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Kriminalität der Angepassten

Begriff, Relevanz, Verhältnis zu sonstigen Kriminalitätsformen, Folgerungen für Kriminologie und Kriminalpolitik

Title: Kriminalität der Angepassten

Examination Thesis , 2015 , 27 Pages , Grade: 15

Autor:in: Eric Sturzebecher (Author)

Law - Criminal process, Criminology, Law Enforcement
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Vor bald einem Vierteljahrhundert hat Detlev Frehsee mit seiner "Kriminalität der Angepassten" die bis dato bestehende Sicht von der sozialen Polarität der Kriminaliät verworfen, indem er die Kriminalitätsbelastung einer unauffälligen Mittelschicht in das grelle Licht der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zerrte. In der Folge ist immer wieder bestätigt worden, dass das Bild einer unbelasteten Mittelschicht mit normalen, durchweg gesetzestreuen Bürgern, nicht zuzutreffen scheint. Die Mehrheit der Bevölkerung verstoße im Gegenteil permanent gegen alle möglichen Normen. Der Versicherungsbetrug sei "weit verbreitet", ja es handele es sich geradezu um einen "Volkssport". Im Berufsalltag zeige sich "ein gigantisches Ausmaß an kriminellen Aktivtäten", bei Personen und Firmen herrsche eine "Mitnahme-", in der Ärzteschaft eine "Manipulationsmentalität", illegale Praktiken hätten im gesamten Gesundheitswesen "nahezu den Charakter eines Systems". Die Vorstellung, strafrechtlich relevantes Verhalten wäre vor allem eine Sache der sozial Abweichenden, sei falsch, vielmehr gebe es eine spezifische Kriminalität der Bürgerlichen, Braven, Angepassten, der Normalen.

In dieser Untersuchung soll der Versuch unternommen werden aufzuzeigen, dass es eine "Kriminalität der Angepassten" gerade nicht gibt. Vielmehr soll allein anhand des Phänomens gezeigt werden, dass alle Bereiche der Gesellschaft zu einem gewissen Grade kriminell belastet sind. Die Personengruppe der Angepassten weist dabei zwar Besonderheiten in Deliktzusammenhang, -begehung und -struktur auf. Löst man sich jedoch von einer personenbezogenen Betrachtungsweise, einer Kriminalität der "Ders", ergeben sich grundlegende Gemeinsamkeiten jeder Kriminalitästsform. Kriminalität ist ubiquitär.

Zur Untersuchung soll zunächst der Begriff der Kriminalität der Angepassten definiert und anhand rezenter Daten untermauert werden, dass die Bobachtung des Phänomens zutreffend ist. Danach soll herausgestellt werden, warum dies für den Befund der Ubiquität von Kriminalität von enormer Wichtigkeit ist.
Danach soll anhand eines Vergleichs mit Kriminalitätserscheinungen innerhalb anderer Gesellschaftsbereiche gezeigt werden, dass die Kriminalität der Angepassten zwar einerseits durch ihr eigene Merkmale gekennzeichnet ist, sich aber im Grunde durch nichts von den Kriminalitätsformen übriger Täter- und sozialer Gruppen unterscheidet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Die Kriminalität der Angepassten

I. Begriff

II. Relevanz

1. Kriminalität als unangepasstes Verhalten

2. Unangepasstheit der Person als Kriminalitätsursache

III. Ausprägung und Verhältnis zu anderen Kriminalitätsformen

1. Alltagskriminalität vs. Unterschichtenkriminalität

a) Ausgewählte Kriminalitätsbereiche

b) Betrug und das Verhältnis von Mittel- und Unterschichtskriminalität

aa) Das Beispiel Versicherungsbetrug

bb) Wahrnehmungsstörungen? Sozialbetrug und Steuerhinterziehung

c) Zusammenfassung und Erstes Zwischenergebnis

2. Berufskriminalität vs. Oberschichtenkriminalität

a) Ausgewählte Kriminalitätsbereiche

b) Abgrenzung zur Wirtschaftskriminalität

aa) Berufskriminalität: Abgrenzung nach situativen Charakteristika

bb) Abgrenzung anhand Charakteristika der white-collar Kriminalität

cc) Abgrenzung anhand Charakteristika der Wirtschaftskriminalität

c) Zusammenfassung und Zweites Zwischenergebnis

IV. Folgerungen für die Kriminologie

1. Kritische Konzepte: Entpersonalisierung

2. Integration in ätiologische Konzepte

3. Drittes Zwischenergebnis

V. Kriminalpolitik und Prävention

C. Zusammenfassung und Ergebnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der „Kriminalität der Angepassten“, um das verbreitete, polarisierte Bild von Kriminalität als überwiegend schichtspezifischem oder randgruppenspezifischem Problem zu hinterfragen. Ziel ist es aufzuzeigen, dass die gesellschaftliche Mitte ebenso straffällig wird wie andere Gruppen, und zu analysieren, ob dies eine Neuausrichtung kriminologischer Konzepte oder eine Integration in bestehende Modelle erfordert.

