Wie kam es zum Scheitern des Völkerbundes?


Hausarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Anfänge des Völkerbundes

3. Der Völkerbund
3.1 Aufbau und Organisation
3.2 Mitgliedstaaten
3.3 Aufgaben und Ziele

4. Das Scheitern des Völkerbundes

5. Schlussbetrachtung

6. Anhang

1. Einleitung

„Historiker haben errechnet, daß [sic] es in den letzten fünfeinhalbtausend Jahren nur etwa 300 Jahre Frieden gab, während der anderen Zeit aber 14.500 Kriege geführt wurden."[1]

Die ersten Friedensideen gab es bereits in der Antike. Im Mittelalter tauchte erstmals die Vorstellung einer Organisation zur Sicherung des Friedens auf. Wirklich konkret wurde dieser Gedanke aber erst in der Übergangszeit vom 17. zum 18. Jahrhundert. Bis zur Gründung des Völkerbundes am 10. Januar 1920 sollte es aber noch einige Jahre dauern.

Im Rahmen des Seminars „Europa im Zeitalter der Weltkriege“ liegt der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf den Gründen für das Scheitern des Völkerbundes. Dazu ist es unumgänglich einen kurzen Blick auf die Entstehung des Völkerbundes zu werfen. Im Folgenden werden Aufbau, Mitglieder und Ziele des Völkerbundes näher betrachtet, um den Aufgabenbereich dieser Organisation verstehen zu können. Abschließend werde ich mich wieder meiner Fragestellung zuwenden, was letztendlich zum Scheitern des Völkerbundes geführt hat. Meine Ergebnisse werde ich in einer kurzen Schlussbetrachtung zusammentragen.

Dabei soll sich an den folgenden Leitfragen orientiert werden: Wie kam es zur Gründung des Völkerbundes? Wie war der Völkerbund organisiert? Welche Absichten und Ziele verfolgte der Völkerbund? Wie kam es zum Scheitern des Völkerbundes?

Ich werde mich in meiner Hausarbeit hauptsächlich mit den Ansätzen von Alfred Pfeil Der Völkerbund. Literaturbericht und kritische Darstellung seiner Geschichte und Hermann Weber Vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen beschäftigen, die ich bereits in meinem Kurzreferat verwendet habe. Pfeil bildet durch seinen gründlichen Bericht über die Geschichte des Völkerbundes eine wichtige Grundlage für meine Hausarbeit. Über die Gründe des Scheiterns erfährt man hingegen nur wenig. Weber gibt einen ähnlichen, jedoch weitaus genaueren Überblick von den Anfängen bis zur Gründung der Vereinten Nationen. Durch die angehängte Völkerbundsatzung und den Briand-Kellogg-Pakt sowie den Bezug auf einzelne Artikel der Satzung ist Webers Analyse besser nachvollziehbar (für Publikation entfernt).

Meine Ergebnisse stützen sich zudem auf die Darstellungen von Walther Schücking/ Hans Wehberg Die Satzung des Völkerbundes und Günther Unser Die UNO. Aufgaben und Strukturen der Vereinten Nationen, die meiner Meinung nach zu den zentralen Werken bei der Auseinandersetzung mit dieser Thematik gehören. Unser gelingt eine ausführliche Darstellung der Entstehung, Organisation und Zielsetzung des Völkerbundes bis hin zu seinem Scheitern sowie der Gründung der Vereinten Nationen.

Zu den neueren Werken über den Völkerbund gehören Walter Poeggel Der Völkerbund. Als zwischenstaatliche Organisation für den Weltfrieden und die Haltung Deutschlands und Pit Pietersen Kriegsverbrechen der alliierten Siegermächte. T erroristische Bombenangriffe auf Deutschland und Europa 1939-1945. Poeggels Werk gibt ebenfalls einen weiten Einblick in die Organisation und Struktur des Völkerbundes. Im Gegensatz zu anderen Darstellungen ist Poeggels Analyse durch den Verweis auf die Völkerbundsatzung wesentlich anschaulicher. Außerdem führt Poeggel gleich sechs Gründe an, die zum Scheitern des Völkerbundes führten. Pietersen ist einer der wenigen Autoren, die eine genaue Auflistung der Bundmitglieder und ihrer Beitritts- bzw. Austrittsjahre angibt.

