Der Ablassstreit als grundlegende Ursache der Reformation und der Abgrenzung von der katholischen Kirche


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ablass
2.1. Definition vom Ablass
2.2. Das Bußsakrament der katholischen Kirche

3. Luthers Kritik über den Ablass
3.1. Aufbau der 95 Thesen
3.2. Luthers Kritik anhand der 95 Thesen
3.3. Luthers Kritik anhand eines Briefes

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Sobald die Münze im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“1 Davon versprachen sich die Menschen im innovationsgeprägten Spätmittelalter, die Ängste vor dem „Neuen“ und vor allem um ihr eigenes Seelenheil hatten, sehr viele und glaubten an die Versprechen der Ablassprediger, wie es einst Johann Tetzel war. Die zunehmende Geldnot in Rom, die mit dem Bau des Petersdoms 1507 einherging, veranlasste die römische Kirche, den Ablasshandel zu betreiben und die Menschen im Spätmittelalter im Glauben zu lassen, dass die Sünden und Strafen durch die Käufe der Ablässe getilgt werden könnten. Martin Luther geriet mit dem Ablasshandel zunehmend in Konflikt, denn er war der Meinung, dass die Absolution nur durch Gottes Gnade und nicht durch den Kauf von Ablassbriefen erlangt werden könne. Daher missbilligte er den Ablasshandel des Johann Tetzel, der durch seine Predigten auch die Möglichkeit des käuflichen Erwerbs des Seelenheils bereits verstorbener Angehöriger anpries. Daraufhin formulierte Luther 1517 seine 95 Thesen, die unter anderem auf die Missstände des Ablasshandels aufmerksam machen sollten, er sendete Briefe und seine Thesen an den Erzbischof von Mainz und den Bischof von Magdeburg, in denen er sein Unbehagen über den Ablasshandel mitteilte. Gleichzeitig veröffentlichte er seine 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche.2 Martin Luther stellte die Missstände der römisch katholischen Kirche für alle Gläubigen dar und fand sehr schnell Publikum, dass sich seiner reformatorischen Gedanken anschloss.

Daher lautet die Ausgangsfrage dieser Arbeit: War der Ablasshandel und der darüber hinaus entstandene Ablassstreit, die grundlegende Ursache und der eigentliche Vorreiter der Reformation und der Abgrenzung von der katholischen Kirche unter Martin Luther? Die Fragestellung bettet sich in den Forschungskontext der Lutherforschung ein. Die Lutherforschung ist ein sehr weit gefasster Forschungszweig, der sich mit der Erforschung Luthers, seiner Werke und seines Selbstbildnisses beschäftigt.3 In der vorliegenden Arbeit stehen die 95 Thesen Luthers und die Briefe an die Kirchenfürsten von 1517 im Vordergrund, diese beschäftigen sich mit der kritischen Position Luthers gegenüber dem Ablass und dem Streit über den Ablasshandel.

Im Verlauf dieser Arbeit wird zunächst der Ablass definiert, der die eigentliche Ursache für den Streit Luthers und seinen Kontrahenten der katholischen Kirche war. Zudem wird auf das Bußsakrament eingegangen, um deutlich zu machen, was die Menschen im Spätmittelalter dazu bewegten, diese Ablassbriefe käuflich zu erwerben. Des weiteren steht die Kritik Luthers im Vordergrund, in seinen Briefen an den Erzbischof von Mainz und den Bischof von Magdeburg wird deutlich, wie er sich zum Ablasshandel äußert und anhand seiner Thesen wird es analytisch untermauert.

Zum Schluss wird die Ausgangsthese noch einmal dargestellt und anhand der analytischen Auseinandersetzung überprüft, bestätigt oder gar wiederlegt.

2. Der Ablass

Luthers Hauptkritik der 95 Thesen galt dem Ablass und den Fragwürdigen Methoden der Ablassprediger beim Handel mit Ablassbriefen. Der Ablass entstand durch die zunehmende Geldnot in Rom ab 1507, die mit dem Bau des Petersdoms einherging. Daraufhin verfasste Martin Luther 1517 die 95 Thesen, womit er unter anderem auf die Entgleisung des Ablasswesens aufmerksam machen wollte.

