Wie erweitern Kreolsprachen ihren Wortschatz?


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Lexikalische Erweiterung der Frankokreolsprachen
2.1 Wortschatzerweiterung durch Entlehnungen
2.2 Wortschatzerweiterung durch einen Bedeutungswandel der Wörter
2.3 Wortschatzerweiterung durch Wortbildung neuer Wörter
2.3.1 Derivation
2.3.2 Komposition
2.3.3 Reduplikation
2.4 Wortschatzerweiterung durch Archaismen und Dialektismen

3 Zusammenfassung und Ausblick

4 Bibliographie

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ANMERKUNG ZU GRAPHIE UND PHONIE INNERHALB DIESER ARBEIT:

Die in dieser Arbeit verwendete Graphie entspricht der ursprünglichen Quelle, der sie entnommen wurde. Häufig ist die verwendete Graphie eine phonologisch ausge- richtete Orthographie, das bedeutet, dass die Graphie so weit wie möglich der Phonie entspricht.

ABSTRACT

Cette dissertation a pour objet l’analyse linguistique des langues créoles à base du français et en détail l’analyse du lexique de ces langues. Dans une première partie, j’introduirai la situation actuelle des langues créoles. J’enchaînerai sur un aperçu des méthodes élargissant le lexique des langues créoles. Puis suivra une présentation du phénomène de l’agrandissement du vocabulaire pouvant être effectué par quatre moyens : à l’aide d’emprunts de la langue donneuse (ici du français), par le change- ment du sens des mots et par la création de nouveaux mots, et à l’aide d’emprunts d’archaïsmes et de dialectismes.

En fin de compte j’arrive à la conclusion que les linguistes devraient davantage effectuer des recherches pour mieux saisir et pouvoir systématiser les sources, les mécanismes et les différents facteurs employés lors de la création de nouveaux mots dans la langue créole.

1 EINLEITUNG

In the field of language, there has been a tremendous upsurge in the last fifty years, bringing with it a wholly new concept of linguistics as the scientific analysis of language. This new approach has broadened our field of interest to include hundreds, even thousands, of languages previ- ously considered of little value and unworthy of serious study: the dia- lects of our own language, the tongues of „primitive“ tribes, and even a number of linguistic structures that have, until recently, not even been thought of as „true“ languages. Under this heading come those reduced languages called „pidgins“ and their outgrowths known as „creoles“. (Hall 1966: xi).

Die vorliegende Arbeit hat den Anspruch die Lexik der französischbasierten Kreol- sprachen (FKS) zu untersuchen und zu analysieren. Die Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage, wie Kreolsprachen ihren Wortschatz erweitern und auf welche mögli- chen Techniken sie zurückgreifen. Die vorgestellten Modelle müssen in jeder Kreol- sprache eigens untersucht werden, denn nicht jede hier dargestellte Technik findet auch in jeder Kreolsprache Anwendung. Zuerst wird die Wortschatzerweiterung mit Hilfe von Entlehnungen erläutert. Danach sollen die Techniken des Bedeutungswan- dels und der Wortbildung neuer Wörter vorgestellt werden. Zuletzt werden die Mög- lichkeiten der Wortschatzerweiterung durch Archaismen und Dialektismen aufge- zeigt. Die Arbeit hegt keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Phänomene und soll lediglich einen Überblick über mögliche Modelle der Wortschatzerweiterung geben.

Der Wortschatz der jeweiligen Kreolsprache umfasst den Bereich, in dem die Rolle der europäischen Sprachen bei ihrer Entstehung und weiteren Entwicklung am er- kennbarsten hervortritt. Daher erfolgt auch die Charakterisierung der Kreolsprache als „französische, spanische, englische, ...“ aufgrund ihrer lexikalischen Basis (vgl. Stein 1984: 33). „C’est sur un fonds français que s’est développé l’essentiel du le- xique créole - d’où l’appellation de créoles à base lexicale française“ (Hazaël- Massieux 2011: 89). Der Wortschatz der Kreolsprachen wurde, im Gegensatz zur Phonologie und Morphologie, bisher „am wenigsten systematisch erforscht und dar- gestellt“ (Stein 1984: 33). Dies unterstreicht auch Braun in ihrem Werk: „Word- formation has been a relatively little investigated area of creole linguistics, and many investigations of creole word-formation have followed a descriptive rather than a theoretical line“ (Braun 2009: 5). Daher hat diese Arbeit den Anspruch, einen Über- blick über den derzeitigen Forschungsstand der kreolischen Lexik zu geben.

