Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Aussagefähigkeit


Seminararbeit, 2003

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Investitionen als Entscheidungsproblem
2.1. Der Begriff der Investition
2.2. Bedeutung der Investitionsrechnung im Entscheidungsprozess
2.3. Zielsetzungen eines Investors
2.4. Verschiedene Verfahren der Investitionsrechnung

3. Statische Methoden der Investitionsrechnung
3.1. Gemeinsame Merkmale der statischen Methoden
3.2. Darstellung unterschiedlicher statischer Verfahren
3.2.1. Kostenvergleichsrechnung
3.2.2. Gewinnvergleichsrechnung
3.2.3. Rentabilitätsrechnung
3.2.4. Amortisationsrechnung
3.3. Kritische Betrachtung und Aussagefähigkeit dieser Methoden

4. Dynamische Methoden der Investitionsrechnung
4.1. Gemeinsame Merkmale dynamischer Verfahren
4.2. Darstellung unterschiedlicher dynamischer Verfahren
4.2.1. Kapitalwertmethode
4.2.2. Annuitätenmethode
4.2.3. Methode der internen Zinsfüße
4.3. Kritische Betrachtung und Aussagefähigkeit dieser Methoden

5. Zusammenfassende Beurteilung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine Ifo-Umfrage im Auftrag der Wirtschaftswoche ergab, dass im Jahr 2003 mehr als 70 Prozent der deutschen Unternehmen - als Reaktion auf die Wirtschafts- und Steuerpolitik der Bundesregierung - ihre Investitionen aufschieben oder einschränken wollen.[1] Dies sind schlechte Aussichten, denn die Bedeutung von Investitionen für den Arbeitsmarkt, das Bruttosozialprodukt und die ganze Wohlfahrt eines Landes steht außer Frage. Dabei ist die Reaktion der Unternehmen durchaus verständlich, denn Investitionen bedeuten immer ein gewisses Risiko und man sollte versuchen, die möglichen Auswirkungen einer Investition im Voraus absehen zu können.

Ziel dieser Arbeit ist es, unterschiedliche Verfahren der Investitionsrechnung (die für Unternehmen eine wichtige Entscheidungshilfe darstellen) vorzustellen und auf ihre Vorteilhaftigkeit zu prüfen. Dazu ist es notwendig, zuerst auf die Bedeutung von Investitionen, auf das Hilfsmittel der Investitionsrechnung und auf die Zielsetzungen eines prüfenden Investors einzugehen. Um diese Arbeit in einem angemessenen Umfang halten zu können, werden nur die klassischen Methoden der Investitionsrechnung vorgestellt. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit wird auf der Beurteilung und später auf dem Vergleich der sogenannten „statischen“ und „dynamischen“ Verfahren liegen.

2. Investitionen als Entscheidungsproblem

2.1. Der Begriff der Investition

In der Literatur finden sich zahlreiche, unterschiedliche Definitionen der Investition, ein paar der treffendsten sollen hier vorgestellt werden. So versteht das Gabler-Wirtschaftslexikon unter einer Investition eine „zielgerichtete, in der Regel langfristige Kapitalbindung, zur Erwirtschaftung zukünftiger autonomer Erträge.“[2] Eine sehr treffende Definition der Investition finden auch Jacob und Voigt. Sie beschreiben eine Investition als „die Anlage finanzieller Mittel in Objekten materieller oder immaterieller Art, die im Hinblick auf die Zielsetzung des Investors längerfristig von Nutzen zu sein versprechen.“[3]

Häufig wird im Zusammenhang mit Investitionen auch vom zahlungsorientierten Investitionsbegriff gesprochen. Demnach versteht man unter einer Investition all jene Aktivitäten und Maßnahmen, welche Geldausgaben und gegebenenfalls Geldflüsse für die Bereitstellung eines bestimmten Leistungspotentials (wie zum Beispiel Maschinen, Arbeitskräfte etc.) bewirken. Außerdem soll mit diesen Aktivitäten zu einem späteren, zukünftigen Zeitpunkt größere Geldeinnahmen und kleinere Geldausgaben erreicht werden.

