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Der 17. Juni 1953. Ein Schlüsselereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte

Titel: Der 17. Juni 1953. Ein Schlüsselereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte

Bachelorarbeit , 2009 , 66 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Anja Giffey (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Am 16. Juni 1953 legten die Bauarbeiter in der Berliner Stalinallee ihre Arbeit nieder und zogen in Demonstrationszügen mit der Losung: „Wir fordern Normsenkung!“ zum Sitz der SED. Dies war der Beginn einer unaufhaltsamen Protestbewegung, die sich wie ein Flächenbrand über die ganze DDR ausbreitete und ihren Höhepunkt am Folgetag erreichte. Hunderttausende Demonstranten erhoben sich für Freiheit und Demokratie. Mit Parolen wie: „Spitzbart, Bauch und Brille, sind nicht des Volkes Wille!“ entlud die Bevölkerung ihren Unmut über die Staatsführung. Neben dem Rücktritt der Regierung forderte die Masse die Abhaltung freier Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener sowie die Zulassung freier Parteien und Gewerkschaften. Die Wucht der Proteste und das Versagen der Sicherheitskräfte führten dazu, dass die Diktatur der SED binnen Stunden wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Nur durch das Eingreifen der Roten Armee konnten die Unruhen beendet werden. Gewaltsam drängte das sowjetische Militär die Demonstranten zurück, wobei zahlreiche Menschen getötet wurden. Indessen schauten die Westmächte tatenlos zu – zur Enttäuschung der Aufständischen. Gleichwohl wurde der 17. Juni in der Bundesrepublik zum Nationalgedenktag erklärt. Die SED reagierte auf die Volkserhebung mit einer großen Verfolgungswelle und sprach von einem „faschistischen Putschversuch“.

Ziel dieser Arbeit ist es, sich intensiv mit den Ereignissen des 17. Juni 1953 zu befassen. Zu Beginn wird auf die Ursachen des Aufstands eingegangen. Sowohl die Fehlentscheidungen seitens der sowjetischen Besatzungsmacht als auch der SED-Regierung, die die DDR nur wenige Jahre nach ihrer Gründung in eine tiefe innenpolitische Krise stürzten, sollen analysiert werden. Anschließend wird der Verlauf der Unruhen aufgezeigt. Eine Schlüsselstellung nimmt dabei der Berliner Bauarbeiterstreik ein, der das Fanal zum DDR-weiten Massenprotest gab. In über 560 Ortschaften protestierten die Menschen gegen die sozialen und politischen Verhältnisse in Ostdeutschland. Auch in Magdeburg kam es zu Streiks, Demonstrationen, Gefangenenbefreiungen und Gewalttätigkeiten. Dieser Stadt wird in der Ausarbeitung besondere Aufmerksamkeit zukommen. Im Anschluss geht es um das Scheitern der Volkserhebung. Verstärkt wird der Frage nachgegangen, warum die Polizisten und Soldaten die Demonstrationen nicht bereits im Keim erstickten. Konnten sie einen Einsatz gegen das Volk nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Ursache

