Wenn von mobilen Medien oder mobiler Kommunikation die Rede ist, denkt man oft zuerst an technische Innovationen und Dienste im Mobilfunkbereich. Mobil nutzbare Medien oder Empfangsgeräte finden wir aber in den verschiedensten Mediengattungen, und entsprechende Trends und Entwicklungen zeigen sich nicht erst in den letzten Jahren (zum Beispiel Transistorradio, Walkman, MP3-Player). Es soll das Phänomen der zunehmenden Mobilität medienvermittelter (Massen-) Kommunikation systematisch und theoretisch untersucht werden. Innerhalb dieses Themas geht es nun darum zu erforschen warum Menschen die Medien immer häufiger parallel nutzen, also zum Beispiel gleichzeitig im Internet surfen und fernsehen.. Dabei soll sowohl die stationäre als auch mobile Nutzung berücksichtigt werden. Eine wichtige Fragestellung wird sein, warum sich die Zeitstrukturen, die Zeitökonomie und die Wahrnehmung der Zeit verändert haben.
Das Phänomen der Parallelnutzung von Medien ist vielfach untersucht worden. In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt auf den Ursachen dieses Phänomens liegen. Vor allem die unterschiedlichen Arten der Beschleunigung, der Aspekt des veränderten Zeitbudgets und die Vielfalt der Medienoptionen spielen eine wichtige Rolle bei der Betrachtung der Parallelnutzung. Dabei wird vor allem auf gesellschaftliche Veränderungen, aber auch auf technische Entwicklungen sowie ökonomische Faktoren einzugehen sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition der Parallelnutzung
3. Bisherige Forschungsergebnisse
3.1 Ergebnisse der Studie „Massenkommunikation 2005“ im Auftrag von ARD und ZDF
3.2 Außer-Haus-Nutzung der Medien
4. Beschleunigung
4.1 Drei Dimensionen der sozialen Beschleunigung
4.1.1 Technische Beschleunigung
4.1.2 Beschleunigung des sozialen Wandels
4.1.3 Beschleunigung des Lebenstempos
4.2 „Entschleunigung“
4.3 Die kritische Schwelle der Beschleunigung
5. „Die Multioptionsgesellschaft“ nach Peter Gross (1994)
5.1 Entstehung der Multioptionsgesellschaft
5.2 Die multioptionale Welt
5.2.1 Optionierung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der zunehmenden Parallelnutzung von Medien sowie die Ursachen für die veränderten Zeitstrukturen und das empfundene Lebenstempo in der modernen Gesellschaft. Der Fokus liegt dabei auf der theoretischen Analyse gesellschaftlicher Veränderungen durch Beschleunigungsprozesse und die Zunahme multipler Wahlmöglichkeiten.
- Ursachen und Arten der parallelen Mediennutzung
- Soziale Beschleunigung nach Hartmut Rosa
- Die Multioptionsgesellschaft nach Peter Gross
- Technologische Einflüsse auf Zeitmanagement und Arbeitswelt
- Der Einfluss von Modernisierungsprozessen auf das individuelle Wahlverhalten
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Technische Beschleunigung
Rosas vollständige Definition dieses Phänomens lautet „intentionale, technische und vor allem technologische (d.h. maschinelle) Beschleunigung zielgerichteter Vorgänge“. Rosa betont, dass letztlich nicht die Spitzengeschwindigkeit, sondern die durchschnittliche Fortbewegungsgeschwindigkeit für die Mobilisierung und Dynamisierung der Gesellschaft von Bedeutung ist. Als verlässlichen Maßstab für „diejenige Form sozialer Beschleunigung, die im Zusammenhang mit der Beschleunigung des Transports steht“ identifiziert Rosa die Menge an „Gütern und Personen, die pro Zeiteinheit bewegt werden und ihre durchschnittliche Bewegungsgeschwindigkeit.“ Es muss dabei beachtet werden, dass diese beiden Werte in „negativer Beziehung“ zueinander stehen, wenn es zur Überlastung der Infrastruktur kommt (Stau durch erhöhtes Verkehrsaufkommen), ein Sinken der Durchschnittsgeschwindigkeit scheint die Folge zu sein.