2 LEXIKALISCHE ERWEITERUNG DER FRANKOKREOLSPRACHEN

[...] l’essentiel du matériau lexical mis en œuvre dans les créoles est d’origine française. Toutefois, pour plusieurs raisons, il est tout à fait abusif de regarder ce lexique comme étant identique à celui du français actuel. En fait, une minorité de lexèmes créoles ont la même forme et le même sens qu’en français et la majorité des lexiques créoles de base est composée de survivances et d’innovations (Hazaël-Massieux 2011: 233).

Die französischen Kreolsprachen entstanden während der französischen Kolonisation im 17. und 18. Jahrhundert in zwei verschiedenen geographischen Regionen, auf den Inseln und Küstengebieten der Karibik und auf den Inseln des Indischen Ozeans (vgl. Krier 1994: 19). Der Wortschatz von Kreolsprachen wie beispielsweise das Haitiani- sche oder das Louisiana-Kreol bestehen zu weit mehr als 90% aus Elementen franzö- sischer Herkunft (vgl. Stein 1984: 33f). Das Vokabular entstammt den Soldaten und Seeleuten der Kolonisationszeit (vgl. Krier 1994: 19). Diese Wörter sind der Grund dafür, dass die französischbasierten Kreolsprachen dem Französischen sehr ähnlich erscheinen (vgl. Stein 1984: 35).

Neben den in ihrer Form, Bedeutung und syntaktischen Funktion unver- ändert gebliebenen Wörtern gibt es eine große Zahl von Wörtern, die in ihrer Form und/oder ihrer syntaktischen Funktion Veränderungen erfah- ren haben (ebd.).

Gleichzeitig existieren in den FKS auch eigene Neubildungen mit „dem aus dem Franz. übernommenen Sprachmaterial und nach franz. Muster, die aber im Franz. selbst nicht existieren“ (ebd., Abkürzungen im Orig.). Darüber hinaus haben sich in den Kreolsprachen Wörter erhalten, die im Französischen weitestgehend außer Ge- brauch gekommen sind (Archaismen) oder die nur in bestimmten Dialekten existie- ren oder existiert haben (Dialektismen), und in der überlieferten Form und Bedeu- tung aber nie in der franz. Standardsprache aufgetaucht sind (vgl. ebd.).

Bei den hier vorgestellten Kreolsprachen handelt es sich um unabhängige, autonome Sprachen, die aus der Interaktion von europäischen und afrikanischen Sprachen ent- standen sind (vgl. Krier 1994: 22). Die „Sprachschöpfer“ (ebd.) mussten in kürzester Zeit mit wenigen Möglichkeiten und Mitteln ein wirksames Kommunikationsinstru- ment schaffen. Somit wurden die funktionellsten Phänomene der Quellsprachen be- nutzt und alles andere (beispielsweise die Grammatik) wurden vernachlässigt (vgl. ebd.). „Diese Tendenz zur Systematisierung und Ökonomie charakterisiert die Struk- tur aller Kreolsprachen“ (ebd.).

2.1 Wortschatzerweiterung durch Entlehnungen

Il est bon de rappeler que les langues n’évoluent pas „n’importe com- ment“, que toute évolution linguistique répond à des règles qui peuvent être clairement établies. Au-delà des règles d’évolution régulière, l’emprunt est toujours possible, et est alors la conséquence de contacts entre des langues mises en relation à travers leurs locuteurs pour des rai- sons politiques, économiques, etc. (Hazaël-Massieux 1999: 43).

Die Wörter, die in die französischen Kreolsprachen durch Entlehnungen einfließen sind Wörter, die ohne Veränderungen aus dem Wortschatz der Quellsprache über- nommen worden sind (vgl. Stein 1984: 35). Diese Wörter weisen zwar teilweise laut- liche Veränderungen auf, ansonsten können aber keine Unterschiede zu den französi- schen Vorbildern gefunden werden. Daher werden unter dem Begriff „Entlehnun- gen“ diejenigen Wörter verstanden, die aus dem französischen Wortschatz ohne se- mantische, syntaktische, morphologische und nur geringfügig phonetische Verände- rung in den Wortschatz der Kreolsprache übernommen wurden. „In Haitian Creole, there are a large number of words, French in origin like most of the basic vocabulary of the language, but very little altered from their shape in standard French“ (Hall 1966: 97). Somit kann zwischen den in den französischbasierten Kreolsprachen fest integrierten Wörtern (Erbwortschatz) und den im Laufe der Jahre späteren Übernah- men und Entlehnungen unterschieden werden (vgl. ebd.). Zum Erbwortschatz gehö- ren Wörter aller Wortarten und aus den verschiedensten semantischen Bereichen die französischem Ursprung entstammen (vgl. Stein 1984: 35).

