Die historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber "Politik als Beruf"


Hausarbeit, 2004
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

Einleitendes

Die Historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber, Politik als Beruf

1. Frühe Entwicklung, Anfänge...

2. Erste Kategorien von „Berufspolitikern“

3. Entwicklung des modernen Beamtentums

4. Die Entwicklung der leitenden Politiker

5. Haupttypen von Berufspolitikern
5.1. Kleriker
5.2. Humanistisch gebildete Literaten
5.3. Hofadel
5.4. „Gentry“
5.5. Juristen

6. Parteiorganisation
6.1. Moderne Parteiorganisation

7. Entwicklung des Berufspolitikers im Prozess der aufkommenden plebiszitären Demokratie
7.1. England
Die Stellung des Abgeordneten im historischen Wandel

Einleitendes

Der Beruf, der sich aus dem Studium der Politik ergeben wird, ist schwer zu bestimmen. Bei derart vielen Möglichkeiten, ob Journalismus, Beamtentum, politischer Beratung oder die tatsächlich aktive Laufbahn als Politiker, ist es vor allem am Anfang eines Studiums schwer, hier eine Festlegung zu setzen. Aber nicht nur die Möglichkeiten für Berufspolitiker, auch ihr Berufsbild und ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft und ihres politischen Umfeldes befindet sich im ständigen Wandel. Max Weber beschäftigt sich in seinem Werk „Politik als Beruf“ unter anderem mit der historischen Entwicklung des Berufsbildes eines Politikers. Hierbei ist natürlich stets parallel auf die Entwicklung der politischen Verbände bzw. Parteien zu achten, in denen sich der Berufspolitiker bewegt. Im Folgenden soll nun die historische Entwicklung des Berufsbildes eines Politikers nach Max Weber, Politik als Beruf, dargestellt werden. Im Anschluss wird ein weiteres Werk hinzugezogen, dass sich mit ähnlichen Fragen auseinandersetzt.

Die Historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber, Politik als Beruf

1. Frühe Entwicklung, Anfänge...

Max Webers Ausführungen zu der Entwicklung von politischen Verbänden und in diesen Verbänden politisch tätigen Personen beginnen bei dem Modell, das er „’ständisch’ gegliederten Verband“[1] (PB, S.11) nennt. Er versteht hierunter „einen politischen Verband, bei dem die sachlichen Verwaltungsmittel ganz oder teilweise in der Eigenmacht des abhängigen Verwaltungsstabes sich befinden“ (PB, S.11). Ein sich im Lehenverband befindender Vasall ist somit nicht nur sein eigener Finanzier im Hinblick auf Verwaltung, Rechtspflege und Kriegsvorbereitung bzw. –Führung. Durch die Tatsache, dass seine Untervasallen die gleichen Aufgaben zu erfüllen hatten, war die Machtstellung des Vasallen nur solang gefestigt, wie er sich auf die Treue im Bund verlassen konnte. Außerdem band seine Unterversallen lediglich, „dass der Lehnsbesitz und die soziale Ehre des Vasallen ihre „Legitimität“ vom Herrn ableiteten.“ (PB, S.11). Diesem Herrschen des Herren in „einer eigenständigen Aristokratie“, mit der er die Herrschaft teilt (vlg. PB, S.12), stellt Weber die alleinige, eigenständige Herrschaft eines Herren gegenüber. Hierunter werden von ihm „alle Formen patriarchaler, und patrimonialer Herrschaft, sultanistischer Despotie und bureaukratischer Staatsordnung“ (PB, S.12) gefasst. Es wird betont, dass diese bureaukratische Staatsordnung, die auf dieses Modell zutrifft, gerade für den modernen Staat charakteristisch ist. Die Haltung von Sklaven, Dienstleuten, persönlichen Günstlingen und entlehnten Pfründner von einem Herren hat ihm, als Form sehr früher politischer Bindung, dazu verholfen, eine allein von ihm abhängiges verwaltendes System zu schaffen. Durch die „materiell gänzlich an ihn gekettet[en]“ (PB, S.12) Untertanen, entbehrt dieses Verhältnis jeglicher Verpflichtungen für den Herrn.

