Die Behandlung des Themas Tod mit Bilderbüchern in der Grundschule

Eine Untersuchung des Bilderbuchs „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 10 Punkte


Leseprobe

Gliederung

- Einleitung

- Der Tod
2.1. Was ist der Tod? - Definitionsansätze
2.2. Was bedeutet der Tod?
2.3. Bedeutung und Relevanz für die Grundschule

- Die Bearbeitung des Themas Tod mit Bilderbüchern in der Grundschule
3.1. Das Bilderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch
3.1.1. Die bildliche Darstellung
3.1.2. Der Text
3.1.3. Die Darstellung des Todes
3.1.4. Kritische Betrachtung der Vor- und Nachteile der Darstellung vom Thema und das daraus resultierende Lernen der Kinder
3.2. Vergleich der Darstellungsweise mit anderen Bilderbüchern
3.3. Mögliche Ansätze zur Behandlung des Themas Tod in der Grundschule

- Schlussbetrachtung

- Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bücher und andere, auch digitale Medien stehen in der heutigen Zeit im Mittelpunkt eines guten, auf literarisches Lernen besonnenen Unterricht, dessen Ziel es zudem sein sollte, die Lesemotivation zu steigern. Auch die Kultur des Vorlesens spielt vor allem in der Grundschule hierbei eine entscheidende Rolle, um die Kinder für Literatur und Lesen zu begeistern. Das Bilderbuch ist zumeist hierin die erste Zugangsform, welche die Kinder zur Literatur erhalten. Jedoch müssen auch diese von der Lehrperson gut ausgewählt, vorbereitet und behandelt werden, da sie oft sehr anspruchsvoll, facettenreich oder auch emotional bewegend sein können. Gerade, wenn es um die Themen Familie, Toleranz, aber auch insbesondere um den Tod geht, brauchen Kinder Hilfe und Unterstützung bei der persönlichen Aufarbeitung dieser komplexen Sachverhalte. Der Tod und der Umgang mit diesem stellt eine große Herausforderung nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene dar. Daher wird er oft als unangebracht und furchterregend deklariert und Erwachsene versuchen Kinder vor diesem und dessen mit sich bringende Trauer zu schützen und reden daher oft nicht über dieses Thema. Dennoch begegnen Kinder dem Tod im Alltag auch mit Schutz kontinuierlich beispielsweise wenn eine Katze überfahren wird, ein Familienangehöriger oder ein geliebtes Haustier stirbt. Das Behandeln des Themas Tod ist mit Hilfe ausgewählter Bilderbücher im Deutschunterricht der Grundschule in ihrer wesentlichen Aufgabe als Sozialisationsinstanz möglich und unabdingbar, wenn die Lehrkraft das Ziel verfolgt, Kinder die Möglichkeit zu geben, über ihre Erfahrungen und den Tod selbst zu sprechen, ihre Fragen zu stellen und mit ihrer Trauer besser umzugehen.

Diese wissenschaftliche Hausarbeit zum Thema „Die Behandlung des Themas Tod mit Bilderbüchern in der Grundschule“ soll sich der Problem- und Fragestellung widmen, wie man den Kindern im Deutschunterricht eine erweiterte Ansicht über das Thema Tod mit Hilfe der Auswahl verschiedener Bilderbücher geben kann. Um zu einem solchen Erkenntnisgewinn zu gelangen, muss zunächst versucht werden, den Tod an sich zu erfassen. Daher wird im ersten Teil dieser Arbeit versucht, diesen vielschichtigen Begriff zu definieren als auch seine Bedeutung und letztendlich seine Relevanz für die Behandlung in der Grundschule aufzuführen. Aus diesen Erkenntnissen heraus soll dann das Augenmerk auf das Bilderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch gerichtet werden. Dabei soll versucht werden, anhand von zahlreichen Aspekten das Bilderbuch und seine Darstellung des Themas zu analysieren. Der anschließende Vergleich mit einem weiteren Bilderbuch soll mögliche Vor-und Nachteile in der Darstellung des Todes aufzeigen sowie die unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Bilderbücher zu diesem Thema als auch die unabdingbare Wichtigkeit einer sorgsamen Auswahl des Bilderbuches durch die Lehrkraft darstellen. Aus diesen Analysen heraus sollen dann mögliche Ansätze entwickelt werden, wie das Thema im Unterricht behandelt werden kann als auch das literarische Lernen der Kinder mit Hilfe des Buches betrachtet werden. Die Schlussbetrachtung am Ende dieser Arbeit soll das gesammelte Wissen auswerten und zusammenfassen, einen Ausblick geben als auch ein Fazit ziehen.

Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit kann nicht geleistet werden, mehrere Bilderbücher hinsichtlich der Thematik zu untersuchen. Jedoch können die Ausführungen wesentliche Erkenntnisse für den Umgang der Thematik mit und in Bilderbüchern geben, um Möglichkeiten zu erkennen, diese in die unterrichtliche Praxis zu integrieren. Hierfür soll die These verfolgt werden, dass durch die Auswahl unterschiedlicher Bilderbücher ein verschieden ausgeprägtes Verständnis vom Thema vermittelt und gefördert werden kann.

2. Der Tod

Für die Frage, inwiefern das Verständnis beim Kind für den Tod gefördert werden kann und welche Chancen und Grenzen sich hieraus für die Lehrperson ergeben, muss zunächst geklärt werden, was überhaupt unter dem Begriff des Todes verstanden wird und was er für die Kinder bedeutet. Durch die Erfassung kann anschließend eine Untersuchung hinsichtlich der Relevanz und Bedeutung für die Behandlung des Themas in der Grundschule stattfinden, um konkrete Begründungen für die Wichtigkeit der Behandlung dieser Thematik aufzuführen.

2.1. Was ist der Tod? - Definitionsansätze

Kein anderer Begriff wird von den Menschen so intensiv versucht zu erfassen wie der des Todes, gerade weil er als so schwer zu definieren gilt. Vor allem weil wir den Zustand des Todes nicht selbst erleben und davon berichten können, wie und was er ist, gibt es so zahlreiche Vorstellungen als auch Ansichten über ihn. Dr. Ferry Kienberger übernimmt in ihrem Buch „Der Tod und seine Spuren im Leben: Aktuelle Erkenntnisse und Einblicke über das Jenseits“ jedoch die geschätzte Definition des Medizin Lexikons, das den Tod folgendermaßen definiert: „Der Tod ist das Ende des Lebens. Er ist durch das unumkehrbare Erlöschen der körperlichen und der aktiven geistigen Existenz eines Lebewesens gekennzeichnet.“ (Kienberger zit.n. Medizin Lexikon 2009, S. 181). Mit diesem Definitionsversuch werden bereits wesentliche Faktoren beschrieben, wie sie sich ebenso auch schon bei Kindern bis zum zehnten Lebensjahr entwickeln: die Non-Funktionalität (alle lebensnotwendigen Funktionen erlöschen mit dem Tod) und die Irreversibilität (dieses Erlöschen und mit diesem auch der einhergegangene Tod ist unumkehrbar) (Vgl. Wenzel & Traub 2001, S. 1). Wenzel und Traub erweitern diese Definition noch um zwei weitere Faktoren, die Erkenntnisse über den Tod bringen. Der Tod sei durch Universalität gekennzeichnet, was bedeutet, dass erkannt werden muss, dass ausnahmslos alle Menschen (und andere lebensfähigen Organismen) sterben müssen (Vgl. Wenzel & Traub 2001, S. 1). Weiterhin ist der Faktor der Kausalität zentral (Vgl. Wenzel & Traub 2001, S. 1). Für den Tod ergeben sich hieraus unterschiedliche Ursachen für das Sterben (Vgl. Wenzel & Traub 2001, S. 1). Besonders letzteres ist für Kinder als auch Erwachsene von Bedeutung, wenn es darum geht, wie mit dem Tod und der Trauer umgegangen wird, wenn natürliche Todesfaktoren oder gewaltsame Ursachen (z.B. Unfälle, Mord) den Tod bewirkt haben. Wenzel und Traut beschreiben, dass alle der vier Faktoren sich auch bei Kindern bis zum zehnten Lebensjahr ausbilden (Vgl. Wenzel & Traub 2001, S. 1). Die Ursache für diese Entwicklung scheint oft hierin zu liegen, dass die Kinder bis zu dieser Zeit alle vier Faktoren an dem Tod anderer (Haustier, geliebter Mensch) selbst erfahren und verinnerlicht haben. Ab dem fünften Lebensjahr beginnt die Furcht der Kinder vor dem Tod zunächst jedoch als alleinige Verkörperung des Abschiednehmens (Vgl. Rogge 2015). Diese Furcht wird zumeist durch den Schutz der Eltern oder anderer Mitmenschen verstärkt, die den Tod solange wie nur irgend möglich von den Kindern fernhalten möchten und dadurch regelrechte Angst vor der Schrecklichkeit des Todes in den Kindern bekräftigen, die dann mit der Zeit auf den Tod selbst projiziert wird. „Die meisten Kinder haben ja, wenn die Erwachsenen nicht ständig diese Angst in sie hineinbringen, gar nicht soviel Angst vor dem Tod, vor dem toten Menschen oder so. Meistens sind es die Eltern, die schon von vorneherein die Kinder irgendwo versuchen fernzuhalten und die Kinder denken: Mein Gott, warum halten die mich bloß davon fern, das muss ja furchtbar sein.“ (Grammatikos 2012 zit. n. NDR Kultur 2010).

