Nürnberg und die Goldene Bulle. Die besondere Stellung der Stadt unter Karl IV.


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kaiser Karl IV.
a) 16.05.1316 – 25.07.1349
b) 25.07.1349 – 05.04.1355
c) 05.04.1355 - 29.11.1378

III. Die Goldene Bulle
a) Kapitel 29
b) Nürnberg als Tagungsort

IV. Fazit

V. Bibliographie

I. Einleitung

Nürmberg, die fürnemste und basz gelegiste Stat des Reichs. Auf diese Weise wurde die Stadt von Kaiser Karl IV., König von Böhmen, einmal genannt.[1] Dieses Lob hat seinen Ursprung in der besonderen Stellung Nürnbergs im Reich. Die Reichsstadt pflegte ab dem 31. Januar 1347 sehr gute Beziehungen zu Karl IV.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, weshalb Karl IV. die Stadt Nürnberg in der Goldenen Bulle als Tagungsort des 1. Reichstages eines neu gewählten Königs erklärt. Um diese Frage beantworten zu können muss auf mehrere Faktoren eingegangen werden. Es gilt die Person Karls IV. genauer zu betrachten und seine Sympathie für die fränkische Stadt zu erläutern.

Anschließend rückt die Goldene Bulle als Quelle in den Vordergrund. Ihre Entstehungsgeschichte und die wesentlichen Bestandteile werden in Abschnitt III. näher untersucht.

Das Hauptmerkmal wird auf das Kapitel 29 gelegt, welches den 1. Reichstagsort exakt festschreibt und somit in dem wichtigsten Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation verankert.

Nach der Quellenanalyse folgt die Erklärung für die herausragende Rolle Nürnbergs neben Frankfurt, dem Ort der Königswahl, und Aachen, dem Ort der Königskrönung. Hier werden die Beziehungen Karls IV. zu Nürnberg, aber auch das Verhältnis Nürnbergs zur Königshauptstadt Prag angesprochen.

Abschließend wird die zukünftige Aufgabe Nürnbergs, die Entwicklung der Stadt durch die besondere Auszeichnung und die daraus resultierende gehobene Stellung im Reich dargelegt.

II. Kaiser Karl IV.

a) 16.05.1316 – 25.07.1349

Prinz Wenzel kam als drittes Kind von sieben Geschwistern am 16. Mai 1316 zur Welt.[2] Seine Eltern waren König Johann von Luxemburg und Elisabeth von Böhmen.

Aufgrund guter Kontakte der Luxemburger zum französischen Hof erhielt Wenzel dort ab 1324 eine ausgezeichnete Erziehung. Im Laufe dieses Aufenthaltes nahm Prinz Wenzel von Böhmen bei seiner Firmung den Namen seines Firmpaten, König Karl von Frankreich, an.

Im Jahre 1331 kehrte er zurück nach Böhmen und wurde ein Jahr später zum Markgraf von Mähren ernannt.[3]

Am 16.05 1346 wurde Karl als Gegenkönig zu Kaiser Ludwig IV., dem Herrscher über das HRRdN, aufgestellt. Er folgte im gleichen Jahr seinem Vater auf den böhmischen Thron.[4]

Der neu gewählte böhmische König hatte allerdings nur Rückhalt in seinem eigenem, geerbten Gebiet. Im Heiligen Römischen Reich fand er keine Unterstützung und als neuer König des Reiches auch keine Akzeptanz, da er die üblichen Rituale der Königswahl nicht einhalten konnte.

Karls Krönung fand in Bonn statt und nicht, wie sonst üblich, in Aachen. Zudem befanden sich die Reichsinsignien in der Hand von Ludwig IV., welcher so die Herrschaftslegitimation Karls unterbunden hatte.

Der Tod Ludwigs IV. im Jahre 1347 führte eine Wende in dem Streit um die Vormachtstellung im Reich herbei.

Vier Fürsten der wittelsbachischen Partei wählten 1349 Graf Günther von Schwarzburg zum Gegenkönig. Dieser blieb gegenüber Karl jedoch chancenlos und so wurde der böhmische König am 25. Juli 1349 in Aachen zum 2. Mal zum römischen König gekrönt.[5]

b) 25.07.1349 – 05.04.1355

Wie in Abschnitt II a) bereits berichtet, ist Karl im Jahre 1349 zum 2. Mal zum König gekrönt worden. Sein Mitkonkurrent war ihm unterlegen und verstarb im selben Jahr.

