Globalisierung, das Schlagwort in Politik, Ökonomie und Soziologie, bezeichnet mehr als nur transnationale Verflechtungen und zunehmende Interdependenz zwischen einzelnen Volkswirtschaften bzw. Märkten. Dass es eine Epoche bezeichnet, in der Kapitalströme so ungehindert wie noch nie zuvor zwischen Finanzmärken fließen und Börsenmakler die Anlagemöglichkeiten weltweit innerhalb kürzester Zeiten vergleichen können, ist lediglich eine der vielen Facetten der Globalisierung. Auch die Produktionsverlagerung einzelner Unternehmen in Niedriglohnländer, mit dem Ziel, die Kosten-Nutzen Relation im Bereich der Produktion ergiebig auszuschöpfen und sich auf dem Weltmarkt zu behaupten, ist nur ein weiterer – zwar nicht zu unrecht – aber dennoch lediglich zu sehr auf die ökonomische Seite ausgerichteter Blick. Viele Autoren beschränken sich auf die Analyse der Bestimmungszwänge durch den „Weltmarkt“ bzw. durch transnationale Konzerne, so auch Narr und Schubert, die von der „ Weltökonomie als Definitionsmacht“ ausgehen und durch eine etwas pessimistisch angehauchte Herangehensweise auffallen. Dies stellt der Leser spätestens dann fest, wenn die These einer übergeordneten und erfolgreichen Weltregierung zerschlagen wird und der „ Weltstaat gewaltförmigen Konflikten eher zuarbeite als diese eindämme.“ Doch auch komplexere und weiter ausgelegte Analysen liegen vor. Treffend differenziert beispielsweise Michael Zürn den Prozess der Globalisierung detaillierter aus. Hierbei versteht er die „Ausweitung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Handlungszusammenhänge über die politischen Grenzen des Nationalstaates hinaus.“ Somit bewegt sich die Betrachtungsweise neben der ökonomisch-politischen Dimension auch auf die soziologische Ebene. Darunter stoßen Fragen nach gesellschaftlichen Wandlungsprozessen ebenso auf wie eine Skepsis gegenüber traditionellen nationalstaatlichen Aufgaben und Handlungsweisen. Folglich sind nicht nur ökonomische Faktoren entscheidend, auch innergesellschaftlicher Wertewandel und ökologische Risiken sind relevant, so auch Zürn: „die Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht, die Klimaerwärmung, die Abnahme der Artenvielfalt, die zunehmende Wüstenbildung sind heute Ausdruck einer Weltrisikogesellschaft.“
Inhaltsverzeichnis
1. DIE INFORMATIONSGESELLSCHAFT IM GLOBALISIERUNGSPROZESS
2. STRUKTURELLE EIGENSCHAFTEN DER INFORMATIONSGESELLSCHAFT
2.1 Neue Produktivkräfte
2.2 Neue Informations- und Kommunikationstechnologien
2.3 Wandel der Arbeit
2.4 Zunehmende inner- und außergesellschaftliche Interdependenz
3. POLITISCHER KONTEXT: PROZESSE AUF DER EBENE DER EUROPÄISCHEN UNION
3.1 Vorgeschichte der Europäischen Telekommunikationspolitik
3.2 Leitbild der „europäischen“ Informationsgesellschaft: einheitlicher Binnenmarkt im Telekommunikationssektor
3.3 Liberalisierungsmaßnahmen und (erhoffte) Entwicklungen bzw. Potentiale der Informationsgesellschaft auf europäischer Ebene
4. DIE INFORMATIONSGESELLSCHAFT UND DEREN ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND
4.1 Sozialpolitische Programme der Bundesregierung und deren Ministerien
4.2 Wirtschaftsprogrammatische Maßnahmen und Zielsetzungen
4.3 Umbau von Bürokratie. Ziel: effizientere staatliche Dienstleistungen und steigende Partizipationschancen der Bürger
5. RISIKEN DER INFORMATIONSGESELLSCHAFT
5.1 Problem der Sicherheit
5.2 Neue soziale Risiken für das Individuum
6. RESÜMEE UND AUSBLICK
7. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel zur Informationsgesellschaft als eine der zentralen Facetten des Globalisierungsprozesses, analysiert deren strukturelle Merkmale sowie die politischen Gestaltungsversuche auf europäischer und nationaler Ebene. Dabei steht die kritische Reflexion des optimistischen Fortschrittsglaubens gegenüber den tatsächlich entstehenden sozialen und ökonomischen Risiken im Vordergrund.