Die Grenze, wann das Leben aufhört und der Tod beginnt, steht nach wie vor in der Diskussion. Streckeisen beschreibt diesen schwierigen Sachverhalt jedoch so: „Je weiter weg man von der Grenze ist, desto klarer ist der Unterschied zwischen Leben und Tod. Je näher man an der Grenze ist desto unschärfer wird sie.“ (Kienberger zit.n. Streckeisen 2009, S. 182). Jedoch gibt es sichere Todeszeichen, den den Tod aussagen. Zu diesen zählen beispielsweise die Leichenstarre, Totenflecke oder Verwesung (Vgl. Kienberger 2009, S. 182). Der Hirntod gilt jedoch in der Justiz nachhaltig als das Zeichen der Beendigung des Lebens und dem Verlust der Rechtsfähigkeit (Vgl. Kienberger 2009, S. 182). Der Duden beschreibt den Tod nicht nur als eintretender Zustand des Menschen, sondern personifiziert ihn erstmals. Der Tod sei demnach eine „meist schaurige, düstere, grausame Gestalt" bzw. eine „die Endlichkeit des Lebens versinnbildlichende Gestalt“ (Duden 2015).

2.2. Was bedeutet der Tod?

Für Kinder kann der Tod mit vielen Gefühlen einhergehen: Schock, Trauer, Verunsicherung oder auch Schuldgefühle. Jedoch kann die Bedeutung des Todes für das einzelne Kind nicht generalisiert werden. Zentral ist jedoch der Prozess des Abschiednehmens und Verlassenwerdens und der nachfolgende Zustand: das Gefühl des Alleinseins, Verlassenseins (Vgl. Rogge 2015). Jedes Kind geht mit diesem Prozess unterschiedlich um und verhält sich entsprechend seiner persönlichen Erlebnisse mit dem Tod oder beim Tod der betroffenen Person. Ebenso entscheidet die Innigkeit des Verhältnisses darüber, was der Tod für das Kind bedeutet. In vielen Bilderbüchern beispielsweise auch im Buch „Gehört das so??!“ von Peter Schössow werden aus diesem Grund das Abschiednehmen und Verlassensein anhand eines geliebten Tieres thematisiert, um wichtige Themen der Kinder aufzunehmen und begreifbar zu machen.

