Schillers "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" und Abels "Lebens-Geschichte Fridrich Schwans". Ein formaler und inhaltlicher Vergleich hinsichtlich der moralischen Aufklärung


Hausarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen:

Einleitung:

Formaler Abriss und inhaltliche Analyse der Vorworte:

Inhaltlicher Vergleich und Differenzierung hinsichtlich der moralischen Aufklärung der beiden Haupttexte
a) Unterschiede in den Darstellungen des Helden
b) Wie die Gesellschaft Christian Wolf zum Dieb macht
c) Analyse des Mordes und seiner Gründe
d) Umbruch und Reue
e) Wirkung des jeweiligen Endes

Schlussteil:

Literaturverzeichnis:
a) Primärliteratur:
b) Sekundärliteratur:

Vorbemerkungen:

Für die Primärliteratur „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ von Schiller und die „Lebens-Geschichte Fridrich Schwans“ von Abel wurde die Studienausgabe des Reclam Verlages genutzt. Sämtliche Angaben in den Fußnoten beziehen sich auf diese Ausgabe, Abweichungen zu anderen Verlagen oder Ausgaben können vorkommen. Die Datei im pdf Format ist unter https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb1/PHI/Fichte_Einleitungen_in_die_Wissenschaftslehre.pdf einsehbahr (Stand 08.04.2016).

Einleitung:

„Die Richter sahen in das Buch der Gesetze, aber nicht einer in die Gemütsverfassung des Beklagten“[1]. So kritisiert Schiller schon zu Beginn seines Werkes die deutsche Strafrechtspflege des 18. Jahrhunderts, welche nicht nur für ihre außerordentliche Härte und Grausamkeit bekannt war, sondern auch für die fehlende Differenzierung des Strafmaßes. Das Augenmerk der Richter lag lediglich auf den jeweiligen Untaten, den Beweggründen dahinter wurde hierbei keine Beachtung geschenkt.[2]

In dieser Zeit wurden zwei sehr verschiedene Texte veröffentlicht, welche sich beide auf dasselbe Referenzobjekt beziehen, den Fall und die Lebensgeschichte des Verbrechers Fridrich Schwan. Das erste Werk ist Der Verbrecher aus verlorener Ehre von Friedrich Schiller, welches 1786 erstmals veröffentlicht wurde, damals jedoch anonym[3] unter dem Titel Verbrecher aus Infamie, mit dem Untertitel Eine wahre Geschichte. Bis heute gilt Schillers Text als erste Kriminalerzählung, zumindest in Deutschland.[4] Beim zweiten Werk handelt es sich um eine Darstellung eben dieser Geschehnisse, geschrieben und publiziert von Friedrich Abel, Schillers Lehrer, welches 1787 veröffentlicht wurde und den Titel „Lebens-Geschichte Fridrich Schwans“[5] trägt. Beide Werke hatten die Mission das Warum hinter den Verbrechen des Fridrich Schwan zu beleuchten und sein Handeln dem Leser näher zu bringen. Jedoch geschieht dies auf sehr unterschiedliche Art und Weise.

Ziel dieser Arbeit ist es, beide Werke in ihrer Differenziertheit zu betrachten und die Auswirkungen eben dieser auf die Wirkung, welche der Leser erfährt, zu untersuchen. Es wird außerdem herausgearbeitet, welche Rolle der geneigte Leser annehmen kann. Das Hauptaugenmerk richtet sich hierbei aus Zeit- und Platzgründen auf Schillers „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“. Ein weiterer Grund für die Themenwahl ist, dass Schillers Prosawerke noch auf eine vertiefende Forschungsarbeit warten.[6] Dazu muss noch erwähnt werden, dass nur auf einige der wichtigsten Punkte eingegangen werden kann, und nicht sämtliche Unterschiede aufgezählt werden können. Dies ist ebenfalls der kürze dieser Arbeit geschuldet.

Zu Beginn werden die beiden Texte „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ und die „Lebens-Geschichte Fridrich Schwans“ kurz auf formaler Ebene verglichen. Im Anschluss wird sich einigen prägnanten Stellen, beginnend mit dem Vorwort, inhaltlich gewidmet. Denn sowohl die inhaltliche Bedeutungsweite, als auch die Differenzierung der Haupttexte, welche danach abgehandelt werden, kann nur dann in allen Facetten verstanden werden, wenn man zuvor die formalen Aspekte der Werke verinnerlicht hat.

Formaler Abriss und inhaltliche Analyse der Vorworte:

Was dem aufmerksamen Leser sofort ins Auge springt ist der Umfang der beiden Texte. Während der Text von Jacob Friedrich Abel ausführlich von allen Lebensstationen Fridrich Schwans erzählt, ist Schillers Werk deutlich gekürzt.

Des Weiteren unterscheiden sich die Beiden stark in ihrer Gliederung. So ist der längere Text von Abel in viele Kapitel, gekennzeichnet durch einzelne Überschriften, unterteilt. Die gekürzte Version von Schiller hingegen hat nur die Unterteilungen, die der Leser selbst trifft, doch darauf soll an einer anderen Stelle dieser Arbeit noch einmal eingegangen werden.

