Zyperns archäologische Stätten. Von Königsgräbern und Heiligtümern


Referat (Ausarbeitung), 2016
23 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Geschichte:

Königsgräber von Salamis:

Kition Stele:

Aphrodite Heiligtum in Paphos:

Vouni:

Salamis:

Amathous:

Apollo Tempel von Kourion:

Kourion:

Soloi

Paphos:

Aphrodite:

Kition:

Chiriokitia:

Enkomi:

Idol von Pomos:

Schiff von Kyrenia:

Kyprische Sprache:

Christentum in Zypern

Literaturverzeichnis

Geschichte:

Wann genau die ersten Menschen die Insel der Aphrodite besiedelten, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Sicher ist, dass die älteste Siedlung Zyperns- oft wird sie auch als älteste Siedlung Europas bezeichnet – Chirochiteia – ab 5800 besiedelt war.[1] Das Dorf bestand aus mehreren Rundbauten, die wiedererrichtet wurden, wies mehrere Besiedelungsphasen auf und war mit einer Mauer umgeben. Die Toten wurden hin und wieder unter der Fußboden der Häuser begraben.

Die Menschen des Neolithikums waren Viehzüchter aber auch Jäger. Sie betrieben auch wie bei uns Ackerbau. Woher dieser ersten neolithischen Menschen kamen, kann nicht mehr genau gesagt werden. Theorien sprechen von einer Besiedelung aus dem Balkanraum oder aber von Kilikien (heutige Türkei). Archäologisch kann das aber nicht bewiesen werden. An der Südküste Zyperns fand man Häuser, die in die Erde eingetieft waren. Dieses Phänomen kennt man auch von der sogenannten Beerscheba Kultur Palästinas.[2]

Die Orte der Steinzeit lagen alle in Küstennähe, was auf Handel schließen lässt. Da man auch Obsidianfunde und Perlenfunde in Zypern gemacht hat, würde dies Handelsbeziehungen zum Vorderen Orient bestätigen.

Zypern ist eine sehr fruchtbare und wasserreiche Insel. Schon in der Antike überliefert Strabon den Anbau von Getreide, Öl und Wein.[3] Zudem liegt die Insel ideal zwischen dem Vorderen Orient und den ägäischen Inseln. Die Seerouten wurden somit alle von der Levante über Zypern nach Rhodos und Kreta geführt. Auch in der Bronzezeit war Zypern ein sehr wichtiger Rohstofflieferant, verfügte es doch über reiche Kupfererzvorkommen.

Um 3000 v. Chr fielen die neolithischen Siedlungen einer Naturkatastrophe zum Opfer und kleinere Orte wurden im Süden und Südwesten errichtet unter anderem Erimi , ein Ort nach dem auch eine spezielle Keramikart benannt wurde und die sich im englischen Red-on-White-Ware nennt. Die Gefäße sind mit einem weißen Überzug versehen, auf den rote Muster aufgemalt wurden. In diesem Ort wurde auch das älteste Kupfergerät Zyperns – ein Meißel – gefunden.

In der Frühbronzezeit siedelten die Bewohner Zyperns meistens im Landesinneren in burgenähnlichen Behausungen. Diese „Burgen“ gab es noch in der Spätbronzezeit, deuten aber eher auf eine Anlage für die Vorratshaltung hin und weniger auf eine Fluchtburg. Gegen Ende der Bronzezeit verloren diesen Festungen an Bedeutung. Im Landesinneren gab es nur mehr kleine Zentren, die als Zwischenlagerstätten dienten oder nur für die Produktion zuständig waren. Allgemein kann man feststellen, dass in der Bronzezeit die Bevölkerung Zyperns – aufgrund der Kupfererzvorkommen und dem damit verbundenen Handel – massiv gewachsen zu sein scheint.

