Mit der Anwerbung der GastarbeiterInnen in den 1950er Jahren wurden „die Weichen auf Zuwanderung gestellt“. Die Expansion des westdeutschen Arbeitsmarktes und der stetig wachsende Bedarf an Arbeitskräften begründete die Anwerbung von Millionen von GastarbeiterInnen. Trotz des Rotationsprinzips und des Rückkehrwunsches vieler MigrantInnen, ist ein Großteil der ehemaligen GastarbeiterInnen in Deutschland geblieben.
Diese MigrantInnen der ersten Generation sind nun in Rente gegangen oder stehen kurz davor. Noch sind sie im Vergleich zu der deutschen Bevölkerung wesentlich jünger, aber in den kommenden Jahren wird die Zahl der älteren MigrantInnen und somit der Bedarf an Unterstützungsleistungen ansteigen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich deshalb mit der Lebenswelt der älteren MigrantInnen und deren spezifischen Belastungen im Alter. Dabei wird auf die ökonomische Lage, die Wohnsituation und Mobilität der älteren MigrantInnen, sowie deren soziale Beziehungen, Ethnizität und Gesundheit kurz eingegangen. Anschließend und in Rückbezug auf die gesundheitliche Situation, geht es um das Thema MigrantInnen in der Altenhilfe und die Problematik, die sich daraus ergibt. In Anlehnung daran, wird die kultursensible Altenhilfe mit ihren Entwicklungen und Herausforderungen vorgestellt. Abschließend werden Anforderungen und Kritik an der Debatte um ältere MigrantInnen genannt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lebenswelt älterer MigrantInnen
2.1. Begriffsklärung „Personen mit Migrationshintergrund“
2.2. Lebenssituation und Problemlagen
2.2.1.Ökonomische Situation
2.2.2. Wohnsituation und Mobilität
2.2.3. Soziale Einbindungen und Ethnizität im Alter
2.2.4. Gesundheit
3. Ältere MigrantInnen in der Altenhilfe
3.1. Kultursensible Altenhilfe und interkulturelle Öffnung
3.2. Entwicklung
3.3. Herausforderungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Lebenswelt und die spezifischen Belastungen älterer MigrantInnen in Deutschland sowie deren Integration in das Versorgungssystem der Altenhilfe. Dabei wird untersucht, welche sozioökonomischen und gesundheitlichen Herausforderungen diese Bevölkerungsgruppe im Alter bewältigen muss und inwiefern kultursensible Ansätze dazu beitragen können, den Zugang zu professioneller Unterstützung zu erleichtern.
- Sozioökonomische Lebenslagen älterer MigrantInnen
- Einfluss von Wohnsituation und Mobilität auf die Integration
- Gesundheitliche Belastungen und Versorgungssituation im Alter
- Kultursensible Altenhilfe als Strategie zur Bedarfsdeckung
Auszug aus dem Buch
2.2.2. Wohnsituation und Mobilität
Wohnbedingungen gelten als „ein zentraler Indikator für die Integration von Migranten“ (Özcan/Seifert 2006, S. 42) und „die Qualität der Wohngegend und der Wohnung stehen in engem Zusammenhang mit Lebensstandard und Sozialprestige und können den weiteren Verlauf des gesellschaftlichen Eingliederungsprozesses maßgeblich beeinflussen“ (ebd.). Es wird davon ausgegangen, dass ungünstige Wohnverhältnisse die Integration erschweren und sich die schlechten materiellen Lebensbedingungen der MigrantInnen in deren Wohnverhältnissen widerspiegeln. Mehrere Untersuchungen und Studien, wie die von Dietzel-Papakyriakou oder Olbermann, belegen die vergleichsweise schlechten Wohnbedingungen der älteren MigrantInnen (vgl. ebd.).
Laut Zeman leben viele der älteren MigrantInnen in „baulich, sozial und infrastrukturell unterprivilegierten Vierteln und Stadtteilen“ (Zeman 2012, S. 455). Als Begründung nennt er zum einen die Kettenmigration, also den Zuzug in Wohngebiete, in denen es bereits Personen der eigenen Ethnie gibt, den Nachzug der Familie, geringe Mobilität und ökonomische Mittel, sowie „Tendenzen zur ethnischen (Selbst-) Segregation“ (ebd.).
