In der folgenden Arbeit wird ein Vergleich gezogen zwischen Kindern der ersten Klasse welche zuvor einen Waldkindergarten oder einen Regelkindergarten besuchten, sowie deren kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten.
Da ich nach meinem Studium gerne in Richtung Lehre im Bezug zu Kindertagesstätten gehen möchte (entweder im Bereich von Supervisionen und Fortbildungen für Erzieherinnen oder als Lehrerin an einer Erzieherfachschule beziehungsweise Schule für Sozialwesen), da ich dieses Lebensalter spannend finde und die Wichtigkeit von qualitativ Hochwertigen Kindertagesstätten sehr hoch ansiedele, möchte ich vorerst praktische Erfahrungen in der direkten Arbeit am Kind sammeln und den Alltag einer Erzieherin kennen lernen, um wissenschaftliche Theorien mit praktischen Erfahrungen und Umsetzungsmöglichkeiten verbinden zu können. Im Verlauf des Bachelor Studiums hatte ich bereits ein Praktikum in einem Regelkindergarten sowie in einem Hort absolviert, aus diesem Grund wählte ich eine alternative Form des Kindergartens für mein Praktikum im Master. So fand ich meinen Weg zu einem Waldkindergarten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Waldkindergarten – Geschichte, Leitgedanken und Besonderheiten
3. Schulfähigkeit und Schulreife
3.1 Schulfähigkeit nach Gorges
3.2 Schulreifemodell nach Nickel
4. Studie über schulische Kompetenzen –
Regelkindergärten und Waldkindergärten im Vergleich
4.1 Ergebnisse der Untersuchung
4.2 Deutung der Ergebnisse
4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Der vorliegende Praktikumsbericht untersucht die pädagogische Eignung von Waldkindergärten im Hinblick auf die Förderung der Schulfähigkeit bei Kindern und stellt diese den Erfahrungen in Regelkindergärten gegenüber.
- Historische Entwicklung und pädagogische Leitkonzepte des Waldkindergartens.
- Wissenschaftliche Grundlagen der Schulfähigkeit nach Gorges und Nickel.
- Vergleichende Analyse schulischer Kompetenzen zwischen Regel- und Waldkindergärten basierend auf der Dissertation von Peter Häfner.
- Diskussion über den Einfluss von Freispiel, Naturerfahrung und Eigenverantwortlichkeit auf die kindliche Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
Ohne Wände
Der größte und offensichtlichste Unterschied eines Waldkindergartens zu einem Regelkindergarten ist selbstverständlich das Fehlen von Wänden. Dennoch gibt es Formen von „Räumen“ oder eher Plätze mit bestimmten Funktionen, zum Beispiel der Platz an dem der Morgenkreis stattfindet oder eine Lichtung auf der immer Pause gemacht wird und ähnliches. Diese Räume sind allerdings nicht klar abgegrenzt und sehen auch mit dem Verlauf der Jahreszeiten immer wieder anders aus, sodass es stets spannend bleibt und es Neues zu entdecken gibt. Im Wald können sich Kinder auch leichter zurückziehen ohne jedoch den Kontakt zur Gruppe zu verlieren. Denn schon hinter dem nächsten Baum können sie sich verstecken und Ruhe finden, jedoch gleichzeitig noch hören und eventuell auch sehen, was die anderen Kinder gerade tun.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die geringere Lärmentwicklung, die durch die Offenheit des Waldes (gegenüber geschlossenen Räumen) entsteht. Erzieherinnen und Eltern berichten immer wieder, dass ihre Kinder ausgeglichener, stressfreier und auch weniger aggressiv mit einem Besuch des Waldkindergartens sind.
Im Gegensatz zu Regelkindergärten und auch den Möglichkeiten im Alltag können Kinder im Waldkindergarten immer wieder Grenzerfahrungen machen. Sie können beispielweise die Herausforderung auf einen Baum zu klettern meistern. Hierbei können sie Mut, Geschicklichkeit und Kraft herausfordern und entwickeln, aber eben auch an ihre Grenzen stoßen, vielleicht reicht ihre Kraft nicht aus, oder sie haben plötzlich Angst. Dies sind Erfahrungen elementarer Art, die nötig sind um eigene Fähigkeiten adäquat einschätzen zu können.