Beide Schriften verfügen über ein Vorwort, in dem sich der Erzähler explizit an den Leser wendet und ihn direkt anspricht. Schillers einleitender Text ist für ein Vorwort unverhältnismäßig lang, Abels Einführung hingegen kurz und knapp:

„Selten hat man Lebensbeschreibungen aus dem grossen Gesichtspunkt betrachtet, aus dem sie betrachtet zu werden verdienen“[7]. Er kündigt hier also an, dass er diesen Fall ausführlicher darlegen wird, als dies seinerzeit üblich war. Abel lässt den Leser in seinem Vorwort auch wissen, dass sein Werk eine lehrende Funktion innehat: „Der aufmerksame Leser lernt aus denselben nicht nur, welche Wirkungen auf bestimmte Ursachen folgen, […] kurz die Geschichte wird in diesem doppelten Sinn Schule der Weißheit“[8]. Abel hat also genau wie Schiller einen moralisch aufklärenden Anspruch, den er vermitteln möchte, doch gelingt ihm dies so gut wie Schiller? An dieser Stelle wird ein Ergebnis dieser Arbeit vorweg gegriffen, welches später noch einmal aufgearbeitet und verdeutlicht werden wird. Abel schreckt eher ab als dass er aufklärt. Abschrecken und Lehren, dies vermittelt sein Werk viel eher als Aufklärung - es ähnelt einem Erwachsenen, der mit erhobenem Zeigefinger vor einem unartigen Kind steht. Dies zeigt eindeutig der bereits zitierte Satz „welche Wirkungen auf bestimmte Ursachen folgen“ auf. Dies ist eine Lehre bezogen auf das Strafmaß, welches einen Straftätigen bei Zuwiderhandlung gegen das Gesetz erwartet, hat aber wenig aufklärerischen Nutzen.

Schillers Vorwort hingegen verhält sich zu Genanntem kontradiktorisch. Er klärt auf und bringt dem Leser die Geschichte des Verbrechers nahe. Dies wird durch mehrere Punkte deutlich. Auf formaler Ebene ist das Vorwort nicht durch eine gesonderte Überschrift vom Text abgegrenzt, der Übergang zwischen Vorwort und eigentlichem Text[9] ist vielmehr ein fließender, im Gegensatz zum vom Text abgegrenzten Vorrede von Abel. Schiller verweist in seinem Vorwort auf das erzähltheoretische Problem, dass der Leser in einer völlig anderen Gefühlslage ist als der handelnde Mensch. Diese müsse zuerst übereinstimmen, um Verständnis für den Verbrecher herzustellen: „Zwischen der heftigen Gemüthsbewegung des handelnden Menschen, […] daß es dem letztern schwer, ja unmöglich wird, einen Zusammenhang auch nur zu ahnden“[10]. Geschieht dies nicht, so kann die Geschichte weder belehren noch moralisch aufklären, sondern befriedigt lediglich die Neugier des Lesers[11], was aber nicht ausreicht um einen Gewinn aus dem Text zu ziehen.[12]

Doch zum Glück für den Leser zeigt Schiller in seinem Vorwort zwei verschiedene Wege auf um diese Distanz zu überbrücken: „Entweder der Leser muß warm werden wie der Held, oder der Held wie der Leser erkalten“[13].

[...]


[1] Friedrich Schiller, Der Verbrecher aus verlorener Ehre, Studienausgabe, hrsg. v.. Alexander Košenina, Reclam Verlag, Stuttgart 2014, S. 14.

[2] Vgl. Klaus Oettinger, Schillers Erzählung Der Verbrecher aus Infamie. Ein Beitrag zur Rechtsaufklärung der Zeit. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 16, Im Auftrag des Vorstandes hrsg. v. Fritz Martini, Walter Müller-Seidel u. Bernhard Zeller, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1972, S. 267.

[3] Vgl. Winfried Freund, Die Deutsche Kriminalnovelle von Schiller Bis Hauptmann, Schöningh Verlag, Paderborn, München, Wien, Zürich ²1980, S. 12.

[4] Vgl. Sophia Avgerinou, Aufklärerische Botschaft und Erzähltechnik in Schillers Der Verbrecher aus verlorener Ehre. In: German Life and Letters 68 (2015), University of Athens 2015, S. 4.

[5] Jacob Friedrich Abel, Lebens-Geschichte Fridrich Schwans, In: Friedrich Schiller, Der Verbrecher aus verlorener Ehre, Studienausgabe, hrsg. v.. Alexander Košenina, Reclam Verlag, Stuttgart 2014.

[6] Vgl. Avgerinou, Aufklärerische Botschaft und Erzähltechnik, S. 1.

[7] Abel, Fridrich Schwan, S. 57.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Schiller, Verbrech er aus verlorener Ehre, S. 12, Z. 12.

[10] Ebd. S. 10, Z. 3-8.

[11] Vgl. Oettinger, Schillers Erzählung, S. 266.

[12] Vgl. Schiller, Verbrecher aus verlorener Ehre, S.10, Z. 20-23.

[13] Ebd. S. 10, Z. 25-26.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Schillers "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" und Abels "Lebens-Geschichte Fridrich Schwans". Ein formaler und inhaltlicher Vergleich hinsichtlich der moralischen Aufklärung
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V341966
ISBN (eBook)
9783668317970
ISBN (Buch)
9783668317987
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Germanistik, Literaturwissenschaft, Schiller, Der Verbrecher aus verlorener Ehre, Aufklärung
Arbeit zitieren
Fabian Leingang (Autor), 2016, Schillers "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" und Abels "Lebens-Geschichte Fridrich Schwans". Ein formaler und inhaltlicher Vergleich hinsichtlich der moralischen Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341966

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