Im Gegensatz zur Finanzierung, die sich mit der Kapitalherkunft beschäftigt, spricht man bei Investitionen von der Kapitalverwendung.

Es können folgende Arten der Investition unterschieden werden[4]:

1. Sachinvestitionen (hierzu zählen jegliche Arten der Ersatz,- Erweiterungs,- und der Rationalisierungsinvestition.)
2. Finanzinvestitionen (dazu gehören z.B. Investitionen durch den Kauf von Beteiligungs,- oder Forderungspapieren)
3. Immaterielle Investitionen (diese Art der Investition umfasst die Investition in

Forschung und Entwicklung, wie auch Ausbildungs, – und Sozialinvestitionen)

Im Rahmen der Untersuchung von Investitionsrechenverfahren ist es sinnvoll, sich auf Sachinvestitionen zu konzentrieren.

2.2. Bedeutung der Investitionsrechnung im Entscheidungsprozess

Jedes Unternehmen, das auf Dauer auf dem Markt bestehen will, muss die ihm zur Verfügung stehenden Geldmittel optimal nutzen. Investitionen bedeuten eine hohe Kapitalbindung und können kurzfristig nicht ohne größere Schwierigkeiten oder Verluste rückgängig gemacht werden. Außerdem beeinflussen sie in erheblichem Maße die beschäftigungsunabhängigen Kosten in einem Unternehmen, d.h. sie erhöhen den Fixkostenanteil in einem Unternehmen. Darüber hinaus sind mit einer Investition häufig Folgewirkungen für andere Bereiche des Unternehmens verbunden. Deshalb sollten Investitionsentscheidungen sorgfältig und aufmerksam vorbereitet und geprüft werden. Wichtig dabei ist die richtige Beurteilung der späteren Konsequenzen der verschiedenen Investitionsmöglichkeiten.[5] Aus diesen Gründen ist der Einsatz eines Instruments, das im Hinblick auf die angestrebten betrieblichen Investitionen die Spreu vom Weizen trennt, für Unternehmen gleich welcher Art oft unerlässlich.

Bei Investitionsentscheiden geht es grundsätzlich um die Auswahl zwischen einzelnen Investitionsalternativen oder um den Entscheid zwischen Investitions- und Nichtinvestitionsalternative. Zum Treffen dieser Investitionsentscheidungen werden Investitionsrechnungen als zentrales Hilfsmittel herangezogen.

Sie sollen im Rahmen des Investitionsentscheidungsprozesses dabei helfen, die voraussichtlichen wirtschaftlichen Auswirkungen einer geplanten Maßnahme vorab zu ermitteln und zu quantifizieren. Dazu werden „alle Verfahren zur Beurteilung von Investitionsvorhaben bezüglich quantifizierbarer Unternehmensziele“[6] gezählt. Investitionsrechnungen sollen demnach aufzeigen, inwiefern ein spezifisches Investitionsprojekt zum zukünftigen Unternehmenserfolg beiträgt, indem sie alle zahlenmäßig erfassbaren Faktoren der Kapitalanlage verrechnen und daraus eine Bewertung herleiten.

Zusammengefasst versucht die Investitionsrechnung demnach folgende Fragen auf rechnerische Art und Weise zu klären: Sie stellt dar, ob ein bestimmtes Investitionsvorhaben für ein Unternehmen von Vorteil ist oder nicht. Dabei geht es um Aspekte wie Gewinnerzielung, gegebenenfalls unter Berücksichtigung des damit verbundenen Risikos. Außerdem soll die Investitionsrechnung aufzeigen, welche von mehreren möglichen Investitionen die vorteilhafteste für das Unternehmen ist und wann eine betriebliche Anlage durch eine neue ersetzt werden sollte.[7]

Das Ergebnis der Investitionsrechnung bildet eine wesentliche Grundlage der Investitionsentscheidung.

