Ethisches Investment. Eine sinnvolle Alternative?

Eine Diskussion über die Profitabilität ethischen Investierens


Seminararbeit, 2015
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Kapitalmarkt und Ethik

2. Ethik aus Sicht der Kapitalmarktteilnehmer
2.1 Der ethische Investor
2.1.1 Historie des ethischen Investierens
2.1.2 Investorenverhalten
2.2 Ethische Investments aus Unternehmenssicht

3. Finanzielle Performance nachhaltiger Investments
3.1 Dimensionen der Performance
3.2 Performance-Maße
3.3 Performance-Measurement in der Fachliteratur
3.3.1 Neutralperformance
3.3.2 Underperformance
3.3.3 Outperformance

4. Ethische Investments versus Konventionelle Anlagen – eine empirische Analyse

4.1 Methodisches Vorgehen
4.1.1 Analyse der Verfahren
4.1.2 Auswahl geeigneter Untersuchungsobjekte
4.2 Risikoadjustierte Performancemessung

5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Vergleich anhand Performance-Kenngrößen

Tab. 2: Renditen im Vergleich

Tab. 3: Berechnung der risikofreien Rendite

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kursentwicklung der Indizes

Abb. 2: SRI-Screens

Abb. 3: Entwicklung Federal Funds Rate in Prozent

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Kapitalmarkt und Ethik

Der Klimawandel und die damit einhergehenden Herausforderungen finden eine zunehmende Bedeutung in den strategischen Entscheidungen von Unternehmen. Dies wird bspw. an der Fortentwicklung der Elektromobilität und einer verstärkten Berücksichtigung der Verwendung erneuerbarer Ressourcen deutlich. Viel mehr wirken sich die zunehmenden ökologischen Effekte auf das Anlegerverhalten aus und beeinflussen auf diese Weise den Kapitalmarkt. Für eine kapitalmarktorientierte Bewertung ergibt sich dadurch folgende Konsequenz: Die Berücksichtigung von ökologischen und ethischen Kriterien in Kapitalanlagen erweitern den Prozess der Vorteilhaftigkeitsbewertung um eine außerökonomische Dimension. Eine vergangenheitsorientierte Betrachtung verdeutlicht den von Kontingenz geprägten Charakter ethischen Verhaltens. Denn Unternehmen sind oftmals im Unklaren, inwiefern ein unethisches Verhalten zu Abstrafungen durch den Markt führen wird.[1]

Eine präzise Schätzung des Marktvolumens für ethische Kapitalanlagen erweist sich besonders durch den nicht einheitlich festgelegten Begriff der ethischen Investitionen und der damit einhergehenden mangelnden Transparenz als schwierig.[2]Nichtsdestotrotz ist ein Trend für den Markt der nachhaltigen Investments zu erkennen, der auf ein starkes Wachstum hindeutet.[3]Eine Studie vom Fachverband Forum nachhaltige Geldanlagen kalkuliert das Marktvolumen 2014 ethischer Investmentfonds im deutschsprachigem Raum auf 50,2 Milliarden Euro, während die Zahl in 2005 noch ca. 6 Milliarden Euro betrug.[4]

Das Hinzuziehen einer ethischen Perspektive bei der Betrachtung von Kapitalanlagen eröffnet eine Vielzahl von Untersuchungsfragen. Ziel dieser Ausarbeitung ist, einen Vergleich von ethischen und konventionellen Anlagen anschaulich darzustellen. Dazu soll im Folgenden zunächst die Stellung von der Ethik im Kapitalmarkt untersucht und im Anschluss der Einfluss des Anlegerverhaltens und die Rolle der Unternehmen aufgezeigt werden. Mithilfe von Studien aus der Fachliteratur wird im Weiteren die finanzielle Performance von ethischen Geldanlagen und somit die Rentabilität diskutiert. Anschließend wird die Performance anhand einer empirischen Analyse veranschaulicht und ausgewertet.