Piaget versucht das, was Kinder in entsprechenden Altersphasen mit dem Tod verbinden und was er für sie bedeutet mit seinem „Todeskonzept“ zu beschreiben. Demnach unterscheidet er die sensumotorische Phase (0 - 2 Jahre) (Vgl. Zehnder 2007), bei welcher noch kein Verständnis vom Tod vorliegt (Vgl. Sonderpaed-online.de 2015) von der präoperationalen Phase (2 – 6 Jahre) (Vgl. Zehnder 2007), in welcher ein gewisser Egozentrismus vorliegt (Vgl. Sonderpaed-online.de 2015). Der Tod liegt hierbei schon im Verständnis des Kindes vor, kann jedoch nur andere Menschen treffen (Vgl. Sonderpaed-online.de 2015). Der eigene Tod ist nicht vorstellbar (Vgl. Sonderpaed-online.de 2015). Unmittelbar daran folgt die konkret-operationale Phase (6 – 12 Jahre) (Vgl. Zehnder 2007). In dieser Phase wird die Bedeutung des Todes anhand der vier Faktoren Non-Funktionalität, Irreversibilität, Universalität und Kausalität verstanden und demnach auch bewertet (Vgl. Sonderpaed-online.de 2015). In der abschließenden formal-operationalen Phase (ab dem 12. Lebensjahr) (Vgl. Zehnder 2007) des Kindes manifestiert sich das Todesverständnis und die Beschäftigung und Angst mit und vor dem Tod steigt (Vgl. Sonderpaed-online.de 2015).

Ebenso verbindet jeder Mensch und auch jedes Kind andere Vorstellungen mit und über den Tod. Die Ansichten des „Weiterlebens der Seele nach dem Tode“ (Bauer 2015), der „Wiederverkörperung (Reinkarnation) der Seele in einem anderen Lebewesen“ (Bauer 2015), der „Seelenwanderung“ (Bauer 2015) oder des „endgültige(n) Ende(s) der individuellen Existenz“ (Bauer 2015) beeinflussen die Bedeutung des Todes für das Individuum. Auch in Bilderbüchern wird sich mit dieser Thematik beschäftigt, was eigentlich passiert, nachdem ein Lebewesen gestorben ist. Ein Beispiel hierfür liefert das Bilderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch, mit welchem sich im dritten Teil dieser Hausarbeit beschäftigt wird. Immanuel Kant beschreibt das Weiterleben nach dem Tode im Sinne des Herzens der hinterlassenen Menschen: „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ (Bauer zit.n. Kant 2015). Ebenso gibt es ein Weiterleben des Menschen mit Hilfe seiner erbrachten Leistungen im gelebten Leben, so beispielsweise in der Literatur durch veröffentlichte Werke, in Filmen, in der Musik oder auch in den wissenschaftlichen, politischen und sozialen Leistungen (Vgl. Bauer 2015). Dem Tod wird damit seine zerstörerische Wirkung und Bedeutung genommen und bietet damit zentrale Punkte für unterrichtliche Behandlungen, da er für Kinder somit besser individuell erfahren werden kann.

