Einer der wichtigsten, frühislamischen Qur'anexegeten ist zweifellos der im Jahr 310/923 gestorbene Abu Dscha'far Muhammad ibn Dscharir at-Tabari. Er beschäftigte sich unter anderem mit Qur'anexegese, Geschichten, Fiqh, Hadith und Qira'a (Lesearten des Qur'ans). Zwei seiner Werke machten ihn besonders berühmt. Zum einen ein Buch im Bereich der Geschichte: Tarih ar-rusul wa-l-muluk, und zum anderen ein weiteres im Bereich der Exegese: Gami' al-bayan 'an ta'wil ay al-Qur'an.
At-Tabaris Qur'anexegese beinhaltet eine Vielzahl von Hadithen (ca. 38397), jedoch sind seine Kommentare nicht zu unterschätzen. Sein Werk ist ein gutes Beispiel für tafsir ar-rivaya (Qur'anexegese, welche vorrangig auf den Kommentaren und Erklärungen des Propheten basiert oder auf den Meinungen jener Gefährten, die der Sprache der damaligen Zeit mächtig waren) und tafsir ad-diraya (Qur'anexegese, welche sich durch Expertenwissen auszeichnet).
Seitdem das Buch verfasst wurde, wurde es für diejenigen, die sich mit Qur'anexegese beschäftigen, ein beliebtes Nachschlagewerk. Dank seines sehr umfangreichen Inhalts und der Reichhaltigkeit an früheren Kommentaren ist es ein unverzichtbares Werk.
Ich habe meine Arbeit in drei Teile aufgeteilt. Im ersten und zweiten Teil werden die wichtigsten Informationen über den Autor at-Tabari und sein berühmtes Werk Gami' al-bayan 'an ta'wil ay al-Qur'an dargelegt. Im dritten Abschnitt diskutiere ich anhand des Qur'anverses 17, 1 die Methodologie von at-Tabari, die er in seiner Exegese angewendet hat. Weil der Kommentar des Q 17, 1 von at-Tabari sehr ausführlich ist, habe ich die Untersuchung des Verses abschnittsweise bearbeitet. Es wird vor allem Anhand des ausgewählten Qur'anverses 17, 1 untersucht, wie im Gami' al-bayan Exegese funktioniert und welchen Stellenwert der Ḥadith in seiner Exegese einnimmt. Weil es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werden die Hadithe inhaltlich sowie auf ihre Authentizität hin nicht weiter untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leben und Werke aṭ-Ṭabarīs
3. Tafsīr aṭ-Ṭabarī: Ǧāmiʿ al-bayān ʿan taʾwīl āy al-Qurʾān
3.1. Exegetische Methoden im Ǧāmiʿ al-bayān
3.2. Überschriften im Ǧāmiʿ al-bayān
3.3. Textaufbau
3.4. Abschnittsweise Untersuchung des Verses Q 17, 1
3.4.1. Erster Abschnitt: „Gepriesen sei der, der mit seinem Diener bei Nacht …“
3.4.2. Zweiter Abschnitt: “… von der heiligen Kultstätte …“
3.4.3. Dritter Abschnitt: „…nach der fernen Kultstätte …“
3.4.4. Vierter Abschnitt: „… deren Umgebung wir gesegnet haben …“
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die exegetischen Methoden von Abū Ǧaʿfar Muḥammad ibn Ǧarīr aṭ-Ṭabarī anhand seines monumentalen Korankommentars Ǧāmiʿ al-bayān ʿan taʾwīl āy al-Qurʾān. Das zentrale Ziel ist es, am Beispiel des Verses Q 17, 1 die Funktionsweise seiner Exegese, den Stellenwert der Ḥadīṯ-Überlieferungen sowie seine methodische Vorgehensweise bei der Interpretation schwieriger Textstellen und historischer Anlässe der Offenbarung herauszuarbeiten.
- Biografische Einordnung von aṭ-Ṭabarī und Vorstellung seiner Hauptwerke
- Analyse der exegetischen Methodik innerhalb des Ǧāmiʿ al-bayān
- Strukturuntersuchung des Kommentars anhand formaler Kriterien und Überschriften
- Abschnittsweise exegetische Analyse von Vers Q 17, 1 (isrāʾ und miʿrāǧ)
- Diskussion der Bedeutung von Ḥadīṯen für die textkritische Interpretation
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Erster Abschnitt: „Gepriesen sei der, der mit seinem Diener bei Nacht …“
Der Erhabene meint mit seinem Wort: GEPRIESEN SEI DER, DER MIT SEINEM DIENER BEI NACHT REISTE: Um die Vollkommenheit von IHM, Der Seinen Diener in der Nacht reisen ließ, aufzuzeigen und von den Behauptungen der Götzendiener über IHN, wie z. B., dass ER einen Partner in Seiner schöpferischen Handlung habe oder dass Er eine Gefährtin und ein Kind habe, freizusprechen. Und um IHN gegenüber den Zuschreibungen [der Götzendiener] erhaben zu heißen und zu verherrlichen. Und um IHN von ihrer Unwissenheit und ihren fehlerhaften Wörtern freizusprechen.