2. Ethik aus Sicht der Kapitalmarktteilnehmer

2.1 Der ethische Investor

2.1.1 Historie des ethischen Investierens

Sicherheit, Rendite und Liquidität sind die untereinander konkurrierenden Ziele des Geldanlegers, die er gemäß moderner Kapitalmarkttheorie vor jeder Analageentscheidung zu berücksichtigen hat. In der Literatur spricht man vom magischen Dreieck der Vermögensanlage.[5]Mehr und mehr interessiert sich der Investor auch, was mit seiner Vermögensanlage geschieht bzw. was er damit bewirken kann, sodass mittlerweile das Dreieck um eine weitere Ecke bzw. um ein weiteres Kriterium erweitert wird – die Ethik.[6]Dadurch entwickelte sich die Strategie desSocially Responsible Investments (SRI), bei der neben finanzieller Performance auch ökologische und soziale Kriterien in das Entscheidungskalkül des Anlegers einfließen.[7]

Der Gedanke, bei der Geldanlage auch ethische Aspekte einzukalkulieren, hat teilweise seinen Ursprung in den drei abrahamitischen Religionen. Beispielsweise investieren muslimische Vermögende nicht in Finanzinstitutionen oder Unternehmen und Finanzmarktinstitute, die ihre Erträge unter anderem durch Zinsgewinne erwirtschaften.[8]Zu Beginn des 20.Jahrhunderts entschieden sich auch Kirchen in Nordamerika in den Aktienmarkt zu investieren. Ein Auswahlkriterium der Investitionen stellten hierbei die sogenannten Sin-Kriterien dar, denen zufolge lediglich in Unternehmen investiert werden durfte, deren Geschäfte nicht mit dem Verkauf von Alkohol, Glückspielen oder der Waffenherstellung assoziiert waren.[9]Die Auswirkung ethischen Fehlverhaltens auf den Unternehmenswert konnte beispielsweise während dem Vietnamkrieg beobachtet werden, als Aktionäre gegen die Produktion von Napalm demonstrierten und dies zu einem erheblichen Kursverlust des Herstellers Dow Chemical führte.[10]

Eine klar umrissene Definition des Begriffes SRI ist dadurch abzulehnen, dass die Abgrenzungskriterien aufgrund ihrer Vielfalt als zu heterogen einzustufen sind und aus diesem Grund schwer in einem festen Konstrukt veräußerlicht werden können. Vielmehr sind die sozialen, ökologischen und auch religiösen Beweggründe des ethischen Handelns individuell unterschiedlich verhaftet.[11]

2.1.2 Investorenverhalten

Der Retailinvestor betrachtet bei seiner Anlageentscheidung i.d.R. die vergangene Performance der in Frage kommenden Anlagemöglichkeiten.[12]In diesem Kontext konnte besonders für Investitionen in ethische Geldanlagen gezeigt werden, dass diese aufgrund der ebenso hohen Gewichtung ethischer Kriterien bei Anlageentscheidungen der SRI-Investoren eine geringere Flow-Return Relation aufweisen als konventionelle Geldanlagen.[13]Mit anderen Worten: Der SRI-Investor zieht sich seltener zurück, wenn die Performance ihres Portfolios abnimmt, da sie neben dem Interesse des Gewinnerwirtschaftens auch das Ziel verfolgen, eine nachhaltige und positive Entwicklung der Natur sowie der Gesellschaft sicherzustellen.[14]Dies liegt auch daran, dass der SRI-Investor im Vergleich zum konventionellen Investor eine deutlich geringere Auswahl an Anlagemöglichkeiten hat, die seinen moralischen Vorstellungen entsprechen.[15]Andererseits steigen die Mittelzuflüsse in ethische Finanzinstrumente, wenn sie einen Kurszuwachs erfahren.[16]Das nachhaltige Kapitalmarktsegment weist also eigene Charakteristika auf, die durch eine spezifische Kommunikation der Unternehmen und Finanzintermediäre zu beachten sind.[17]

2.2 Ethische Investments aus Unternehmenssicht

Das SRI erhielt einen weiteren Schub durch Gesetze und Verordnungen, die um die Millenniumswende in den USA sowie in Europa verabschiedet wurden. In diesen wurden Unternehmen dazu verpflichtet, ökonomische, ökologische sowie soziale Interessen zu berücksichtigen und diese offenzulegen.[18]

Durch die Herausbildung eines eigenständigen Marktes für ethische Geldanlagen und durch die Breite des Anlegerspektrums – aufgrund der Breite der Abgrenzungskriterien – müssen nun Unternehmen verstärkt ihre CSR-Aktivitäten kommunizieren.[19]CSR (Corporate Social Responsibility) beschreibt den Beitrag des unternehmerischen Handels zu einer nachhaltigen Entwicklung.[20]

