Wirtschafts- und Sozialpolitik der BRD und DDR


Hausarbeit, 2012
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wirtschafts- und Sozialpolitik der BRD und DDR
2.1 Wirtschaftliche und soziale Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland
2.1.1 Wirtschaftlicher Aufbau (Soziale Marktwirtschaft)
2.1.2 Wirtschaftswunder
2.1.3 Wirtschaftliche Krisen
2.1.4 Aktuelle wirtschaftliche Lage
2.2 Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Deutschen Demokratischen Republik
2.2.1 Wirtschaftlicher Aufbau (Planwirtschaft)
2.2.2 Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik
2.3 BRD und DDR im Vergleich
2.3.1 Akzeption der Staatsform durch das Volk
2.3.2 Grundrechte und politische Rechte
2.3.3 Mentale Verankerung
2.3.4 Erfahrungen durch andere Staatsformen
2.3.5 Vorhandensein von Gegenmodellen + Umgang

3. Abschließende Bemerkungen

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik der beiden deutschen Staaten. Als erstes wird dazu näher auf die Politik in der BRD informiert. Schwerpunkte dieser Betrachtung ist das Wirtschaftswunder nach dem Krieg und die späteren wirtschaftlichen Krisen. Anschließend wird der Wirtschaftsaufbau der DDR erläutert und auf Besonderheiten, wie der Planwirtschaft oder der politischen Partizipation eingegangen. Durch die Nähe beider Staaten zueinander und der konfliktreichen Zeit während des Kalten Krieges, bietet sich ein Vergleich an. Besonderer Wert liegt auf den Unterschieden und Gemeinsamkeiten in der Wirtschafts- und Sozialpolitik beider Staaten.

2. Wirtschafts- und Sozialpolitik der BRD und DDR

Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 endete der zweite Weltkrieg, welcher von 1939 - 1945 andauerte und circa 60 Millionen Menschen das Leben kostete. Die vier großen Siegermächte Sowjetunion, Amerika, England und Frankreich besiegten die deutschen Truppen in einem sechs Jahre andauernden Krieg. Mit dem Londoner Abkommen 1944 und dem Viermächteabkommen 1945 wurde Aspekte der Nachkriegsordnung beschlossen, so zum Beispiel die Einrichtung eines alliierten Kontrollrates. Dieser diente als Besatzungs- und Regierungsorgan der Alliierten in Deutschland. Vertreten waren die Oberbefehlshaber der Siegermächte. Die Ziele der alliierten Mächte lassen sich in fünf Schlagworten zusammenfassen: Denazifizierung, Dezentralisierung, Demilitarisierung, Demokratisierung und Demontage. In der Potsdamer Konferenz vom Juli/ August 1945 wurden wichtige Beschlüsse für die Nachkriegsordnung beschlossen. In Folge dessen wird das deutsche Staatsgebiet in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Osten (SU), Westen (GB), Süden (USA) und Südwesten (FR). Das gleiche geschieht mit der deutschen Hauptstadt Berlin (Abb. 1). In den folgenden Jahren weitet sich der Konflikt der beiden Supermächte SU und USA immer weiter aus und es kommt zu einem offenen Machtkampf der beiden großen Weltanschauungen Kommunismus und Kapitalismus, der als Kalter Krieg in die Geschichte eingeht. In Folge dieser Interessenskonflikte kommt es zur doppelten Staatsgründung. Die britische, amerikanische und französische Besatzungszone schließen sich zusammen und gründen am 7. September 1949 die Bundesrepublik Deutschland. Die SU zieht sogleich nach und gründet am 7. Oktober 1949 aus der sowjetischen Besatzungszone im Osten die Deutsche Demokratische Republik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Vier Besatzungszonen des Alliierten Kontrollrates

2.1 Wirtschaftliche und soziale Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland

Die nachfolgenden Gliederungspunkte befassen sich mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der BRD nach ihrer Staatsgründung 1949. Im besonderen Maße wird der wirtschaftliche Aufbau betrachtet, der durch die soziale Marktwirtschaft gekennzeichnet ist. Des weiteren werden die wirtschaftlichen Höhe - und Tiefpunkte betrachtet. Zuletzt wird noch Bezug auf die aktuelle wirtschaftliche Lage der Bundesrepublik genommen.

