Von dem administrativen, schuloffiziellen, gesellschaftlich anerkannten Schulzweck und der Sache mit dem Lernen. Verwahrloste, undemokratische Lernkultur an deutschen Schulen?

Essay über die irrsinnigen politischen Machtstrukturen unseres deutschen Schulsystems


Essay, 2016
10 Seiten, Note: BESTANDEN

Leseprobe

Von dem administrativen, schuloffiziellen, gesellschaftlich anerkannten Schulzweck und der Sache mit dem Lernen

Verwahrloste, undemokratische Lernkultur an deutschen Schulen?

Was haben Schulen mit dem Gefängnis oder dem Militär gemeinsam? - Diese Frage zu stellen, gleicht im ersten Augenblick einer Provokation oder Zuspitzung, doch beim zweiten Blick auf die Frage und nach der Meinung von Foucault, der gerne in diesem Zusammenhang auch mit Blickwinkel auf die Schule beispielsweise von Holzkamp, ebenso wie von Nonnenmacher, zitiert wird, hat Schule sehr viel damit gemeinsam. Um die Frage daher nicht sogleich scharf formulieren zu müssen, sollte wohl eher zunächst die folgenden Fragen gestellt werden, die ebenso das zu projizierende Problem offenbaren: Was soll Schule überhaupt bezwecken, anstreben und weitergeben? Wie soll Lernen in dieser Institution organisiert und verstanden werden? Welche Rollen haben die Akteure in der Schule einzunehmen? Und was denken und erwarten Gesellschaft und Politik?