Sirri und Tufano konnten zeigen, dass der klassische Retailanleger sich nicht ausgiebig mit der Portfolioanalyse auskennt, weshalb sein Anlageverhalten stark von Marketingaktivitäten der Unternehmen und Finanzintermediäre abhängt.[21]Während die Bedeutung von SRI im Kapitalmarkt einen zunehmend höheren Stellenwert einnimmt, stellt sich zudem die Frage welchen Ansprüchen Unternehmen vordergründig Rechnung zu tragen haben (Shareholder- vs. Stakeholder-Ansatz). Nach moderner ökonomischer Theorie könnte unter bestimmten Umständen die Maximierung des Shareholder Values mit der Maximierung der Gesamtwohlfahrt, also mit der Befriedigung der Interessen aller Anspruchsgruppen eines Unternehmens, in Konflikt geraten. Durch die Implementierung einer CSR-Strategie werden potenzielle Konflikte zwischen Unternehmen und der Gesellschaft gelöst, da CSR als Ergebnis des ökologischen effizienten Handelns sowie guter Stakeholder-Beziehungen gilt und dafür sorgt, dass die Shareholder Value-Maximierung auch bei gleichzeitiger Maximierung der Gesamtwohlfahrt erfolgen kann.[22]Zudem wird durch die Erhöhung der CSR-Aktivitäten die Glaubwürdigkeit von Unternehmen in der Gesellschaft gestärkt, wodurch auch die Kauf-oder Haltebereitschaft der Investoren steigt.

Das Wachstum des Marktes für ethische Anlagen ist folgerichtig ein Zeichen dafür, dass CSR auch förderlich für die Shareholder Value-Maximierung ist. Neben zahlreichen Unternehmen haben sich auch Finanzdienstleister als Anbieter ethischer Geldanlagen entwickelt, welche verstärkt auf CSR-Aktivitäten und Nachhaltigkeit setzen und diese bei der Unternehmensbewertung berücksichtigen. Zudem lässt sich beobachten, wie die Anzahl an Nachhaltigkeitsrankings- bzw. –indizes steigt, was die Bedeutung der Kommunikation unternehmerischer Nachhaltigkeit unterstreicht.[23]

3. Finanzielle Performance nachhaltiger Investments

3.1 Dimensionen der Performance

Die zentrale Frage, die sich bei der Betrachtung von SRI Anlagen aus der finanziellen Sicht stellt, ist, ob ethische und nachhaltige Investments lukrativer sind als das konventionelle Anlegen. Um einen erfolgreichen Vergleich zwischen nachhaltigen und konventionellen Kapitalanlagen durchzuführen, werden im Folgenden mehrere Studien, die auf unterschiedlichen Annahmen und Modellen beruhen und diverse Resultate liefern, herangezogen. Viele dieser Studien fokussieren sich ebenfalls auf den Vergleich der zwei Anlagemöglichkeiten, dieser erfolgt mithilfe der Messung der Performance der Investments.

Die Performance dient zur Messung des Erfolges von Kapitalanlagemöglichkeiten und berücksichtigt neben der Dimension der Rendite auch das Risiko.[24]Demnach lässt sich Performance auch als risikoadjustierte Rendite bezeichnen.[25]Diese Beurteilung der Anlagen geschieht durch die Anwendung von mathematischen Modellen des Sharpe- und Treynor-Ratios und des Jensen-Maßes. In der Ergebnisfindung wird hierbei zwischen folgenden Performance-Kategorien unterschieden: Neutral-, Under- und Outperformance.

Dass es in den Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt, liegt an der unterschiedlichen Auswahl der Betrachtungsobjekte und der Art der Ergebnisaufbereitung.

3.2 Performance-Maße

Die Sharpe- und Treynor-Ratio und das Jensen Alpha sind Kennzahlen, welche die Rendite von Anlagen in ein Verhältnis zum Risiko setzen und meistens in Studien und empirischen Auswertung angewandt werden.