Speziell die Städte rund um die Kupferlagerstätten waren dicht besiedelt. Ein wichtiger Ort für den Kupfererzbau war Apliki. Da Schlacke und Blasbalgdüsen gefunden wurden, kann man von einer Verhüttung vor Ort ausgehen. Öfen wurde aber keine gefunden. In dieser Zeit wurde Zypern auch von den Phöniziern besiedelt, die der Insel ihren Namen – benannt nach Kupfer – gaben. Durch die zunehmende Bevölkerung und den zunehmenden Reichtum veränderte sich das Siedlungswesen. Im 16. Und 15. Jahrhundert lebte die Bevölkerung meist in Streusiedlungen, deren mehrräumige Bauten, die um einen Hof gruppiert waren, aus Bruchsteinen bestanden. Die Toten wurden in unterirdischen Grabkammern bestattet. Es gab auch Familiengräber oder Gräber für das gesamte Dorf.[4] Die Grabbeigaben lassen aufgrund von Unterschieden in der Qualität und Quantität auf eine hierarchische Gesellschaft schließen.

Ob es wirklich mehrere Königreiche zu dieser Zeit gab oder nur einen Großkönig ist aufgrund der spärlichen schriftlichen Zeugnisse sehr schwer festzustellen. Auffällig ist aber genau dieses Fehlen von schriftlichen Zeugnissen, denn bei einer gemeinsamen Verwaltung müsste es zumindest darüber Aufzeichnungen geben. In Keilschrift Texten wird immer ein König von Alasija genannt. Alasija ist mit Zypern gleichzusetzen. In diesen Schriften wurde er Herrscher immer mit Bruder angesprochen, ein Hinweis darauf, dass er offenbar den Königen im Nahen Osten in nichts nachstand. Es ist durchaus auch üblich, dass ein König den anderen als Vater bezeichnet und zwar dann, wenn er im Rang niedriger war. Dies scheint aber in Zypern nicht der Fall gewesen zu sein.

Auf hethitischen Texten werden die Herrscher Zyperns als Untergebene bezeichnet. Im 13. Jahrhundert wurde die Insel auch von den Hethitern erobert und war Vasall der Hethiter.

Reich und bedeutend wurde Zypern durch den Kupferhandel teilweise für den eigenen Gebrauch teilweise für den Export aber auch durch Holz. Des weiteren war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor die Landwirtschaft. Man kann von einer zentralen Produktion ausgehen, fand man doch in einem Haus in Apliki 15 Pithoi die zusammen ein Fassungsvermögen von 7500 Litern hatten – ein Fassungsvermögen, das man sicherlich nicht für den privaten Gebraucht genützt haben wird. Auch bei anderen Ausgrabungen wurden sehr viele Pithoi mit immensen Fassungsvermögen gefunden.

Obwohl es Handelsverbindungen nach Palästina und Syrien gab, war Zypern kulturell offenbar doch mit der minoischen Welt verbunden, denn in Zypern wurde die Linear A Schrift als Vorbild für die kypro-minoische Schrift verwendet.

Im 14. Jahrhundert nahmen die Handelsverbindungen zu und die Orte wurden erstmals zu Siedlungen.[5] So auch in Enkomi. Das Areal dieser Stadt erstreckte sich auf 130000 m², war von einer Stadtmauer umgeben und hatte vier Tore. Innerhalb der Stadtmauern wurden bereits im 12. Jahrhundert v. Chr. Plätze für öffentliche Bauten ausgespart und eine Kanalisation ließ sich nachweisen. Es scheint auch hier möglicherweise ein eigenes Handwerkerviertel gegeben zu haben. So wurde eine eigene Schmiede gefunden - ein Nachweis, dass in dieser Stadt Kupfer verarbeitet worden war. In der Stadt wurde sehr viel mykenische Keramik gefunden. Typisch für die Spätbronzezeit hatten sich im 17. Jahrhundert hier Bewohner der im Landesinneren liegenden Stadt Kalopsidha angesiedelt. Die frühesten Funde stammen auch aus dieser Zeit und zeigen ägyptischen Einfluss. Im 14. Jahrhundert lässt sich auf Zypern der Import mykenischer Keramik nachweisen und im 13. Jahrhundert war Enkomi ein Herstellungsort eben jener Keramikgattung. Möglicherweise haben sich hier auch Siedler aus der Ägäis angesiedelt und ihr Keramikwissen mitgebracht. Aus dieser Zeit stammt auch das Größte Haus – Haus 18. Die Häuser waren alle um einen zentralen Hof gruppiert und unter den Fußböden wurden die Toten bestattet.