2. Die Anfänge des Völkerbundes

Das Wort "Völkerbund" tritt zum ersten Mal in den Schriften des Philosophen Immanuel Kant auf, der ein bedeutender Vertreter der Friedensidee war.[2] In seiner Schrift "Zum ewigen Frieden"[3] fordert Kant einen auf dem Völkerrecht basierenden, föderalistisch-strukturierten Staatenbund. Dieser sogenannte Völkerbund sollte allen Staaten offenstehen und als ein "Friedensbund" für die Beendigung aller Kriege sorgen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, hielt Kant die Abschaffung des stehenden Heeres für notwendig, da diese eine dauerhaft bestehende Einrichtung für den Kriegsfall war.[4]

Immanuel Kant legte bereits 1975 den Grundstein für einen Völkerbund. Seine Ideen fanden Eingang in die Satzung des Völkerbundes von 1920 und in die Charta der Vereinten Nationen von 1945. „Kants Ideen über den Frieden wurden in der 2. Hälfte des 19. und im Übergang zum 20. Jahrhundert weiterentwickelt."[5] Er gilt somit als Gründungsvater des Völkerbundes und nicht Präsident Woodrow Wilson, wie in zahlreichen Werken irrtümlicherweise behauptet wird.

Dem Problem wiederkehrender Kriege sollte von nun an durch internationale Organisationen entgegengewirkt werden. „Erst nach den Koalitionskriegen gegen Frankreich unter der Herrschaft von Napoleon wurde die Idee einer internationalen Sicherheitsorganisation zögerlich verwirklicht."[6] Als wichtiger Vorläufer solcher Sicherheitsorganisationen gilt das durch den Wiener Kongress 1814/1815 ins Leben gerufene Europäische Konzert der Großmächte. Diese nach innen gerichtete Sicherheitsinstitution sollte die Sicherheit innerhalb des europäischen Staatensystems gewährleisten. Dabei wurde die Verantwortung für die Wahrung des Friedens und die Organisation der internationalen Kooperation gleichermaßen auf die europäischen Großmächte übertragen.[7]

Mit der Gründung des Roten Kreuzes im Jahre 1864, als Ergebnis des Pariser Friedenskongresses von 1856, wurde eine erste Organisation auf dem Weg zur Friedensbewegung gegründet.[8] Die Ergebnisse der Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907 waren eine erste umfassende Kodifizierung des humanitären Kriegsvölkerrechts sowie die Einrichtung eines ständigen Schiedsgerichtshofes. Die Rüstungskontrollabkommen und die Gründung einer internationalen Friedensorganisation scheiterten hingegen.[9]

Während des Ersten Weltkrieges wurden die Forderungen nach einem Völkerbund immer stärker, besonders bei den kriegführenden, aber auch bei den neutralen Staaten. In Deutschland, Großbritannien und vor allem der USA wurden Entwürfe für eine den Frieden sichernde Organisation ausgearbeitet. „Der für die spätere Gründung des Völkerbundes wichtigste Plan war der im März 1918 vorgelegte Phillimore-Bericht, benannt nach dem Vorsitzenden einer britischen Regierungskommission, Sir Walter Phillimore."[10]

Der damalige amerikanische Präsident Woodrow Wilson griff diesen Bericht auf und entwickelte ihn weiter. Wilson stellte auf dem amerikanischen Kongress am 8. Januar 1918 sein berühmtes 14-Punkte-Programm vor. Zwei Monate später legte Großbritannien einen Entwurf für einen Völkerbund vor, in dem diese 14 Punkte bereits eingearbeitet waren.[11] Präsident Wilson gilt somit als Initiator und eigentlicher Gründer der ersten Weltfriedensorganisation. Die Satzung des Völkerbundes wurde am 28. April 1919 von den 32 Siegerstaaten des Ersten Weltkrieges einstimmig angenommen und trat am 10. Januar 1920 in Kraft. Der Sitz des Völkerbundes war in Genf.[12]