  • Kritische Analyse des Begriffs der „Kriminalität der Angepassten“
  • Vergleich von Alltagskriminalität, Berufskriminalität und Oberschichtenkriminalität
  • Hinterfragung der Abgrenzung von white-collar Kriminalität und Wirtschaftskriminalität
  • Diskussion theoretischer Ansätze zur Entpersonalisierung und Integration in ätiologische Konzepte
  • Ableitung kriminalpolitischer Konsequenzen und Präventionsmöglichkeiten

Auszug aus dem Buch

I. Begriff

Was ist nun unter „Kriminalität der Angepassten“ zu verstehen? Als wohl Erster kam Streng nach Beobachtung von Sportschützen zu dem Schluss, die seinerzeit neu eingeführten Normen des Waffengesetzes würden von diesen im Verborgenen massenhaft umgangen. Bemerkenswert sei dabei, dass diese Gruppe trotz dieses offenkundig kriminellen Verhaltens sich gerade als besonders „gesetzstreu“ und „anständig“ verstünde. Frehsee weitete diese lediglich subkulturelle Beobachtung abweichenden Verhaltens in der Folge auf alle „braven Bürger“ aus. Bei diesem Personenkreis komme es, massenhaft und weitgehend von der Gesellschaft ignoriert, zu Kriminalitätserscheinungen während ihrer „im übrigen ordnungsgemäßen Rollenerfüllung“.

Die Bürgerlichen, Braven, Angepassten, Normalen seien dabei nicht vorrangig durch ihre ökonomische Stellung, sondern vor allem durch Angepasstheit des eigenen Lebenskonzepts an allgemeinen sozialen Verhaltenserwartungen gekennzeichnet. Diese Beobachtung hat im Grundsatz weitgehende Zustimmung gefunden. So verstoße die stille Mehrheit der Bevölkerung permanent gegen alle möglichen Normen. Der Versicherungsbetrug sei „weit verbreitet“, ja es handele sich geradezu um einen „Volkssport“.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen polizeilicher Kriminalitätsstatistik und dem tatsächlichen Kriminalitätsbild, wobei der Fokus auf die Straffälligkeit der „gesellschaftlichen Mitte“ gerichtet wird.

B. Die Kriminalität der Angepassten: Dieses Hauptkapitel definiert den Begriff der „Kriminalität der Angepassten“, analysiert deren Relevanz und setzt sie in Bezug zu verschiedenen Kriminalitätsformen wie Alltagskriminalität und Berufskriminalität.

IV. Folgerungen für die Kriminologie: Hier wird diskutiert, wie die Kriminologie den Begriff der „Kriminalität der Angepassten“ durch Konzepte wie Entpersonalisierung und ätiologische Erklärungsmodelle integrieren kann.

V. Kriminalpolitik und Prävention: Dieses Kapitel leitet aus den theoretischen Erkenntnissen praktische Maßnahmen ab, insbesondere im Bereich präventiver Kontrolle und Strukturveränderungen.

C. Zusammenfassung und Ergebnis: Abschließend wird das Ergebnis resümiert, dass das polarisierte Kriminalitätsbild falsch ist und die „Kriminalität der Angepassten“ eine ubiquitäre Erscheinung in der gesamten Gesellschaft darstellt.

Schlüsselwörter

Kriminalität der Angepassten, Alltagskriminalität, Berufskriminalität, Kriminologie, white-collar crime, Wirtschaftskriminalität, Deliktsformen, Kriminalprävention, Normabweichung, Sozialverhalten, Versicherungsbetrug, Dunkelfeld, Anomie, Rollenerfüllung, Entpersonalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Kriminalität von sozial angepassten Personen innerhalb der gesellschaftlichen Mitte, die oft hinter einem Bild der Gesetzestreue verborgen bleibt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Alltagskriminalität, Berufskriminalität und Oberschichtenkriminalität sowie die theoretische Einbettung in die Kriminologie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das einseitige, polarisierte Kriminalitätsbild zu korrigieren und aufzuzeigen, dass Kriminalität ein schichtunabhängiges Phänomen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kriminologische Analyse, die auf der Auswertung vorhandener Literatur, empirischer Daten und soziologischer Theorien basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der Begriff definiert, verschiedene Deliktarten wie Versicherungsbetrug oder Abrechnungsbetrug untersucht und Ansätze zur Einordnung in bestehende Kriminalitätskonzepte diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Kriminalität der Angepassten“, „Normabweichung“, „Berufskriminalität“ und „Dunkelfeld“ charakterisiert.

Warum wird Versicherungsbetrug in der Arbeit als Beispiel herangezogen?

Er dient als anschauliches Beispiel für ein Delikt, das in der Mitte der Gesellschaft weit verbreitet ist und oft als „Kavaliersdelikt“ bagatellisiert wird.

Welche Rolle spielt das „Kompetenzmonopol“ der Täter in der Analyse?

Das Kompetenzmonopol beschreibt, wie Täter aufgrund ihrer beruflichen Stellung oder ihres Fachwissens ihre Straftaten im Schutzbereich ihres Berufsalltags begehen können, ohne leicht entdeckt zu werden.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Kriminalpolitik?

Der Autor fordert eine stärkere präventive Kontrolle der Strukturen, in denen Kriminalität stattfindet, statt sich ausschließlich auf eine Verschärfung der Gesetze zu fokussieren.

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Details

Title
Kriminalität der Angepassten
Subtitle
Begriff, Relevanz, Verhältnis zu sonstigen Kriminalitätsformen, Folgerungen für Kriminologie und Kriminalpolitik
College
Free University of Berlin  (Rechtswissenschaft)
Grade
15
Author
Eric Sturzebecher (Author)
Publication Year
2015
Pages
27
Catalog Number
V341548
ISBN (eBook)
9783668313057
ISBN (Book)
9783668313064
Language
German
Tags
Kriminologie Devianz Frehsee Angepassten Normalen Kriminalität Schwerpunktbereich Kriminalpolitik Studienabschlussarbeit Jura Examen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eric Sturzebecher (Author), 2015, Kriminalität der Angepassten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341548
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