2.1.1 Wirtschaftlicher Aufbau (Soziale Marktwirtschaft)

Die Konzepte auf der die Soziale Marktwirtschaft basiert, wurden zum Teil schon in unterschiedlichen Abwandlungen in den 1930er und 1940er Jahren entwickelt. Zusammengefasst stand es damals unter dem Begriff des Neoliberalismus. Seit der Staatsgründung 1949 ist die „Soziale Marktwirtschaft“ ein sehr umstrittener Begriff. Erst im Laufe der Jahre fand der Begriff einen festen Stand in der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Ludwig Erhard, ab 1949 Wirtschaftsminister und später auch Kanzler, gilt als Mitbegründer der sozialen Marktwirtschaft und ist ein Vertreter des Ordoliberalismus. Kurz erklärt bedeutet das, dass der Staat die Aufgabe hat den rechtlichen Rahmen für einen freien Wettbewerb zu schaffen und durchzusetzen, damit die Freiheit aller teilnehmenden Wirtschaftssubjekte geschützt werden kann. Die Soziale Marktwirtschaft stützt sich auf die Vorstellungen des Ordoliberalismus, legt allerdings mehr wert auf die Beeinflussung von Prozessen in der Konjunkturpolitik und betont den Sozialstaat. Neben Ludwig Erhard gelten Alfred Müller- Armack, Walter Eucken, Franz Böhm, Alexander Rüstow und Wilhelm Röpke als „Gründerväter“ der Sozialen Marktwirtschaft. Sie waren sich darüber einig, dass die Marktwirtschaft sozial ist, da die Produktion durch die Nachfrage der Verbraucher gesteuert, das Sozialprodukt über die Wirtschaftsleistung des Einzelnen bemessen wird, die Produktivität und die Löhne sich steigern. Das Ziel der Sozialen Marktwirtschaft liegt in der Verbindung von Marktfreiheit und dem sozialen Ausgleich. Kennzeichnend für dieses Wirtschaftssystem ist zunächst das Marktprinzip der freien Preisbildung über die Nachfrage des Verbrauchers und die Angebotsmenge der Unternehmer. Die Aufgabe des Staates liegt in der Gewährleistung eines fairen und freien Wettbewerbs zwischen den Unternehmen. Das bedeutet er muss die Produktvielfalt aufrecht erhalten und eine Anti- Monopolpolitik verfolgen, um private Marktmacht zu verhindern. Er verpflichtet sich weiterhin mit einer strengen Ordnungspolitik über den Wettbewerb zu wachen. Neben diesen Merkmalen muss der Staat die Freiheiten des Einzelnen schützen und durchsetzten, darunter zählen unter anderem das Recht auf Privateigentum, Vertrags-, Meinungs-, Berufs-, Gewerbe-, Konsum- und Tariffreiheit. Die entscheidende Triebkraft der Wirtschaft geht vom Egoismus des Einzelnen aus. Es kommt zu einer Aufgabenerweiterung des Staates. Er kann nun nicht direkt in die Wirtschaft intervenieren, sondern kann und soll nur noch regulierend und korrigierend eingreifen. Das ist ihm über die Sozial-, Struktur- und Konjunkturpolitik möglich. Der soziale Charakter der Marktwirtschaft wird besonders hervorgehoben. Die Ziele des Sozialstaats liegen in der Bestrebung soziale Ungleichheit zwischen den Bürgern bis zu einem gewissen Grade auszugleichen. Der Staat verbindet damit das Ziel der sozialen Gerechtigkeit, dass bedeutet Chancengleichheit, Gleichberechtigung aller, Unterstützung sozial schwacher und Schaffung sozialer Absicherungen (Hartz IV).

2.1.2 Wirtschaftswunder

Die Situation in Deutschland nach dem Krieg ist schlimmer als erwartet und besser als vermutet. Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 waren punktuell wichtige Teile der Infrastruktur und der Industrie stark zerstört. Allerdings sind zum Beispiel 80 -85% der Produktionskapazitäten unversehrt geblieben. Viele wichtige zerstörte Brücken, oder Straßen- und Schienennetze konnten schnell wieder aufgebaut werden. Auch die Aufräumarbeiten in den deutschen Städten machten in den ersten Jahren nach dem Krieg schnelle Fortschritte. Der wirtschaftliche Wiederaufbau Deutschlands war zunächst nicht auf der Tagesordnung der Westmächte und spielte keine Rollen in der Besatzungspolitik. Erst später entschied man sich dafür und stellte Wirtschaftshilfen zur Verfügung. Die Demontagen hielten sich in den Westzonen in überschaubaren Grenzen. Dahingegen in der sowjetischen Besatzungszone wurde die Demontage aktiv und sehr intensiv betrieben. Zum Teil wirtschaftliche Differenzen und weitere Reibungspunkte sorgten für die Steigerung der Krise zwischen der USA und der SU, die schließlich zum Kalten Krieg führten.

