Social Media ist ein Bereich im Internet, der allgemein stark von einer jungen Nutzerschaft geprägt ist: Von all jenen, die Instagram zumindest gelegentlich nutzen, sind 70 Prozent im Alter zwischen 14 und 29 Jahren, 21 Prozent zwischen 30 und 49 Jahren und nur 10 Prozent höheren Alters. Damit ist Instagram unter allen Social Media Plattformen das jüngste Medium. Während die Nutzung von anderen Communitys, wie Facebook, seit 2013 stagniert und zum Teil rückläufig ist, kann Instagram im Vergleich zu 2014 zumindest noch leicht zulegen.
Trotz einer Sensibilisierung für die Gefahren, die mit der Preisgabe privater Informationen im Netz verbunden sind, scheinen öffentliche Profile bei Instagram die Regel zu sein. Warum erreichen offensichtlich die in der Öffentlichkeit artikulierten Sorgen nicht das Verhalten der Jugendlichen bei Instagram? Da es sich bei Instagram um relativ junge Anwender handelt, die sich stark an den Peers orientieren, ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, der Frage nachzugehen, wie Jugendliche sich Normen für die Nutzung von Instagram aneignen. Ich gehe dabei den Fragen nach: Welche Normen existieren unter Jugendlichen bei Instagram und woher kommen diese?
Zur Beantwortung dieser Fragen bediene ich mich des theoretischen Modells von Anthony Giddens (1995) zu den Themen Handlung und Struktur, da sein Handlungsmodell sowohl das Individuum (Instagramnutzer) als auch die zugrunde liegende Struktur (Medium, andere Nutzer, Gesellschaft) berücksichtigt. Die empirischen Ergebnisse liefert eine qualitative Auswertung zweier Gruppendiskussionen.
Zu Beginn der Arbeit werde ich den theoretischen Hintergrund beschreiben, also Giddens Strukturationstheorie, und zeigen, welche Aspekte sich auf den Gegenstand der Arbeit anwenden lassen. Daran schließt sich eine kurze Abhandlung über Normen an, die in der Digitalen Welt eine Rolle spielen. Im nächsten Schritt wird der Untersuchungsgegenstand Instagram beschrieben und der aktuelle Forschungsstand skizziert, der eine Idee davon vermittelt, was der Usus im Medienhandeln von Jugendlichen auf Instagram ist. Im dritten Abschnitt skizziere ich die Methode, das Kategoriesystem, den Leitfaden und die Erfahrungen der Erhebung, um im vierten Abschnitt schließlich die Ergebnisse der Erhebung darzustellen. Ich schließe die Arbeit mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Anthony Giddens Strukturationstheorie
2.2 Normen
2.3 Instagram: Funktionsweise
2.4 Forschungsstand
3. Empirische Erhebung: Methode
3.1 Erhebungsinstrument
3.2 Kategoriensystem und Leitfaden
3.3 Stichprobe
3.4 Gesprächssituation
3.5 Vorgehen bei der Auswertung
4. Empirische Erhebung: Ergebnisse – Gruppenportrait
4.1 Allokative Ressourcen
4.2 Regeln der Signifikation
4.3 Regeln der Sanktion
4.4 Gruppenidentität als Einflussfaktor für die Gruppennormen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das soziale Aushandeln von Normen bei Jugendlichen auf der Social-Media-Plattform Instagram. Ziel ist es, unter Anwendung der Strukturationstheorie von Anthony Giddens zu klären, welche spezifischen Normen die Instagram-Nutzung von Jugendlichen prägen und durch welche Mechanismen diese Normen in ihrer Peergroup entstehen und gefestigt werden.
- Analyse der Mediennutzung Jugendlicher auf Instagram
- Anwendung der Strukturationstheorie zur Erklärung von Handlungs- und Strukturzusammenhängen
- Identifikation digitaler Normen (informationell, kommunikativ, inhaltlich, nutzungsbezogen)
- Untersuchung von Gruppenidentität und Peergroup-Einflüssen
- Methodische Durchführung qualitativer Gruppendiskussionen
Auszug aus dem Buch
4.2 Regeln der Signifikation
In einem ersten Schritt möchte ich nachfolgend zunächst die Regeln der Signifikation beleuchten, da sie darüber Aufschluss geben, welchen Stellenwert Instagram bei Jugendlichen hat und mit welchen Erwartungen das Medium betrachtet wird. Die Regeln der Signifikation stellen dar, welche Philosophie dem Handeln zugrunde liegt, welcher Sinn ihm beigemessen wird als Ausdruck der kognitiven Ordnung eine Systems (vgl. Weder, 2008, S. 349).