Die ersten vier Herrscherjahre verbrachte Karl IV. ausschließlich in Böhmen. Die Sicherung seines Königreichs und die innere Stärkung seines geerbten Besitzes standen im Vordergrund.

Der römische König Karl IV. erhielt von seinem Vater das Königreich Böhmen mit der Markgrafschaft Mähren, der Oberlausitz und Schlesien. Ebenso gehörte das Stammland Luxemburg mit einigen Grenzgebieten diesem Machtbereich an.[6]

Seine guten Kontakte zur Kirche nutze er, um seine Hausmacht gegen innere und äußere Einflüsse zu stärken.

Karl versuchte auch eine Reihe von böhmischen Adeligen auf seine Seite zu ziehen, was ihm allerdings nur teilweise gelang. Auch der Versuch, ihre Machtfülle einzuschränken misslang.[7]

Aus den genannten Informationen lässt sich vielleicht schließen, dass der römische König in den vier Jahren der Herrschaftssicherung in Böhmen sein restliches Königreich vernachlässigte. Dies war jedoch nicht der Fall, da sein Großonkel, Erzbischof Balduin von Trier, für die Einhaltung der Landfriedensvereinbarungen im HRR sorgte. In manchen Gebieten setzte Karl seine Brüder zur besseren Kontrolle als Herrscher ein.[8]

Nachdem das Königreich Böhmen genügend gestärkt worden war, konnte sich Karl nun der Herrschaftssicherung im Reich widmen.[9] In den ersten Regierungsjahren lag, wie sich aus seinem Itinerar schließen lässt, Böhmen im Vordergrund.

Diese eingeschränkte Mobilität änderte sich nun und Karl setzte neue Schwerpunkte in seiner politischen Tätigkeit. Das Itinerar reicht in dieser zweiten Phase nun im Osten von Schlesien und Österreich bis nach Lothringen im Westen. Im Süden von Köln bis in die Mark Brandenburg im Norden.[10]

Böhmen-Mähren rückt bei den Aufenthalten immer mehr in den Hintergrund und der deutsche Südwesten tritt in den Vordergrund. Köln, Mainz und Nürnberg sind für die Sicherung der Beziehung zu den Kurfürsten und die Anerkennung der Städte äußerst wichtig.

Nürnberg hatte Karl als zweite Stadt nach Regensburg gehuldigt. Durch diese Tatsache und die gute Lage Nürnbergs auf den Reisen des römischen Königs trat die Stadt nun als Königszentrum hervor. Karl IV. hielt sich hier häufig auf und bildete Nürnberg zu einer Hauptresidenz neben Prag aus.[11]

Karls Bemühungen galten jedoch nicht nur der Sicherung des Reiches und der Unterdrückung von Streitigkeiten unter den Städten und Fürstentümern, sondern auch der Erlangung der Kaiserkrone.

Im Frühsommer 1354 brach Karl IV. mit nur 300 Mann aus Nürnberg nach Italien auf. Nach verschiedenen Aufenthalten in Udine, Mailand und Pisa zog der römische König schließlich am 5. April 1355 in Rom ein.[12] Am gleichen Abend nach seiner Krönung verließ er die Ewige Stadt schon wieder und machte sich auf den Rückweg.[13]

c) 05.04.1355 - 29.11.1378

Am 3. Juli 1355 traf Kaiser Karl IV. in Regensburg ein, eine Woche später erreichte er seinen Ausgangspunkt Nürnberg. Mitte August betrat der böhmische König Prag und ihm wurde dort ein überwältigender Empfang bereitet.

Von Prag aus berief er einen Hoftag zu Nürnberg für den 1. November 1355 ein. Auf diesem Hoftag wollte er über verschiedene Themenbereiche diskutieren.[14]

Die Beratungen über eine Reihe von Rechtssatzungen und Privilegien zogen sich bis zum 10. Januar 1356 hin.