Als um 1200 die Seevölker eindrangen, wurde nicht nur die mykenische Kultur zerstört, sondern auch die Städte in Syrien und Palästina. Auch in Zypern wurden einige Städte niedergebrannt – unter anderem Enkomi- und danach Großteils nicht wieder besiedelt. Enkomi wird für weitere 2 Jahrhunderte bewohnt, wird dann aber zugunsten der näher am Meer liegenden Stadt Salamis aufgegeben.

Auch im 11. Jahrhundert kann in den zypriotischen Städten ein Zerstörungshorizont in Siedlungen festgestellt werden. Wodurch kann man nicht klären. Sicher ist, dass durch den Wegfall wichtiger Handelspartner in der Levante, in Palästina, Syrien und dem mykenischen Reich auch eine Verarmung auf Zypern erfolgte. Größere Handelsstätten zerfielen und splitterten sich in zahlreiche kleinere auf, die von Eliten geleitet wurden. Um 1050 erfolgte der Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit, eine Zeit, in der auch wieder der Export von Gütern an die ehemaligen Handelspartner erfolgte. Der Ägäishandel scheint aber am Anfang sehr dürftig gewesen zu sein, spiegelt sich massiv aber in den Gräbern der Reichen wieder. So wurde beispielsweise ein Herrscherpaar auf Euböa in einer Urne aus Zypern bestattet.

Im 9. Jahrhundert siedelten sich erstmals Phönizier aus der Stadt Tyros in Zypern an. Sie bewohnten die Siedlung Kition – heute Larnaca. Der Ort war ursprünglich schon besiedelt, wurde dann aber um 1000 v. Chr aufgegeben. Die Stadt blieb bis in die hellenistische Zeit in phönizischer Hand.[6] Durch die Gründung einer phönizischen Kolonie auf Zypern wurde die Insel an das phönizische Handelsnetz angeschlossen. Der Zugang zu den phönizischen Handelsstädten an der Küste der Levante wurde dadurch erleichtert und brachte auch Nachahmer hervor, die die mykenische Kultur mit der phönizischen vermischten.

Speziell im 8. Jahrhundert v. Chr – mitten in den sogenannten Dark Ages – erreichte der Reichtum auf Zypern – zumindest bei der Elite – einen Höhepunkt. Nachgewiesen werden kann dieser unter anderem in den Gräber der Nekropole Salamis. Teukros, Bruder des Ajax und Sohn des Telamon, stammt von der Insel Salamis, die Athen vorgelagert war und er gilt das Gründer der Stadt, die auch deswegen den Namen Salamis trägt.

Königsgräber von Salamis:

Die Königsgräber haben alle den gleichen Aufbau: eine rechteckige Grabkammer, die mit Platten überdacht und mit einem Stein verschlossen war; davor ein gepflasterter Hof sowie ein Dromos, der Zugangsweg zum Grab. Er war rechts und links von Mauern eingefasst; darüber erhebt sich ein Grabhügel. Die Ausmaße dieses Hügels können unterschiedlich sein. In den Grabkammern wurden nicht nur die üblichen Grabbeigaben gefunden, sondern auch ganze Wagen und Gespannpferde oder Esel. Die Bestatteten wurden verbrannt und die Grabbeigaben in der Grabkammer beigesetzt. Einige Grabbeigaben wurden aber nicht mitverbrannt, sondern zusätzlich als Ganzes in das Grab mitgegeben.

