Senecas "Apocolocyntosis". Die Nänie auf den verstorbenen Kaiser Claudius im Vergleich mit den Dramen Senecas


Hausarbeit, 2014
19 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Textstelle

3. Textüberlieferung

4. Grammatische Analyse eines Textausschnitts

5. Übersetzung der Textstelle

6. Sprachliche Erläuterung

7. Interpretation der Textstelle

8. Vergleich der Textstelle mit diversen Dramen Senecas

9. Schlussbemerkung

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Schriftsteller, Philosoph und Politiker Lucius Annaeus Seneca schrieb mit der Apocolocyntosis eine menippische Satire über den verstorbenen Kaiser Claudius aus Hass gegenüber diesem. Seneca, der aufgrund der Beschuldigung einer Liebesbeziehung mit der Schwester Caligulas angeklagt worden war,wurde durch Claudius vor einem Todesurteil bewahrt. Jedoch wurde er nach dem Willen von Claudius‘ Frau Messalina in die Verbannung nach Korsika geschickt[1], was er Claudius nicht nachsehen konnte[2].Der Inhalt des Werks lässt sich schon durch den Titel erahnen, wobei die Metapher kolokunqh „den Eindruck des Lächerlichen erzeug[t]“[3] und darauf hinweist, dass die apoqewsiV „eine Farce sei“[4].Demnach lässt sich die Apocolocyntosis als eine Parodie auf den ehemaligen Kaiser definieren, welche sich „als die Frucht einer ganz persönlichen Erbitterung verstehen [lässt][5].“ Doch Seneca parodiert nicht nur die Person des Kaisers, sondern auch seine eigenen Tragödien.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Nänie, deren Stil dem eines tragischen Chorliedes gleicht, mit denTragödien Senecas zu vergleichen und damit die Hypothese, dass er seine eigenen Werke parodiert, zu untersuchen. Dabei sollen sowohl Parallelen als auch Unterschiede erarbeitet werden. Auf alle Parallelstellen, welche in den Werken anderer Schriftsteller zu finden sind, kann nicht eingegangen werden, da die Masse an dieser Stelle sonst nicht zu bewältigen wäre.Das Kriterium der Selektion ist die Überschneidung thematischer Motive, welche aus dem Semilienapparat hervorgeht, um einen Vergleich anstellen zu können. Vor der Arbeit mit der Nänie und diversen anderen Chorliedern wird zunächst die Frage der Textüberlieferung geklärt und eine grammatische Analyse der Textstelle unternommen. Dann wird diese übersetzt, worauf eine Interpretation als Grundlage für den Vergleich angefertigt wird, bei der besonders die Sprache und die Stilistik berücksichtigt werden. Die Ergebnisse des Vergleichs sollen dann in der Schlussbemerkung reflektiert werden. Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass die zu analysierende Nänie in der Forschungsliteratur nur wenig Beachtung gefunden hat und diese Arbeit daher weitestgehendauf eigenen Gedanken fundiert ist.

2. Textstelle

Funditefletus, editeplanctus,

resonettristiclamore forum:

ceciditpulchrecordatus homo,

quo non aliusfuit in toto

fortiororbe.

Ille citato vincerecursu

poteratceleres, illerebelles

fundereParthoslevibusquesequi

Persidatelis, certaquemanu

Tenderenervum, qui praecipites

vulnere parvo figerethostes,

pictaqueMedi terga fugacis.

IlleBritannos ultra noti

Litoraponti

et caeruleosscutaBrigantas

dare Romuleiscollacatenis

iussit et ipsum nova Romanae

iurasecuristremereOceanum.

3. Textüberlieferung

Zur Darstellung der Textüberlieferung dient der textkritische Apparat, welcher sich auf die CodicesSangallensis[6], Valentianensis[7] und Londinensis[8] bezieht. Von dem Codex S lässt sich die Unterhandschrift s ableiten und aus dem Codex L die Unterhandschrift l. Diesen Unterhandschriften lassen sich diverse Handschriften zuordnen.Als besonders umstritten erscheint scuta in dem Vers 262, welches in einigen Codices anders überliefert worden ist.