2.3. Bedeutung und Relevanz für die Grundschule

Da der Tod immer noch in der Familie als auch in der Gesellschaft ein Tabu-Thema darstellt, wird er überwiegend aus dem Alltag verdrängt. Oftmals sind es hierbei die Erwachsenen, die Unsicherheit und Angst ausstrahlen und versuchen, die Kinder vom Tod und der Trauer abzuschirmen (Vgl. Grammatikos 2012, S. 2). Dadurch wird den Kindern selten die Möglichkeit gegeben, ihre offenen Fragen zu stellen und sich mit ihm zu beschäftigen. Kinder haben jedoch Interesse am Tod und am Sterben, nicht zuletzt, weil er ein Teil des Lebens darstellt (Vgl. Grammatikos 2012, S. 2). Jedoch konnte gezeigt werden, dass sie zunächst glauben, der Tod könnte nur andere Menschen treffen (Vgl. Sonderpaed-online.de 2015). Dabei trifft auf den Tod der Faktor der Universalität zu (Vgl. Wenzel & Traub 2001, S. 1) und die Kinder haben ein Recht darauf, zu erfahren, dass jeder Mensch irgendwann einmal sterben muss. Tiziano Terzani beschreibt den Lebensgewinn durch diese Erkenntnis folgendermaßen: „Wenn man jung ist, denkt man immer, der Tod treffe nur die anderen. Würde man hingegen schon als Kind lernen, dass er Teil des Lebens ist und ins Leben integriert werden kann, wäre das Leben viel schöner, denn es wäre um diesen Kontrast und diese Dimension reicher.“ (Grammatikos zit. n. Terzani 2012, S. 3). Gerade aus diesem von Terzani angesprochenen Grund, aber auch aus diesem, dass zumeist Eltern und Familienangehörige diese Arbeit nicht fähig sind zu leisten, kann und sollte die Schule diese wichtige Aufgabe übernehmen.

Kinder sollten den Unterricht als Gegenstand wahrnehmen, der ihnen Zeit und Raum gibt, sich individuell, angstfrei und offen mit dem Tod auseinanderzusetzen als auch die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen und Gedanken untereinander auszutauschen (Vgl. Grammatikos 2012, S. 2). Besonders eignen sich für die Grundschule hierfür problemorientierte Bilderbücher, die bei den Kinder mit Hilfe der Lehrperson eine gewisse Sensibilität für problemhaltige Themen wie Familie, Toleranz und Respekt oder auch den Tod erzeugen. Weiterhin können durch die Behandlung im Deutschunterricht literarische Kompetenzen wie der Umgang mit Text und Bild oder Fähigkeiten wie „Lesen, Betrachten, Erzählen, Erleben, Vergleichen, Werten, und In-Beziehung-Setzen“ aufgebaut und unterstützt werden (Lorz zit. n. Schulz 2005).

Durch die Verwendung der problemorientierten Bilderbücher beispielsweise zum Thema Tod kann die Lehrperson viele Ziele bei den Kindern verfolgen. Dadurch, dass Kinder mit dem Tod oft unmittelbar in Berührung kommen (zumeist erstmals durch den Tod eines Haustiers) und er obendrein zum Interessenfeld der Kinder gehört, entstammt er unmittelbar aus der kindlichen Lebenswelt. Bei entsprechender qualitativer Auswahl des Bilderbuchs, welche die Aussagen den Kindern vermitteln, die pädagogisch gewünscht werden und als wertvoll eingestuft werden, können bei den Kindern Denkprozesse angestoßen werden. Das Bilderbuch fordert die Kinder zur „Reflexion und Stellungnahme, zum Nachvollziehen des Konfliktes und auch zum Nachdenken auf, wie der Konflikt gelöst werden könnte.“ (Lorz zit.n. Hollstein & Sonnenmoser 2006, S. 68). Besonders auch ist es beim Thema Tod zentral, dass die Kinder ihn mit individuellem Abstand begegnen können und dadurch Distanz zu ihm gewinnen. Zumeist wird dadurch in Bilderbüchern auf die Verwendung von Tieren wie in „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch zurückgegriffen. Jedoch kann auch mit dem Bilderbuch „Gehört das so??!“ von Peter Schössow, in welchem ein Mädchen den Tod über den Vogel Elvis erfährt, den Kindern vermitteln, dass sie nicht allein sind, wenn jemand gestorben ist. Sie können das Gefühl bekommen, dass auch andere Kindern den Tod erfahren, trauern und damit umgehen müssen. Gerade durch diese Erkenntnis ist es für sie leichter, mit den eigenen Problemen und Schwierigkeiten umzugehen, aber auch Sensibilität für die Situation anderer Kinder zu bekommen, sich in Lage anderer zu versetzen und Verständnis dafür zu bekommen.