2.3. Zielsetzungen eines Investors

Obwohl in vielen Lehrbüchern zur Investitionsrechnung nicht auf die Zielsetzung des Investors eingegangen wird, ist es doch unerlässlich diese zu diskutieren. Ohne die exakte Definition der Zielsetzungen eines Investors kann nicht abgeleitet werden, welches Investitionsprojekt aus mehreren Möglichkeiten das optimalste ist. Die beste Investitionsalternative für einen bestimmten Investor ergibt sich aus der Vorteilhaftigkeit der jeweiligen Alternative für die angestrebten Ziele.

Grundsätzlich kann man zwischen monetären und nicht-monetären Zielen unterscheiden:

- Nicht-monetäre Ziele haben gegenüber monetären Zielen den Nachteil, dass sie nicht quantifizierbar sind, d.h. man kann sie nicht in Zahlen ausdrücken. Dabei handelt es sich um Ziele wie den Wunsch nach Prestige, Qualität, Anerkennung, Umweltschutz, Macht etc. Investitionsrechnungen können ein bestimmtes Investitionsprojekt nicht nach diesen Kriterien untersuchen, da diese Ziele mangels Quantifizierbarkeit nicht operational sind. Daher müssen nicht-monetäre Ziele grundsätzlich außerhalb der Investitionsrechnung berücksichtigt werden.
- Monetäre Ziele lassen sich hingegen quantifizieren, d.h. die Zielgrößen wie etwa Gewinn oder Umsatzstreben können in Geld gemessen werden. Obwohl es viele mögliche Gewinndefinitionen gibt, spielen im Rahmen der Investitionsrechnung hauptsächlich die Gewinnziele des Vermögens- und des Einkommensstrebens eine Rolle:

Das Ziel des Vermögensstrebens kann auch als Ziel der Endwertmaximierung verstanden werden. Ist ein Investor an diesem Ziel interessiert, so wird sowohl das Niveau der Entnahmen als auch die Zeitstruktur für alle Investitionsalternativen identisch festgelegt. Nur so lässt sich bewerten, welches Investitionsprojekt im Hinblick auf das Ziel der Endwertmaximierung das optimalste ist.

Das Ziel des Einkommensstrebens wird häufig auch als Entnahmemaximierung verstanden. Der Investor möchte demnach das Niveau seiner jährlichen Entnahmen ständig maximieren. In diesem Fall wird zum Vergleich der sich anbietenden Investitionsalternativen die zeitliche Struktur der Entnahmen und das Vermögen am Ende des Planungshorizontes vorgegeben, um zu untersuchen, welches Investitionsprojekt die höchsten Entnahmen ermöglicht.[8]

2.4. Verschiedene Verfahren der Investitionsrechnung

Die folgende Darstellung zeigt die unterschiedlichen Verfahren der Investitionsrechnung, die im Laufe dieser Arbeit behandelt werden sollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Investitionsrechnungsmethoden / Übersicht

Quelle: Steinle, C.; Bruch, H.(Controlling 1998), S. 797.

Diese Grafik unterscheidet grundsätzlich zwischen dynamischen und statischen Methoden der Investitionsrechnung. Der wesentliche Unterschied zwischen statischen und dynamischen Modellen liegt in der Betrachtung des Zeitraumes. Die statischen Verfahren berücksichtigen keine Zeitpräferenzen, d.h. Unterschiede bezüglich des Zahlungszeitpunktes und die für Zeitdifferenzen erzielbaren Erträge werden nicht erfasst.[9] Im Gegensatz dazu zeichnen sich dynamische Methoden der Investitionsrechnung dadurch aus, dass die monetären Konsequenzen periodenindividuell erfasst und unter Zuhilfenahme finanzmathematischer Verfahren zu finanzwirtschaftlichen Zielwerten verdichtet werden.[10]