Bei der Anwendung der Sharpe-Ratio lässt sich die Risikoprämie der Kapitalanlage berechnen, die der Investor bei der Übernahme eines Risiko (hier: Gesamtrisiko σP) in Form der erzielten Überschussrendite erhält (R-Rf). Die untersuchte Kapitalanlage übertrifft ihre Benchmark, wenn sie eine höhere Sharpe-Ratio erzielt.[26]Die Formel zur Sharpe-Ratio lautet:

Wird zur Messung der risikoadjustierten Rendite das Treynor-Maß herangezogen, wird nur das systematische Risiko betrachtet. Hierbei wird die Überschussrendite zum Betafaktor, dem systematischen Risiko, ins Verhältnis gesetzt. Das Ranking der zwei zu vergleichenden Anlagen läuft analog zum Sharpe-Maß.[27]

Eine absolute Kenngröße ist das Jensen Alpha. Dieses mathematische Modell enthält in ihrer Formel das CAPM, welches den Zusammenhang zwischen der Rendite und dem systematischen Risiko beschreibt. Ein positives Alpha für das ausgewählte Portfolio bedeutet ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis verglichen mit der Benchmark.[28]Die Formel für das Jensen Alpha ist wie folgt:

Die Komponente E (R) stellt die erwartete Rendite des Portfolios und somit das CAPM-Modell dar, welches mathematisch auf folgender Weise definiert ist:

3.3 Performance-Measurement in der Fachliteratur

3.3.1 Neutralperformance

Von einer Neutralperformance nachhaltiger Anlagen wird gesprochen, wenn sich die risikoadjustierte Renditen zwischen diesen und konventionellen Anlagen nicht im Wesentlichen unterscheiden und bei einem Performance-Ranking beide Anlagemöglichkeiten als gleichrangig eingeordnet werden.[29]

Michael Schröder (2004) zog in seiner Studie, zum Vergleich von nachhaltigen und konventionellen Kapitalanlagen, 16 deutsche und schweizerische und 30 US-Nachhaltigkeitsfonds heran. Außerdem erweiterte er die Performanceanalyse durch den Vergleich von zehn weiteren SRI-Indizes mit dem Benchmark. Ausgewählt wurden von ihm die wichtigsten und bekanntesten SRI-Fonds und -Indizes, die Teil früherer Studien und Veröffentlichungen waren. Als Benchmark wurden nicht nur Blue Chip-Indizes, sondern auch Small Cap-Indizes[30]selektiert, um den Kleinfirmeneffekt[31]zu umgehen. Für die Selektion der nachhaltigen Fonds war der ausgewählte Zeitabschnitt von mindestens 30 Monaten ein wichtiges Kriterium Hierbei wurden Fonds und Indizes verschiedener Bestandsdauern vor September 2002 betrachtet. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die meisten SRI-Indizes ein positives jedoch insignifikantes Jensen-Alpha aufweisen. Auch die ausgewählten SRI-Fonds generieren gleich hohe risikoadjustierte Renditen, wie ihre Benchmark. Aus diesem Resultat der mangelnden signifikanten Differenz zwischen ethischen konventionellen Investments lässt sich eine Bestätigung für die Hypothese der Neutralperformance, trotz eines beschränkten Anlageuniversums, ableiten.[32]

Kreander, Gray, Power und Sinclair (2007) untersuchten hingegen in ihrer Studie 60 Fonds aus vier europäischen Ländern. Bei der Stichprobenauswahl wandten die Autoren den Matching-Ansatz an, entwickelt von Christine Mallin et al.[33], um bei der Untersuchung von 30 ethischen und 30 nicht-ethischen Fonds den Kleinfirmeneffekt zu vermeiden. Die Fonds wurden nach den Kriterien, Alter, Größe, Land und Anlageuniversum selektiert. Folglich wurden 34 UK-Fonds, 14 schwedische Fonds, 8 deutsche Fonds und 4 niederländische Fonds für die Analyse untersucht. Für die Berechnung der Performance wurde ein Untersuchungszeitraum von 1995 bis 2001 gewählt. Bei einer Anwendung des Modells des Jensen Alpha zur Messung der Performance liefert die Studie ein schlechteres Ergebnis für SRI-Anlagen, jedoch bei Berücksichtigung aller risikoadjustierten Performancemaße, war die Performance der ethischen Anlagen ähnlich wie der Benchmark.[34]Die Ergebnisse verdeutlichen, wie in der vorherigen Studie von Schröder, eine Neutralperformance der ethischen Kapitalanlagen.

