„Aus […] Bemerkungen von Zeitzeugen geht die außerordentliche Bedeutung hervor, die das Klavier für das Musikleben im 19. Jahrhundert besessen hat“, wie Irmgard Botninck in ihrem Aufsatz über die Entwicklung des Klaviers schreibt. Doch warum beschäftigen sich Wissenschaftler bei diesem Thema am ausführlichsten mit dem 19. Jahrhundert? Durch welche Faktoren wird die Entwicklung hauptsächlich beeinflusst? Wie bedingen diese Faktoren sich möglicherweise gegenseitig?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Bau des Klaviers
2.1 Entwicklung bis 1800
2.2 Neue Errungenschaften im 19. Jahrhundert
2.3 Ausblick auf die weitere Entwicklung
3. Gesellschaftliche Einflüsse – Das Klavier etabliert sich
4. Künstlerische Einflüsse
4.1 Der Virtuose und Komponist Franz Liszt
4.2 Notenbeispiel: Konzert-Paraphrase über das Quartett aus der Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi
5. Zusammenfassung
5.1 Bezüge zwischen den beeinflussenden Faktoren
5.2 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die maßgebliche Entwicklung des Klaviers im 19. Jahrhundert und analysiert dabei die Wechselwirkungen zwischen technischen Innovationen im Klavierbau, gesellschaftlichen Veränderungen durch die Industrialisierung sowie künstlerischen Einflüssen durch virtuose Komponisten.
- Technische Evolution und Innovationen des Klaviers im 19. Jahrhundert
- Etablierung des Klaviers als Statussymbol im bürgerlichen Haushalt
- Einfluss der Industrialisierung auf Produktion und Verbreitung
- Künstlerische Anforderungen von Virtuosen wie Franz Liszt
- Die Rolle des Klaviers als universelles Arbeitsinstrument und Kulturgut
Auszug aus dem Buch
2.2 Neue Errungenschaften im 19. Jahrhundert
War der Hammerkopf bisher meist mit Leder bezogen, so wurde er ab 1826 mit Filz versehen, was einen weicheren Klang ermöglichte und auf Dauer widerstandsfähiger war. Im Zuge der Industrialisierung, die später noch einmal thematisiert werden soll, wurden Saiten aus Gussstahldraht hergestellt, die „eine gleichmäßige[…] Qualität und Festigkeit“ garantierten. Nun wird auch kreuzsaitig bezogen, was zum einen zur Folge hat, dass die Klaviatur auf 7 Oktaven und eine kleine Terz erweitert werden kann, zum anderen, dass der Saitenzug zunimmt, dem ein einfacher Holzrahmen nicht mehr standhalten kann. Ab 1825 dienen Gusseisenrahmen also dem Zweck der Stabilisierung.
Des Weiteren wird die Anzahl der Pedale auf drei erweitert, es existieren nun also das Una-Corda-Pedal, das Sostenutopedal und das rechte Pedal, dass die Dämpfung aller Saiten aufhebt. Bis 1840 beschäftigen sich mehrere Klavierbauer mit der Verfeinerung der Repetitionsmechanik, bis sie schließlich von Heinrich Herz (1806-1866) vollendet wird. Dieser Fortschritt in der Klaviermechanik ist besonders wichtig und lässt sich wie folgt zusammenfassen: Nach Anschlagen einer Saite ist der Hammer schneller wieder in Aktionsbereitschaft, wodurch nicht nur schnelle Tonwiederholungen, sondern insgesamt ein virtuoseres Klavierspiel möglich wird.
Die Klaviermechanik wird also in allen Bereichen weiterentwickelt, verbessert und verfeinert. Im Mittelpunkt steht hierbei stets die Optimierung der Klangästhetik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Klaviers im 19. Jahrhundert ein und skizziert die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich der Faktoren, welche die Entwicklung des Instruments maßgeblich beeinflusst haben.
2. Der Bau des Klaviers: Dieses Kapitel behandelt die technischen Entwicklungen des Klaviers, angefangen von den Vorgängerinstrumenten bis hin zu den entscheidenden baulichen Innovationen des 19. Jahrhunderts.
3. Gesellschaftliche Einflüsse – Das Klavier etabliert sich: Hier wird erläutert, wie Industrialisierung, veränderte Produktionsbedingungen und die wachsende Kaufkraft der Bevölkerung das Klavier zu einem festen Bestandteil der bürgerlichen Kultur machten.
4. Künstlerische Einflüsse: Dieser Abschnitt analysiert das Wirken bedeutender Virtuosen wie Franz Liszt, die durch ihre hohen künstlerischen Anforderungen die Entwicklung des Klaviers zu einem virtuosen Instrument vorantrieben.
5. Zusammenfassung: Der letzte Teil verknüpft die verschiedenen Entwicklungsstränge, diskutiert die gegenseitigen Abhängigkeiten von Technik, Gesellschaft und Kunst und zieht ein abschließendes Fazit.
Schlüsselwörter
Klavierbau, 19. Jahrhundert, Industrialisierung, Repetitionsmechanik, Franz Liszt, Konzert-Paraphrase, Musikwissenschaft, Klavierauszug, Salonmusik, Musikgeschichte, Klangästhetik, Virtuosität, Instrumentenbau, Klaviermechanik, Kulturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der technischen und gesellschaftlichen Evolution des Klaviers im 19. Jahrhundert und beleuchtet, wie dieses Instrument in diesem Zeitraum zu einem zentralen Element der Musikkultur wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der technische Klavierbau, der Einfluss der Industrialisierung auf die Verbreitung des Instruments sowie die künstlerischen Anforderungen von Virtuosen an das Klavier.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen baulichen, gesellschaftlichen und kompositorischen Faktoren aufzuzeigen, die die rasante Entwicklung des Klaviers im 19. Jahrhundert bedingt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Literaturrecherche, um die historische Entwicklung sowie die Zusammenhänge der verschiedenen Einflussfaktoren anhand von Fachliteratur darzulegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Analyse des Klavierbaus, eine Betrachtung gesellschaftlicher Etablierungsfaktoren und eine Untersuchung künstlerischer Impulse, insbesondere durch Franz Liszt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Klavierbau, Industrialisierung, Virtuosität, 19. Jahrhundert, Repetitionsmechanik und Musikgeschichte charakterisieren.
Warum spielt die Industrialisierung für das Klavier eine so große Rolle?
Die Industrialisierung ermöglichte effizientere Produktionsmethoden, die das Instrument für eine breitere Bevölkerungsschicht erschwinglich machten und gleichzeitig durch den Einsatz von Materialien wie Gusseisen und Stahldraht technische Innovationen forcierten.
Welchen Einfluss hatte Franz Liszt auf die Entwicklung des Klaviers?
Liszt forderte durch seine virtuosen Kompositionen und Bearbeitungen das Klavier in seiner damaligen Form an seine Grenzen heraus, was die Hersteller dazu zwang, die Mechanik und die Stabilität des Instruments kontinuierlich zu verbessern.
- Arbeit zitieren
- Johanna Elisa Gauß (Autor:in), 2016, Die Entwicklung des Klaviers im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341153