Nach den wirtschaftlichen Entwicklungen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 ist häufig von einer Renaissance der Werte Nachhaltigkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit die Rede. Zumindest für den Bereich der Finanzdienstleistung gilt jedoch, dass in dieser Branche nichts oder sehr wenig von einem Wandel der Werte zu spüren ist. Gewinnmaximierung steht absolut im Vordergrund. Dazu passt das folgende Zitat von Shirley Chrisholm: „When morality comes aginst profit, it is seldom profit that loses“.
Oft führen unternehmerische Rationalisierungsprogramme zum Abbau von Stellen. Stimmt der Gewinn nicht, ist oft der erste Schritt Mitarbeiter zu entlassen. Dies führt zu der Frage, ob es möglich ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen, ohne als erste Maßnahme die Personalkosten zu reduzieren. Kann im Umkehrschluss mit einer gelebten Unternehmenskultur auf der Basis von Werten mit motivierten Mitarbeitern, die sich emotional an das Unternehmen gebunden fühlen, das Ergebnis nachhaltig verbessert werden?
Seit dem 16. Jahrhundert gelten die Grundsätze des „Ehrbaren Kaufmanns“. Wenn jeder Unternehmer, Manager und jede Führungskraft nach dieser Maxime handeln würde, hätten wir dann diese Diskussionen? Passen Moral und Wirtschaft bzw. Ethik und Ökonomie zusammen? Kann eine werteorientierte Unternehmens- und Führungskultur den Unternehmenswert langfristig sichern und sogar steigern?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aktuelle Diskussion und Entwicklungen
1.2 Problemstellung
1.3 Vorgehensweise
2. Werte
2.1 Grundlegende Begrifflichkeiten
2.1.1 Entwicklung des Wertebegriffs
2.1.2 Definition der Begriffe Wert, Moral, Ethik, Ehrbarer Kaufmann
2.1.3 Funktionen von Werten
2.1.4 Klassifizierung von Werten
2.2 Werte und Kompetenzen
2.3 Ursachen des Wertewandels
3. Unternehmensführung
3.1 Grundlagen und Schlüsselfunktionen
3.2 Führungsebenen, -funktionen und Führungsprozess
3.3 Aufgaben des Managers
3.4 Ansätze der Unternehmensführung
3.4.1 Kklassische Ansätze
3.4.2 Neuere Ansätze
4. Unternehmenskultur
4.1 Definition Kultur und Unternehmenskultur
4.2 Unternehmenskulturmodelle
4.2.1 Das Drei-Ebenen-Modell nach Schein
4.2.2 Das Eisbergmodell nach Sackmann
4.2.3 Das Kulturkonzept von Geert Hofstede
4.3 Funktionen und Wirkungen der Unternehmenskultur
4.4 Unternehmenserfolg durch Unternehmenskultur
4.5 Gestaltung der Unternehmenskultur
5. Führung
5.1 Ergebnisse des Fehlzeiten-Reports und der Gallup-Studie
5.2 Definition des Begriffs Führung
5.3 Die Führungskraft
5.3.1 Kompetenzen einer Führungskraft
5.3.2 Aufgaben einer Führungskraft
5.3.3 Die Rollen einer Führungskraft
5.4 Führungsansätze
5.4.1 Klassische Ansätze
5.4.2 Modernere Ansätze
5.4.3 Das Modell der ethikorientierten Führung
5.5 Führung 2.0 – Zukunft gestalten
6. Wertediskrepanz und Gestaltung des Wertewandels
6.1 Wertediskrepanz
6.2 Gestaltung des Wertewandels
6.2.1 Der Wandlungsprozess
6.2.2 Implementierung eines Wertemanagements
7. Schlussbetrachtung
7.1 Zusammenfassung
7.2 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen des Wertewandels und geht der Forschungsfrage nach, inwieweit ein Zusammenhang zwischen der Führung eines Unternehmens, der Unternehmenskultur sowie der Mitarbeiterzufriedenheit und dem wirtschaftlichen Erfolg besteht. Ziel ist es zu ergründen, ob eine werteorientierte Führung eine nachhaltige Alternative zur reinen Gewinnmaximierung darstellt.
- Historische Entwicklung und Definition von Werten, Moral und Ethik
- Die Rolle der Unternehmenskultur als erfolgsbestimmender Faktor
- Kompetenzen, Rollen und ethikorientierte Führungsansätze
- Analyse des Wertewandels und dessen Auswirkungen auf das Management
- Implementierung eines nachhaltigen Wertemanagements in der Praxis
Auszug aus dem Buch
1.1 Aktuelle Diskussion und Entwicklungen
Werte und Wirtschaft sind Begriffe, die sowohl die öffentliche als auch die wissenschaftliche Diskussion immer wieder prägen. Durch die Entwicklung von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft vollzieht sich ein Wandel der Arbeits- und Führungsbeziehungen. Die fortschreitende Globalisierung, Unternehmensskandale, die letzte Finanzkrise im Jahr 2008 sowie negative Berichterstattungen über Fehlverhalten von Managern haben die Diskussion um Moral, Ethik und Werte erneut entfacht. Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, führt an, dass die internationale Wirtschaftskrise 2008 eine Krise der Werte war, und dass vielen Marktteilnehmern eine ethische Grundorientierung fehlt (vgl. Walter 2011, S. 11). Ulrich Wickert stellt fest, dass die Wirtschaft einen nachhaltigen Orientierungsrahmen mit den Inhalten Freiheit, Gottvertrauen und Verantwortung entwickeln muss und „durch die Finanzkrise […] der Ruf nach mehr Ethik laut geworden ist“ (Wickert 2011, S. 26).