2.1 Definition vom Ablass

Der Ablass ist „nach der katholischen Lehre der außersakramentale, von kirchlichen Autoritäten gewährte Nachlaß zeitlicher Sündenstrafen durch v.a. finanzielle Zuwendungen an die Kirche.“4 Zunächst war der Ablass in der katholischen Kirche eine Möglichkeit die begangenen Sünden durch gute Werke, wie Gebete oder Almosen, wieder zu erlassen, dieser Gedanke wandelte sich jedoch sehr schnell und die Ablassprediger nutzten die Ängste der Menschen vor dem Fegefeuer aus und missbrauchten den Ablasshandel, in dem sie die Ablassbriefe gegen Bargeldleistungen verkauften. Im kirchlichen Rechtsbuch wird der Ablass wie folgt beschrieben:

„Der Ablass ist ein Nachlaß zeitlicher Strafe vor Gott, die für Sünden geschuldet ist, welche ihrer Schuld nach schon getilgt sind; (ein Nachlaß) den die kirchliche Autorität aus dem Schatz der Kirche gewährt, und zwar per modum absolutionis für die Lebenden und per modum suffragii für die Verstorbenen.“

Der Ablass ist dem dritten Teil des Bußsakraments, dem der Wiedergutmachung und Genugtuung, zuzuordnen.

2.2. Das Bußsakrament der Katholischen Kirche

„Auf drei Stufen steigen wir empor zum Fuß des Kreuzes.“ Das Bußsakrament besteht aus drei Teilen: der Reue des Herzens (contritio cordis), des Schuldbekenntnisses (confessio oris) und der Wiedergutmachung und Genugtuung (satisfactio operis).5 Damit die Absolution durch den Priester und die Versöhnung mit Gott und der Gemeinde ausgesprochen werden kann, bedarf es der drei Stufen. Im Zusammenhang mit dem Ablass und dem Ablassstreit steht vor allem die Wiedergutmachung und die Genugtuung im Vordergrund, jedoch ist die Reue des Herzens die wichtigste der drei Stufen des Bußsakramentes, denn ohne die Reue ist eine Vergebung der Sünden gar unmöglich. Die Wiedergutmachung hingegen ist der Teil des Bußsakraments, dass durch die kirchliche Instanz und weltlicher Hand beeinflusst werden kann. Der Vorsatz die Schuld zu begleichen und den Schaden wiedergutzumachen, ursprünglich in Form von Beten, Fasten, Almosengeben, wurde zum Ende des Mittelalters in eine Form der Bargeldzahlung abgelöst. Daraus entstand der Handel mit der Schuld und Wiedergutmachung, den die Ablassprediger zu ihren Gunsten nutzten und die Ängste der Menschen im Mittelalter auszunutzen wussten.

3. Luthers Kritik über den Ablass

Martin Luther kritisierte den Ablass und den Handel mit Ablassbriefen seiner Zeit. Er versuchte der Kirche und den Gelehrten in Form von Briefen und der 95 Thesen seinen Standpunkt, näher zu bringen. Zunächst wandte Luther sich an die Gelehrten, jedoch wollte er sich nicht auf eine einseitige Disputation mit Gelehrten beschränken, daher wandte er sich in persönlichen Briefen an die zuständigen Kirchenfürsten6, anbei sendete er ebenfalls seine 95 Thesen, die überwiegend von seiner Unzufriedenheit und Empörung über den Ablasshandel berichten. Luther sah sich nicht durch die „äußere Ehre oder dem materiellen Gewinn“, sondern durch seine Berufung als Doktor der heiligen Theologie berufen, gegen den Ablasshandel zu predigen.7 Er hielt sich sowohl für berechtigt, als auch für verpflichtet gegen die derartigen Missstände innerhalb der katholischen Kirche vorzugehen. Grundlage für die Disputation mit den Gelehrten und der Auseinandersetzung mit den Kirchenfürsten waren die 95 Thesen. Die im folgenden der Hauptbestandteil der Analyse ist.