Neben diesen Verfahren erwähnen sehr viele Fachbücher noch andere Verfahren der Investitionsrechnung. So zählen Perridon und Steiner außerdem noch die Vermögensendwertmethode und die Sollzinssatzmetohde zu den dynamischen Verfahren der Investitionsrechnung.[11] Um jedoch nicht den Rahmen dieser Arbeit zu sprengen, werden hier nur die klassischen, gebräuchlichsten Methoden der Investitionsrechnung behandelt. Außerdem wird , wie schon erwähnt, eine Konzentration auf die dynamischen Methoden stattfinden und nur das Wahlproblem behandelt. Die Bestimmung der optimalen Nutzungsdauer und des optimalsten Ersatzzeitpunktes kann hier leider nicht behandelt werden.

Charakteristisch für die klassischen Methoden der Investitionsrechnung ist, dass die einzelnen Investitionsprojekte im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Es wird unterstellt, dass sich jedes einzelne Investitionsobjekt isoliert beurteilen lässt. Das bedeutet, es wird

von sämtlichen Interdependenzen abstrahiert. Außerdem sind die Verfahren nur bei Sicherheit der Erwartung anwendbar und das Zurechnungsproblem gilt als gelöst.

Weiterhin wird unterstellt, dass der Kapitalmarkt vollkommen sei, d.h. unter anderem, „dass keine Steuern und Transaktionskosten anfallen, Wertpapiere beliebig teilbar sind, und Eigentümer alle Kapitalmarkttransaktionen zu denselben Konditionen wie Unternehmen tätigen können.“[12] Weitere Merkmale eines vollständigen und zugleich unbeschränkten Kapitalmarkts sollen im Folgenden dargestellt werden[13]:

- Der Kreditzinssatz ist gleich dem Anlagezinssatz auf dem Kapitalmarkt.
- Kreditaufnahme durch Unternehmen und Kreditvergabe durch Kapitalgeber kann am Kapitalmarkt zum einem einheitlichen Zinssatz, dem Kalkulationszinsfuß, getätigt werden.
- Kapital ist nicht knapp, d.h. der Investor kann sich beliebig Liquidität verschaffen
- Es besteht Sicherheit bzgl. zukünftiger Zahlungen
- Während der Nutzungsdauer frei werdende Beträge müssen zum Kapitalzinsfuß wieder auf dem Kapitalmarkt angelegt werden (Reinvestitionsprämisse)

[...]


[1] Vgl. hierzu Schweins, R. (Innovationen 2003), auf www.wirtschaftswoche.de

[2] Gabler (Gablers-Wirtschaftslexikon 1998).

[3] Jacob, H.; Voigt, K.-I. (Investitionsrechnung 1994), S. 11.

[4] Vgl. hierzu Slaby, D.; Krasselt, R. (Industriebetriebslehre 1998), S.8.

[5] Vgl. hierzu Kruschwitz, L. (Investitionsrechnung 2000), S. 1.

[6] Perridon, L.; Steiner, M. (Finanzwirtschaft 2002), S.37.

[7] Vgl. hierzu Gabler (Gablers-Wirtschaftslexikon 1998).

[8] Vgl. hierzu Kruschwitz, L. (Investitionsrechnung 2000), S. 9ff.

[9] Vgl. hierzu Betge, P (Investitionsplanung 2000), S. 37.

[10] Vgl. hierzu ebenda S. 42.

[11] Vgl. hierzu Perridon, L; Steiner, M. (Finanzwirtschaft 2002), S. 39.

[12] Laux, C. (Investitionsrechenverfahren 2002), S. 858.

[13] Vgl. hierzu Adam, D. (Investitionscontrolling 1996), S. 3 und Drukarczyk, J. (Finanzierung 1998), S. 16f.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Aussagefähigkeit
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm; früher Fachhochschule Neu-Ulm
Veranstaltung
Controlling
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
29
Katalognummer
V34170
ISBN (eBook)
9783638344739
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verfahren, Investitionsrechnung, Aussagefähigkeit, Controlling
Arbeit zitieren
Sabrina Wörz (Autor), 2003, Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Aussagefähigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34170

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