Die Parallele, die Weber zum bürokratischen Staat zieht, ist ein Hinweis darauf, dass sich seiner Meinung nach in der Ordnung der Machtverhältnisse zwischen politisch beteiligten Größen nicht wesentlich etwas verändert hat. Zwar ändert sich nach außen hin die Art des Systems – vom Lehensystem bzw. der Alleinherrschaft zum modernen Staat – die Verteilung von Machtverhältnissen bleibt jedoch problematisch und unausgewogen.

2. Erste Kategorien von „Berufspolitikern“

Die ersten politisch tätigen Personen, die Weber in Politik als Beruf „Berufspolitiker“ nennt, waren solche, „die nicht selbst Herren sein wollten, wie die charismatischen Führer, sondern in den Dienst von politischen Herren traten“ (PB, S.14). In diesem Fall in den Dienst von Fürsten. „Sie stellten sich in diesem Kampfe den Fürsten zur Verfügung und machten aus der Besorgung von dessen Politik einen materiellen Lebenserwerb einerseits, einen ideellen Lebensinhalt andererseits“ (PB, S.14). Diese dem Fürsten unterstellten Politiker widmeten sich ausschließlich dem Dienst ihrer Herren und lebten auch materiell davon. Solche hauptberuflichen Politiker waren allerdings auch bei denjenigen politischen Verbänden tätig, die sich „unter völliger Beseitigung oder weitgehender Beschränkung der Fürstenmacht“ (PB, S.16) „freie“ Gemeinwesen nannten. Frei hier im Sinne von Fehlen der Fürstenmacht als ausschließliche Autorität. Entstanden sind diese Gemeinwesen aus der Idee der „Stadt als politischer Verband“ (PB, S.16).

Um sich über die Typologie von Berufspolitikern in diesem Zeitstadium klar werden zu können, geht Weber zunächst von einer grundsätzlichen Unterscheidung aus: „Es gibt zwei Arten, aus der Politik seinen Beruf zu machen. Entweder: man lebt „für“ die Politik – oder aber: „von“ der Politik (PB, S. 16). Auf den Punkt gebracht gelangt Weber zu dem Schluss, dass die Kategorie, die „für“ die Politik lebt, sich Politik zum Lebensinhalt macht, wohlgemerkt ohne materiell auf eine Vergütung aus diesem Beruf angewiesen zu sein. Versteht sich, dass Politiker, die „von“ der Politik leben, mit ihrem Beruf Geld verdienen müssen. Lässt man zunächst letztere Kategorie beiseite und betrachtet diejenigen Politiker, die sich aus ideellen, machtpolitischen oder sonstigen Gründen zum Leben „für“ die Politik entschieden haben, stößt man auf praktische Grenzen bei der Ausübung. Manch Unternehmer, Landwirt oder Arzt wird allein aus Zeitgründen nicht in der Lage sein, sich voll und ganz der Politik zu verschreiben. So ergibt sich logisch, warum Advokaten „als Berufspolitiker eine ungleich größere, oft eine geradezu beherrschende Rolle gespielt“ (PB, S.18) haben. Ausgeschlossen ist somit allerdings nicht, dass hier die politische Aktivität nicht zusätzlich für die privaten ökonomischen Interessen genutzt wurde. Auf Seite der lediglich „von“ der Politik lebenden Berufspolitiker treten reine Pfündner einerseits, besoldete Beamte andererseits hervor. Heute seien „es Ämter aller Art in Parteien, Zeitungen, Genossenschaften, Krankenkassen, Gemeinden und Staaten, welche von Parteiführern für treue Dienste vergeben werden“ (PB, S.20). Eine besonders große Rolle innerhalb einer Partei spiele also, und es ist wohl nicht zu weit gegriffen, dies nicht nur auf Max Webers’, sondern auch auf unsere heutige Zeit zu übertragen, die Ämterpatronage. Denn alle Parteikämpfe seinen eben nicht nur um sachliche Ziele, sondern vor allem um die letztere (vgl. PB, S.20).

[...]


[1] Max Weber: Politik als Beruf. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1992. Zitiert wie folgt: (PB, S. ...)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber "Politik als Beruf"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut)
Veranstaltung
Grundkurs Politische Theorie
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V34114
ISBN (eBook)
9783638344265
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Berufspolitikers, Weber, Politik, Beruf, Grundkurs, Politische, Theorie
Arbeit zitieren
Annette Sandner (Autor), 2004, Die historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber "Politik als Beruf", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34114

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