Eine weitere Folge der Beschleunigungsinnovationen kann als „Vernichtung des Raumes durch die Zeit“ bezeichnet werden. Durch die Beschleunigung des Transports verlor der Faktor Raum gegenüber dem Faktor Zeit an Bedeutung. Insbesondere die Übermittlung von Informationen und Daten hat sowohl eine quantitative wie qualitative Beschleunigung erfahren. Dabei konstatiert Rosa, dass für den Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation weniger die Datenmenge als vielmehr die Tatsache, dass jederzeit eine asynchrone oder synchrone Kommunikation unabhängig vom Ort der Gesprächspartner möglich ist, von entscheidender Bedeutung ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der mobilen Mediennutzung ein und definiert die zentrale Fragestellung hinsichtlich der veränderten Zeitökonomie und der Ursachen für parallele Mediennutzung.
2. Definition der Parallelnutzung: Dieses Kapitel klassifiziert Mediennutzung in drei Hauptkategorien (intramedial, intermedial, extramedial) und definiert das Grundphänomen der parallelen Aufmerksamkeit.
3. Bisherige Forschungsergebnisse: Das Kapitel wertet aktuelle Studien zum Medienzeitbudget und zur tatsächlichen Nutzungspraxis aus, wobei Unterschiede zwischen Altersgruppen und Nutzer-Typen wie „Trendsettern“ beleuchtet werden.
4. Beschleunigung: Es wird die Theorie der sozialen Beschleunigung nach Hartmut Rosa vorgestellt, die sich in technische Beschleunigung, sozialen Wandel und Lebenstempo unterteilt.
5. „Die Multioptionsgesellschaft“ nach Peter Gross (1994): Dieses Kapitel analysiert, wie der Zuwachs an Optionen und die damit verbundene Wahlmöglichkeit das moderne Leben und die persönliche Entscheidungsfindung beeinflussen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Medien als wesentliche Triebfeder der Beschleunigung fungieren und durch den Selektionsdrang aus multiplen Optionen zwar neue Möglichkeiten eröffnen, aber gleichzeitig zu fragmentierten Kommunikationsstrukturen und Zeitknappheit führen.
Schlüsselwörter
Parallelnutzung, Mediennutzung, soziale Beschleunigung, Multioptionsgesellschaft, Hartmut Rosa, Peter Gross, Zeitknappheit, Zeitökonomie, technologische Innovation, Lebenstempo, Modernisierung, Wahlmöglichkeiten, Digitalisierung, Medienzeitbudget, Entscheidungsdruck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der parallelen Mediennutzung im Kontext der modernen, beschleunigten Gesellschaft und analysiert die Ursachen für dieses Verhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Medientheorie, soziologische Konzepte zur sozialen Beschleunigung sowie die Theorie der Multioptionsgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum Menschen Medien immer häufiger gleichzeitig nutzen und wie sich dabei Zeitstrukturen und die Wahrnehmung von Zeit verändert haben.
Welche wissenschaftlichen Theorien bilden das Fundament?
Die Arbeit basiert maßgeblich auf den Theorien von Hartmut Rosa zur sozialen Beschleunigung und Peter Gross zur Multioptionsgesellschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung empirischer Forschungsergebnisse zur Mediennutzung, die theoretische Herleitung der verschiedenen Beschleunigungsformen sowie die Analyse der zunehmenden Optionenvielfalt im Alltag.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Parallelnutzung, soziale Beschleunigung, Zeitressourcen und Multioptionsgesellschaft beschreiben.
Was versteht man in diesem Zusammenhang unter dem „Fernsehparadoxon“?
Das Fernsehparadoxon nach Rosa beschreibt, wie durch Fernsehen oder Computerspiele die zeitliche Wahrnehmung verändert wird, indem durch „Kurz-Kurz-Muster“ keine tiefgreifende, sondern nur episodische Erfahrung möglich ist.
Warum wird die moderne Gesellschaft als „Beschleunigungsgesellschaft“ bezeichnet?
Weil sie durch eine strukturelle und kulturelle Verknüpfung von technischer Beschleunigung und einer Steigerung des Lebenstempos bei gleichzeitiger Verknappung der Zeitressourcen geprägt ist.
- Arbeit zitieren
- Guido Maiwald (Autor:in), 2009, Warum nutzen Menschen Medien immer häufiger parallel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341279