These 1: Instagram ist für Jugendliche ein Portfolio zur Darstellung der eigenen Persönlichkeit gegenüber ihren Freunden und einer unbekannten Öffentlichkeit.
Fast alle Befragten haben einen öffentlichen Account und beschreiben ihr Profil auf Instagram als etwas sehr Individuelles und Persönliches. Ida spricht von einem „Tagebuch“ und Katrin von ihrem „persönlichen Fotoalbum“ (Gruppe 2): „Wenn ich halt immer ein neues Bild hochlade und dann so runterscrolle, dann sehe ich immer so, wie ich mich verändert habe, und das finde ich immer ganz spannend!“ Katrin betont, dass sie das vor allem auch für sich macht und wie gerne sie sich auch selbst ihre eigenen Bilder anschaut (ebd.). Ida vergleicht es auch mit einer Cloud, wo ihre Bilder vor einem Verlust gesichert sind (ebd.) Juna bringt den Begriff „Gästebuch“ ins Spiel, weil man die Möglichkeit hat, Kommentare zu hinterlassen (ebd.). Und Julia hebt den „Wiedererkennungswert“ hervor, den jeder Account haben sollte: „Er soll ja auch mich widerspiegeln“ (Gruppe 1). Es geht den Jugendlichen also um eine authentische Darstellung ihres Selbst, wenngleich von Lotte eingeräumt wird, dass man sich um eine bestmögliche Selbstdarstellung bemüht (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die starke Allgegenwärtigkeit von Smartphones und Mediennutzung bei Jugendlichen und begründet die Relevanz von Instagram als Untersuchungsgegenstand aufgrund seiner hohen Attraktivität für junge Nutzer.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel führt in Anthony Giddens’ Strukturationstheorie ein und definiert zentrale Begriffe wie Normen und Regeln, um ein theoretisches Fundament für die Analyse des Nutzerverhaltens auf Instagram zu schaffen.
3. Empirische Erhebung: Methode: Hier wird der methodische Ansatz der Gruppendiskussion erläutert, inklusive der Kategoriensystem-Entwicklung, der Auswahl der Stichprobe und des Vorgehens bei der qualitativen Auswertung.
4. Empirische Erhebung: Ergebnisse – Gruppenportrait: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Ergebnisse in Form von elf Thesen, die sich auf Ressourcen, Regeln der Signifikation, Sanktionsmechanismen und den Einfluss der Gruppenidentität konzentrieren.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass Instagram-Normen stark durch individuelle Interessen und die Identität innerhalb der Peergroup geprägt sind, während externe Instanzen wie Eltern kaum Einfluss nehmen.
Schlüsselwörter
Instagram, Jugendliche, Normen, Strukturationstheorie, Anthony Giddens, Gruppendiskussion, Mediennutzung, Selbstdarstellung, digitale Kultur, Peergroup, soziale Identität, Online-Verhalten, qualitative Forschung, digitale Normen, Social Media
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das soziale Aushandeln von Verhaltensnormen unter Jugendlichen auf der Foto- und Video-Sharing-Plattform Instagram.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Mediennutzung von Jugendlichen, die Anwendung soziologischer Theorien auf digitale Plattformen sowie die Analyse von Selbstdarstellungs- und Kommunikationsnormen.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Normen existieren unter Jugendlichen bei der Nutzung von Instagram und woher stammen diese?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine qualitative Forschung durch, wobei er primär zwei Gruppendiskussionen mit Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft durchführt und diese mittels Close-Reading auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Giddens' Strukturationstheorie und die Darstellung der empirischen Ergebnisse, die in elf Thesen zu Ressourcen, Signifikation, Sanktionen und Gruppenidentität zusammengefasst werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Instagram, Jugendliche, Normen, Strukturationstheorie, Selbstdarstellung und Gruppenidentität.
Warum spielt die Gruppenidentität eine so wichtige Rolle für das Posting-Verhalten?
Die Analyse zeigt, dass die Gruppenidentität maßgeblich beeinflusst, welche Themen (z. B. Urlaub versus Kunst) gepostet werden und welche Werte die Jugendlichen dabei vertreten.
Welchen Einfluss haben Eltern und Lehrer auf die Normbildung bei Instagram?
Laut der Studie haben Eltern und Schulen kaum Einfluss, da sie Instagram oft gar nicht nutzen oder nicht verstehen, wodurch sie keine effektiven Vorbilder oder Regelinstanzen für die Plattform sein können.
- Arbeit zitieren
- Tristan Thaller (Autor:in), 2016, Soziales Aushandeln von Normen bei Instagram, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340994