Über solche Fragen streiten sich regelmäßig viele Pädagogen. Aber nicht nur diese repräsentieren die unterschiedlichen Meinungen darüber, wie Lernen zu verstehen und zu organisieren sei und wo aktuell noch Verbesserungsbedarf besteht. Auch Fachdidaktiker, Schultheoretiker und Psychologen machen keinen Hehl aus ihrem Unmut über das aktuelle Verständnis von Schule im Zusammenhang mit dem Lernen in Deutschland. Die Aktualität dieses Themas scheint hierbei nie abgeklungen zu sein. Immer wieder werden neue Themen wie Inklusion, Heterogenität und jahrgangsübergreifender und -gemischter Unterricht zur Debatte eingeworfen, mit dem Ziel, Schule noch weiter zu verbessern und den Kindern noch bessere schulische Angebote bezüglich ihres Lernens zu ermöglichen. Doch wird das Prinzip Schule in seinem Selbstverständnis selten so sehr kritisiert und angezweifelt, wie es vom Psychologen Klaus Holzkamp getan wurde. Bereits im Jahre 1992 lagen die Probleme des deutschen Schulsystems ganz klar vor Holzkamp und so konnte sein in Wien abgehaltener Vortrag, wie eine Mitschrift belegt, nur als Aufruf, als Aufforderung zum Umdenken, wenn nicht sogar als Aufforderung zu einer Schulreform, verstanden werden. Mit diesem Umdenken war jedoch nicht nur ein Umdenken der Pädagogen gemeint, sondern es wurde vielmehr von Holzkamp ein Umdenken von den Machtstrukturen gefordert, in denen die Schule eingebunden ist: von der Politik und der Gesellschaft. Gerade diese beide Instanzen sind es, die die Messlatte für den schulischen Output legen und individuelles, interessiertes, intrinsisches oder aber – wie Holzkamp es benennt – expansives Lernen behindern. Doch wird nicht gerade dieses wiederum von der Politik und Gesellschaft angestrebt, indem Inklusion, Heterogenitätsdenken von den Lehrkräften, heterogene Schulklassen und differenzierte Aufgaben eingeführt oder gefordert werden? Die Pädagogen sind hierbei wohl die Unschuldigsten, obwohl das die Politiker, Eltern, Schüler und die Gesellschaft vermutlich anders sehen würden. Der Konflikt, der eigentlich ausschlaggebend ist, wird nur zumeist auf den Rücken der Pädagogen ausgetragen, die sich ja im Grunde genommen genau darüber bewusst sind, was schief läuft, sich jedoch nicht selbstständig aus dem nahezu unvermeidbaren Widerspruch befreien können: Es geht hierbei nämlich vielmehr um die sehr hohe Diskrepanz zwischen dem Schulzweck, wie ihn die Gesellschaft und Politik in seiner Umsetzung fordert, und dem pädagogischen Auftrag in Bezug auf das wirkliche Lernen, den Erkenntnisgewinn eines jeden Kindes für sich und das weiterführende Leben. Nur eine Seite der Medaille kann hierbei hinreichend erfüllt werden und meist überwiegt dann doch der administrative gesellschaftliche Auftrag. Inwiefern daher die oben angeführte Fragestellung der verwahrlosten, undemokratischen Lernkultur an deutschen Schulen relevant und strittig ist, dürfte sich jedem erschließen: Dass für Tests, Leistungskontrollen, Klassenarbeiten und Klausuren nicht nur vorrangig gelernt wird, weil man sich als Schüler in besonderem Maße für das Thema begeistern kann, ist wohl nicht selten. Vielmehr gilt es, Leistung zu erbringen, keine schlechte Note zu bekommen oder irgendwie durchzukommen, hinzu kommt nicht selten, dass man Schülern erklären muss, dass sie eigentlich nicht für die Eltern oder den Lehrer oder die Note lernen, sondern eigentlich für sich selbst und ihre Erweiterung des eigenen Wissens. Warum muss man einem Schüler überhaupt erklären, dass er für sich lernt, wenn die Schule doch Rücksicht auf eigene Lerninteressen nehmen oder diese demokratisch zulassen würde? - Weil sie dies eben zumeist nicht tut, womit vielfältige schulische Probleme einhergehen, sei es vor allem auch das Schwänzen oder Verweigern von Unterricht. Die Frage nach der verwahrlosten, undemokratischen Schule kann demnach nach Holzkamp durchaus als Realität an deutschen Schulen diskutiert und mit Hilfe von exemplarischen Argumenten anschaulich dargestellt werden und sich darüber hinaus die Frage gestellt werden: Geht das auch anders? Die Antwort auf diese Frage dürfte eigentlich hierbei nur „Ja“ lauten. Aber wie und was ist dafür erforderlich? Obwohl Holzkamp schon 1992 versucht hat, dafür Antworten zu erbringen und Möglichkeiten für Reformschritte vorzustellen, hat sich im deutschen Schulsystem nicht viel getan. Höchste Zeit also, dass entscheidende Punkte und Positionen diesbezüglich zusammengetragen werden.

In der heutigen alltäglichen Schule findet Lernen zumeist immer noch lehrerzentriert, defensiv, administrativ geplant und das expansive Lernen behindernd und / oder ignorierend statt. In den folgenden Absätzen soll erklärt und argumentiert werden, wie dies zur verwahrlosten, undemokratischen Schule beiträgt und worin hierbei die Probleme und Gründe liegen.

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Details

Titel
Von dem administrativen, schuloffiziellen, gesellschaftlich anerkannten Schulzweck und der Sache mit dem Lernen. Verwahrloste, undemokratische Lernkultur an deutschen Schulen?
Untertitel
Essay über die irrsinnigen politischen Machtstrukturen unseres deutschen Schulsystems
Hochschule
Universität Kassel
Note
BESTANDEN
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V340973
ISBN (eBook)
9783668309517
ISBN (Buch)
9783668309524
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktion von Schule, Demokratie, Schülerzentriertheit, Unterrichtsqualität, Unterrichtsentwicklung, Gesellschaft, Politik, Schulzweck, Sache, Lernen, Verwahrlosung, Lernkultur, Schulentwicklung, Machtstruktur, Schulsystem
Arbeit zitieren
Cindy Dülfer (Autor), 2016, Von dem administrativen, schuloffiziellen, gesellschaftlich anerkannten Schulzweck und der Sache mit dem Lernen. Verwahrloste, undemokratische Lernkultur an deutschen Schulen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340973

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