Zusammenfassend lassen sich für diese Analysen von Fonds und Indizes aus dem europäischen und US-amerikanischen Raum keine bedeutenden Unterschiede feststellen.

3.3.2 Underperformance

Weisen ethische Anlagemöglichkeiten verglichen mit konventionellen Investments schlechtere risikoadjustierte Renditen bzw. schlechtere Risiko-Rendite-Verhältnisse auf, tritt der Fall einer Underperformance ein. Eine solche Underperformance kann auf mehreren Gründen beruhen. Zweifelsohne ist die beschränkte Anzahl von Anlagemöglichkeiten, welche die Diversifizierung des Risikos erschwert, ein bedeutender Aspekt, der zu einer niedrigeren risikoadjustierten Rendite führt. Des Weiteren kann die Identifikation bzw. der Auswahlprozess einer ethischen Anlage zu weiteren Kosten führen, welche diese unrentabel machen können.[35]Nicht zu vernachlässigen ist auch der Ausschluss von unethischen Unternehmen, die bspw. Glücksspiel betreiben bzw. Alkohol, Tabak oder Rüstung produzieren, denn diese erzielen eine signifikante Outperformance im Vergleich zum Markt.

Renneboog et al. (2007) analysieren die Performance ethischer Geldanlagen mithilfe des Jensen Alpha, welches auf dem CAPM-Modell beruht und regionale Ergebnisse liefert. Die empirische Analyse der Autoren liefert negative Werte für das Alpha von SRI-Anlagefonds aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Europa, was bedeutet, dass die betrachteten Fonds schlechter abschneiden als ihre konventionellen Gegenstücke, jedoch ist das Ergebnis und somit der Unterschied der beiden Anlagemöglichkeiten insignifikant.

Signifikante Ergebnisse liefern die Autoren erst mit dem French-Fama-Vierfaktoren-Modell, welches zuzüglich zum CAPM-Modell die Faktoren der Marktkapitalisierung, des Buchwert-Marktwert-Verhältnisses und des Momentes betrachtet. Durch das Heranziehen dieser Erweiterung erhalten die Autoren keine signifikanten Resultate für die USA und das Vereinigte Königreich, aber eine empirische Bestätigung für eine starke und deutliche Underperformance von SRI-Fonds in vor allem europäischen Ländern (Belgien, Frankreich, Irland, Norwegen, etc.).[36]

Die Underperformance ethischer Anlagen wurde vor allem auch durch frühere Studien bestätigt. In einer globalen Studie von Mallin et. al (1995) erfolgt die Messung der Performance ethischer Fonds mithilfe den aufgeführten Performance-Kenngrößen. Die Ergebnisse sprechen dabei ethischen Investmentfonds schlechtere Risiko-Rendite-Verhältnisse und eine Underperformance gegenüber unethischen Fonds und generell dem Markt zu.[37]

3.3.3 Outperformance

Eine Outperformance ethischer Fonds gegenüber konventionellen Fonds kann mehrere Gründe haben. Beispielweise trägt der Aspekt, das ethische Investments durch das Einhalten von ökologischen Standards das Risiko potentieller Kosten mindern, welche möglicherweise durch Umweltverschmutzungen auftreten können, zu einer Outperformance bei.[38]Es ist anzunehmen, dass Märkte für SRI in Australien sowie in Großbritannien eine hohe Liquidität aufweisen, weshalb im Folgenden Studien aus diesen Regionen betrachtet werden.

Luther et al. untersuchten in Ihrer Studie (1992) 15 offene ethische Investmentfonds aus Großbritannien über einen variierenden Zeitraum von 12-72 Monaten zwischen den Jahren 1972 und 1990 und gleichzeitig zehn dieser Fonds im Zeitraum von 26 Monaten mit konventionellen Indizes.[39]Im Anschluss an den Vergleich zwischen der Kenngrößen Jensen Alpha und Sharpe Ratio kommen die Autoren zum Ergebnis, dass sich eine leichte Outperformance ethischer Fonds gegenüber konventionellen Fonds ergibt. Sie weisen aber auch darauf hin, dass für dieses positive Ergebnis die Investitionen in Small Cap[40]Unternehmen ausschlaggebend sein können.[41]Als Grund hierfür wird die geringe Marktkapitalisierung der Small Cap Unternehmen angeführt. Zu bemängeln ist das Vorgehen der Autoren im Hinblick auf die Anzahl der Untersuchungsobjekte, da sie nur 10 bzw. 15 ethische Fonds mit Konventionellen vergleichen. Als ursächlich ist von einer mangelnden Ausbreitung ethischer Investments zum damaligen Untersuchungszeitpunkt auszugehen. Zudem kann es sein dass die unterschiedlichen Betrachtungszeiträume das Ergebnis verzerren können.

