In dieser Arbeit wird die Serie „Der Bulle von Tölz“ auf Merkmale der Gattungen „Kriminalserie“ und „Heimatfilm“ hin analysiert. Das Ziel ist es jedoch nicht, die Sendung einem der beiden Genres zuzuordnen und von dem anderen abzugrenzen. Vielmehr wird untersucht, welche Elemente der beiden Gattungen jeweils von der Sendung übernommen und wie diese darin verarbeitet werden. Im ersten Abschnitt der Arbeit werden dafür zunächst typische Merkmale der beiden Genres benannt und erläutert. In der darauffolgenden Fernsehanalyse wird exemplarisch anhand der Folge „Bei Zuschlag Mord“ nach entsprechenden Gattungsmerkmalen gesucht. Am Ende der Untersuchung wird abschließend darüber diskutiert, ob und, wenn ja, wie es den TV- Produzenten gelungen ist, Wünsche ihrer Rezipienten im „Bullen von Tölz“ umzusetzen.
„Beim Bullen von Tölz handelt es sich um einen sehr guten Heimatfilm. Ein moderner, anständiger Heimatfilm“ so äußerte sich der Hauptdarsteller Ottfried Fischer am 26. Januar 2004 in der ARD-Talkshow „Beckmann“ auf die Frage nach dem Grund für den gewaltigen Publikumserfolg der Serie. Dieses Statement wird viele der treuen Fans des „Bullen von Tölz“ zunächst überrascht haben, bezeichnen doch die meisten Zuschauer, diverse Programmzeitschriften sowie Kommunikationswissenschaftler die Sendung als Krimi. Dennoch muss wohl jeder, der die Serie regelmäßig konsumiert, zugeben, dass man der Aussage Ottfried Fischers nur sehr schwer widersprechen kann.
Zweifelsohne weist „Der Bulle von Tölz“ sowohl Merkmale einer Kriminalserie als auch eines Heimatfilms auf. Eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Gattung ist deshalb kaum möglich. Dieses Phänomen findet sich in der deutschen Fernsehlandschaft recht häufig. Gründe dafür sind zum Beispiel, dass sich zahlreiche Genres stetig weiterentwickeln oder auch miteinander verschmelzen können. Der Rezipient beschäftigt sich beim Fernsehen nur sehr selten bewusst mit der Frage nach der Gattung der Sendung, die er gerade sieht. Für TV-Produzenten jedoch sind Genres von weitaus größerer Bedeutung. Klassifikationen ermöglichen ihnen, sich „eine Vorstellung über die Erwartungen der Zuschauer an bestimmte Gattungen und Genres zu machen“. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind schließlich Voraussetzung dafür, dass die Wünsche der Zuschauer an das TV-Programm befriedigt und ein effektives Medienangebot gestaltet werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Eine Sendung zwischen zwei Genres
2 Die Merkmale der Genres „Kriminalserie“ und „Heimatfilm“
2.1 Die Ästhetik der Kriminalserie
2.2 Die Ästhetik des Heimatfilms
3 Fernsehanalyse
3.1 Eckdaten zum „Bullen von Tölz“
3.2 „Bei Zuschlag Mord“ : Eine Inhaltsangabe
3.3 Auswertung der Ergebnisse
3.3.1 Thematik
3.3.2 Narration und Komposition
3.3.3 Figuren
3.3.4 Handlungsort
3.3.5 Besonderheiten
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die deutsche TV-Serie „Der Bulle von Tölz“ auf die Vermischung von Elementen der Gattungen „Kriminalserie“ und „Heimatfilm“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Serie diese verschiedenen Genreelemente integriert, um den Erwartungen der Zuschauer an ein effektives Medienangebot gerecht zu werden.
- Analyse der ästhetischen Merkmale von Kriminalserien.
- Untersuchung der typischen Traditionen und Motive des Heimatfilms.
- Exemplarische Fernsehanalyse anhand der Folge „Bei Zuschlag Mord“.
- Untersuchung der spezifischen Erfolgsfaktoren durch die Mischung von Genres.
- Betrachtung der Rollenfiguren und des Handlungsortes als Stimmungsträger.