Grab 1:

Dieses Grab wurde zwei Mal für Bestattungen genützt. Zur ersten Bestattung gehörte ein Kessel aus Bronze, in dem man Leichenbrand gefunden hat. Eine weitere Bestattung fand im Dromos statt. Reste eines Scheiterhaufens konnten ergraben werden und weibliche Grabbeigaben (Schmuck). Aufgrund der Keramik lässt sich diese Bestattung in das 8. Jahrhundert datieren. Die doch recht reichen Grabbeigaben lassen an eine Dame der Oberschicht denken.

Der zweite Bestattungshorizont ist eine Körperbestattung aus dem 7. Jahrhundert. Wir sind daher in den Dunklen Jahrhunderten, einer Zeit, in der die Dorer die Brandbestattung in Griechenland einführten, parallel aber noch die ältere Erdbestattung existierte. Es ist auch die Zeit, in der Homer seine Ilias schreibt und er kennt bereits den neuen Bestattungsbrauch – den Brauch der Verbrennung, denn in der Ilias wird u.a Patroklos verbrannt.

Beiden Bestattungen sind zudem Pferde beigegeben worden. Der Bestattung aus dem 7. Jahrhundert sogar ein Wagen, dessen Metallteile noch in situ gefunden worden sind.

Grab 2:

Das Grab war beraut und durch landwirtschaftliche Tätigkeit bereits fast zur Gänze abgetragen. Man fand aber einen menschlichen Schädel – man ging daher von einer Körperbestattung aus. Auch hier wurde im Dromos eine zweite Bestattung gefunden. Die zweite Bestattung brachte mehr Funde zum Vorschein u.a. zwei Eselskelette und die Reste eines Wagens. Einem Esel gelang es sich aus dem Geschirr zu befreien und in die Ecke zwischen Grabkammer und Dromos zu fliehen. Hier wurde er von einem Stein getroffen, die vermutlich einer der Begräbnisteilnehmer geworfen hatte. Dadurch wurde der Esel bei lebendigem Leibe begraben.[7] Aufgrund der gefundenen Keramik lässt sich diese 2. Bestattung in das 7. Jahrhundert datieren.

Das am reichsten ausgestattete Grab ist das Grab 79, in dem ein Bronzedreifußkessel gefunden wurde. Dies ist ein Zeichen für großen Wohlstand. Auch Elfenbeintäfelchen mit ägyptischen Motiven wurden gefunden. Auch ein Elfenbeinthron wurde dem Bestatteten beigegeben. Es handelt sich um phönizische Schnitzarbeit. Auch hier können zwei Bestattungen nachgewiesen werden: eine aus dem Ende des 8. Jahrhunderts und eine am Beginn des 7. Jahrhunderts. Der ersten Bestattung werden 6 Pferde zugeschrieben – zwei für den Leichenwagen und vier für den Streitwagen. Die Reste des Streitwagens sind auch noch erhalten. Die hölzernen Abdrücke im Boden erlauben eine mögliche Rekonstruktion.

Grab 47:

Dieses Grab unterscheidet sich dadurch von den anderen, dass man vom Dromos in eine Vorgrabkammer kommt – einer rechteckigen Kammer. In diesem Grab wurden dem Verstorbenen auch Pferde mit in das Grab gegeben. Diese wurden offenbar lebendig beigegeben, denn eines der Pferde hatte noch zu fliehen versucht, sich aber den Hals verrenkt (es war ja angebunden) und sich beim Niederstürzen das Genick gebrochen.[8] Des weiteren wurde auch das Skelett eines Menschen gefunden, dessen Hände vielleicht gefesselt waren. Ein Menschenopfer in der damaligen Zeit – wenn es denn eines gewesen ist – war nichts Unübliches. Meistens wurden den Männern Frauen mit ins Grab gegeben. Das kommt auch in den Trojerinnen des Eurpides vor, da Polyxena, eine trojanische Athena Priesterin, dem bereits toten Achilleus mit auf dem Scheiterhaufen gelegt wird.