Die Bedeutung und Relevanz, dem Tod in Form von Bilderbüchern Einzug in den Deutschunterricht der Grundschule zu gewähren, ist daher von großer Wichtigkeit. Nach Hollstein und Sonnenmoser sollte die Schule den Schülern Bilderbücher anbieten, „die kindliche Probleme und Konflikte behandeln und beispielhaft Möglichkeiten ihrer Bewältigung zeigen“ (Lorz zit.n. Hollstein & Sonnenmoser 2006, S. 75). Gerade auch, weil der Tod in seiner Bewältigung für Erwachsene so viel Schwierigkeit mit sich bringt, sollten Kinder unter pädagogischer Anleitung in das Wissen hin zu einer Akzeptanz des Todes und zu Umgangsmöglichkeiten eingeführt werden.

3. Die Bearbeitung des Themas Tod mit Bilderbüchern in der Grundschule

3.1. Das Bilderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch

Das Thema Tod lässt sich anhand von vielen verschiedenen Bilderbüchern und ihren unterschiedlichen Darstellungsformen behandeln. Das Bilderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch stellt in seiner Darstellungsform vom Tod hierbei etwas ganz Besonderes dar. Die Frage „Was kommt nach dem Leben?“ wird sehr einfühlsam und bedächtig von Erlbruch behandelt. Dabei lässt er Leben und Tod zusammenkommen und beschreibt es als eine Einheit, die in Zufriedenheit ineinander übergehen kann. Obendrein wird das Leben mit dem Tod als lebenswert beschrieben und darauf verwiesen, dass das Leben genutzt werden sollte, um etwas „Aufregendes“ (Vgl. Ente, S. 19) zu machen, nahezu dem Motto des römischen Dichters Horaz' „Carpe diem – Nutze / Genieße den Tag!“ (Horaz 23 v. Chr.). Dem Kind wird in diesem Bilderbuch gewissermaßen die Angst vor dem Tod genommen und erfährt diesen schon beinahe als liebenswert und freundlich.

Wie der Titel bereits beschreibt, treffen in diesem Bilderbuch eine Ente, der Tod und eine Tulpe aufeinander. Es existieren keine Nebenfiguren oder andere vom eigentlichen Geschehnis ablenkende Elemente, lediglich ein paar Schauplätze. Das Wesentliche liegt dem Leser direkt vor Augen. Der Tod begleitet die Ente bereits ihr ganzes Leben lang und ist immer in ihrer unmittelbaren Umgebung – für alle Fälle. Eines Tages jedoch gibt er sich ihr zu erkennen und die Ente glaubt erschreckt, er komme sie holen und sie müsse sterben. Jedoch ist dies zunächst nicht der Fall. Der Tod und die Ente nehmen Kontakt zueinander auf, führen Gespräche und machen Unternehmungen, wobei sie sich immer mehr annähern. Nahezu eine Freundschaft entsteht. In naher Zukunft jedoch stirbt dann ohne jeden greifbaren Grund die Ente und der Tod trägt sie liebevoll zu einem Fluss, legt die Tulpe auf ihrem Körper ab und lässt sie stromabwärts dahingehen.

Das Bilderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch ist im Jahre 2007 im Antje Kunstmann Verlag in München erschienen. Die gebundene Ausgabe beinhaltet 32 Seiten.

3.1.1. Die bildliche Darstellung

Besonders fällt im Bilderbuch die sparsam und bescheiden verwendete bildliche Darstellung auf. Diese lässt darauf vermuten, dass sich Erlbruch auf das Wesentliche konzentrieren und den Leser dies ebenso vor Augen führen wollte. Es werden Zeichnungen verwendet.