Das Wirtschaftswunder beschreibt den nachhaltigen und rasanten Aufschwung in der Wirtschaft im Nachkriegsdeutschland. Als Beginn dieses gilt die Währungsreform vom 20. Juni 1948. Durch die Kriegsfinanzierung mittels Geldschöpfung entstand ein großer Geldüberhang, welcher in den Nachkriegsjahren weiter anwuchs. Als Reaktion darauf wurde die Währungsreform durchgeführt. Ziele dieser wahren den angesammelten Geldüberhang zu beseitigen. Das wollte man erreichen, indem man die Geldschöpfung verringerte, Lohn- und Preisstopps und Güterrationierungen aufhielt. Als wichtigstes Mittel wurde die Einführung freier Wechselkurse beschlossen. Des weiteren wurde eine unabhängige Zentralbank eingerichtet und ein funktionierendes Geschäftsbankensystem geschaffen. Ab sofort wurde die Deutsche Mark neues Zahlungsmittel. Der Umtausch erfolgte im Verhältnis 10 RM : 1 DM. Der Währungsreform gelang es den weit verbreiteten Tauschhandel zum Beispiel mit Zigaretten als Zahlungsmittel und die Schwarzmarktwirtschaft zu beenden. Zunächst schlug die Währungsreform zögernd an und man hatte mit steigenden Zahlen an Arbeitslosen und einer rapiden Erhöhung der Preise zu kämpfen. Der Bundesrepublik gelang es durch eine strenge Kreditpolitik den Preisanstieg zu stoppen. Die Investitionsbereitschaft stieg nach einem anfänglichen Tief wieder an und konnte so die finanziell schwierige Lage vieler Unternehmen retten. Als weiterer Schritt der das Wirtschaftswunder in Deutschland begleitete, gilt der Marshallplan vom 3. April 1948. Offiziell „European Recovery Program“ (ERP) genannt, war ein Programm zum Wiederaufbau der Wirtschaft in den nachkriegsleidenden Westeuropa. Die USA stellte im Rahmen dieses Programmes Kredite, Rohstoffe, Lebensmittel und Waren zu Verfügung. Der gesamte Rahmen der wirtschaftlichen Hilfe umspannte einen Gesamtumfang von 12,4 Milliarden Dollar. Namentlich geht es auf den US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger George C. Marshall von 1953 zurück. Mit dem Marshallplan verband die USA drei große Ziele: Hilfe der notleidenden Bevölkerung im Nachkriegseuropa, Eindämmung der Sowjetunion und des Kommunismus als Bestandteil der Containment- Politik und die Schaffung eines Absatzmarktes für die Überproduktion der amerikanischen Wirtschaft. Jener Plan wurde schon ab dem Mai 1947 entwickelt mit dem Ziel im April 1948 die „Organisation für wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa“ (OEEC) zu gründen. Die Sowjetunion wurde zu die Gesprächen ebenfalls eingeladen, jedoch zog sich diese bald mit allen unter ihren Einfluss stehenden osteuropäischen Staaten aus den Verhandlungen zurück. Ein wichtiger Faktor für die deutsche Wirtschaft war der rasante Anstieg des Exports, der zum Teil durch die günstigen Wechselkurse zum Dollar begünstigt wurde. So stieg der deutsche Export bis 1960 um das 4,5-fache vom Stand 1950 (10% des Weltexports), gleichbedeutend verdreifachte sich das Bruttosozialprodukt. Um die Geschwindigkeit der Entwicklung zu verdeutlichen kann man das Realeinkommen der durchschnittlichen Arbeiterfamilie hinzuziehen. Dieses war bereits 1950 höher als das Vorkriegsniveau. Damit einhergehend fiel die Zahl der Arbeitslosen ab 1952 so stark, dass der Arbeitsbedarf der wachsenden Wirtschaft nicht mehr gedeckt werden konnte und man offiziell Gastarbeiter anwarb. Besonders zu nennen sind die meist hochqualifizierten Zuwanderer aus der DDR, die für besondere Bedeutung für die Wirtschaft der BRD waren. Neben den Arbeitskräften wanderten auch viele Unternehmen, wie Auto Union AG oder WANDERER Werke AG aus der DDR aus und verlegten ihren Wirtschaftsstandort in die BRD. Im von Hermann Josef Abs ausgehandelten Schuldenabkommen von 1953 konnte die Frage der Reparationen zu Gunsten Deutschland geregelt werden. So wurden die ausstehenden Zahlungen fast um die Hälfte gesenkt. Damit wurde dieses Abkommen zu einem wichtigen Grundstein der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik. Das Jahr 1955 sollte für Deutschland die Prägung des Begriffs „Wirtschaftswunders“ maßgeblich beeinflussen. Die Wirtschaft der BRD wuchs um 10,5 % und die Löhne stiegen um 10 %. Die Autobahnen füllten sich immer mehr mit Autos und es kam zu den ersten Staus. Im selben Jahr, 10 Jahre nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, erhielt die BRD ihre Souveränität größtenteils wieder zurück. Die Wirtschaft näherte sich im Laufe der 1950er Jahre dem US-Standard an. In der Automobilindustrie stieg die Produktion um das fünffache. Der Wirtschaft gelang es 2 Millionen Arbeitslose zu absorbieren und so war es möglich mit einer Arbeitslosenquote von unter 2 % in de späten 1950er Jahren Vollbeschäftigung zu erreichen. Die nachfolgende Abbildung zeigt den rasanten Fall der Arbeitslosenzahlen um 1960.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung der Arbeitslosenquote nach dem Krieg

Bis 1970 verzweifachten sich die Reallöhne im Vergleich zum Jahre 1950.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Wirtschafts- und Sozialpolitik der BRD und DDR
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V341222
ISBN (eBook)
9783668307193
ISBN (Buch)
9783668307209
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschafts-, sozialpolitik
Arbeit zitieren
Lukas Jung (Autor), 2012, Wirtschafts- und Sozialpolitik der BRD und DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341222

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