Ebenso werden bei einer weiteren Studie von Cumming (2000) sieben ethische Fonds aus Australien analysiert. Dabei werden als Vergleich drei Benchmarks, ein Smaller Company Index, der Dow Jones Industrial Average Index und der All Ordinaries Index herangezogen.[42]Die Studie basiert auf monatlichen Renditen zwischen 1986 und 1994. Schließlich ist das Resultat eine insignifikante Differenz: Zum Industrial Average Index ergibt sich eine leicht höhere Performance, wohingegen die ethischen Fonds gegenüber dem Smaller Company Index und dem All Ordinaries Index leicht schlechter abschneiden.

Zum Schluss macht der Autor noch auf die Multikollinarität zwischen den ethischen Fonds und den Indizes aufmerksam, wobei er darauf eingeht, dass ethisches Investieren bei einem langen Betrachtungszeitraum effektiv ist. Ein Grund hierfür ist in den geringeren zu tragenden risikobasierten Kosten, die für gegebenenfalls auftretende ökologische oder gesundheitliche Schäden entstehen, zu sehen.[43]

4. Ethische Investments versus Konventionelle Anlagen – eine empirische Analyse

4.1 Methodisches Vorgehen

4.1.1 Analyse der Verfahren

Im Folgenden soll mittels einer empirischen Analyse basierend auf den in Abschnitt 3.2 erläuterten Kenngrößen die Performance zwischen ethischen und konventionellen Anlagemöglichkeiten verglichen werden. Wie auch die bisherigen aufgeführten Studien zeigen, kann dies durch unterschiedliche Herangehensweisen und Methoden geschehen. Dabei wird hauptsächlich die Performance von ethischen Geldanlagen mittels Aktien, Fonds oder Aktienindizes untersucht.[44]

Ein Vergleich zwischen mehreren ethischen und konventionellen Fonds wäre grundsätzlich denkbar, jedoch ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten bei der Bereinigung der Renditen um die unterschiedlich hohen Transaktionskosten (engl.:Management Fees).[45]Beim Vergleich von Indizes, welche hypothetische Portfolios darstellen, liegt in erster Linie der Vorteil gegenüber anderen Vergleichsmöglichkeiten, dass Timingeffekte oder unterschiedliche Investmentstrategien das Ergebnis nicht verzerren.[46]Jedoch wäre eine Begründung aus Anlegersicht möglich, dass eine direkte Anlage in Indizes nicht vorhanden sei.[47]Zudem stellt sich die kritische Frage, ob durch eine Anlage in Indexzertifikate oder –derivate einer nachhaltigen Entwicklung beigetragen wird.

Dennoch resultieren die aufgeführten Vorteile des Vergleichs zwischen Indizes in einer einfacheren und vor allem transparenteren Methode im Gegensatz zum Vergleich zwischen Fonds, weshalb in den nächsten Abschnitten die finanzielle Performance ethischer Geldanlagen auf Grundlage von ausgewählten Indizes untersucht wird.

[...]


[1]Vgl. Werner (2009), S. 29 ff.

[2]Vereinfachend soll im Verlauf dieser Arbeit jedoch unter ethischen Geldanlagen jedwedes ökologisch oder sozial orientiertes Finanzinstrument gelten.

[3]Vgl. Arnold (2012), S. 230.

[4]Vgl. Forum nachhaltige Geldanlagen (2015), S. 16.

[5]Vgl. Kohrs/Grün (2008), S. 81.

[6]Vgl. Pfeiffer (1995), S. 63.

[7]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2011), S. 563.

[8]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2008), S. 1725.

[9]Vgl. Castlefield (2015).

[10]Vgl. Pfeiffer (1995), S. 63.

