Die vorliegende Arbeit hat den Anspruch die Lexik der französischbasierten Kreolsprachen (FKS) zu untersuchen und zu analysieren. Die Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage, wie Kreolsprachen ihren Wortschatz erweitern und auf welche möglichen Techniken sie zurückgreifen. Die vorgestellten Modelle müssen in jeder Kreolsprache eigens untersucht werden, denn nicht jede hier dargestellte Technik findet auch in jeder Kreolsprache Anwendung.
Zuerst wird die Wortschatzerweiterung mit Hilfe von Entlehnungen erläutert. Danach sollen die Techniken des Bedeutungswandels und der Wortbildung neuer Wörter vorgestellt werden. Zuletzt werden die Möglichkeiten der Wortschatzerweiterung durch Archaismen und Dialektismen aufgezeigt. Die Arbeit hegt keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Phänomene und soll lediglich einen Überblick über mögliche Modelle der Wortschatzerweiterung geben.
Der Wortschatz der jeweiligen Kreolsprache umfasst den Bereich, in dem die Rolle der europäischen Sprachen bei ihrer Entstehung und weiteren Entwicklung am er- kennbarsten hervortritt. Daher erfolgt auch die Charakterisierung der Kreolsprache als „französische, spanische, englische, ...“ aufgrund ihrer lexikalischen Basis (vgl. Stein 1984: 33). „C’est sur un fonds français que s’est développé l’essentiel du le- xique créole – d’où l’appellation de créoles à base lexicale française“ (Hazaël- Massieux 2011: 89).
Der Wortschatz der Kreolsprachen wurde, im Gegensatz zur Phonologie und Morphologie, bisher „am wenigsten systematisch erforscht und dargestellt“ (Stein 1984: 33). Dies unterstreicht auch Braun in ihrem Werk: „Word-formation has been a relatively little investigated area of creole linguistics, and many investigations of creole word-formation have followed a descriptive rather than a theoretical line“ (Braun 2009: 5). Daher hat diese Arbeit den Anspruch, einen Überblick über den derzeitigen Forschungsstand der kreolischen Lexik zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Lexikalische Erweiterung der Frankokreolsprachen
2.1 Wortschatzerweiterung durch Entlehnungen
2.2 Wortschatzerweiterung durch einen Bedeutungswandel der Wörter
2.3 Wortschatzerweiterung durch Wortbildung neuer Wörter
2.3.1 Derivation
2.3.2 Komposition
2.3.3 Reduplikation
2.4 Wortschatzerweiterung durch Archaismen und Dialektismen
3 Zusammenfassung und Ausblick
4 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und analysiert die Lexik französischbasierter Kreolsprachen mit dem Ziel, die Techniken und Modelle der Wortschatzerweiterung in diesen Sprachen aufzuzeigen und den aktuellen Forschungsstand dazu zu beleuchten.
- Wortschatzerweiterung durch Entlehnungen aus dem Französischen
- Mechanismen des Bedeutungswandels (Generalisierung und Spezialisierung)
- Morphologische Wortbildungsverfahren: Derivation, Komposition und Reduplikation
- Einfluss von Archaismen und Dialektismen auf das kreolische Lexikon
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Derivation
A un radical, l’on ajoute un suffixe. Par exemple, en français, le mot joueur est un mot dérivé: joue- est le radical et -eur le suffixe […]. De joue-, l’on peut aussi dériver déjouer, ou dé- est un préfixe. (Mazama 1991: 66).
Die Derivation teilt sich in die Formen der Suffigierung und der Präfigierung auf. Bei der Suffigierung wird an den ursprünglichen Wortstamm ein Suffix gehängt, sodass ein neues Wort entsteht. Bei der Präfigierung wird ein Präfix vor den Wortstamm des Wortes gestellt, sodass ein neues Wort entsteht.
En fait, on trouve dans les créoles, une production dérivationnelle par préfixation en dé- qui est donc en fait très voisine de celle qu’on peut observer en français, mais qui parfois s’opère, bien entendu et fort logiquement, sur des items qui sont d’incontestables neologisms creoles (Chaudenson 2005: 245, Hervorhebung im Orig.).