3. Der Völkerbund

„Die Schaffung des Völkerbundes (1919) lässt sich auf die Schrecken des Ersten Weltkrieges zurück führen [sic], der die Probleme eines anarchistischen internationalen Systems offenbarte, in dem das Sicherheitsdilemma von keiner internationalen Organisation eingedämmt wurde [...]." Von nun an war dies Aufgabe des Völkerbundes, der in Zukunft große Kriege verhindern sollte.[13]

3.1 Aufbau und Organisation

Die Völkerbundsatzung bestand aus einer Präambel sowie 26 Artikeln, in denen den Mitgliedstaaten bestimmte Rechte und Pflichten auferlegt wurden.[14] Der Völkerbund umfasste laut Artikel 2 der Satzung die drei Hauptorgane Bundesversammlung (Art. 3), Rat (Art. 4) und Sekretariat (Art. 6). Die Bundesversammlung setzte sich aus allen Mitgliedstaaten zusammen, unabhängig von ihrer Größe oder ihren politischen Interessen.[15] Jeder Staat hatte eine Stimme und durfte nicht mehr als drei Vertreter in die Versammlung schicken.[16] Die Mitgliedstaaten wurden in zwei Klassen unterschieden, ursprüngliche Mitglieder und übrige Staaten nach Zustimmung der Zweidrittelmehrheit.[17] Die Versammlung tagte in der Regel einmal jährlich Anfang September zu einer ordentlichen Sitzung in Genf, bei dringlichen Fragen kam die Versammlung öfter zusammen.[18] Ihr Aufgabenfeld betraf „jede Frage, die in den Tätigkeitsbereich des Bundes fällt oder die den Weltfrieden berührt [...].(Art. 3 Abs. 3) Beschlüsse bedurften, sofern nicht Ausnahmen galten, der Einstimmigkeit [...]." (Art. 5)[19]

[...]


[1] Poeggel, Walter: Der Völkerbund. Als zwischenstaatliche Organisation für den Weltfrieden und die Haltung Deutschlands. Zum 75. Jahrestag der Gründung des Völkerbundes. Leipzig 1995 (Texte zur politischen Bildung Heft 20), S. 5.

[2] Unser, Günther: Die UNO. Aufgaben und Strukturen der Vereinten Nationen. München 1997, S. 4.

[3] Kant, Immanuel: Zum ewigen Frieden. Berlin 1984.

[4] Ebd.; zitiert nach Poeggel, Walter: Der Völkerbund, S. 6-7.

[5] Poeggel, Walter: Der Völkerbund, S. 7.

[6] Rittberger, Volker/ Zangl, Bernhard/ Kruck, Andreas: Internationale Organisationen. Wiesbaden 2013, S. 50.

[7] Ebd.

[8] Baumgart, Winfried: Vom Europäischen Konzert zum Völkerbund. Friedensschlüsse und Friedenssicherung von Wien bis Versailles. Darmstadt 1987 (Erträge der Forschung 25), S. 137.

[9] Rittberger, Volker/ Zangl, Bernhard/ Kruck, Andreas: Internationale Organisationen, S. 51.

[10] Unser, Günther: Die UNO, S. 6-7.

[11] Poeggel, Walter: Der Völkerbund, S. 13.

[12] Unser, Günther: Die UNO, S. 7-8.

[13] Rittberger, Volker/ Zangl, Bernhard/ Kruck, Andreas: Internationale Organisationen, S. 51.

[14] Schücking, Walther/ Wehberg, Hans: Die Satzung des Völkerbundes. Berlin 1924, S. 90-490.

[15] Unser, Günther: Die UNO, S. 11-12.

[16] Nickel, Birgit: Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und seine internationale Resonanz. Rostock 1985, S. 6.

[17] Moess, Walter: Organisierter Friede. Vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen. Ein didaktischer Entwurf. Osnabrück 1971 (Schriftenreihe der Niedersächsischen Landeszentral für Politische Bildung), S. 41.

[18] Ebd., S. 42.

[19] Unser, Günther: Die UNO, S. 12.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wie kam es zum Scheitern des Völkerbundes?
Note
2.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V341471
ISBN (eBook)
9783668312401
ISBN (Buch)
9783668312418
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
scheitern, völkerbundes
Arbeit zitieren
Julia Wagner (Autor), 2016, Wie kam es zum Scheitern des Völkerbundes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341471

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