Der Hintergrund ist zumeist rein weiß gehalten, es sind nur ein paar Blumen, Blätter und Zweige von vermutlich dastehenden Sträuchern und Bäumen zu erkennen. Dadurch stehen die beteiligten Figuren von der Außenwelt isoliert und werden lediglich vom Text über bzw. unter ihnen oder auf der jeweiligen anderen Seite begleitet. See und Fluss sind im Buch sehr grob und undetailliert gezeichnet, lediglich die Umrandungen sind erkennbar. Ebenso wirkt der Baum, auf den Tod und Ente klettern sehr erstaunlich und irritiert zunächst. Er ist vollständig in beige gehalten, was vermuten lässt, dass die Jahreszeit, in welcher das Bilderbuch spielt, vermutlich der Herbst ist, der Stamm ist dünn, schmal und sehr lang, die Baumkrone klein und sehr eng in den Zweigen miteinander verschachtelt. Anhand der Blätter, die man erkennen und zum Teil identifizieren kann, handelt es sich bei diesem Baum vermutlich um eine Esche. Wird zu der Bedeutung des Baumes Esche weiter recherchiert, so ergibt sich, dass Esche-Geborene zumeist phantasievoll und für alle Schattierungen des Lebens offen sind (Vgl. Kasten 2003, S. 73). Weiterhin sprühen sie vor Begeisterungsfähigkeit, sind sehr ausdauernd und besitzen eine positive Denkweise (Vgl. Kasten 2003, S. 73). Diese Eigenschaften treffen sehr gut auf die Ente zu, da sie ihre Ausdauer bei den Gesprächen mit dem Tod beweist, der oft nur auf das antwortet, was die Ente sagt oder fragt, aber auch ihre Begeisterung für alles Neue und Aufregende, ebenso nicht zuletzt jedoch auch ihre positive Denkweise, dass sie einmal, wenn sie gestorben ist, zum Engel wird und auf einer Wolke sitzt. Als die Ente oben auf dem Baum mit dem Tod beginnt, über den Tod zu sprechen, fliegt ein schwarzer Rabe vorbei. Der Rabe gilt „als der einzige Vogel, der ins Jenseits und wieder zurück fliegt“ (Meadows 2000). Weiterhin gilt er als „Botschafter der Zwischenwelt“ (Meadows 2000), in der Mythologie ist er auch als Todesbote bekannt (Vgl. Meadows 2000). Zumeist kennt man ihn jedoch landläufig als Unglücksbote und Tier der Finsternis (Vgl. Meadows 2000). Dies alles lässt bereits hier vermuten, dass möglicherweise bald mit der Ente etwas Schlimmes geschehen wird, was sich letztendlich in dem nachfolgenden Tod am Ende des Buches bestätigt. Die Ente befindet sich bereits nun schon in einer Art Zwischenwelt, da ihr Tod beinahe unaufhaltsam besiegelt ist (plötzliches Wahrnehmen von der Figur des Todes, der die Toten abholt; Vorbeifliegen des Raben als Todesbote und der ins Jenseits Fliegende). Als die Ente gestorben ist, wird die Tulpe erstmals richtig vom Leser wahrgenommen, da sie im Vordergrund liegt. Der Hintergrund ist das einzige Mal nachtblau und dunkel. Die aufleuchtenden weißen Punkte symbolisieren Schneeflocken. Demzufolge ist es Winter geworden. Schnee wird in der Traumdeutung mit den Assoziationen und gerade auch in der Spiritualität mit „Reinheit, Emotionen im Schwebezustand, Klarheit, Ende und Neubeginn“ (Kirschner 2015) aber auch mit „Schönheit und das Dahinschmelzen von Schwierigkeiten“ (Kirschner 2015) verbunden. Diese Assoziationen passen eindeutig zum Tod der Ente, mit welchem ihr Leben endet, die Schwierigkeiten des Lebens dahinschmelzen und etwas Neues durch den Eintritt des Todes beginnt. Weiterhin sind die Farben sonst im gesamten Buch sehr sparsam verwendet worden und kaum auffällig.