Im „Créole guadeloupéen“ werden beispielsweise aus bestehenden Nomen neue Verben abgeleitet, indem das Suffix -é an das Nomen gehängt wird. Das Wort gamin (Kind, Bengel) wird im Kreol von Guadeloupe mit dem Suffix -é zu gaminé was so viel bedeutet wie „courir les filles“. Ähnlich verhält es sich mit dem kreolischen Wort nwèl („Noël“) wird mit dem Suffix zu nwèlé, was so viel bedeutet wie „fêter Noël“ (vgl. Mazama 1991: 66).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Lexik der französischbasierten Kreolsprachen zu untersuchen und gibt einen Überblick über die behandelten Techniken der Wortschatzerweiterung.
2 Lexikalische Erweiterung der Frankokreolsprachen: Dieses Kapitel erörtert die Entstehung der Kreolsprachen und stellt die verschiedenen Mechanismen vor, durch die ihr Wortschatz erweitert wird.
2.1 Wortschatzerweiterung durch Entlehnungen: Hier wird erläutert, wie französische Wörter ohne große Veränderungen in den kreolischen Wortschatz übernommen werden, um spezifische Begriffe auszudrücken.
2.2 Wortschatzerweiterung durch einen Bedeutungswandel der Wörter: Dieses Kapitel analysiert, wie sich die Bedeutung von Wörtern durch Generalisierung oder Spezialisierung im Vergleich zur französischen Ausgangssprache verändert.
2.3 Wortschatzerweiterung durch Wortbildung neuer Wörter: Dieser Abschnitt behandelt produktive morphologische Verfahren zur Bildung neuer Lexeme innerhalb der Kreolsprachen.
2.3.1 Derivation: Hier wird der Prozess der Wortbildung durch das Hinzufügen von Präfixen oder Suffixen an bestehende Stämme beschrieben.
2.3.2 Komposition: Dieses Kapitel erklärt die Bildung neuer Wörter durch die Kombination zweier vorhandener Wörter als besonders produktives Verfahren.
2.3.3 Reduplikation: Hier wird die Verdopplung von Wortstämmen oder Teilen davon als morphologisches Mittel zur Wortbildung untersucht.
2.4 Wortschatzerweiterung durch Archaismen und Dialektismen: Dieser Teil beleuchtet die Rolle von Wörtern oder Formen, die im heutigen Standardfranzösisch veraltet sind oder nur in Dialekten existieren, im kreolischen Lexikon.
3 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer systematischer Forschung zur kreolischen Lexik.
4 Bibliographie: Das Kapitel listet die für die Arbeit verwendete Literatur und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Frankokreolsprachen, Lexik, Wortschatzerweiterung, Entlehnungen, Bedeutungswandel, Wortbildung, Derivation, Komposition, Reduplikation, Archaismen, Dialektismen, Guadeloupekreol, Kreolistik, Sprachkontakt, Morphologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die linguistischen Methoden und Mechanismen, mit denen französischbasierte Kreolsprachen ihren Wortschatz erweitern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Entlehnungen, Bedeutungswandel, morphologische Wortbildung (Derivation, Komposition, Reduplikation) sowie der Einfluss von Archaismen und Dialektismen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die verschiedenen Modelle der Wortschatzerweiterung zu geben und aufzuzeigen, wie Kreolsprachen aus begrenzten Mitteln wirksame Kommunikationsinstrumente geschaffen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einem deskriptiven Ansatz, der auf der Analyse linguistischer Fachliteratur und der Untersuchung konkreter Beispiele aus verschiedenen französischbasierten Kreolsprachen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die vier Hauptmechanismen der Wortschatzerweiterung: Entlehnung, Bedeutungswandel, Wortbildung (durch Derivation, Komposition und Reduplikation) sowie die Integration von Archaismen und Dialektismen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Frankokreolsprachen, Wortschatzerweiterung, Lexik, Sprachkontakt, morphologische Wortbildung und Kreolisierung.
Warum spielt die Komposition eine so wichtige Rolle in den Kreolsprachen?
Die Komposition gilt als eines der produktivsten morphologischen Verfahren, da sie es ermöglicht, durch die Kombination vorhandener Wörter neue Bezeichnungen für Dinge oder Phänomene zu schaffen, für die im ursprünglichen Wortschatz keine Entsprechung existierte.
Inwiefern beeinflusst der Sprachkontakt mit dem Französischen die kreolische Lexik?
Das Französische dient als „High Variety“ und als wichtigster Lieferant für neues Vokabular, wobei Kreolsprachen sehr flexibel auf Entlehnungen reagieren, um sich an neue Bedürfnisse anzupassen.
- Arbeit zitieren
- Valerie Lehnert (Autor:in), 2015, Wie erweitern Kreolsprachen ihren Wortschatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341514