Etwas weiter weg von den Königsgräbern befanden sich ca. 100 Kammergräber. Es waren Familiengräber, die mehrmals benutzt worden sind und sich auf einer Fläche von 1092m² erstrecken. Die Gräber hatte alle kleine Dromoi, die aber in späterer Zeit aufgrund des immer knapper werdenden Platzes, weggelassen werden mussten. An der Erdoberfläche waren die Gräber durch Mauern abgegrenzt.

Ein weiterer Hinweis auf eine hierarchische Gesellschaft lässt sich auch in den Gräbern von Tamassos finden. Hier gab es schon in früher Zeit Kupfervorkommen. Der Ort wird auch in der Odyssee erwähnt.[9] Auch hier erfolgt der Zugang zum Grab über einen Dromos. Die Grabkammern imitieren eine hölzerne Architektur. Als Ornamente sind auch Motive aus dem Vorderen Orient zu finden z.B. Palmetten. Die Sarkophage, in die die Toten gelegt wurden, waren aus Stein und unverziert.

Nach Unterwerfung der phönizischen Städte Tyros und Sidon im Mutterland durch die Assyrer, war der Weg für dieses Volk über die Ägäis frei. Zypern wurde unterworfen und in Kition eine Stele errichtet, die von der Unterwerfung der Städte berichtet.

Kition Stele:

Es handelt sich um eine Stele, die ursprünglich auf der Akropolis von Kition aufgestellt war. Sie beschreibt den Sieg Sargons II von Assyrien über die sieben Königreiche der Insel. Auch die Städte sind namentlich genannt:

- Pa-ap-pa Paphos
- Ki-(i)-su Salamis
- Si-il-li/lu Soli
- Da-mu-u-si/su Limassol
- E-di'-il Idalion (Dali)
- Ki-it-ru-si Chytroi (Kythrea)
- Pu-su-su Marion
- Li-di-ir Ledra (Nikosia)
- Ta-me-si/su Tamassos (Politiko)
- Qart Hadascht (Kition oder Amathous)
- Ku-ri-i Kourion (Kurion) (Kaloriziki)

Ob die Elite bzw. die Stadtkönige ihre Funktion verloren, weiß man nicht. Eher ist aber an die Stellung von Klientelfürsten zu denken. Nach dem Ende der assyrischen Herrschaft – die keinerlei Auswirkung auf die Kunst hatte, da die phönizischen Elemente beibehalten worden sind – war Zypern ca. 100 Jahre autark, um dann von den Ägyptern erobert zu werden. Sie begann um 588 und endete um 522 v. Chr. In diesem Jahr wurde auch das ägyptische Reich von den Persern erobert und somit wurde auch Zypern persisch und gehörte fortan zur fünften Satrapie.[10] Auch den zyprischen Münzen dieser Zeit ist der persische Großkönig nicht abgebildet – vermutlich gab es daher auf der Insel keinen eigenen Satrap. Dies führte dazu, dass das Stadtkönigtum weiterlebte oder erneut belebt wurde. Die Zahl der Stadtkönigtümer schwankt zwischen sieben und elf. Es scheint sich um Monarchien mit unbeschränkter Befehlsgewalt gehandelt zu haben. Die wichtigsten Stadtstaaten waren Paphos, Kition, Amathus und Salamis. Wie genau diese Stadtkönigtümer funktionierten, weiß man leider nicht. Die Könige werden in der Literatur als „tyrannoi“, „monarchoi“ oder „basileis“ bezeichnet.[11] Die eigenen Staaten prägten Münzen – dies scheint offenbar nicht zentral organisiert gewesen zu sein. Vermutlich kann man sich das Stadtkönigtum daher eher wie die Häuptlinge der Germanen vorstellen, da auch hier Häuser mit palastähnlichen Strukturen fehlen.