- Strukturelle Merkmale und Wandel der Arbeitswelt
- Politischer Kontext der europäischen Telekommunikationspolitik
- Umsetzung und Programme der Bundesregierung in Deutschland
- Soziale und sicherheitstechnische Risiken der Informationsgesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Neue Produktivkräfte
Neue Produktivkräfte der Informationsgesellschaft unterscheiden sich von den Arbeitskräften des Industriezeitalters vor allem hinsichtlich der Materialien bzw. der Stoffe, die in den Verarbeitungs- und Wertschöpfungsprozess einfließen. Während dies im Industriezeitalter überwiegend Rohstoffe waren und die körperliche Arbeit dominierte, so stellt die Informationsgesellschaft Produktivkräfte in einer Volkswirtschaft dar, wobei „die Mehrheit der Beschäftigten in Informationsberufen arbeiten, also mehr mit Information, Signalen, Symbolen, Zeichen oder Bildern umgehen als mit Kraft und Stoff.“ Die Autoren Stockinger und Stifter definieren die Informationsgesellschaft als „ein System, in dem Bildung und Wissen, also Informationen, der wichtigste Faktor der Gesellschaftsentwicklung sind.“
Die Prinzipien der Wertschöpfung belaufen sich also hauptsächlich auf Wissen und Innovation. Steinbickers Vergleich der Theoretiker Peter Drucker, Daniel Bell und Manuel Castell liefert – trotz einiger Unterschiede in deren Ausarbeitungen – dennoch Gemeinsamkeiten in vielerlei Hinsicht. So ist sowohl bei Drucker als auch bei Bell Wissen „ein zentraler Aspekt der Informationsgesellschaft“, wodurch sich tief greifende Veränderung in Organisationsstrukturen und innergesellschaftlichen Systemen ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. DIE INFORMATIONSGESELLSCHAFT IM GLOBALISIERUNGSPROZESS: Das Kapitel führt in den Globalisierungsbegriff ein und verknüpft diesen mit dem Konzept der Informationsgesellschaft als neuem, grenzüberschreitendem Gesellschaftstypus.
2. STRUKTURELLE EIGENSCHAFTEN DER INFORMATIONSGESELLSCHAFT: Hier werden die wesentlichen Merkmale wie der Wandel der Produktivkräfte, neue Technologien und die Metamorphose der Arbeitswelt detailliert dargestellt.
3. POLITISCHER KONTEXT: PROZESSE AUF DER EBENE DER EUROPÄISCHEN UNION: Dieser Teil beleuchtet die Entstehung der europäischen Telekommunikationspolitik und die Strategien zur Etablierung eines einheitlichen Binnenmarktes.
4. DIE INFORMATIONSGESELLSCHAFT UND DEREN ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND: Das Kapitel analysiert spezifische staatliche Programme und Initiativen in Deutschland, die den Übergang zur Informationsgesellschaft fördern sollen.
5. RISIKEN DER INFORMATIONSGESELLSCHAFT: Hier wird kritisch auf die Schattenseiten wie Sicherheitsdefizite und neue soziale Ausschlussmechanismen für das Individuum eingegangen.
6. RESÜMEE UND AUSBLICK: Das Resümee fasst die Wechselwirkungen zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen und hinterfragt die bisherige Ausrichtung der politischen Gestaltung.
7. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und weiterführender Informationen.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Informationsgesellschaft, Wissensgesellschaft, IuK-Technologie, Dienstleistungssektor, Arbeitswelt, Europäische Kommission, Telekommunikationspolitik, Bundesregierung, Digitalisierung, Datenschutz, Soziale Risiken, Innovationskraft, Vernetzung, E-Commerce
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Übergang von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft im Kontext der Globalisierung und untersucht dabei sowohl die ökonomischen Chancen als auch die sozialen Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind der technologische Wandel, die Transformation der Arbeitswelt, die europäische und nationale Politik zur Regulierung der Telekommunikation sowie die Risiken des digitalen Wandels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Transformationsprozess aufzuzeigen, politische Gestaltungsansätze zu bewerten und die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichem Optimismus und sozialen Realitäten kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene soziologische und politikwissenschaftliche Ansätze zur Informationsgesellschaft gegenüberstellt und in den politischen Kontext einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturelle Analyse der Informationsgesellschaft, den politischen Rahmen auf EU-Ebene, die Umsetzung in Deutschland durch staatliche Programme sowie eine Risikoanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Globalisierung, Informationsgesellschaft, Wissensgesellschaft, Transformation, politische Gestaltung, soziale Risiken und technologische Innovation.
Inwiefern beeinflussen EU-Richtlinien die nationale Politik?
Die Arbeit zeigt auf, dass Deutschland durch EU-Vorgaben, etwa im Bereich der Marktliberalisierung, maßgeblich dazu bewegt wurde, eigene Aktionsprogramme zur Stärkung des Wettbewerbsstandortes zu entwickeln.
Wie bewertet der Autor den Optimismus der Bangemann-Arbeitsgruppe?
Der Autor schließt sich der Kritik an, dass die politischen Ansätze oft zu sehr auf ökonomische Wachstumsziele fixiert seien und dabei soziale Probleme oder mögliche Fehlentwicklungen in der Arbeitswelt zu wenig berücksichtigen.
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- Aleksander Szumilas (Author), 2004, Die Informationsgesellschaft im Globalisierungsprozess. Strukturelle Eigenschaften, politische Gestaltung und Risiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34165