Aṭ-Ṭabarī versucht hierbei, wie im übrigen Text auch, die lexikalisch bzw. grammatikalisch schwierigeren Stellen stärker zu kommentieren als die übrigen, bei denen er davon ausgeht, dass der Leser sie einfacher verstehen wird. Seine Motivation bei der ausführlichen Kommentierung dieser Stellen ist, dass einerseits die Ereignisse wie isrāʾ und miʿrāǧ in vielen unterschiedlichen Ḥadīṯen überliefert wurden und andererseits die fehlende Angabe der Referenz bei Personalpronomina (ʿabdihī) und unklare Angaben von Lokalitäten (al-masǧid al-ḥarām und al-masǧid al-Aqṣā) zu einer schwierigen Verständlichkeit führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt den Autor aṭ-Ṭabarī vor, verortet seine Bedeutung für die frühislamische Qurʾānexegese und erläutert die methodische Dreiteilung der Arbeit.
2. Leben und Werke aṭ-Ṭabarīs: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg, die Ausbildung und die wissenschaftliche Bedeutung von aṭ-Ṭabarī nach, inklusive der Entstehung seiner wichtigsten Werke.
3. Tafsīr aṭ-Ṭabarī: Ǧāmiʿ al-bayān ʿan taʾwīl āy al-Qurʾān: Der Abschnitt bietet einen tiefen Einblick in das Hauptwerk, analysiert die exegetischen Methoden, die formale Strukturierung durch Überschriften und untersucht detailliert den Vers Q 17, 1.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass aṭ-Ṭabarīs Exegese stark traditionsgeleitet ist und er vor allem die Bedeutung des Prophetenlebens sowie authentischer Überlieferungen für die Interpretation hervorhebt.
Schlüsselwörter
aṭ-Ṭabarī, Tafsīr, Ǧāmiʿ al-bayān, Koranexegese, Qurʾānvers 17,1, Ḥadīṯ, isrāʾ, miʿrāǧ, Überlieferungsketten, Methodologie, Exegese, al-masǧid al-ḥarām, al-masǧid al-aqṣā, Islamische Tradition, Koranwissenschaften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die methodische Herangehensweise des bedeutenden Exegeten aṭ-Ṭabarī an den Koran, insbesondere wie er Traditionen nutzt, um Verse auszulegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Biografie aṭ-Ṭabarīs, der strukturelle Aufbau seines Kommentars Ǧāmiʿ al-bayān sowie die methodische Auslegung von komplexen Koranversen anhand von Ḥadīṯen.
Welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Die Arbeit untersucht, wie im Ǧāmiʿ al-bayān Exegese funktioniert, welchen Stellenwert Ḥadīṯe einnehmen und wie aṭ-Ṭabarī methodisch zwischen verschiedenen Interpretationsansätzen navigiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor wendet eine analytische und strukturorientierte Methode an, indem er den Korankommentar anhand von formalen Kriterien tabellarisch auswertet und den Vers Q 17, 1 abschnittsweise untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung des Verses Q 17, 1, inklusive der Analyse von Begriffen wie „Nachtreise“ (isrāʾ) und den verschiedenen Kommentaren zur Lokalität der Kultstätten.
Welche Schlagworte charakterisieren die Publikation?
Schlüsselbegriffe sind aṭ-Ṭabarī, Koranexegese, Ḥadīṯ, Methodologie, Ǧāmiʿ al-bayān und die Analyse von Offenbarungsanlässen.
Wie bewertet aṭ-Ṭabarī die Frage, ob die „Nachtreise“ körperlich oder geistig stattfand?
Aṭ-Ṭabarī lehnt die rein geistige Interpretation (Traumgesicht) als paradox ab und argumentiert auf Basis der Traditionen für eine körperliche Reise des Propheten.
Warum spielt die Dichtung in aṭ-Ṭabarīs Exegese eine Rolle?
Aṭ-Ṭabarī verwendet Dichtung gelegentlich als Hilfsmittel (istišhād), um schwer verständliche oder umstrittene arabische Begriffe lexikalisch zu erläutern und ihre Bedeutung im Sprachgebrauch zu stützen.
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- Rüstü Kantar (Author), 2016, Methoden von at-Tabaris Qur'anexegese am Beispiel von Q 17, 1, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341694