Da Deutschland eine Wissensgesellschaft ist, was eine frühe Heranführung von Kindern an Bildung erforderlich oder zumindest erstrebenswert macht, sieht die deutsche Liga für das Kind unter bildungsökonomischen Aspekten keine Alternative zu einer gut ausgebauten frühen Tagesbetreuung, um allen Kindern gerechte Teilhabechancen bieten zu können. Auch beziehen sie sich auf Rauschenbach und Schilling, welche sagen, jede Investition in frühe Bildung bringe eine volkswirtschaftliche Rendite hervor.
Die vorliegende Arbeit behandelt den Zusammenhang von Frühförderung und der Entwicklung des Kindes. Dieser wird am Beispiel der EPPE Studie und einem Überblick aus den Erkenntnissen weiterer Studien zu diesem Thema aufgezeigt. Es folgt die Darstellung des Verlaufs und der Ergebnisse der EPPE Studie, sowie die Bedeutung der gewonnenen Erkenntnisse. In diesem Zusammenhang soll auch auf den Einfluss, den die eigene Familie auf die kindliche Entwicklung hat, eingegangen werden. Weiterhin wird ein Programm der frühen Hilfen vorgestellt welches sich an benachteiligte Familien wendet. Im weiteren Verlauf wird ebenfalls das in der EPPE Studie zugrunde liegende Konzept von Qualität in Frühförderungseinrichtungen kritisch beleuchtet. Hierzu werden neben den in der EPPE Studie genutzten Bewertungsskalen weitere Konzepte von Katz, Tietze und der deutschen Liga für das Kind herangezogen.
Abschließend sollen die gewonnenen Kenntnisse in einem zusammenfassenden Fazit dargestellt werden. In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff der Frühförderung (wird im Folgenden mit FF abgekürzt) verwendet um frühpädagogische Betreuung jeglicher Art zu beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktueller Forschungsstand
3. Die EPPE-Studie
3.1 Ergebnisse
3.1.1 Effekt des Besuchs einer FF-Einrichtung (im Vergleich zu keinem)
3.1.2 Effekt der Qualität und Umsetzung in FF-Einrichtungen
3.1.3 Effekt der Form der Einrichtung
3.1.4 Effekt der Familie
3. 2 Interpretation der Ergebnisse
4. Das Sure Start Programm
5. Qualitätsbild der EPPE Studie
5.1 Caregiver Interaction Scale
5.2 Early Childhood Environment Rating Scale
5.3 Auswertung
6. Was ist Qualität?
6.1 Fünf Perspektiven der Qualität in Kindertagesstätten
6.2 Pädagogische Qualität nach Tietze
6.3 Deutsche Liga für das Kind
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen frühkindlicher Förderung und der Entwicklung des Kindes, wobei die Ergebnisse der EPPE-Studie sowie weitere internationale Forschungsbefunde analysiert werden. Ziel ist es, die Bedeutung pädagogischer Qualität in Tageseinrichtungen kritisch zu beleuchten und verschiedene Konzepte zur Bestimmung dieser Qualität gegenüberzustellen.
- Einfluss von Frühförderung auf die kognitive und soziale kindliche Entwicklung
- Bedeutung der pädagogischen Qualität und deren Messinstrumente
- Differenzierte Analyse von Qualitätsperspektiven (Katz, Tietze, Deutsche Liga für das Kind)
- Rolle familiärer Rahmenbedingungen im Entwicklungsprozess
- Evaluierung des "Sure Start" Programms als Ansatz der frühen Hilfen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Effekt der Qualität und Umsetzung in FF-Einrichtungen
Je höher die Qualität einer Einrichtung, desto weiter ist die intellektuelle und soziale Entwicklung der Kinder. Eine hohe Qualität ist nicht an eine bestimmte Form von Einrichtung gebunden, sondern kann in allen Formen der Frühförderung gefunden werden. Es ließ sich auch feststellen, dass ein höher qualifiziertes Personal, mit einer insgesamt höheren Qualität der Einrichtung und größeren Entwicklungsfortschritten der Kinder, einhergeht.14
Auch die pädagogische Ausrichtung bleibt nicht ohne Wirkung, denn wo Bildung und soziale Entwicklung von gleichem Interesse sind und als sich ergänzend gesehen werden, entwickeln sich die Kinder insgesamt besser.15
Effektive Pädagogik definiert sich aus dem Zusammenspiel von „traditionellem Lehren“ und dem „sustained shared thinking“, welches einen dialogisch-entwickelten Interaktionsprozess zwischen Erzieherinnen/Erziehern und Kindern meint. „Beim ,sustained shared thinking´ (ins Deutsche zu übersetzen als „anhaltendes geteiltes Nachdenken“) arbeiten zwei oder mehrere Personen intellektuell zusammen, um ein Problem zu lösen, ein Konzept zu verstehen, eine Tätigkeit zu beurteilen, eine Geschichte weiterzuentwickeln u.a. Alle Beteiligten tragen zum Denkprozess bei, er wird gemeinsam entwickelt und erweitert.“16
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Bedeutung frühkindlicher Bildung in der Wissensgesellschaft und Vorstellung des Aufbaus der Arbeit.
