung und ihre Ansätze
- Methodik und zyklische Prozessgestaltung der Aktionsforschung
- Anwendungsbereiche in Pädagogik und Industrie
- Instrumente zur Datenerhebung wie Tagebuch und Beobachtung
- Kritische Reflexion über methodische und wissenschaftstheoretische Schwachstellen
Auszug aus dem Buch
6.1 Bsp. 1: Aktionsforschung als individuelle Initiative einer Lehrerin [17]
Eine Lehrerin, die versuchte die stillen Schüler mehr in den Unterricht einzubinden und deren Redeangst zu mindern, schrieb für sich Gedächtnisprotokolle über ihre Erfahrungen und erstellte Tonbandaufzeichnungen ihrer Unterrichtsstunden. Dabei fiel ihr auf, dass sie mehr Jungen als Mädchen zu Wort kommen ließ. Dies war ihr zuvor nie aufgefallen, eine Erklärung dafür hatte sie allerdings: sie redete einfach lieber mit den Jungen. Andererseits wollte sie aber nicht zur Sprach- und Machtlosigkeit der Frau beitragen. Durch die Tonbandanalyse und das Nachdenken kam sie zum folgenden Schluss: „Was sich geändert hat, ist die Tatsache, dass ich über einen Bereich meines Handelns Bescheid weiß, der bis jetzt im Dunkeln lag. Ich handelte, ohne mich bewusst für die eine oder andere Variante entscheiden zu können. Diese Möglichkeit zur Entscheidung habe ich jetzt und ich betrachte sie als Gewinn.“ [10]. Durch den Einsatz des Tonbandgeräts und des Gedächtnisprotokoll ist es der Lehrerin gelungen, sich das Wissen, das in ihren Handlungen steckte, herauszuarbeiten und sich bewusst zu machen. Vorher war ihr nicht bewusst, dass sie mehr Jungen im Unterricht zu Wort kommen ließ und auch lieber mit den Jungen redete. Dadurch dass es ihr jetzt bewusst ist, kann sie entscheiden, ob sie ihrer Vorliebe, lieber mit Jungen zu reden nachgeht oder doch lieber ihrer Überzeugung folgt und gegen die Sprachlosigkeit der Mädchen vorgeht. Sie hat ihre Daten vergegenständlicht und diese damit vom Moment unabhängig gemacht, sodass sie diese analysieren und untersuchen kann. Diese neu gewonnen Erkenntnisse werden in der Aktionsforschung dann direkt dazu benutzt, um eine Lösung für das gefundene Problem zu erarbeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definition: Beschreibt die verschiedenen Interpretationen der Aktionsforschung als Form der systematischen Datensammlung oder als aktive, umweltgestaltende Forschung.
2 Entstehungsgeschichte: Beleuchtet die Ursprünge bei John Collier und die programmatische Weiterentwicklung durch Kurt Lewin in den 40er Jahren.
3 Zielstellung: Erläutert die Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer Ausführung zur Problemlösung und Handlungsveränderung.
4 Vorgehen: Beschreibt den zyklischen Prozess aus Datensammlung, Analyse und Aktion sowie die Phasen von der Kontaktaufnahme bis zur Erfolgskontrolle.
5 Konzepte: Unterscheidet zwischen der Forschungsmethode nach Kurt Lewin und der Strömung innerhalb der Sozialwissenschaften.
6 Anwendungsbeispiele: Präsentiert drei Fallbeispiele aus Schule und Industrie, welche die praktische Umsetzung der Aktionsforschung verdeutlichen.
7 Werkzeuge: Stellt Instrumente wie Tagebuch, Beobachtung, Meinungsaustausch und Befragung vor, die zur Datenerhebung in der Aktionsforschung dienen.
8 Kritik: Setzt sich mit methodischen Schwachstellen, mangelnder Generalisierbarkeit und der immunisierenden Haltung gegenüber Falsifikation auseinander.
9 Einzelnachweise: Listet die verwendeten Quellen und Literaturangaben auf.
Schlüsselwörter
Aktionsforschung, Handlung, Praxis, Theorie, Forschungsmethode, Datensammlung, Analyse, Interventionsforschung, Kurt Lewin, Problemlösung, qualitative Forschung, Sozialwissenschaften, Partizipation, Reflexion, Evaluation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die Aktionsforschung, behandelt ihre historischen Ursprünge sowie ihre methodischen Ansätze und Einsatzmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Aktionsforschung?
Die zentralen Themen sind die enge Kooperation zwischen Forscher und Forschungsobjekt, die zyklische Prozessstruktur von Handeln und Analysieren sowie die praktische Problemlösung.
Welches Ziel verfolgt die Aktionsforschung primär?
Das primäre Ziel ist die Überbrückung der Kluft zwischen theoretischer Erkenntnis und praktischer Anwendung, um reale Probleme in sozialen Systemen gezielt zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Aktionsforschung verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Forschungsmethode, die sich durch einen zyklischen Prozess aus Datensammlung, Analyse, Aktion und Erfolgskontrolle auszeichnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Vorgehensweise, die theoretischen Konzepte, verschiedene Anwendungsbeispiele aus der Praxis und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ansatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aktionsforschung, Handlung, Praxis, Theorie, Forschungsmethode, Datensammlung, Analyse, Interventionsforschung und Partizipation.
Wie unterscheidet sich die Aktionsforschung nach Kurt Lewin von anderen Ansätzen?
Der Ansatz von Lewin zielt spezifisch auf die Erforschung von sozialen Handlungsbedingungen ab, um durch intervenierende Forschung gesellschaftliche Probleme aktiv zu lösen.
Welche Rolle spielt das "Tagebuch" als Werkzeug der Aktionsforschung?
Das Tagebuch dient als Instrument zur kontinuierlichen Dokumentation von Ereignissen und zur Reflexion der subjektiven Wahrnehmung von Handlungsabläufen durch die beteiligten Personen.
Was bemängelt die Kritik an der Aktionsforschung?
Die Kritik fokussiert sich unter anderem auf eine mangelnde Generalisierbarkeit der Ergebnisse, eine defizitäre theoretische Fundierung und die fehlende Objektivität durch die starke persönliche Involvierung der Forscher.
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- Anonym (Autor:in), 2016, Aktionsforschung. Entstehungsgeschichte, Anwendungsbeispiele und Werkzeuge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340912