An diesem Tag wurde die einzige Verfassung des HRRdN verkündet, welche bis zu dem Zerfall 1806 Gültigkeit haben sollte. In dieser ersten Verkündigung handelte es sich allerdings nur um 23 Kapitel. Die restlichen 8 Kapitel sind am Weihnachtstage 1356 bei einem Hoftag in Metz ergänzt worden.

Das später Goldene Bulle genannte Verfassungsdokument enthielt nun 31 Kapitel, welche zum Beispiel das Majoritätsprinzip, die Primogenitur[15], das Pfahlbürger- und Bündnisverbot der Städte[16] und eine Rangordnung unter den Kurfürsten festhielten.[17]

Im Bezug auf das Münz- Geleit- und Zollwesen gab es keine Entscheidung und dieses Thema blieb weiterhin ungeklärt.[18]

Am 26. Februar 1361 kam der Sohn des Kaisers in Nürnberg zur Welt.[19] Er erhielt wie Karl seinen Namen von Wenzel, dem Landesheiligen Böhmens.[20]

Die Krönung Wenzel IV. zum König von Böhmen erfolgte bereits am 15. Juni 1363. 13 Jahre später übernahm er die Krone des Heiligen Römischen Reiches von seinem Vater.[21]

Karl IV. hinterließ seinem Sohn eine gesicherte Nachfolge und dieser folgte ihm unbestritten als König des Reiches. Kaiser Karl IV. starb am 29.11. 1378 in seiner Heimatstadt Prag.[22]

[...]


[1] BRÄUTIGAM, Günther: Nürnberg als Kaiserstadt, München 1978, S. 343.

[2] SEIBT, Ferdinand: Karl IV., Frankfurt am Main 2003, S. 115.

[3] KAVKA, Frantisek: Am Hofe Karls IV., Leipzig 1990, S. 167.

[4] MÜLLER-MERTENS, Eckhard: Geschichtliche Würdigung, Weimar 1978, S. 14-15.

[5] PRITZEL, Malte: Das heilige Römische Reich, Darmstadt 2004, S. 68-70.

[6] PRITZEL, Malte: Das heilige Römische Reich, Darmstadt 2004, S. 70-71.

[7] PRITZEL, Malte: Das heilige Römische Reich, Darmstadt 2004, S. 72.

[8] HOENSCH, Jörg Konrad: Die Luxemburger, Stuttgart 2000, S. 133-135.

[9] HERGEMÖLLER, Bernd-Ulrich: Fürsten, Herren und Städte, Böhlau 1983. S.11.

[10] EBERHARD, Winfried: Herrschaft und Raum, München 1978, S. 102-103.

[11] EBERHARD, Winfried: Herrschaft und Raum, München 1978, S. 101-104.

[12] PRITZEL, Malte: Das heilige Römische Reich, Darmstadt 2004, S. 70.

[13] HOENSCH, Jörg Konrad: Die Luxemburger, Stuttgart 2000, S.141-143.

[14] HOENSCH, Jörg Konrad: Die Luxemburger, Stuttgart 2000, S.144-146.

[15] MÜLLER-MERTENS, Eckhard: Geschichtliche Würdigung, Weimar 1978, S. 16.

[16] SEIBT, Ferdinand: Karl IV., Frankfurt am Main 2003, S. 254.

[17] PRITZEL, Malte: Das heilige Römische Reich, Darmstadt 2004, S. 79-80.

[18] SEIBT, Ferdinand: Karl IV., Frankfurt am Main 2003, S. 253-256.

[19] BRÄUTIGAM, Günther: Nürnberg als Kaiserstadt, München 1978, S. 343.

[20] HOENSCH, Jörg Konrad: Die Luxemburger, Stuttgart 2000, S. 155.

[21] PRITZEL, Malte: Das heilige Römische Reich, Darmstadt 2004, S. 83.

[22] KAVKA, Frantisek: Am Hofe Karls IV., Leipzig 1990, S. 167-171.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Nürnberg und die Goldene Bulle. Die besondere Stellung der Stadt unter Karl IV.
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Nürnberg im Mittelalter
Note
1,7
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V341934
ISBN (eBook)
9783668317055
ISBN (Buch)
9783668317062
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl IV, Goldene Bulle, Reichstag
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Nürnberg und die Goldene Bulle. Die besondere Stellung der Stadt unter Karl IV., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341934

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