Eine Grundlage für den Reichtum der Insel war neben den Kupfervorkommen und der strategisch guten Lage aber auch Heiligtümer, die einen internationalen Ruf genossen und Besucher aus allen Teilen des Mittelmeerraumes anzogen. Unter anderem der Aphrodite Tempel in Paphos. Das ist auch der Ort, an dem Aphrodite aus dem Meer gestiegen ist.

Aphrodite Heiligtum in Paphos:

Ab dem 4. Jahrtausend v. Chr kann man die Verehrung einer Muttergottheit nachweisen. Die frühesten Bauten im Heiligtum sind aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. Ob es davor auch schon als Kultplatz genutzt worden ist, kann leider nicht gesagt werden. Als nach der Seevölkerwanderung die Mykener die Oberherrschaft über Zypern übernahmen, bekam die namenlose Göttin auch den Namen Aphrodite. Ob sich der Name wirklich vom Wort aphros – schaumgeboren – ableitet, weiß man nicht. Das Heiligtum erreicht im 1. Jahrtausend v. Chr. seinen Höhepunkt, ist fast so bekannt wie das Apolloheiligtum in Delphi. Quellen berichten von einem „duftenden Altar“ und einem „schimmernden Tor“.[12] Ein Tempel der Aphrodite hat sich archäologisch nicht finden lassen. Als Kultobjekt hat offenbar auch keine Statue gedient sondern ein pyramidenförmiges Objekt.[13] Die Göttin wurde demnach offenbar als Stein verehr– so wie es noch die römischen Münzen zeigen. Der Stein wurde wahrscheinlich in einem Schrein aufbewahrt oder unter einem Baldachin.[14] Im Kultbezirk wurden auch Votivfiguren der Göttin gefunden.

Bei den Ausgrabungen wurde eben jener Stein gefunden, dieser war schwarz. Lt. Überlieferung war das pyramidenförmige Objekt aber weiß. War der Stein daher mit einem Tuch umhüllt?

Diese Sitte, Götter nicht als Statuen zu verehren, geht auf vergangene Zeiten zurück. Speziell ältere Heiligtümer wie Delphi und Dodona weisen dies noch auf.[15]

Das offene Heiligtum wird bis in die Römerzeit beibehalten. Erst danach wird es erweitert.

Der Aphrodite Kult bleibt sogar zu Zeiten des Christentums bestehen.

Der Aphrodite Kult ist ein Mysterien und Fruchtbarkeitskult, der im Frühjahr stattfand.[16] Da es sich um einen Mysterienkult handelt, ist nicht viel darüber bekannt. Es gibt einen Priester, der sich Kinyrade nennt und als Zeremonienmeister fungierte. Die Göttin wurde von einer verkleideten und geschminkten Priesterin dargestellt. Am Kopf trug sie eine Krone – so wurde es auch im homerischen Hymnos beschrieben.

De Opfergaben waren unterschiedlicher Natur. Aufgrund von Vasendarstellungen wissen wir von Zweigen, Blumen, Vögeln und Fischen.

Auch die Tempelprostitution gehörte zu den Zeremonien um den Aphrodite Kult. Herodot überliefert das – beschreibt dabei allerdings die Bräuche Babylons und erwähnt ganz zum Schluss, dass es einen ähnlichen Brauch auf Zypern geben würde. In Babylon ist es Gang und Gäbe, dass sich jede Frau in den Aphrodite Tempel begeben muss, um sich einem Fremden hinzugeben. Reiche Frauen kommen dabei in einem Wagen, der verdeckt ist, arme Frauen kommen zu Fuß. Im Heiligtum ist warten angesagt. Durch die sitzenden Frauen ziehen sich Wege, auf denen die Männer auf und ab gehen, um sich eine Frau aus zu suchen. Diese müssen sie selbstverständlich bezahlen. Die Frau muss das Geld nehmen und darf den Mann nicht zurückweisen. Sie muss so lange im Heiligtum bleiben, bis sich ein Mann für sie interessiert hat. Ein zweites Mal dürfen sie sich dem Fremden nicht hingeben – egal wie viel Geld er bietet. Herodot fügt dazu, dass die hübschen Frauen bald wieder gehen, die hässlichen aber oft drei bis vier Jahre warten!