3.1 Aufbau der 95 Thesen

Die 95 Thesen Martin Luthers wurden 1517 von Luther selbst verfasst und an die Türe des damaligen Allerheiligenstifts, der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen. Diese sind wie folgt aufgebaut: Zunächst wendet sich Luther gegen die von der Kirche auferlegte Angst vor dem Fegefeuer (Thesen 1-20). Ab der 21. These rückt der Ablasshandel und Luthers Kritik über den Ablass in den Vordergrund. Diese Thesen sind Hauptbestandteil des analytischen Teils dieser Arbeit und werden im folgenden Kapitel dargestellt. Den Abschluss der Thesen bildet eine kurze aber präzise Ansprache an die Gläubigen, dass sie Christus ihrem Haupt folgen sollen und darauf Vertrauen sollen, dass sie auch durch viel Leid eine Möglichkeit haben in den Himmel zu kommen.8

3.1 Luthers Kritik anhand der 95 Thesen

In seinen Thesen berichtet Luther bewusst über die Vorgehensweisen bestimmter Ablassprediger wie Johann Tetzel, verzichtete dennoch auf die Benennung von Namen. Dies wird besonders in These 27 deutlich, in der es heißt: „Man predigt Menschenlehre, wenn man sagt: sobald das Geld im Kasten klingt, entflieht die Seele (dem Fegefeuer).“9 Hierbei ist eindeutig festzustellen, dass es sich um einen bestimmten Ablassprediger handeln muss, dessen Namen jedoch nicht erwähnt wird, aber dessen berühmtes Zitat für die Relevanz der Kritik von hoher Bedeutung war, da er als der größte Kontrahent Luthers galt.

Luthers Hauptkritikpunkt ist die Bargeldzahlung, die erbracht werden muss, damit Sünden und Strafen erlassen werden. Er missbilligt diese Form der Wiedergutmachung und erwähnt in seinen Thesen mehrfach, dass es nicht nötig sei, für die Buße und die Wiedergutmachung, Geldleistungen zu erbringen. Wie auch in These 37 deutlich beschrieben wird, dass Gott den Gläubigen auch ohne die Käufe von Ablassbriefen Zugang zum Glauben und zur Kirche, sowie zu allen Gütern Christi, gewährt werden

[...]


1 Zitat Tetzel in: Porkowski, Christoph David, Ablasshandel im Spätmittelalter, Gnade gegen Geld, unter: http://www.tagesspiegel.de/wissen/ablasshandel-im-spaetmittelalter-gnade-gegen-geld/12185668.html (abgerufen am 18.08.2016)

2 Hinweis auf Edition: WA 1,233.

3 Leppin, Volker, Martin Luther Bibliographie, vom Mönch zum Feind des Papstes, Darmstadt 2013, S.41.

4 Schorn-Schütte, Luise, Die Reformation, Vorgeschichte, Verlauf, Wirkung. München 1996, S. 119. 2

5 Luther, Martin, Ein Sermon vom Ablass und Gnade, 1518. In: Aland, Kurt, Martin Luthers 95 Thesen, Hamburg 1965, S.62.

6 Volz, Hans, Martin Luthers Thesenanschlag und dessen Vorgeschichte, Weimar 1959, S.18.

7 Ebd., S.16.

8 Aland, Kurt, Martin Luthers 95 Thesen, Hamburg 1965, S.62.

9 Ebd., S.56.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Ablassstreit als grundlegende Ursache der Reformation und der Abgrenzung von der katholischen Kirche
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V341270
ISBN (eBook)
9783668307971
ISBN (Buch)
9783668307988
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luther, Ablass, Ablassstreit, Ablasshandel, Thesen, 95 Thesen, Sermon vom Ablass, 1517
Arbeit zitieren
Nadine Lorenz (Autor), 2016, Der Ablassstreit als grundlegende Ursache der Reformation und der Abgrenzung von der katholischen Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341270

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