Zu den späteren Entlehnungen gehören besonders Wörter, die den neuen und abs- trakten Themengebieten zuzuordnen sind, für die der bis dato vorhandene Wort- schatz nicht mehr ausreichte (vgl. ebd. 36). Gleichzeitig ist eine Flut von französi- schen Entlehnungen in „bestimmten, konzeptionell schriftsprachlicher geprägten Textsorten“ (Ludwig 1996: 162), wie beispielsweise der politischen Rede, auffällig. Für die französischbasierten Kreolsprachen ist das Französische die high variety, die hauptsächliche Gebersprache, auf die immer dann zurückgegriffen wird, „wenn es darum geht, irgendeinen im Kreol nicht vorhandenen spezifischen Begriff auszudrü- cken“ (Ludwig 1996: 160). Die FKS sind in dieser Hinsicht sehr offen und lassen Erweiterungen zu, wodurch der Wortschatz der Kreolsprache sich jeglichen Bedürf- nissen und Bedingungen anpassen kann (vgl. Stein 1984: 37). Das Französische als „weiter entwickelte und mit einem höheren Prestigewert versehene Sprache dient als ,Lieferant’ neuer Wörter“ und ist somit ein Vorbild dieser französischbasierten Kre- olsprachen (ebd.). Bei all diesen Entlehnungen haben wir es mit einem im Leben der Sprache gängigen und ganz normalen Vorgang zu tun (vgl. ebd.).

Darüber hinaus ist es, je nach Basissprache, Sprachkontakt und Einfluss, auch mög- lich, aus dem Englischen zu entlehnen. Ludwig (1996: 161) führt hier einen Tran- skriptionsausschnitt aus einem dominicakreolischen Rundfunkinterview an, anhand dessen erkennbar ist, dass Entlehnungen aus dem Englischen trotz der Geber- und Basissprache des Französischen möglich sind (bspw. eindeutige Anglizismen wie: supervisors, nothing, consultant). Nichtsdestotrotz ist der Umfang der Entlehnungen aus dem Englischen bedeutend geringer als der aus dem Französischen (vgl. Stein. 1984: 37). Ludwig belegt die Entlehnungen des Französischen mit Hilfe eines kurzen Auszugs einer politischen Rede von M. Rovelas die im März 1989 in Fromager / Guadeloupe gehalten wurde (vgl. Ludwig 1996: 162). Allein dieser kurze Passus weist eine Fülle von Entlehnungen aus dem Französischen auf wie beispielsweise: pr é siz é man (‚précisément’), karakt é ristik (‚charactéristique’), s è kt è byen é tabli (‚sec- teur bien établi’), sp é syalman (‚spécialement’), la culture (‚la culture’) uvm.

Kreolische Schüler sind bei Schulaufsätzen und generell im Unterricht angehalten, ein möglichst ‚reines’ Kreol zu schreiben (vgl. ebd. 163). Ludwig beobachtet zum einen, dass dies auch vielfach umgesetzt wird und sich dadurch in den Aufsätzen der Schüler meist deutlich weniger Entlehnungen erkennen lassen als beispielsweise in der politischen Rede. Allerdings hält er auch fest, dass in Aufsätzen, in denen abs- trakte Themen behandelt werden sollen, ein Bezeichnungsproblem auftritt und es doch zu häufigeren Entlehnungen kommt, da schlichtweg keine Wörter im Kreoli- schen existieren (vgl. ebd.).

Ludwig hält fest, dass Entlehnungen in einem begrenzten Ausmaß zu jeder Zeit in das Guadeloupekreol eingedrungen sind und in keiner Weise zur Entstehung eines Mesolekts geführt haben (vgl. ebd.). Wenn allerdings, wie im Fall der politischen Rede, „geradezu eine Flut von französischen Ausdrücken in den kreolischen Diskurs eindringt, ist die Wahrscheinlichkeit der strukturellen Annäherung an den französischen Akrolekt größer“ (ebd.). Es zeigt sich nämlich, dass solch eine große Anzahl von Entlehnungen auch die Übernahme von „morphosyntaktischen Erscheinungen wie z.B. des französischen Artikels mit sich bringt“ (ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wie erweitern Kreolsprachen ihren Wortschatz?
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V341514
ISBN (eBook)
9783668312050
ISBN (Buch)
9783668312067
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreolsprachen, wortschatz
Arbeit zitieren
Valerie Lehnert (Autor), 2015, Wie erweitern Kreolsprachen ihren Wortschatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341514

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