Die Verwendung von Cute, welche bei IuniusNeubur (coll. Plin. 5, 22,1) steht,erscheint in Bezug auf die Semantik insofern logisch, als dass es sich in Verbindung mit picta um eine Bemalung handelt, wie es bei den Briganten üblich war. Im Hinblick auf die Grammatik steht nun statt eines AkkusativusGraecus der Ablativ. Es könnte sich in diesem Falle auch um einen Abschreibfehler handeln, bei dem das s wegfiel und das a durch ein e getauscht wurde. Daher ist sich von dieser Version zu distanzieren.

Bücheler³ (Büch.4-6) konjiziert das Adjektiv bzw. Partizip victa,welches, eingesetzt in den Vers, als Bezugswort colla haben müsste. Dies ist jedoch aufgrund der Stilistik des Verses auszuschließen, da das Hyperbaton caeruleos … Britannos dieses Wort einrahmen soll und daher ein semantischer Bezug zu ihm gegeben ist. Dieser Vorschlag kann somit nicht angenommen werden.

Serva, wie esGertz präferiert,kann allein schon aufgrund der Semantik in diesem Kontext ausgeschlossen werden.

Palmer konjiziert das Wort curta,was aufgrund seiner Semantik, seiner syntaktischen Funktion und seiner Metrik eine mögliche Option darstellen würde. Jedoch sehe ich es als wahrscheinlicher an, dass mit einem Adjektiv auf die übliche Bemalung der Briganten hingewiesen werden soll.

Scorta, was Verdiere anbringt, kann zum einen zur Bezeichnung einer Hure dienen, was in diesem Kontext nicht treffend ist, und zur Bezeichnung von Leder oder Fell. Letzteres könnte hier angebracht sein, da es für die blauen Felle der Briganten als Kleidung stehen könnte. Auch in Bezug auf die Metrik würde es kein Problem darstellen, diesen Vorschlag zu übernehmen.

Scotobrigantas steht als Zusammenziehung von scuta und Brigantas bei Scaliger Castig. in Tibullus elegiae IV 1 , 149, was als Abschreibfehler gedeutet wird und somit auszuschließen ist.

Die Verwendung des Wortes scuta, welches in der verwendeten Textausgabe vorliegt, ist nach der einhergehenden Diskussion zu unterstützen, da die meisten Varianten aufgrund ihrer Semantik oder syntaktischen Funktion ausgeschlossen werden können oder als Abschreibfehler zu deuten sind. Lediglich scorta stellt eine mögliche Variante dar. Doch da an dieser Stelle die Kriegstaten Claudius‘ beschrieben werden, lässt sich scuta besser in den kriegerischen Kontext einbetten.

4. Grammatische Analyse eines Textausschnitts

An dieser Stelle soll eine grammatische Strukturanalyse des folgenden Satzes unternommen werden:

Ille citato vincerecursupoteratceleres,

illerebellesfundereParthoslevibusquesequiPersidatelis,

certaquemanutenderenervum,

qui praecipitesvulnere parvo figerethostes,

pictaqueMeditergafugacis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Otto Weinreich: Senecas Apocolocyntosis. Eine Satire auf Tod/Himmel- und Höllenfahrt des Kaisers Claudius. Berlin 1923. S.5.

[2] Vgl. Ulrich Knoche: Die römische Satire. Göttingen ²1957. S.64.

[3] Joachim Adamietz: Die römische Satire. Darmstadt 1986. S.363.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Im Folgenden wird der Codex Sangallensis im fortlaufenden Text mit S abgekürzt.

[7] Im Folgenden wird der Codex Valentianensis im fortlaufenden Text mit V abgekürzt.

[8] Im Folgenden wird der Codex Londinensis im fortlaufenden Text mit L abgekürzt.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Senecas "Apocolocyntosis". Die Nänie auf den verstorbenen Kaiser Claudius im Vergleich mit den Dramen Senecas
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V341104
ISBN (eBook)
9783668329966
ISBN (Buch)
9783668329973
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Apocolocyntosis, Seneca, Parodie, Dramen, Nänie
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Senecas "Apocolocyntosis". Die Nänie auf den verstorbenen Kaiser Claudius im Vergleich mit den Dramen Senecas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341104

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