[11]Der SRI-Investor nimmt Rücksicht darauf, dass seine Anlage solche Unternehmen unterstützt, die seinen persönlichen Moralvorstellungen nachgehen, weshalb sie (und auch SRI- Fondsmanager) bei ihrer Vermögensanlage unterschiedliche Ausschlusskriterien (sog.Screenings) berücksichtigen (vgl. Abb. 2 im Anhang). Die Art und Intensität der Screenings kann auch die Flow-Return-Relation und somit die Performance von SRI-Finanzinstrumenten beeinflussen (vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2011), S. 587).

[12]Vgl. Benson/Humphrey (2008), S. 1851.

[13]Vgl. Bollen (2006), S. 685.

[14]Vgl. Pinner (2014), S. 19.

[15]Vgl. Benson/Humphrey (2008), S. 1857.

[16]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2011), S. 563.

[17]Vgl. Arnold (2012), S. 229.

[18]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2008), S. 1727.

[19]Vgl. Arnold (2012), S. 229.

[20]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2008), S. 1725.

[21]Vgl. Sirri/Tufano (1998), S. 1590.

[22]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2008), S. 1730 ff.

[23]Vgl. Arnold (2012), S. 229 f.

[24]Vgl. Steiner/Bruns (2007), S. 48.

[25]Vgl. Zimmermann (1991), S. 164.

[26]Vgl. Steiner/Bruns (2007), S. 539 f.

[27]Vgl. Fischer (2010), S. 455.

[28]Vgl. Steiner/Bruns (2007), S. 599 f.

[29]Vgl. Nitzl (2009), S. 6.

[30]Blue Chip-Indizes umfassen Aktienkurse der größten und umsatzstärksten Unternehmen, (der sogenannten „Blue Chips“). Im Gegensatz dazu setzen sich Small Cap-Indizes aus Aktien von Unternehmen mit geringerem Börsenwert zusammen (vgl. FAZ Börsenlexikon (2015)).

[31]Der Kleinfirmeneffekt besagt, dass kleinere börsennotierte Unternehmen, sogenannte Small Caps, eine bessere risikoadjustierte Rendite erwirtschaften als größere Unternehmen (vgl. Behrens (2003), S. 37).

[32]Vgl. Schröder, Michael (2004), S. 122 ff.

[33]Vgl. Mallin et al. (1995), S. 483 ff.

[34]Vgl. Kreander/Gray/Power/ Sinclair (2005), S.1465 ff.

[35]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2007a), S. 24.

[36]Vgl. Renneboog/Horst/Zhang (2007b), S.12 f.

[37]Vgl. Mallin/Saadouni/Briston (1995), S. 495.

[38]Vgl. Cummings (2000), S. 88.

[39]Vgl. Luther/Matatko/Cotner (1992), S. 61.

[40]Small Cap Unternehmen zeichnen kleinere Produktpaletten mit einzelnen Abteilungen und Standorten aus. Der Grund der Small Cap Unternehmen für das Dominieren von ethischen Fonds mag die leichten Überwachungsmöglichkeiten der Fondsmanager sein. Folglich beeinflussen die Effekte der Small Caps die Renditen der ethischen Fonds (vgl. Luther/Matatko/Corner (1992), S. 61).

[41]Vgl. Luther/Matatko/Corner (1992), S. 68 f.

[42]Australischer Aktienindex.

[43]Vgl. Cummings (2000), S. 85 f.

[44]Vgl. Seitz (2010), S. 55.

[45]Vgl. Schröder (2003), S. 15.

[46]Vgl. Schröder (2007), S. 335.

[47]Vgl. Seitz (2010), S. 55.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Ethisches Investment. Eine sinnvolle Alternative?
Untertitel
Eine Diskussion über die Profitabilität ethischen Investierens
Veranstaltung
Risikomanagement, Investments, Banking & Finance
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V341110
ISBN (eBook)
9783668305908
ISBN (Buch)
9783668305915
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social Responsible Invesment, SRI, CSR, ethisches Investieren, ethische Geldanlage, ethische Geldanlagen, Investment, Investmentstrategie, nachhaltiges Investieren, Nachhaltigkeit, Ethik, grüne Geldanlagen
Arbeit zitieren
Ali Cördük (Autor), 2015, Ethisches Investment. Eine sinnvolle Alternative?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341110

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