Auszug aus dem Buch
3.3.5 Besonderheiten
Zu den Besonderheiten des „Bullen von Tölz“ gehört seine Serialität. Die Sendung weist eine Vorspannmusik auf, die als Erkennungsmelodie fungiert. Bekannte Innenräume (z.B. Resis Pension) und Außenaufnahmen (z.B. Marktplatz vor dem Polizeirevier) ermöglichen dem Zuschauer in jeder neuen Folge rasche Orientierung. Die Hauptfiguren der Sendung fahren immer die gleichen Autos und verändern ihren Kleidungsstil kaum. Benno Berghammer trägt in jeder Folge das gleiche beige Sakko.
Zudem zeigen sich die Figuren außerordentlich realitätsnah. So wird der Kollege aus dem Labor geduzt und ihm unverzüglich Kaffee angeboten. Als er das Büro wieder verlässt, ermahnt ihn Sabrina: „Die Tasse bekomm´ ich wieder“. Und er antwortet: „Ja freilich, frisch gespült“. Eine solche Szene spielt sich in deutschen Büros mehrmals täglich ab. Auch in das Privatleben der Kommissare, vor allem das von Benno, erhält der Zuschauer Einblick. Dies zeigt sich unter anderem an Bennos quietschgrünem Bademantel, in dem er den Mann, der in die Pension eingebrochen ist, verjagt oder an seiner Leidenschaft für gutes Essen, die an seiner Figur unverkennbare Spuren hinterlassen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Eine Sendung zwischen zwei Genres: Einführung in die Problematik der Genre-Zuordnung des „Bullen von Tölz“, der Merkmale von Kriminalserie und Heimatfilm vereint.
2 Die Merkmale der Genres „Kriminalserie“ und „Heimatfilm“: Theoretische Herleitung und Definition der ästhetischen, inhaltlichen und narrativen Charakteristika beider Gattungen.
3 Fernsehanalyse: Detaillierte Untersuchung der Serie anhand der Folge „Bei Zuschlag Mord“, inklusive Inhaltsangabe sowie Analyse von Thematik, Narration, Figuren, Handlungsort und Besonderheiten.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Serie als erfolgreiches Hybridformat, das durch die Mischung verschiedener Genres unterschiedliche Zuschauerbedürfnisse befriedigt.
Schlüsselwörter
Der Bulle von Tölz, Kriminalserie, Heimatfilm, Fernsehanalyse, Genre-Mix, Benno Berghammer, Serien-Struktur, Publikumserfolg, Genre-Ästhetik, Hybridformat, deutsche Fernsehlandschaft, Charakterdarstellung, Unterhaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die deutsche Fernsehserie „Der Bulle von Tölz“ genretypische Merkmale der Kriminalserie und des Heimatfilms miteinander kombiniert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Definitionen und ästhetischen Normen der beiden Genres sowie die Übertragung dieser Muster auf die erzählerische Struktur und Figurenkonstellation der untersuchten Serie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Serie Elemente verschiedener Gattungen verarbeitet, um ein attraktives und erfolgreiches Medienangebot für ein breites Publikum zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine qualitative Fernsehanalyse, bei der die theoretischen Genre-Merkmale exemplarisch an der Folge „Bei Zuschlag Mord“ überprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu den Genres und eine detaillierte Analyse der Folge „Bei Zuschlag Mord“, wobei Themen, Narration, Figuren und der Handlungsort untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Genre-Mix, Hybridformat, Kriminalserie, Heimatfilm und Serialität.
Welche Rolle spielt der Handlungsort Bad Tölz für die Serie?
Bad Tölz fungiert nicht nur als Kulisse, sondern als geschlossenes System, das Werte und Normen vorgibt und die Figuren durch ein Geflecht an persönlichen Verbindungen direkt in die Handlung einbindet.
Wie unterscheidet sich Benno Berghammer von einem klassischen Krimi-Ermittler?
Im Gegensatz zum epischen Helden zeichnet sich Benno durch eine Mischung aus Intelligenz und menschlichen Schwächen, eine eigenwillige Dienstauffassung sowie eine starke Einbindung in sein Privatleben und seine familiäre Umgebung aus.
- Arbeit zitieren
- Tabea Roth (Autor:in), 2005, Der Bulle von Tölz. Kriminalserie oder Heimatfilm mit Todesfall?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340931