Atom, das; a) kleinste mit chemischen Mitteln, jedoch mit physikalischen Mitteln noch weiter zerlegbare Einheit eines chemischen Elements, die noch die für das Element charakteristischen Eigenschaften besitzt: In den guten alten Zeiten hielt man das A. für das kleinste Elementarteilchen (Tempo 1, 1989, 88); winziges Teilchen, kaum wahrnehmbares Bruchstück: (Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden. 3.Auflage. Band1 1999, S.309)
Kern, der; [...] 2. (Biol.) kurz für Zellkern. 3. (Physik) kurz für Atomkern: leichte –e (Atomkern mit wenigen Protonen u. Neutronen); schwere –e (Atomkern mit vielen Protonen u. Neutronen); den Kern eines Atoms spalten; -e verschmelzen. (Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden. 3. Auflage. Band5 1999, S.2098).
Trotz der gewaltigen Zerstörungskraft und dem Schrecken der Bevölkerung vor den Gefahren der Atombombe, gelingt es, die Erforschung und Entwicklung der Atomtechnik nach 1945 mit allgemeiner Zustimmung zu propagieren und zu finanzieren. So wird „In der Nachkriegszeit […] die friedliche Kernenergienutzung in der weltweiten Öffentlichkeit größtenteils akzeptiert“1. In der Bundesrepublik wird die praktische Nutzung der Atomtechnik mit der Wiedererlangung der staatlichen Souveränität möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es der Bundesrepublik durch die Alliierten verboten, sich auf dem Nukleargebiet zu betätigen. Man versteht die Atomenergie2 als Technologie der Zukunft und richtet im Oktober 1955 deshalb eigens ein Ministerium für Atomfragen dafür ein.3
Inhaltsverzeichnis
1. Atom-Definition
2. Kern-Definition
3. Einleitung: Atom- und Kernenergie
4. Entwicklung der Sprachverwendung 1950er bis 1990er
5. Literaturliste
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den diachronen semantischen Wandel und die politische Instrumentalisierung der Begriffe "Atom" und "Kern" im deutschen Diskurs über Kernenergie von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich durch den "semantischen Kampf" der Sprachgebrauch je nach politischer Stoßrichtung (Atomkraftgegner vs. Befürworter/Industrie) verändert hat.
- Die Etymologie und Begriffsdefinition von Atom und Kern
- Die Etablierung einer Atomeuphorie in den 1950er Jahren
- Die diskursive Strategie der Verfachsprachlichung durch das Präfix "Kern-"
- Die Reaktionen der Anti-Atomkraft-Bewegung und das Entstehen eines neuen Umweltvokabulars
- Der schleichende Bedeutungswandel und die Abnutzung der Begriffe in den Medien
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung der sprachlichen Wahrnehmung von Atom- und Kernenergie
Trotz der gewaltigen Zerstörungskraft und dem Schrecken der Bevölkerung vor den Gefahren der Atombombe, gelingt es, die Erforschung und Entwicklung der Atomtechnik nach 1945 mit allgemeiner Zustimmung zu propagieren und zu finanzieren. So wird „In der Nachkriegszeit […] die friedliche Kernenergienutzung in der weltweiten Öffentlichkeit größtenteils akzeptiert“. In der Bundesrepublik wird die praktische Nutzung der Atomtechnik mit der Wiedererlangung der staatlichen Souveränität möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es der Bundesrepublik durch die Alliierten verboten, sich auf dem Nukleargebiet zu betätigen. Man versteht die Atomenergie als Technologie der Zukunft und richtet im Oktober 1955 deshalb eigens ein Ministerium für Atomfragen dafür ein.
„In der öffentlichen Meinung herrscht[e] Ende der 50er Jahre eine wahre Atomeuphorie[…]“, die unter anderem auch „das Ergebnis einer gezielten Informationspolitik“ ist. Im Zuge dieser Atomeuphorie gibt es zahlreiche Neubildungen von Atomkomposita. Auf der einen Seite beschreiben Komposita wie „Atombusen“, „Atommädchen“ oder „Atomheini“ die Faszination der Bevölkerung für die neue Technologie, auf der anderen Seite aber wird durch Komposita wie „Atomangst“, „Atomtod“ oder „Atomterror“ auch die Unsicherheit und die Angst der Bevölkerung gegenüber bestehender Gefahren deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Atom-Definition: Definition des Atoms als kleinstes physikalisch zerlegbares Teilchen anhand des Duden.
2. Kern-Definition: Erläuterung des Begriffs Kern im biologischen und physikalischen Kontext.
3. Einleitung: Atom- und Kernenergie: Einführung in die historische Akzeptanz der Atomtechnik in der frühen Bundesrepublik.
4. Entwicklung der Sprachverwendung 1950er bis 1990er: Analyse des sprachlichen Wandels vom optimistischen Atom-Begriff über die Stigmatisierung bis zur gegenseitigen Angleichung und Abnutzung der Begriffe.
5. Literaturliste: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Atom, Kern, Semantischer Wandel, Kernenergie, Diskursgeschichte, Anti-Atomkraft-Bewegung, Atomeuphorie, Sprachgebrauch, politische Rhetorik, Stigmawort, Fachsprache, Nuklearkontroverse, Atomkomposita, Tschernobyl, Harrisburg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Geschichte und den semantischen Wandel der Begriffe Atom und Kern im Kontext der öffentlichen Debatte über Atomenergie in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Wechselverhältnis zwischen politischer Rhetorik, öffentlicher Wahrnehmung und der strategischen Wortwahl von Akteuren wie Regierungen, Medien und Protestbewegungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie durch die bewusste Verwendung von "Atom-" oder "Kern-" ideologische Positionen besetzt, verschleiert oder stigmatisiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine diskursanalytische Betrachtung angewandt, die auf Sprachbeispielen und Begriffsdefinitionen aus dem Zeitraum 1950er bis 1990er Jahre basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt chronologisch den Verlauf der nuklearen Kontroverse, angefangen bei der Atomeuphorie der 50er Jahre bis zur sprachlichen Ernüchterung in den 90er Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Atom- und Kern-Terminologie, semantischer Kampf, Stigmawörter und öffentlicher Sprachgebrauch.
Warum wird im Text zwischen "Atom-" und "Kern-" unterschieden?
Die Unterscheidung dient dazu, einerseits die zivile "friedliche" Nutzung als "Kernenergie" positiv zu besetzen, während Gegner "Atom-" verwenden, um an militärische Assoziationen zu erinnern.
Welchen Einfluss hatte das Tschernobyl-Unglück auf den Sprachgebrauch?
Tschernobyl festigte den Begriff "Super-GAU" und führte dazu, dass sich die Sprache von Anti-Atom-Gruppen und etablierten Parteien (wie der SPD) zunehmend vermischte, wodurch "Atom-" seine ursprüngliche Stigmakraft verlor.
- Quote paper
- Daniel Krohne (Author), 2001, Wortgebrauchsverschiebung von "Atom-" zu "Kern-", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34105