Das neue gesellschaftliche Bewusstsein rückt den Mensch stärker in den Mittelpunkt. Die Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, ihre Ziel- und Wertesysteme an veränderte gesellschaftliche Entwicklungen anzupassen und neben ökonomischen Zielen auch nicht-ökonomische Belange zu berücksichtigen. Laut Malik steht die Wirtschaft und Gesellschaft in einer der geschichtlich größten Transformation, in der sich vieles ändern wird. Er spricht von der „Großen Transformation“ (Malik 2015, S. 15).
Der russische Wissenschaftler Nikolai Kondratieff fand bei seinen Konjunkturforschungen heraus, dass es neben kurzer und mittlerer Schwankungen auch lange Wellen mit einer Dauer von 40 bis 60 Jahren gibt. Die nach ihm benannten Kondratieffzyklen entstehen durch Basisinnovationen, die zu einem neuen Zyklus führen. Der erste Kondratieffzyklus begann ca. um 1800 mit der Erfindung der Dampfmaschine, des mechanischen Webstuhls und der Förderung von Kohle und Eisen. Die Entwicklungen führten bis zum fünften Zyklus, beginnend ca. 1960, mit den Innovationen im Bereich Computer, Elektronik, Information, Raumfahrt und Kernkraft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wertewandel, die Bedeutung von Ethik in der Wirtschaft nach der Finanzkrise und legt die Problemstellung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit dar.
2. Werte: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Wert, Moral und Ethik, erläutert die historische Entwicklung und untersucht die Ursachen für den aktuellen Wertewandel.
3. Unternehmensführung: Hier werden die Grundlagen und Schlüsselfunktionen der Unternehmensführung beschrieben, inklusive der Aufgaben des Managements und klassischer sowie neuerer Führungsansätze.
4. Unternehmenskultur: Das Kapitel definiert Unternehmenskultur, stellt wissenschaftliche Modelle wie das Drei-Ebenen-Modell vor und analysiert den Zusammenhang zwischen Kultur und Unternehmenserfolg.
5. Führung: Dieser Abschnitt definiert den Begriff Führung, analysiert die Anforderungen an die Führungskraft (Kompetenzen, Rollen) und stellt moderne Ansätze wie die ethikorientierte Führung vor.
6. Wertediskrepanz und Gestaltung des Wertewandels: Hier wird die Diskrepanz zwischen persönlichen Werten der Führungskräfte und gelebter Unternehmenskultur analysiert sowie die praktische Implementierung eines Wertemanagements aufgezeigt.
7. Schlussbetrachtung: Das Abschlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und liefert ein Fazit über die Notwendigkeit einer werteorientierten Führung für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Schlüsselwörter
Werteorientierte Führung, Unternehmenskultur, Wertewandel, Ethik in der Wirtschaft, Management, Führungskraft, Mitarbeiterengagement, Unternehmenserfolg, Nachhaltigkeit, Wertemanagement, Kompetenzentwicklung, Sozialkapital, Unternehmensführung, Transformation, Ehrbarer Kaufmann
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Werten in der modernen Unternehmensführung und untersucht, wie Führungskräfte durch eine werteorientierte Kultur langfristigen Unternehmenserfolg sichern können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Bereiche Wertelehre, theoretische Konzepte der Unternehmensführung, verschiedene Modelle der Unternehmenskultur sowie moderne Anforderungen an die Führung von Mitarbeitern ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass eine wertebasierte Unternehmenskultur motivierte Mitarbeiter fördert und entscheidend zum nachhaltigen Unternehmenserfolg beiträgt, anstatt sich allein auf kurzfristige Gewinnmaximierung zu verlassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer umfangreichen Literaturrecherche, ergänzt durch die Analyse von empirischen Studien, um die theoretischen Konzepte mit der Praxis zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Begriffsdefinition von Werten, eine Beschreibung von Managementstrukturen und Kulturmodellen sowie eine tiefgehende Untersuchung von Führungsstilen und deren Implementierung im Wertemanagement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Werteorientierte Führung, Unternehmenskultur, Wertewandel, Mitarbeiterengagement, Management und Nachhaltigkeit sind die prägenden Begriffe.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „genuin“ und „nicht-genuin“ moralischen Werten eine Rolle?
Die Unterscheidung hilft Führungskräften zu verstehen, welche Handlungen moralisch begründet sind und wo Spannungsfelder zwischen rein ökonomischen Interessen (Gewinnstreben) und humanethischen Aspekten existieren.
Was bedeutet „Führung 2.0“ in diesem Kontext?
Führung 2.0 beschreibt die Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen wie die globale Vernetzung, zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit und ein verändertes Autoritätsverständnis bei qualifizierten Mitarbeitern.
Welche Bedeutung haben die „S-Kurven“ im Wertewandel?
Die S-Kurven nach Malik veranschaulichen den Ablöseprozess zwischen alten und neuen Weltmustern, wobei die Phase zwischen den Kurven als entscheidendes Zeitfenster für das Management zur Neuausrichtung gilt.
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- Richard Schlegel (Author), 2016, Werteorientierte Führung. Ein Wandel in der Unternehmens- und Führungskultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341674