2. Aktueller Forschungsstand: Überblick über internationale Studien, die belegen, dass frühkindliche Förderung die kognitive und sozio-emotionale Entwicklung positiv beeinflusst.
3. Die EPPE-Studie: Detaillierte Darstellung der Methodik und Ergebnisse der EPPE-Langzeitstudie zu Wirkungsfaktoren frühpädagogischer Betreuung.
4. Das Sure Start Programm: Analyse eines spezifischen Programms der frühen Hilfen für benachteiligte Familien und deren Evaluationsergebnisse.
5. Qualitätsbild der EPPE Studie: Erläuterung der zur Qualitätsevaluation verwendeten Instrumente wie CIS und ECERS.
6. Was ist Qualität?: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Qualitätsbegriff anhand der Perspektiven von Lilian G. Katz, Wolfgang Tietze und der Deutschen Liga für das Kind.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Qualität der Interaktion und die familiäre Umgebung entscheidend für das Gelingen frühkindlicher Förderung sind.
Schlüsselwörter
Frühpädagogik, FF, pädagogische Qualität, EPPE-Studie, frühkindliche Entwicklung, Kindertageseinrichtung, Prozessqualität, Strukturqualität, Sure Start, Sustained Shared Thinking, Frühförderung, Bildungsoutcome, Kindeswohl, frühkindliche Bildung, Elementarbereich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen frühpädagogischer Betreuung auf die kindliche Entwicklung, primär gestützt auf die Ergebnisse der britischen EPPE-Studie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Effektivität von Frühförderung, die Messung pädagogischer Qualität sowie die unterschiedlichen theoretischen Ansätze zur Definition von Qualität in Kindertagesstätten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen frühkindliche Bildung positive Entwicklungsfortschritte erzielt und welche Faktoren hierbei – neben der institutionellen Qualität – eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Sekundäranalyse internationaler Studien und fachwissenschaftlicher Positionspapiere basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Vorstellung der EPPE-Studie, die Evaluierung des Sure Start Programms sowie eine umfassende Diskussion verschiedener Qualitätsbegriffe in der Pädagogik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Frühpädagogik, EPPE-Studie, pädagogische Qualität, Kindeswohl und Entwicklungsförderung sind die prägenden Begriffe.
Welche Rolle spielt die Familie laut den Ergebnissen?
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der familiäre Hintergrund trotz hochwertiger institutioneller Förderung weiterhin ein maßgeblicher Prädiktor für die kindliche Entwicklung bleibt.
Was bedeutet "Sustained Shared Thinking"?
Es beschreibt einen dialogisch-intellektuellen Interaktionsprozess zwischen Erziehern und Kindern, bei dem gemeinsam nachgedacht und ein Problem gelöst wird.
Wie unterscheidet sich die "Top-down" von der "Bottom-up" Perspektive nach Katz?
Die Top-down-Perspektive fokussiert auf beobachtbare Rahmenbedingungen wie Personalschlüssel, während die Bottom-up-Perspektive die subjektive Wahrnehmung und das Befinden des Kindes in der Einrichtung in den Mittelpunkt stellt.
- Arbeit zitieren
- Yannah Holzderber (Autor:in), 2016, Die Wirkung von Frühpädagogik auf die kindliche Entwicklung. Die Evaluierung von pädagogischer Qualität durch die EPPE Studie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341915