1.1. Besatzungspolitik der Sowjetunion und Aufbau der SED-Herrschaft

1.1.1 Gründung von Parteien und Massenorganisationen

1.1.2 Bodenreform und Verstaatlichung

1.1.3 Demontagepolitik der UdSSR

1.1.4 Gründung der SED

1.2. Aufbau des Sozialismus

1.2.1 Normenerhöhung

1.3. Der Neue Kurs

2. Der Aufstand

2.1. 16. Juni 1953 – die Initialzündung

2.2. Die Demonstration der Berliner Bauarbeiter

2.3. Aufstand in Berlin

2.3.1 Der Wendepunkt

2.4. Der unerwartete Flächenbrand

3. Der 17. Juni 1953 in Magdeburg

3.1. Vorgeschichte

3.2. Die Magdeburger Streikbewegung

3.3. Der 18. Juni 1953 – Ende eines Streiks

3.4. Justizterror der SED

3.5. Opfer

4. Die Niederschlagung

4.1. Die Machtlosigkeit der Volkspolizei

4.2. Die versagende Staatssicherheit

4.3. Das Eingreifen der Sowjets

4.4. Hat die KVP als Machtorgan der SED versagt?

5. Die Entwicklung nach dem 17. Juni 1953

5.1. Polemik gegen den Westen

5.2. Festnahmen und Verurteilungen

5.2.1 Der Fall Max Fechner

5.3. Der Machtkampf im Politbüro

6. Die Haltung des Westens

6.1. Churchill und das Foreign Office – Vorgeschichte und Reaktionen am 17. Juni 1953

6.2. Die Haltung der Bundesrepublik

6.3. USA

6.3.1 „Eisenhower-Pakete“

7. Der 17. Juni 1953 im Geschichtsunterricht

7.1. Zur didaktischen Konzeption und Zielsetzung

7.2. Methodische Analyse

7.3. Didaktische Analyse

Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR, mit besonderem Fokus auf die Ereignisse in Magdeburg und die Reaktionen des Westens sowie die didaktische Einordnung für den Geschichtsunterricht.

  • Ursachen und politischer Kontext des Aufstandes
  • Verlauf der Streikbewegung in Berlin und Magdeburg
  • Die Niederschlagung durch sowjetische Truppen und die Rolle der Sicherheitsorgane
  • Die Haltung der westlichen Alliierten
  • Didaktische Konzepte zur Vermittlung in der Sekundarstufe I

Auszug aus dem Buch

2.1. 16. Juni 1953 – die Initialzündung

Am Morgen des 15. Juni diskutierten die Bauarbeiter am Krankenhausneubau Friedrichshain erneut mit der Betriebsleitung die Normfrage. Seit Wochen erhielten die Arbeiter weniger Lohn, wodurch sich ihre Lebenssituation zusehends verschlechterte. Nicht länger konnten und wollten sie mit dieser Ungerechtigkeit leben. Gemeinsam fassten sie deshalb den Entschluss, sich mit einem Ansuchen an den Ministerpräsidenten Otto Grotewohl zu wenden. Als diese Absichten auf den anderen Baustellen der Stalinallee bekannt wurden, kam es am Block 40 zu Warnstreiks. Auch hier entschloss man sich, eine Resolution an die Regierung der DDR zu verfassen. Am Folgetag sollte diese durch eine gewählte Delegation überbracht werden. Die Betriebsleitung versuchte die Arbeiter von diesem Vorhaben abzuhalten. Sie forderte die Delegierten auf, das Eintreffen eines angekündigten Vertreters abzuwarten, der eine Stellungnahme zu den Normen abgegeben wollte. Zu diesem Zeitpunkt glaubten die Abgeordneten noch, dass die Normsenkung bekannt gegeben werden sollte. Daher brachen sie nicht auf, sondern warteten ab. Allerdings erschien der Vertreter nicht bis zum Feierabend. Daher gingen alle Arbeiter des Blocks 40 nach Hause. Währenddessen hatten die Bauarbeiter der Baustelle Friedrichshain ihre Resolution an den Ministerpräsidenten abgeschickt. Der Brief erreichte ihn am Abend des 15. Juni. Folgendes war darin zu lesen:

„Wir Kollegen der Großbaustelle des Krankenhaus Friedrichshain vom VEB Industriebau wenden uns an Sie, Herr Ministerpräsident, mit der Bitte, von unseren Sorgen Kenntnis zu nehmen. Unsere Belegschaft ist der Meinung, daß die 10 Prozent Normerhöhung für uns eine große Härte ist. Wir fordern, daß von dieser Normerhöhung auf unserer Baustelle Abstand genommen wird. Wir haben aus dem Ministerrats-Beschluß zur Kenntnis genommen, daß alle republikflüchtigen Großbauern und Gewerbetreibenden ihr Eigentum zurückerhalten werden, so daß wir Werktätigen demzufolge unsere Normen, wie sie vorher bestanden, beibehalten wollen. In Anbetracht der erregten Stimmung der gesamten Belegschaft fordern wir, zu diesen schwerwiegenden Punkten unverzüglich befriedigend Stellung zu nehmen und erwarten Ihre Stellungnahme bis spätestens morgen Mittag.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Ursache: Die repressive Besatzungs- und Sozialisierungspolitik der SMAD und SED, verbunden mit wirtschaftlichen Engpässen, führte zu wachsender Unzufriedenheit.