Auch das Einhalten von Regeln wird in Waldkindergärten leichter akzeptiert, was sich ganz einfach daraus ableiten lässt, dass im Wald auch für Kinder reale Gefahren sichtbar sind, welche sich unmittelbar erleben lassen und somit die Regeln für die Kinder nachvollziehbar werden. Auch die Kinder wissen, dass im Wald immer etwas Unvorhergesehenes geschehen kann, ein Tier wird aufgeschreckt, man hört unbekannte Geräusche oder jemand verletzt sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet ihre Entscheidung für ein Praktikum im Waldkindergarten durch das Interesse an alternativen Erziehungskonzepten für ihre spätere pädagogische Laufbahn.
2. Waldkindergarten – Geschichte, Leitgedanken und Besonderheiten: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung vom schwedischen Ursprung bis zur Etablierung in Deutschland und erläutert zentrale Ansätze wie den Situationsansatz, das Lernen ohne vorgefertigtes Spielzeug und die Rolle der Natur.
3. Schulfähigkeit und Schulreife: Hier werden theoretische Modelle zur Schulfähigkeit vorgestellt, insbesondere das Kompetenzmodell von Gorges sowie das interaktionistische Schulreifemodell von Nickel.
4. Studie über schulische Kompetenzen – Regelkindergärten und Waldkindergärten im Vergleich: Es erfolgt eine detaillierte Auswertung der empirischen Daten von Peter Häfner, die verschiedene Bereiche kindlicher Kompetenzen vergleicht und diskutiert.
5. Fazit und Ausblick: Die Autorin reflektiert ihre eigenen praktischen Erfahrungen im Waldkindergarten und zieht ein Resümee über die Bedeutung der Institution für die Schulvorbereitung.
Schlüsselwörter
Waldkindergarten, Schulfähigkeit, Schulreife, Naturpädagogik, Situationsansatz, Regelkindergarten, Sozialverhalten, motorische Förderung, frühkindliche Erziehung, Kompetenzentwicklung, Eigenverantwortlichkeit, Lernumgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Praktikumsbericht grundsätzlich?
Der Bericht dokumentiert die Erfahrungen der Autorin in einem Waldkindergarten und analysiert die Auswirkungen dieser alternativen Betreuungsform auf die Schulfähigkeit der Kinder im Vergleich zum Regelkindergarten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Waldkindergartens, Konzepte der Naturpädagogik, theoretische Modelle zur Schulreife und empirische Studien zur schulischen Leistungsfähigkeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis von Literatur und empirischen Daten zu erörtern, ob Waldkindergärten Kinder adäquat auf den Übergang in die Grundschule vorbereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse bestehender empirischer Studien, insbesondere der Dissertation von Prof. Dr. Peter Häfner.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der pädagogischen Konzeption der Waldpädagogik, theoretischen Modellen zur Schulfähigkeit sowie dem direkten Vergleich von Kompetenzwerten zwischen Wald- und Regelkindergartenkindern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Waldkindergarten, Schulfähigkeit, Naturpädagogik, Sozialverhalten und motorische Entwicklung.
Warum schneiden Waldkindergartenkinder in der Studie in vielen Bereichen besser ab?
Die Studie deutet darauf hin, dass die Förderung der Eigenverantwortlichkeit, das Fehlen von Spielzeug und das entdeckende Lernen im Wald die Selbstständigkeit und soziale Kompetenz der Kinder stärken.
Gibt es auch Bereiche, in denen der Regelkindergarten Vorteile bietet?
Ja, in Bereichen wie Feinmotorik oder bei spezifischen Aufgabenstellungen, die strukturell eher dem schulischen Umfeld entsprechen, zeigten Kinder aus Regelkindergärten teilweise bessere Ergebnisse.
Welche Rolle spielt die Familie laut der Autorin?
Die Autorin weist darauf hin, dass die familiäre Situation als wichtige Sozialisationsinstanz in Häfners Studie nicht explizit berücksichtigt wurde, was die Ergebnisse beeinflussen könnte.
Welchen Ausblick gibt die Autorin für ihre weitere akademische Arbeit?
Die Autorin plant, das Thema des Übergangs vom "naturnahen" Kindergartenalltag in den strukturierten Schulalltag im Rahmen ihrer Master-Arbeit weiter zu vertiefen.
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- Yannah Holzderber (Author), 2016, Waldkindergarten und Schulfähigkeit. Ein Praktikumsbericht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341914