Es gab auf Zypern aber auch Heiligtümer, die nur lokale Bedeutung hatten so unter anderem das Apollo Heiligtum von Idaliaon (beim heutigen Ort Dali zwischen Larnaca und Nikosia). Der Ort war einer der 14 Königtümer der Insel und es werden 14 Tempel genannt und es soll 10000 Gräber gefunden worden sein. Das bedeutendste Heiligtum ist das von Apollo. In ihm wurden sehr viele Votivstatuen gefunden, die verschiedene kulturelle Einflüsse aufweisen so unter anderem von Ägypten, dem vorderen Orient aber auch Griechenland. Das Heiligtum selber orientiert sich bei seiner Bauweise ganz klar nach östlichen Vorbildern. Durch Inschriften wissen wir, dass die hier verehrte Gottheit an den griechischen Apollo und den phönizischen Reschef angeglichen worden ist.[17]

Im Jahr 499 kam es zum sogenannten ionischen Aufstand, in den sich auf die Zyprioten einmischten. Alle bis auf den Herrscher von Amathus schlossen sich den Griechen an. Der Anführer war wohl Onesilos, er war der Bruder des Königs von Salamis. Er unterlag den Perser, die mit einer Flotte auf Zypern landeten und den Zyprioten eine entscheidende Niederlage in der Schlacht bei Salamis (nicht zu verwechseln mit der Schlacht von Salamis im Jahre 480 von Persern gegen die Griechen) bereiteten. Onesilos verlor sein Leben und sein Kopf wurde als Abschreckung an die Stadtmauer von Amathus genagelt. Der kyprische Widerstand gegen die Perser erlosch rasch - nur Paphos und Soloi mussten noch einige Monate belagert werden. Dies lässt sich auch archäologisch in der Stadtmauer von Paphos nachweisen. Dort wurde eine Belagerungsrampe entdeckt, die direkt zur Stadtmauer führte. Offenbar hatte man auf diese Art probiert, Paphos zum Aufgeben zu zwingen. Die Paphier unternahmen den Versuch, dies zu unterbinden und gruben Stollen, die die Rampe zum Einsturz bringen sollten. Auch diese Stollen lassen sich im archäologischen Befunde nachweisen. Paphos und Soloi erhielten als der Widerstand gebrochen war eine größere persische Besatzung als davor.

[...]


[1] Schollmeyer, 16

[2] Schollmeyer, 16

[3] Strabon XIV, 6.5

[4] Schollmeyer, 18

[5] Schollmeyer, 21

[6] Schollmeyer, 24

[7] Schneider, 274

[8] Schneider, 273

[9] Schollmeyer, 32

[10] Schollmeyer, 34

[11] Schneider, 29

[12] Schneider, 140

[13] Schneider, 140

[14] Schollmeyer, 37

[15] Schneider, 140

[16] Schneider, 141

[17] Schollmeyer, 39

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Zyperns archäologische Stätten. Von Königsgräbern und Heiligtümern
Veranstaltung
Vortrag
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V341720
ISBN (eBook)
9783668317437
ISBN (Buch)
9783668317444
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zypern, Archäologie, Königsgräber, Heiligtümer, Städte, Geschichte, Altertum
Arbeit zitieren
Dr. Sigrid Vollmann (Autor), 2016, Zyperns archäologische Stätten. Von Königsgräbern und Heiligtümern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341720

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