2. Der Aufstand: Der Berliner Bauarbeiterstreik vom 16. Juni entzündete einen DDR-weiten Volksaufstand, der die Schwäche der SED-Diktatur offenlegte.

3. Der 17. Juni 1953 in Magdeburg: Magdeburg war ein Zentrum des Aufstands, wo Streiks, politische Forderungen und Gefangenenbefreiungen das SED-Regime massiv unter Druck setzten.

4. Die Niederschlagung: Nur durch das massive militärische Eingreifen der Sowjetunion konnte die SED-Herrschaft stabilisiert werden, während Polizei und Staatssicherheit versagten.

5. Die Entwicklung nach dem 17. Juni 1953: Die SED festigte ihre Macht durch Repression, Säuberungen im Politbüro und eine propagandistische Diffamierung der Aufständischen.

6. Die Haltung des Westens: Großbritannien, die USA und die Bundesrepublik reagierten aus verschiedenen außenpolitischen Erwägungen heraus zögerlich auf den Aufstand.

7. Der 17. Juni 1953 im Geschichtsunterricht: Es wird ein didaktisches Konzept vorgestellt, wie dieses Schlüsselereignis für Schüler der Sekundarstufe I aufbereitet werden kann.

Schlüsselwörter

17. Juni 1953, DDR, Volksaufstand, SED, Sowjetunion, Arbeiterstreik, Magdeburg, Walter Ulbricht, Westmächte, Staatssicherheit, Nachkriegsgeschichte, Geschichte, Zeitgeschichte, Unterdrückung, Freiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 als zentrales Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Autorin untersucht die Ursachen, den Ablauf des Aufstands, die Rolle der Sicherheitsorgane, das Eingreifen der sowjetischen Armee und die Reaktionen des Westens.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Ereignisse des 17. Juni 1953 fundiert aufzuarbeiten, die These eines "Arbeiterprotests" oder "Volksaufstands" zu diskutieren und die Bedeutung für die deutsche Geschichte zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Einbeziehung von Primär- und Sekundärquellen sowie einer didaktischen Analyse für den Unterricht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Ursachenanalyse, den Ablauf des Berliner Aufstands, die spezifischen Ereignisse in Magdeburg, die Niederschlagung, die Folgen sowie die Haltung des Westens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind 17. Juni 1953, Volksaufstand, SED, DDR, Sowjetunion und Geschichtsdidaktik.

Warum spielt Magdeburg in der Arbeit eine besondere Rolle?

Die Autorin legt den Fokus auf Magdeburg, da dies ihre Heimatstadt ist und die Stadt ein anschauliches Beispiel für die Eskalation im mitteldeutschen Industrierevier darstellt.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der KVP?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Kasernierte Volkspolizei (KVP) trotz ihrer Schwächen bei der Niederschlagung brutal gegen die Bevölkerung vorging.

Welches Fazit zieht die Autorin zur Rolle von Max Fechner?

Der Fall des Justizministers Max Fechner wird als Beispiel für den Zynismus des SED-Regimes dargestellt, das selbst seine treuen Funktionäre aus politischen Gründen opferte.

Wie wird der Aufstand didaktisch für den Unterricht aufbereitet?

Die Autorin entwickelt eine Doppelstunde für die Sekundarstufe I, die auf multimediale Quellen und multiperspektivische Analysen setzt, um das historische Bewusstsein zu schärfen.

Ende der Leseprobe aus 66 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der 17. Juni 1953. Ein Schlüsselereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Geschichte)
Note
1,3
Autor
Anja Giffey (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
66
Katalognummer
V340948
ISBN (eBook)
9783668306035
ISBN (Buch)
9783668306042
Sprache
Deutsch
Schlagworte
17. Juni 1953 Arbeiteraufstand DDR
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anja Giffey (Autor:in), 2009, Der 17. Juni 1953. Ein Schlüsselereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340948
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  66  Seiten
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