Das Wohnverhalten der MigrantInnen ist durch eine geringe Mobilität gekennzeichnet und ein Großteil lebt noch in demselben Wohnort seit ihrem Zuzug nach Deutschland (vgl. Schroeter/Prahl 1999, S. 39). Wird die Wohnung gewechselt, dann häufig nur innerhalb des vertrauten Bezirks, da die vertraute Umgebung schnell zum Mittelpunkt der eigenen ethnischen Welt werden kann und geringe finanzielle Mittel den Umzug erschweren (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische Anwerbung von GastarbeiterInnen und die daraus resultierende Notwendigkeit, sich mit der Lebenswelt und den spezifischen Bedürfnissen der nun alternden ersten Migrantengeneration auseinanderzusetzen.
2. Lebenswelt älterer MigrantInnen: Das Kapitel detailliert die sozioökonomische Lage, die Wohnverhältnisse, die sozialen Netzwerke sowie die gesundheitliche Situation älterer MigrantInnen und zeigt auf, wie diese Faktoren zu einer Kumulation von Benachteiligungen im Alter führen können.
3. Ältere MigrantInnen in der Altenhilfe: Hier werden die Anforderungen an eine kultursensible Altenhilfe sowie deren historische Entwicklung, Ansätze der interkulturellen Öffnung und die bestehenden strukturellen Herausforderungen bei der Versorgung dieser Gruppe erörtert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Problemlagen zusammen, betont die Notwendigkeit einer verbesserten Datenlage sowie einer nachholenden Integrationspolitik und unterstreicht die Bedeutung einer kultursensiblen Ausgestaltung der Hilfesysteme.
Schlüsselwörter
ältere MigrantInnen, GastarbeiterInnen, Alter, Lebenswelt, Altenhilfe, kultursensible Altenhilfe, Migration, soziale Benachteiligung, Gesundheit, Wohnsituation, interkulturelle Öffnung, Sozialpolitik, Altersarmut, Ethnizität, Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Lebensbedingungen und spezifischen Belastungen der ersten Generation von MigrantInnen in Deutschland, die nun das Rentenalter erreicht hat, und beleuchtet deren Situation innerhalb des deutschen Altenhilfesystems.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die ökonomische Situation, die Wohnbedingungen, soziale Einbindungen sowie die gesundheitliche Verfassung der älteren MigrantInnen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die spezifischen Problemlagen dieser Bevölkerungsgruppe aufzuzeigen und zu analysieren, wie die Altenhilfe diesen Herausforderungen durch kultursensible Ansätze begegnen kann.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Sekundäranalyse einschlägiger sozialwissenschaftlicher Studien und Publikationen zur Migrations- und Alternsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Lebenssituation älterer MigrantInnen und die anschließende Untersuchung der Altenhilfe hinsichtlich ihrer Konzepte für eine interkulturelle Öffnung und der damit verbundenen Hürden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „kultursensible Altenhilfe“, „ältere MigrantInnen“, „Lebenswelt“ und „soziale Benachteiligung“ geprägt.
Warum wird der Begriff „ethnische Rückzug“ in der Arbeit verwendet?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass sich ältere MigrantInnen aufgrund wegfallender Kontakte aus dem Erwerbsleben verstärkt auf die eigene Kultur, Ethnie und Religion besinnen, um soziale Sicherheit und Unterstützung zu finden.
Welche Rolle spielt die Sprachbarriere für die Gesundheitsversorgung?
Sprachbarrieren stellen ein zentrales Hindernis dar, da sie den Zugang zu Informationen erschweren, zu Fehldiagnosen führen können und die älteren MigrantInnen häufig in eine Abhängigkeit von ihren eigenen Kindern bringen.
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- Leonie Meier (Author), 2016, Migration und Alter. Die Lebenslagen älterer Migranten in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340969