Die bildliche Darstellung der Figuren ist ebenso eine äußerst interessante. Die Ente ist sehr auffällig. Sie besitzt weißes Gefieder und einen sehr untypisch langen Hals, den sie oft noch in die Höhe streckt, um noch länger und größer zu wirken. Ebenso ist der Schnabel besonders lang gehalten. Auffallend sind im Vergleich zu ihrer Körpergröße und langem Hals die sehr kurzen Beine. Ebenso ist ein zum Teil menschliches Verhalten bei ihr sichtbar. In der bildlichen Darstellung bedient sie sich kein einziges Mal ihrer vorhandenen Flügel, sondern läuft nur neben dem Tod umher. Auch klettert sie auf den Baum, statt auf ihn hinauf zu fliegen, was sehr irritiert. Der Tod wird durch ein Skelett veranschaulicht. Jedoch ist nur der Schädel mit zwei großen Aushöhlungen für die Augen und eine winzige für die Nase zu sehen. Die Augen werden durch zwei schwarze Punkte in den Aushöhlungen symbolisiert. Der Mund ist durch einen Strich, der sich je nach Emotion verändert, gekennzeichnet. Der Rest des Körpers und damit der größte Teil des eigentlichen Skeletts ist jedoch verdeckt durch einen langen karierten Mantel mit darunterliegenden Kleid in ebenfalls karierter, aber anderer Farbe als auch trägt er Handschuhe und Schuhe in schwarz. Dadurch, dass er durch ein Skelett verkörpert wird, ist er sehr dünn mit schmaler und zierlicher Figur. Die Tulpe, die der Tod mitbringt, sieht man nur am Anfang und Ende des Buches. Sie ist von weinroter bis leicht schwarzer Farbe. Am Beginn nimmt der Leser sie jedoch zumeist nicht wahr. Sie wird erst beim und nach dem Tod der Ente als solche interessant. Der Tod trägt die Ente liebevoll zu einem Fluss, auf welchem er sie ablegt. Auf ihrem Körper liegt die Tulpe, die er ihr mitgibt. Die Tulpe steht neben der Rose dabei ebenso als Zeichen für die Liebe. Außerdem gilt sie auch als Frühlingsblüher. Diese besiegeln bekannterweise das Ende vom Winter und den Beginn von neuem Leben im Frühling. Dadurch, dass gerade der Tod diese Blume mitgebracht hat, ist zu vermuten, dass dort, wo sie hinkommt, Liebe und ein neues Leben (ein Leben nach dem Tod) auf sie wartet oder dass er dies ihr zumindest wünscht, da er ja selbst im Buch besagt, dass er nicht weiß, was nach dem Tod auf die Ente wartet. Der Fluss erscheint beim Hinwegtragen der Ente sehr breit und gewaltig und biegt dann plötzlich sehr stark nach rechts aus dem Bild ab. Der Tod steht beim Nachsehen in einer nachdenklichen Position – die Hände auf dem Rücken gefaltet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Behandlung des Themas Tod mit Bilderbüchern in der Grundschule
Untertitel
Eine Untersuchung des Bilderbuchs „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Bilderbücher in der Grundschule
Note
10 Punkte
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V340970
ISBN (eBook)
9783668308756
ISBN (Buch)
9783668308763
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tod, Bilderbücher, Grundschule, Ente Tod und Tulpe, Wolf Erlbruch, Peter Schössow, Gehört das so, Literarisches Lernen, Literaturdidaktik
Arbeit zitieren
Cindy Dülfer (Autor), 2015, Die Behandlung des Themas Tod mit Bilderbüchern in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340970

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